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Die Welt · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bie * weit14 Nr. 23 solut von Beschlüssen oder Ueberzeugungen unabhängige Tatsache der Natur handelt. Herr Moses H. kann frei entscheiden, ob er bei der jüdischen Religionsgesellschaft bleiben, ob er sich taufen lassen will, ob er den Schekel zahlen will etc., aber nicht, ob er zur jüdischen Nation gehören wiill. — Und deshalb halte ich im allgemeinen Diskussionen über den Begriff der Nationalität, wenn wir nicht geradezu dazu gezwungen werden, in Agitationsversammlungen für höchst überflüssig. Der Wortlaut unseres Programms bezeugt, dass wir die. Existenz eines jüdischen Volkes zur Voraussetzung unserer ganzen Theorie machen. In unserer gesamten Agitation suchen wir durch Klarstellung der historischen Entwicklung des Zionismus darzulegen, wie sehr wir auf nationaller Grundlage gewachsen sind. Durch unsere ganze Entwicklung liefern wir den besten Beweis für die lebenskräftige und lebenslustige Existenz unseres Volkes. Wenn aber nun jemand kommt und sagt: ich will die von (euch gewünschte Heimstätte in Palästina für die Gesamtheit der Juden schaffen helfen, ich halte aber diese Gemeinschaft für keine Volks-, sondern für eine Religionsgemeinschaft, — so werde ich zwar keine sonderlich hohe Meinung von der Logik dieses Herrn haben, aber ich werde keinen Anstand nehmen, seinen Schekel zu empfangen. Denn ich weiss einmal, dass ich ihn nicht über unsere nationale Grundlage irn Unklaren gelassen habe, ihn also nicht durch Täuschung angelockt habe, und ferner, dass er nur in den Voraussetzungen, nicht aber im Endziel von uns abweicht und so auch in seinem Handeln mit uns übereinstimmen wird. Viele Wege führen nach Zion. — Denken wir uns, in unserem Programme stände nicht ,,für unser Volk4', sondern .,für die 11 Millionen Juden1'. Nun käme jemand und behauptete, dass es nur 300 000 Juäen gäbe. Ich suche ihm das auszureden. — A;ber er bleibt dabei, erkennt selbst Herrn Dr. Nossigs Statistik nicht an und will absolut für diese 300 000 Juden, die Heimstätte schaffen. — Warum soll ich ihn nicht mitarbeiten lassen, wofern natürlich er das Teritorium nicht beschränken will? Nicht anders liegt es hier bei der nationalen Frage. — Fort mit den unglücklichen Doktorfragen! Für uns ist es eine ausgemachte Sache, dass wir Glieder des jüdischen Volkes sind. Wenn einzelne «Neulinee unter uns. die eben aus dem künstlichen Dunkel in die helle Sonne Zions treten, noch krampfhaft ihre Augen schliessen, so werden wir bald ihnen den Star stechen, werden sie bald ans Licht gewöhnen. Sie werden bald genug bei uns logisch geschult werden, um diesen Fehler abzulegen. — In dieser Richtung ist also meine Auffassung die: Jeder Schekelzahler muss wissen, dass er einer auf streng jüdisch-nationaler Auffassung beruhenden Organisation angehört. — dagegen ist ein Mangel an Verständnis dieser nationalen Eigenart, selbst ein persönliches Leugnen der Richtigkeit unserer Anschauung, kein Entfernungskein Ausschliessungsgrund. Damit hin ich auch am Ende meiner Darlegungen angelangt, die das Ziel hatten, die Mindestforderungen abzugrenzen, welche -wir bezüglich ihrer Anschauungen an diejenigen steifen müssen, welche von uns würdig erachtet werden, den Schekel zu entrichten, das Wahlrecht zum Kongress auszuüben. Damit sind gleichzeitig die Leitsätze für unsere Organisation gegeben. Ich erlaube mir diese dahin zusammenzufassen: „Bei der Propagierung des Zionismus ist die Darlegung des historischen Werdeganges der Bewegung und die na c h - d r ü c k 1 i c h e Betonung der nationalen Grundlage unserer Idee uneriässlich. — Es ist ferner ausdrücklich festzustellen, dass der Zionismus nicht für einen Bruchteil, sondern für die Gesamtheit der Juden arbeitet. — Der Schekel darf von denjenigen Juden entgegengenommen werden, welche sowohl die öffentlich-rechtliche Sicherung der angestrebten Heimstätte wie deren Errichtung in Päd ä s t i n a als wesentliche Bestandteile des Programms anerkennen, — auch über die nationale Grundlage des Zionismus unterrichtet sind . . Bericht über NationaHonds und Oelbaumspenden, Erstattet von Dr. Robert H a n t k e - Berlin. Es sind vom 15. Mai 3903 bis. 15. Mai, 1904 für den Nationalfonds aus Deutschland ca. 13 000 Mark eingegangen, für Oelbaumsrjenden ca. 600 Mark. Die Sammlung für Kischenew und Home], so weit sie durch die „Jüdische Rundschau" geleitet wurde, ergab 6500 Mark. Es wurden im ganzen 15 zionistische Institutionen und um den Zionismus verdiente Persönlichkeiten in das „Goldene Buch'4 eingetragen. Ausserdem werden noch 29 Konti, Eintragungen in das Goldene Buch betreffend, geführt. Nationa?lfonds.marken wurden für 300 Mark verkauft. Referent moniert, dass Eintragungen in das „Goldene Buch" angefangen werden, ohne dass eine Garantie oder zum mindesten eine Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, dass der Versuch der Eintragung auch zum Ziel führt. Es muss mehr denn früher darauf gesehen werden, dass die Eintragungen in das „Goldene Buch" der Wichtigkeit der Institution entsprechend behandelt werden. Von den eingegangenen Spenden fallen auf die ersten vier Monate des Berichtsjahres nur etwa 4000 Mark; es beruht dies auf den gleichzeitig inaugurierten Sammlungen für die Unglücklichen zu Kischenew, hinter denen natürlich die Sammlungen für den Nationalfonds zurücktreten mussten. Empfehlenswert wäre es, wenn die einzelnen Ortsgruppen die Beiträge längere Zeit sammeln, bevor sie sie an diiei Zentrale sendeji. Ausserdem ist es wünschenswert, dass die abzudruckenden Begleitworte möglichst prägnant und kurz abgefasst werden, da die „Rundschau' nicht dazu da ist, im Rahmen der Nationalfondsquittungen grössere, mehr oder weniger berechtigte Ergüsse der Einsender wiederzugeben. Referent gibt nun verschiedene Anregungen zur Propagierung d-er Nationalfondsidee. Er zeigt eine von der Wiener Zentrale übersandte Nationalfondsbüchse vor. Es sollen, von der Berliner Zentrale an die einzelnen Ortsgruppen Nationalfondsbüchsen verteilt werden, unter deren Verantwortung dann die Büchsen an die einzelnen Zionisten weitergegeben werden soilen. Sie werden zweimal im Jahre gesammelt, geleert und dann in der „Rundschau" quittiert. Ausserdem gibt Referent die von Wien übersandten „Sammelbögen" herum, ohne dass er sich jedoch allzuviel Erfolg hie von verspricht. Er fordert die Delegierten auf, in ihren Ortsgruppen für die Nationalfondsbüchsen zu agitieren. Resolutionen» Die Ortsgruppen Berlin, Breslau, München, Regensburg stellen den Antrag, dass der Delegiertentag folgende Resolution annehme: ,,Der deutsche Delegiertentag glaubt an deim in der letzten Sitzung des Distriktsbureaus für Rheinland und Westfalen von dem Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gestellten Antrag auf Zurücksteliltung des nationalen Gedankens in der Propaganda in Anbetracht der Bedeutung des Gegenstandes und der Stellung des Beantragenden nicht achtlos vorübergehen zu dürfen, sieht in der letzten Zeit in den Ln Erscheinung getretenen Symptomen eine Veräusserlichung der zionistischen Idee und hält es für die nächste und dringendste Aufgabe des deutschem Zionismus, die Erkenntnis unter seinen Anhängern zu verbreiten, dass die nationale Idee Anfang und Ende unserer Bewegung darstellt, dass der Zionismus eine auch die westeuropäischen Juden unmittelbar angehende Angelegenheit ist, und dass jede philanthropische Auffassung derselben sein Wesen vernichtet." Im Lauf der sehr lebhaften Debatte, in der Herr D. Wo Iff söhn-Köln durch seine Klarheit schaffenden Ausführungen glücklich eingriff, brachte der Vorsitzende folgendes vom Kaiser und König aus Potsdam eingegangenes Telegramm zur Verlesung: „Se. Majestät der Kaiser und König lassen den dort versammelten Zionisten für den Huldigungsgruss danken. Auf a.illerhöchsteri Befehl der Kabinettssekretär v. Lukanus." Die Verlesung des mit grosem Beifall aufgenommenen kaiserlichen Telegrammes begrüsste der Vorsitzende mit dem innigsten Dank. Letzterer hob den hohen Wert hervor, den dieses Telegramm für die zionistische Idee nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt besitze. Auch diese Erklärung wurde mit grossem Beifall aufgenommen. Bezüglich der Ostafrikafrage wurde dem Delegiertentag folgende Resolution unterbreitet: „Der Delegiertentag der deutschen Zionisten zu Hamburg fasst seine Stellungnahme zur Ostafrikafrage in folgende Leitsätze zusammen: Das Angebot der englischen Regierung ist als eminenter politischer Erfolg des Zionismus zu betrachten und in diesem Sinne freudig zu begrüssen. Da das Ziel des Zionismus Palästina ist und bleibt, hat die Kolonisation Ostafrikas mit unserem1 Programm und unseren Bestrebungen nichts zu tun. Als rein philanthropische Notstandsaktion dagegen verdient das Projekt wegen seiner Grösse ernstliche Erwägung. Unter diesem Gesichtspunkt aber hat nicht der Zionismus seine Ausführung in die Hand zu nehmen; seine materiellen und organisatorischen Mittel dürfen hier in keiner Weise festgelegt werden. Die Ausführung des Projektes ist vielmehr Sache der bestehenden oder zu gründenden jüdischen Kolonisationsgesellschatten, falls-sie überhaupt möglich ist. Indem der Zionismus so nur a'l's politischer Vermittler zwischen der englischen Regierung und den in Betracht kommenden jüdischen Instanzen fungiert, hat er nur seinen Einfluss auf die nationale Gestaltung des Unternehmens zu sichern. Versagen die Kotionisationsgesellschaften ihre Mitarbeit, so ist das Ostafrikaprojekt von Seiten des Zionismus fallen zu lassen." Die Resolution wurde zurückgestellt, bis der Bericht der mit Prüfung dieser Frage betrauten Kommission erschienen sei. Es folgten dann nach einigen internen Angelegenheiten als letzter Punkt der Tagesordnung die Wahlen und wird als Sitz des rieubegründeten Zentralbureaus Berlin bestimmt. Zum Zentralvorsitzenden der deutschen zionistischen Vereinigung

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