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Die Welt · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 flbi$ # W$lt" Nr. 23 und für alle die, welche mit ihnen leben wollen, ist von allen Juden, denen Jüdisches kein Gräuel ist, schon längst als nötig anerkannt. Ueber das , Wie * gehen allerdings die Meinungen auseinander. Soll das aber hindern, Institutionen, die eine friedliche Erwerbung des Landes bezwecken, aufs kräftigste zu unterstützen? Das wäre ein Widersinn. Und doch zeigt es sich, dass in dieser Sache fast gar nichts getan wird. Nicht nur, dass von einzelnen Gesellschaften und Privatpersonen ganz planlos und ohne gegenseitige Verständigung auf diesem Felde gearbeitet worden ist, nicht nur, dass noch immer kleinliche Missgunst und hochmütige Verblendung eine gemeinsame Aktion verhindern wollen — nicht einmal eine Institution, die ausdrücklich dem ganzen jüdischen Volke geweiht wurde, der jüdische Nationalfonds, der nur zum Ankauf des Landes dienen «soll, findet eine allgemeine Unterstützung. Wir können auch unseren Gesinnungsgenossen Vorwürfe nicht ersparen. Wenn, wie wir alle glauben, unsere ganze Zukunft mit der Wiedergewinnung des Landes so innig verknüpft ist, wie können sie es, wenn sie es ernst meinen, unterlassen, mit allen Kräften zu jeder Stunde für diese Erwerbung zu arbeiten? Man hat es ihnen wahrlich leicht gemacht, für den Nationalfonds zu sammeln. Man hat eine geradezu peinliche Kontrolle eingeführt, um auch die Misstrauischesten zu beruhigen. Man hat hunderterlei Vorschläge bekanntgegeben, wie neue Summen aufgebracht werden könnten, ohne dass die Lauheit uiserer Gesinnungsgenossen angestachelt worden wäre. Das kleine, zerrissene, ausgesogene, verarmte Preussen hat durch freiwillige patriotische Gaben in den ersten Monaten des Jahres 1813 in barem Gelde an 100.000 Taler aufgebracht. In den damaligen Verhältnissen eine recht ansehnliche Summe. Haben unsere Zionisten weniger Volksliebe? Wir verlangen keine heroischen Opfer, wie sie zu damaliger Zeit in Preussen vorkamen. Wir verlangen auch von unseren Frauen und Mädchen nicht, dass sie ihr herrliches Haar zugunsten des Nationalfonds verkaufen, wie dies in Preussen geschehen ist, aber ehrliche, andauernde Anstrengung dürfen wir erwarten, wenn wir nicht annehmen sollen, dass der Begeisterungsrausch bereits verflogen ist und dass man Worte macht und dem Tun sich entzieht. Es ist aber auch schwer begreiflich, dass unter Juden, die nicht unsere Gesinnungsgenossen sind, der Nationalfonds nicht mehr Unterstützung findet. Es mag das nur dadurch erklärlicher werden, dass von uns der Gedanke des Nationalfonds viel zu wenig propagiert wird. Man muss nicht Zionist sein, um eine Heimstätte für unglückliche, arbeitswillige und arbeitsfähige Menschen — und denen wird ja zuerst Land übergeben werden müssen — erwerben zu helfen. Man muss dazu nicht einmal Jude sein. Beweis dafür, dass es auch fromme, warmherzige Christen gibt, die unserem Nationalfonds Spenden zukommen lassen. Deshalb muss die Arbeit für den Fonds, der uns Land schaffen soll, energisch betrieben werden. Keine Gemeinde darf es geben, in der nicht für den Nationalfonds gesammelt wird. Bei etwaigen Kultuswahlen müssen unsere Gesinnungsgenossen dahin wirken, dass dort, wo es noch nicht eingeführt ist, in den Tempeln für den Nationalfonds gespendet werde. Ohne dieses Zugeständnis darf keinem Kandidaten eine zionistische Stimme gegeben werden, darf kein Kompromiss, kein Friede geschlossen werden. Die Landes Organisationen haben die Distriktskomitees und diese die Einzelvereine dahin zu instruieren. Die Beiträge der einzelnen Distrikte und Länder werden in gewissen Zeiträumen veröffentlicht werden, damit unsere Gesinnungsgenossen wissen, wo ernst gearbeitet wird und wo man es bei Reden bewenden lässt. Sage niemand, dass diese scheinbar rein materielle Aufgabe unserenidealenBestrebungennachstehe.Der Landhunger unseres Volkes ist ein tielbegründeter und auch vom idealsten Standpunkte bewunderungswürdiger. Wir müssen alles aufwenden, um ihn zu befriedigen. Darum müssen wir für den Nationalfonds arbeiten. Diese Arbeit wird auch den Nichtzionisten leicht verständlich und, wenn richtig erklärt, sympathisch sein, so dass sie dadurch auch angeregt werden, sich mit unserer Idee überhaupt eingehender zu beschäftigen. Unseren Gesinnungsgenossen wird das sichtbare Anwachsen des Fonds ein Ansporn sein, unseren Brüdern, die unserer harren, ein Trost in ihren Leiden; denn das Land wird sie zu den grössten Anstrengungen begeistern, wird sie von allen physischen, geistigen und moralischen Schlacken reinigen, wird sie erheben, ihnen die Möglichkeit geben, nach den höchsten Kulturgütern zu streben. Und wenn der Kampf auch lang und schwer sein sollte, es ist ja unser Land, um das wir ringen, es ist ja das Land! Das Land! W. Aus England. Wie ioh bereits im vorigen Briefe mitteilte, wurde am 19. 1. M. die Deputation der Londoner Juden von dem Unterstaatssekretär Mr. Thomas Cochrane empfangen, da der Staatssekretär Sir A k e r s - D o u g 1 a s verhindert war. Dia Deputation, von Lord Rothschild geführt, bestand aus Sir Samuel Montagu, Mr. D. L. A1 exander, Präsident des Board of Deputies, Mr. Claude Montefiore, Vertreter der Ica und Parlamentsmitglied für Whitechapel Mr. Stuart M. Samuel. Lord Rothschild stellte die Deputation vor und legte ihre Wünsche und ihre Einwände gegen die projektierte Fremdenbill dar. Als Mitglied der vorbereitenden Kommission, führte er aus, sei er zwar in gewisser Hinsicht für die Regulierung der Einwanderung, stimme aber mit Sir Kenelm Digby darin überein, dass dies nur nach amerikanischem Muster gemacht werden müsse. Die von der Bill vorgeschlagenen Massregeln, die polizeiliche Beaufsichtigung der Einwanderer usw. seien Englands nicht würdig. Die jüdische Gemeinde tue alles mögliche, um selbst die .unerwünschten Juden" fortzuschaffen, und wolle sich durchaus nicht über die Einwanderung von Juden beklagen, trotzdem sie ihr zur Last fallen. Sie hafte dafür, dass während der ersten zwei Jahre der eingewanderte Jude seine Existenzmittel finden wird, ohne von öffentlicher Unterstützung zu leben. Mr. Alexander brachte im Namen des Board of Deputies eine Reihe von begründeten Einwänden gegen die Bill und die einzelnen Paragraphe vor. Die jüdische Gemeinde habe zwar mit Vergnügen die Versicherung des Ministerpräsidenten entgegengenommen, dass die Bill nichts mit dem Antisemitismus zu tun habe. Die Bill berge jedoch eine grosse Gefahr sowohl für die Juden Russlands und Rumäniens, die sich nach England flüchten, als auch für England, wo zum erstenmale solche PolizeiverOrdnungen nach dem schlimmsten kontinentalen Muster eingeführt werden. Er kritisierte dann eingehend die einzelnen Paragraphe, so § 2, (von dem Rechte des Beamten, jeden beliebigen Einwanderer, der ihm aus irgendwelchem Grunde missfällt, in die Klasse der im Paragraph vorgesehenen „Unerwünschten* einzureihen und ihm die Landimg zu verbieten.) Dann bekämpfte er den Paragraph, wonach jeder Einwanderer einen JJeisepass haben müsse, welche Bestimmung die armen

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