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Die Welt · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 23 „bie weit" Seite 9 wird einstimmig Dr. B o d. e n Ii e i m e r , als Zentrale Köln bestimmt. Als nächster Kongressort wird Breslau vorgeschlagen. Zum Vorsitzenden des Berliner Bureaus wird Dr. H a n t k e gewählt. Mit einem Dank an das Lokalkomitee und einem Hoch auf die zionistische Bewegung wird alsdann der De'legiertentag geschlossen. Parteitag der jüdischen Arbeiter und Handelsangestellten Oesterreichs. Am 22. und 23. Mai 1904 fand in Krakau der Parteitag der jü-uschen Arbeiter und Handelsangestellten statt Die Organisationen hatten d*m Parteitage mit grösser Spannung entgegengesehen, denn er sollte ein Markstein der jüdisch - proletarischen Bewegung werden. Er sollte nicht nur ein*n alle Organisationen vereinigenden Bund, sondern auch ein geistiges Band schaffen. Er sollte neue Anregungen für G^gen wartsarbeiten geben und d^n Gegenwartsaktionen aller Vereine eine Richtung vot zeichnen. Es war daher ganz selbstverständlich, dass die Beteiligung eine sehr rege war. Wir werden auf den Verlauf des Parteitages noch eingehender zu sprechen kommen, und geben heut« nur die Leitsätze des Referates: Unsere Stellung im Zionismus und zur Sozialdemokratie wieder: These zum Referat: Unsere Stellung im Zionismus und zur Sozialdemokratie. 1. Wir st-hen auf dem Boden des Ba-W-r Programmes und innerhalb des vom Kongresse geschafften OrganisationsrMhm^ns. 2. Wir erblicken im Zionismus keine Klassenpartei, sondern di» berufene Repräsentanz aller Klassen und Schichten d^s jüdischen Volkes, welche die Fortexistenz desselben durch Schaffung einer eigenen Heimstätte dauernd sichern wollen. Der Zionismus verlangt demnach von seinen Anhängern keineswegs, dass sie ihre Gesinnungen in sozialer B'Ziehung verleugnen. 3. Das jü ische Proletariat kann nicht als Objekt unserer Bewegung angesehen werden, sondern es nnuss Objekt und Subjekt, zigleich fein. Die zion'stische Politik kann u»;d darf darum nur e:ne demokratische sein, die alle in unseren Volksmassen vorhandenen Kräfte weckt, um sie in den Dienst unseres Endzieles zu stellen. 4 Die jüdische Arh it-r-chafr, welche infolge ihrer im Verhältnis zum arbeitslosen jüdischen Proletariat günstigeren Lage besonders berufen und befähigt ist, ein kräftiger Träger der zionistischen Idee zu sein, kann sich innerhalb des Zionismus nur in der Weise organisieren, dass sie politisch zionistisch dem Kongress unterstehend, in ihrer soz^l wirtschaftlichen Tätigkeit vollständig autonom sei. 5. Die Lage d^r jüdischen Arbeiter und Angestellten ist mit jener der nichtjüdischen absolut nicht identisch, weil das jüdische Proletariat nicht nur g^gen Ausbeutung zu kämpfen, sondern noch mehr durch die wirtschaftliche Verdrängung zu leiden hat. Aus diesem Grunde darf die jüdische Arbeiterschaft ihre wirtschaftlichen Organisationen nicht in den Dienst der sozialdemokratischen Partei stellen, welche diese Tafsach« verkennt, und deren Endziele für das jüdische Proletariat insolange von sekundärer Bedeutung bleiben müssen, als nicht durch ein eigenes Territorium eine normale Klassenentwickelung des jüdischen Volkes ermöglicht wird. Eine eventuelle Anerkennung der nationalen Autonomie für die jüdische Arbeiterschaft seitens der sozialdemokratischen Partei ist sowohl in wirtschaftlicher als natonaler Hinsicht vollständig wertlos. 6. Die auf zionistischer Basis aufgebauten und aufzubaurnden Arbeiterorganisationen werden alle sozialpolitischen Aktionen der Sozialdemokratie unterstützen, welche geeignet sind, die ökonomischen Interessen der jüdischen Arbeiter wahrzunehmen. 7. Die zionistische Arbeiterschaft wird nur jene p olitisc > en Aktionen der Sozialdemokratie unterstützen, durch welche die nationalen Interessen des jüdischen Volkes eine Förderung erfahren. Jüdischer Religionslehrertag in Lemberg/ Dieser wurde von «lern vor kurzem ins Leben getretenen Verband der jüdi-chen R^ligions'ehrer Galiziens einberufen und fand am 22. und 23 Mai statt. Er gestaltete sich zu einer der schönsten jüdischen Veranstaltungen der letzten Jahre. Mit Stolz dürfen wir es aussprechen, dass es in erster Reih* zionistische Lehrer waren, deren grü idLch gehaltene Referate und sonstig« Ausführungen allseits gewürdigt wurden, dass sich zionistische Lehrer um die Gründung des Verbandes tbento wie um die Tagung verdient gemacht, und dass echt jüdischer Geist die Reihen der Anwesenden erfüllte. Das Gros unserer Jugendbildner scheint endlich in jene Richtung einlenken zu wollen, die allein die sicherste Basis einer echt jüdischen Erziehung billet. - Nach einem Festgottesdierste versammelten sich die Delegierten und Gäste im grossen Sitzui gssaale der Kultusgeni">inde, wo sich unt r and^rm die meisten Mitglieder des Lemberger Kultusrates, Landau, Emil von M i s e s, die Rabbiner Dr. C a r o und Dr. G u 11 m a n n (Lemberg), ferner Dr. Braude (Stanislau), Dr. Taubeies (Tarnopol), Bezirksschulinsp ktor Bruch n als ky, die Mitglieder des zionistischen D.-K. und anderer zionistischer Organisationen eingefunden hatten. Nachdem Gg. Prof. Dr. Sch orr die Eröffnungsrede gehalten hatte, ergriff Dr. C z e s z e r namens des Lemberger Kultu-^vorstandes das Wort zu einer Begrüßungsansprache. Hierauf werden zum Vorsitzenden Dr. Sch orr, zu dessen Stellvertretern die Herren Dr. Taubeies und Kammerling, zu Schriftführern die Herren Balaban, Rubenzahl und Szyper gewählt. Nach Schluss der Vormittagssitzung begaben sich die Teilnehmerin das Schullokal behufs Besichtigung der höchst interessanten Ausstellung von Lehrbehelfen für den Religionsunterricht Dazu waren Objekte selbst aus Florenz, Frankfurt a. M.. Warschau u. a. gekommen. Gg. Rabb. Dr. Güttin an n hielt anlässlich der Eröffnung dieser Exposition eine geistvolle Ansprache. Der erste Nachmittag brachte zunächst die Referate des Religionslehrers Szyper (Lemberg) über „Pläne und Lehrbücher für Volksschulen und L^hrerinnenseminare", des Dr. Sch orr über Lehrbücher für Lehrerseminare und Weissberg (Stanislau) über Lehrbücher an Mittelschulen, worauf Rabb. Dr. Braude sein Referat über „Schule und häusliche Erziehung" erstattete. Hierauf folgte eine interessante Diskussion, in der die Majorität der Lehrer für die Vertiefung des hebräischen Unterrichtes als integrierenden Bestandteiles des Religionsunterrichtes warm eintrat. Am Abend fand eine gemütliche Zusammenkunft im Hotel „Bellevue" statt, wobei u. a. der Trinkspruch des A.-C.-Mitgliedes A. Stand grossen Beifall fand. Tags darauf sprach als erster Religionslehrer Majer Balaban (Lemberg) über „die Fortbildung der jüdischen Religionslehrera und beantragte zum Schlüsse die Annahme einer Resolution, welche dem Lemberger Kultusvorstande nahelegt, die 'nicht mehr entsprechende jüdische Gemeindeschule in ei« jüdisches Lehrerseminar umzuwandeln, um tüchtige Religionslehrer für die Zukunft zu sichern. Den nachmittägigen Verhandlungen wohnte auch der Vizepräsident des galiziscben Schulrates Hofrat Plazek bei. Zu heftiger Erregung kam es durch die Worle des Protestrabbiners Dr. Jecheskel C a r o. der gegenüber der Majorität behauptete, der Unterricht in Liturgie, Geschichte und hebr. Sprache sei minder wichtig, als der in jüdischer Ethik. Unsere Gesinnungsgenossen Dr. Braude, Balaban und Dr. Sch orr verabsäumten nicht, die gebührende Antwort zu erteilen. Es folgten die auf genauen statistischen Vorarbeiten aufgebauten, alle bisherigen Uebelstände genau kennzeichnenden Referate der Herren Dr. Hausner und Terner über die moralische und materielle Stellung der jüdischen Religionslehrer an Volks- und Mittelschulen. Sämtliche im Laufe beider Tage beschlossenen Resolutionen wurden behufs eingehender Beratung und Ausführung einer Kommission zugewiesen, worauf Prof. Dr. Schorr nach einem kurzen Resume' herzliche Abschiedsworte an die Versammlung richtete. Damit fanden die Beratungen ihren Abschluss. Ben Zion. ^Mbäpe. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nioht verantwortlich.) Die Wiener Zionisten, welche Sammelbüchsen für den N.-F. wünschen, werden gebeten, sich dieselben zwischen 4 bis 5 Uhr im Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9, abzuholen. Die N.-F.-Kommission für Oesterreich*

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