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Die Welt · 1904-05-27 · 22 (27.5.1904) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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Nr. 22 „Di* j> W^lt Seite 15 Jehudo Epstein. Auch er ein Gewinner des ruhmvollen Beer- Preises mit dem Kranze. Nach einem Wege, wie viele seiner engeren Genossen, Wilnaer Zeichenschule zuerst, dann Wiener Akademie, über sich lange die harte Faust des Schicksals. Hat sich und seine Ideale von der Not nicht unterkriegen lassen und hat sich beharrlich zur Berühmtheit durchgearbeitet. Hat den Juden, der er stolz und ganz ist, als Künstler durch mehrere grosse Werke quittiert, denen wir monumentale Bedeutung beimessen. Zu zweien davon sahen wir auf dem V. Baseler Kongresse die Skizzen: Matathja an der Leiche des Syrers, die Seinen zum Kampfe aufrufend. Auf dem zweiten Hiob, den kranken Hiob im Kreise seiner Freunde. Das ist im innersten Wesen symbolistisch gemalte Geschichte der Juden in ihren zwei grossen Etappen: Ihre heldenhafte Vergangenheit zu Hause, und ihr leidvoller Zusammenbruch bis zur Grenze, wo nur die Seele lebt. Dann gab er uns eine herrlich entworfene biblische Landschaft, gewaltig in ihren Zügen wie eine Donnerrede Jesajas, mitten drin ein zu Tode Gesteinigter als Frevler am Worte Gottes. Als Gegenstück ein Gräberwinkel am Friedhofe zu Hornel, wie ein Kapitel des klagenden Jeremias, und unter den dürftigen Hügeln liegen vielleicht gerade die, die gesteinigt wurden von den Frevlern an göttlichem Gesetze. In allen diesen Werken verbindet sich eine meisterhafte Ausführung mit einer lebendig packenden Auffassung, um den Beschauer mitzureissen, und so oft sie zu sehen waren, brachten sie dem Künstler reichste Anerkennung. Der Charakter seines oft gewürdigten Talents zeigt aber bei einer anderen Art malerischen Vorwurfs Epsteins hervorragende Stärke. Das sind seine Landschaften aus dem Süden, Bei ihrem Anblick wurde Iphigenias Wort in uns gerufen: „Das Land der Griechen mit der Seele suchend". Seine Seele hat es gefunden, woraus es eigentlich gemacht ist, das Mekka der Schönheitssucher, das südliche Gestade! Und in den vielen Formen, die er davon geschaffen, liess er seine Entdeckung meisterhaft auf uns einwirken. Epstein gibt uns darin die züngelnde, brennende, flirrende Sonne wieder, eine reissende Flut von Licht, die den Menschen sich dem Himmel näher fühlen lässt, die Sonne des Südens, die die Farben verzehnfacht auf den Blumen, und den Verfall der Häuser mit weissem Lichte zudeckt und jede Trauerfarbe siegreich auflöst. Diese Lebensquelle bannte der junge Meister auf seine Leinwand und seine Wiedergabe davon erhob er zur unnachahmlichen, wuchtig wirkenden Täuschung. Er hat die Staffage davon wiederholt geändert, alle diese Bilder sind aber nur Variationen über Epsteins Meisterwerk: Die Sonne des Südens. Wie zum Vergleich dazu hat er landschaftliche Sujets aus Mitteleuropa danebengehängt und Häuser und Strassen in abendlich künstlichem Lichte. Ein Unterschied liegt nur im Objekt, nicht in der Behandlung. Denn wo Lichtwirkung herzugeben ist, steht Epsteins Meisterschaft über aller Frage. Sein Erfolg hierin soll aber zu keinem Unrecht führen in der Betrachtung seiner übrigen Leistungen. So viele Bilder von ihm zu uns herumgedreht werden, so oft wird unsere Empfindsamkeit angenehm getroffen. Bei seinen prachtvollen Porträts streitet keine angeblich künstlerische Seltsamkeit gegen die Natur, und auf allen Gesichtern liegt der ausdrucksvolle Widerschein eines inneren Lebens. In zwei Kompositionen, die wir noch sauen, hat sich der Maler eine philosophische Ironie geleistet. Eine Italienerin sitzt in prächtigem plein-air auf einem Stuhle, und in ihren Schoss hat ein Knabe den Kopf versenkt, von dem ihm die Frau etwas abliest — keine Gedanken natürlich. Es liegt toller Humor darin. Als Pendant dazu fanden wir eine Szene aus der Armesünderzelle, und alle menschliche Trauer liegt über den beiden Gestalten, des gefesselten, gebrochenen Mörders und des Priesters, der ihm Mut zuspricht. Tiefe Nacht ringsum und nur eine kümmerliche Lampe. Verlöschende Flammen — verlöschendes Leben . . * so schauerlich, als es echt gemacht ist. Ein Tierstück — Büffel an der Tränke — wollen wir noch erwähnen, weil es so gut ist und uns damit zeigt, dass Epsteins Talent in seiner Wirkung allmächtig ist. Das letzte ist auch der Grund davon, dass wir nur an wenigem zeigen konnten, wieviel dieser Maler kann. Denn seine Werke sind bei Privaten und in Ausstellungen gleich beliebt. Jetzt gerade schwimmt ehvas davon nach St. Louis zur Weltausstellung und wird ihm zweifellos noch eine Bestätigung eintragen, dass man seine Kunst überall bewundert. (Fortsetzung folgt.) J. Upfimny. Elsa Lilienthals Entschluss, Von Max Aram. Vor einiger Zeit erschien ein Büchlein der bekannten Schriftstellerin Marie von Bunsen: „Allerhand Briefe41. (Berlin, G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung.) Diese Sammlung von Novellen und Skizzen war in unserer sensationslüsternen Zeit nicht geeignet, ein besonderes Aufsehen zu erregen; stofflich bot das Buch nichts Ueberraschendes; auch die künstlerische)! Qualitäten, die Charakteristik und der (übrigens sehr gefeilte und flüssige, aber nicht allzu eigenartige) Stil hoben das Büchlein nicht über die Höhe einer vornehmen, akademischen Kunst- Übung hinaus. Aber unter den Novellen könnte die eine, „Elsa Liliienthals EntschLuss*', gar woihl bei zionistischen Lesern ein geradezu brennendes Interesse hervorrufen. Diese Novelle schildert iein jüdisches junges Mädchen von 26 Jahren, das in einem prächtigen Tiergartenhaus aufwächst. Alles Häss liehe, Kleinliche und Gemeine ist ihr stets fern geblieben. Sie lebt in einem ästhetisch hoch gesteigerten Dasein; alles, was interessant und bedeutend ist, wird dieser bevorzugten, vornehmen jungen Dame zuteil: die besten NachscMagebücher, die ausgesuchtesten Zeitschriften. Sie reisen zur Champ de Mars-Ausstellung, zur Münchener Sezession, zum „Parzival" nach Bayreuth, nach Weimar zu einer viel versprechenden Goethe-Feier, nach Bremen zum Rubinstein - schien „Christus", und nach London zu den „Arts and Crafts". Aus diesem üppigen, überverfeinerten Dasein soll nun Elsa Lilienthal herausgerissen werden. Ihr Onkel Breslauer, dem sie seinen grossen Haushalt geführt hatte, musste in einer Nervenheilanstalt untergebracht werden, und sein grossartiges Vermögen ging durch eine gar nicht vorherzusehende, fabelhaft ungünstige Verknüpfung der Umstände, denen es zum Opfer wurde, verloren. Wenn das Mobiliar und die Kunstschätze (ein Böcklin, ei>n L. von Hofmann, ein Rodin und eine HUdebrand'sche Büste) verkauft wurden, blieb vermutlich nur genug, um die Zukunft des Onkels in der Anstalt sicher zu stellen, und von Elsas Vermögen blieben nur einige Tausend Mark Kapital. Von den Verwandten ein Gnadengeschenk anzunehmen, wäre ihr schrecklich, und ganz unmöglich wäre ihr, sie darum zu bitten. Andere, vortreffliche Verwandte wollten sie als Tochter zu sich ins Haus nehmen; aber Lisa ist es klar geworden, dass sie in dieser engen, ärmlichen Welt umkommen würde. In dieser Krisis wird nun das verwöhnte Mädchen so haltlos, so zerfahren, so rat- und hilfsbedürftig. Siie sehnt sich, an Stelle ihrer losgelösten, befreiten Ueberlegenheit nach einem Stab, auf den manche sich gestützt hatten, der schon manchen Trost und Hilfe gebracht hatte. Sie möchte nur glauben und sich dem Geglaubten blindlings unterwerfen. Sie will eine Synagoge an de»r Potsdamer Brücke

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