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Die Welt · 1904-05-27 · 22 (27.5.1904) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Nr. 22 „bie # w^it Seite 13 $fas der JJe^egüoä- Gedenket des Schekets! Telegramm vom Parteitag der deutschen Zionisten. Hamburg. Der während der Pfmgstfeiertage abgehaltene Delegiertentag der deutschen Zionisten, an dem 101 Delegierte teilnahmen, nahm einen glänzenden Verlauf. Das Zentralbureau wurde nach Berlin verlegt. In der öffentlichen Versammlung, die anlässlich des Delegiertentages stattfand, 'sprach Dr. Klee unter riesigem Beifalle, in der Diskussion Dr. L o e w e gegen den Kontraredner Ri'öger. Grosser Beifall. Ueber 1500 Personen nahmen an der Versammlung teil1. Eine grosse Anzahl meldete den Beitritt zur Ortsgruppe an. Voranzeigen. Wien. Der Mädchenverein „Moria" veranstaltet Sonntag den 29. d. M. einen Ausflug nach Neu waldegg, von dort weitere Fusspartien. Zusammenkunft l1/, Uhr nachmittags, I., Liebenbergplatz. Gäste herzlich willkommen. Wien. Ueber Einladung des Mädchen Vereines „M oria" hält Herr M. Berkowitz einen Cyklus von Vorträgen über „Die Geschichte der neuhebräischen Literatur* jeden Dienstag abend von 8—9 Uhr ab. Der nächste Vortrag findet Dienstag den 31. d. M. im Kongressbureau statt. Gäste herzlich willkommen. Berichte. Wien. („Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter Leopoldstad t*.) Unter zahlreicher Beteiligung fand Sonntag den 22. Mai 1904 eine Exkursion ins israelitische Blindeninstitut, XIX., Hohe Warte, statt. (N.-F.?) Frl. Fuchs übernahm die Führung und zeigte uns-zahlreiche schöne und kostbare Arbeiten der Zöglinge. Bielitz. (Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Emunah".) Chargenwahl für 1904|5. N.-F? Präses jur. S. Allerhand, Vizepräses jur. L. Citrin, Schriftführer jur. A. Geller, Kassier jur. H. Rosenberg. Berlin. Die „Jüdisch-nationale Frauenvereinigung' hielt am Dienstag, den 26. April ihre diesjährige Generalversammlung ab. N.-F.? Die Vorsitzende, Frau Lina Wagner-Tauber erstattete in kurzen Zügen Bericht über die Tätigkeit des Vereines im verflossenen Jahre. Das Sommerhalbjahr brachte drei Vorträge, doch konzentrierte sich die Tätigkeit der Vereinigung während dieser Zeit auf die Ferien austrüge. Es gibt auch wohl kaum eine dankbarere Aufgabe, als mittellosen Kindern Gelegenheit zu verschaffen, der dumpfen Stubenluft zu entfliehen und sich tüchtig im Freien zu tummeln. Es wurde einstimmig beschlossen, auch in diesem Jahre für die Ausflüge zu wirken. Wohl noch nie hatte sich die Vereinigung ein so reiches Arbeitsfeld eröffnet, als im Winter 1903/1904. Nicht nur, da<s in jedem Monate zwei Vorträge von bewährten Rednern gehalten wurden, auch in anderer Weise sorgte der rührige Vorstand für die geistige Entwicklung und Fortbildung des Vereines. Mit gerechtem Stolze darf die Vereinigung auf die Erfolge der Unterrichtskurse in hebräischer Sprache, jüdischer Geschichte und Literatur und — last not least — auf die Diskussions - Abende sphen, die für alle Teilnehmer eine Quelle wahrer Freude waren. Der öffentliche Vortrag von Frau Regina Holländer über „die Geschichte der Juden in Polen" und der Vortrag von Frl. Esther Margarethe Jacobsohn über ,,Die Frau und der Zionismus" waren Produkte dieser Diskussions-Abendp. Auchder Geselligkeit für Gross und Klein wurde der gebührende Tribut entrichtet. Das ,.Kinder Makkabäerff st" im Dezember v. J. versammelte 265 Kinder zu flöhlichem Spiel und im März d. J. fand ein Unterhaltungsabend statt. Nach beendetem Berichte wurde zur Wahl geschritten. Dieselbe ergab folgendes Resultat: Frau Lina Wagner-Tauber L Vorsitzende, Frau Regina Holländer II. Vorsitzende, Frl. Adele A Ii fei d I. Schriftführerin, Frau Else Natansohn II. Schriftführerin. Frl. Regina Krucz Kassierin, Frl. Fromm und Frl. Jacobsohn Kassenrevisorinnen, Frau Samson und Frau Dr. Hoffmann Beisitzende. Newyork. Radikal-nationaler Verein „Poale Zion". Seit der Gründung ist jetzt ein arbeitsreiches Jahr verflossen, in welchem zahlreiche Massenversammlungen zugunsten unserer Idee stattfanden. Die Notwendigkeit eines eigenen Journals erwies sich aber immer mehr als Bedürfnis für eine ausgebreitete Agitation. Dieses tritt am 24. ds. ins Leben, was mit einem grossen Volksfest gefeiert werden wird. Bs wird nDie neue Stimme" heissen. Der Verein veranstaltet Konferenzen aller zion.. Vereine Newyorks und Umgebung zwecks Einsetzung eines grossangelegten N.-F.- Komitees. Der Verein ist sehr tätig und arbeitsfreudig, Sekretär ist Herr L. Feismacher, 304 oth c/b str..Blumberg. Fersonalnach richten. Am 31. Mai findet in Chodoröw, Hotel Teichmann, die Trauung unseres geschätzten Gesinnungsgenossen Herrn Elias Landau mit Ghana Holländer statt. — Gg. Max Eisler wurde am 19. Mai d. J. an der k. k. Universität Wien zum Doktor der Philosophie promoviert. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau Zwei Werke über Religion. Rabb. Dante A. Lattes. Ottre I' Umano, T r i e s t e 1904. Der Verfasser dieser Schrift, die den Titel „Jenseits des Menschlichen* trägt, gibt uns zwei Abhandlungen, über das Gefühl bei den Juden und das .Jenseits". Der Verfasser ist ein Schüler von Benamozegh, des bekannten Livorneser Rabbiners und Mystikers. Benamozegh wollte bekanntlich den Neokabaiismus begründen und durch denselben das Judentum mit der Wissenschaft versöhnen. Dieser Versuch ßenamozeghs hat die erbittertste Gegnerschaft S. D. L u z z a 11 o s hervorgerufen, der von der Einbürgerung der Mystik im Judentum nichts wissen wollte. Benamozegh hat aber manche Schüler hinterlassen, die sein Werk fortsetzen, in seinen Spuren wandeln. Und einer von diesen ist Rabb. Dante Lattes. In seinen zahlreichen Schriften und Broschüren befasst er sich mit dem religiösen jüdischen Problem und bestrebt sich, dasselbe zu vertiefen und zu modernisieren. Er fasst die Moderne aber ziemlich eigenartig auf. Anstatt nach dem positiven Gehalte der modernen Wissenschaft zu forschen, anstatt sich an die eigentlichen Vertreter der Moderne, z. B. Häckel, Nietzsche usw., zu wenden, schliesst er sich jenen modernisierenden Klerikalen, die mitBrumetiere an der Spitze der Wissenschaft den Krieg erklären an, um sich in den Schoss der Mysterien oder der Religion zu flüchten. Dante Lattes sucht in der zweiten der genannten Abhandlungen „Jenseits* zu beweisen, dass das Judentum sich keineswegs mit den Theorien des Animisten Aksakows und ähnlicher Jünger der okkulten „Wissenschaften u in Konflikt befinde. Es wäre überflüssig, auf die allgemeinen Gründe des Autors, die er zum Schutze des Mystizismus und derJenseitstheorien anführt,hier einzugehen. Wenn auch die ernste moderne Forschung erklärt, die Tatsachen des Spiritismus nicht völlig erklären zu können, so hat sie über die Folgerungen, über die phantastischen Schlüsse, die man aus diesen Tatsachen zieht, längst den Stab gebrochen. Oder meint etwa der Verfasser, dass das Judentum dadurch plausibler, moderner sein wird, wenn er diese oder jene Stelle im Talmud nachweisen wird, worin vom Jenseits usw. gesprochen wird? Die erstere der beiden Abhandlungen bespricht das Gefühl bei den Juden. Nun, die Ausführungen sind sehr schön, die Sprache ist stilistisch meisterhaft gehandhabt, aber zum Schlüsse fällt er doch in den süsslich-mystizierenden Ton ein. Der Zionismus als Volksbewegung einerseits, als eine Bewegung, die „uns verjüngt, uns stärkt, die Quellen unseres inneren Lebens erneuert, die die Renaissance unserer Kunst und Literatur inauguriert* (S. 16) und andererseits der Zionismus eine Utopie genannt, eine Wohltätigkeitsbewegung für „unsere Brüder" (15), einerseits eine starke nationale Bewegung, andererseits die jüdische sittliche „Mission" als das »einzige Ziel unseres nationalen Lebens" (10), das sind Gegensätze, zu deren Versöhnung ein grosser Eklektizismus gehört. Dieser Eklektizismus ist übrigens auch dem Meister selbst, Benamozegh, wie auch allen übrigen modernisierenden Mystikern eigen. — Stilistisch sind aber die zwei Abhandlungen geradezu meisterhaft. Eine solche Fülle der Bilder, ein solcher beinahe rythmißcher Wohlklang der Sprache, die ja schon an und für sich so melodisch und so fein ist. —- Louis-Germain Levy, Rabbiner in Dijon, will das Judentum von einer ganz entgegengesetzten Seite betrachten. Sein lesenswertes Büchlein ist betitelt: Une religion rationelle etlaique. La Religion du XXe Siecle (Dijon 1904). Für ihn, der gleichfalls von den Voraussetzungen ßrunetiöres und Buissons ausgeht, dass die positive Wissenschaft nie und nimmermehr dem menschlichen Gemüte auf alle Fragen eine befriedigende Antwort geben wird, wird das Judentum, das seiner Ansicht nach die

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