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Die Welt · 1904-06-03 · 23 (3.6.1904) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—72I2 Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Ro7imcni°aicfi" Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.-—. Für das Ausland: IJU£ll|jOjJI ÜIOC. Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. S.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R, 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr, 23. Wien, 3. Juni 1904 — 20. Sivan 5664. 8. Jahrgang. Das Land. Mit der Ausbreitung unserer Idee und dem Erstarken unserer Organisation halten nicht alle von uns geschaffenen Institutionen gleichen Schritt. Wir wissen ganz gut, dass in der Verhältnissenässig kurzen Zeit einer geordneten Arbeit nicht alles getan werden konnte. Gleichwohl müssen wir uns über die Tatsache selbst klar sein, damit wir wissen, wo unsere Arbeit besonders einzusetzen hat. Auf einen solchen Punkt soll heute besonders hingewiesen werden. Es handelt sich um die lange nicht genügend gewürdigte Bedeutung unseres Nationalfonds und damit um die Erwerbung der von uns als unumgänglich notwendig erkannten Heimstätte. Wenn wir uns fragen, woher dieses Zurückbleiben stammt, so müssen wir vor allem unserer ungenügenden Propaganda die Schuld beimessen. Unsere Agitationsarbeit bietet allerdings genug Schwierigkeit, und unsere Gegner ermüden oft unsere Geduld in hohem Grade. Die am schwersten zu Gewinnenden sind unsere zum grossen Teile entjudeten Reichen. Sie fühlen sich durch unser Auftreten besonders beunruhigt. Das eine vor allem trifft sie schmerzlich: dass wir es offen sagen, dass die behäbige Ruhe, die sie so gerne sich und anderen zeigen, die Festigkeit, mit der sie an ihrem Standort zu wurzeln meinen, nichts ist als leerer Schein. Eine Stunde der Erregung ihrer Umgebung kann das schöne Gebäude des Wohlbehagens, das sie sich, hübsch fern von ihrem Volke, zurechtgezimmert haben, zerstören, als wäre es nie gewesen. Sie fühlen das ganz wohl, denn dem äusseren Glänze ist keine innere Befriedigung gesellt. Trotzdem lachen sie aller Warnungen und schelten uns törichte, unpraktische Idealisten. Nicht, weil sie sich selbst für so stark halten, spotten sie, sondern weil sie der „Zivilisation des XX. Jahrhunderts" trauen, dessen technische, materielle Fortschritte sie für das Um und Auf der „Zivilisation" halten, weil die Phrasen von Kultur und Menschlichkeit hr nur einseitig geschultes Denkvermögen im Banne halten, und schliesslich, weil es den meisten von ihnen unnötig scheint, zu einem Kampfe zu rüsten, dem sie ja ohnedies durch Verlassen des bedrängten Lagers eptgehen zu können hoffen. Denn andere Juden, als solche nur mehr halb zu uns Gehörige, können gar nicht unsere Gegner sein. Man will allerdings unseren Frommen einreden, dass wir etwas gegen das Judentum tun, wenn wir die edlen Herren von Mainz und anderswo, die in ihrer bescheidenen Frömmigkeit nur sich für die Gerechten und alle anderen für Sünder halten, nicht als die Führer und Richter in Israel anerkennen mögen. Das ist ein tölpelhafter, aber von den Herren Extrafrommen nicht zum erstenmale gemachter Scherz, auf den nur die Einfältigen hineinfallen. Wenn irgendein fanatischer Hetzer die Religion, die er nur im Grobsinnlichen erfassen kann, mit wütendem Geschrei „beschirmt", so ist das allerdings für uns ein widriger Anblick und wir halten mit unserer Meinung über ihn ebensowenig hinter dem Berge, als mit der über die christianisierenden Prediger israelitischen Glaubens. Aber mit unserem Widerstand gegen solche Schädlinge, die anekelnde Karrikaturen wahrer Religiosität darstellen, hoffen wir den von ihnen Beherrschten und dem Judentume überhaupt sogar einen grossen Dienst zu erweisen! Und die Einsicht, dass dies der Fall ist, beginnt sich auch unter den Frömmsten zu verbreiten. Dass wir nicht heucheln, dass wir ihre von der unsrigen verschiedene Anschauung respektieren, haben ihnen bereits achtungswerte Genossen, die in unseren Reihen als wackere Kämpfer stehen, wiederholt beteuert. Dass man auf diese achtungswerten Männer, nur weil sie dem Zionismus anhängen, aus den Kloaken des verkniffensten Fanatikertums Kot wirft, wird alle Ehrlichen erbittern. Wir sind überzeugt, dass unsere wahrhaft Frommen unsere Bundesgenossen sein werden. Was nun die Ersterwähnten unter unseren Gegnern betrifft, so haben wir von ihnen wenig zu hoffen. Auf die grosse Menge derjenigen aber gilt es einzuwirken, die den Grossjuden der verschiedenen Länder in blindem Gehorsam folgen. Ihnen müssen wir klar machen, dass es aus der grossen Misere nur einen Ausweggibt: Nationale Wiedergeburt und den Boden, auf dem sie vor s i c h g e h e n kann, unserer Väter Land, das Land unserer Helden, das Land kurzweg. Die Wiedergewinnung des Landes aber für unsere Brüder, die überhaupt keine Heimstätte haben,

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