Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 22 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „bie * weit Nr. 22 betrug 3150 (um 109 weniger als im Jahre 1902); Legitimierungen 127 (um 22 mehr); Todesfälle 1847 (um 153 weniger); Austritte 638 (um 8 weniger); Uebertritte 105 (um 7 mehr). Wie .gross die Armut unter den Krakauer Juden ist, zeigen folgende statistische Angaben der „Hamizpah": In-Krakau (ohne Podgorze etc.) leben 27 000 Juden, ungefähr 5000 jüdische Familien. fiievon erhielten anlässlich der jüngsten Pessachtage 1490 Familien Unterstützungen sowohl in Geld, als auch in Naturalien. Bloss Geldunterstützungen, ohne Mazzoth, erhielten 700 Familien, so dass zusammen rund 2200 Familien, also ungefähr die Hälfte der Gesamtzahl, aus der Kassa der jüdischen Gemeinde unterstützt werden müssen. Hierzu muss noch jene grosse Anzahl von Familienhäuptern gerechnet werden, die von dem Bethause oder der Klaus unterstützt werden, welchen sie angehören. Aus der angeführten Zahl sind auch die alleinstehenden Greise, Greisinnen, Witwen und Waisen — ungefähr dreihundert — ausgeschlossen, welche während der acht Pessachtage ganz auf Kosten des Gemeindesäckels im öffentlichen Speisehause gespeist wurden. Jüdische Abbrändler. Der Brand, der das galizische Städtchen Delatyn fast zur Hälfte zerstörte, hat besonders die jüdische Bevölkerung geschädigt, denn der abgebrannte Stadtteil war fast ausschliesslich von Juden bewohnt., Der Wirt Chaim Bittmann kam, als er seine Habe retten wollte, im Feuer um. Ueber 2000 Personen sind ohne Obdach und leidien am Nötigsten Mangel. Hoffentlich wird sich die öffentliche Wohltätigkeit der Unglücklichen annehmen. Devastierung eines jüdischen Friedhofes. Aus Rache darüber, dass sie aus dem Schanklokal des Ignatz Weinmann hinausgeworfen worden waren, verwüsteten mehrere Burschen aus Spytkowice auf dem jüdischen Friedhofe in Chrzanow eine grosse Anzahl Gräber, zertrümmerten die Grabsteine und demolierten stellenweise die Friedhofsmauer. Erst als die Gen-f darmerie anrückte, flüchteten die Burschen, doch gelang es, zwei derselben, Szibulka und Ledwoy, festzunehmen. Von den Lemberger Kultus wählen. In Lemberg waren von der herrschenden Klique alle Anstrengungen gemacht worden, um für das jetzige System womöglich ein einstimmiges Votum der Wählerschaft zu erzielen. Trotz der unglaublichsten Chikanen wurden aber dennoch in der 3. Kurie 137 Stimmen für die zionistischen Kandidaten abgegeben. Da die Gesamtzahl der giltigen Stimmen 443 betrug, so hat also übeir ein Drittel der Wähler zionistisch gestimmt. Oberkantor Gerson Weiss ist am 23. v. M. in Buk er est im Alter von 68 Jahren gestorben. In Miskolcz in Ungarn gebürtig, war er zuerst dort, dann in Grosiswardein Kantor, bildete sich dann unter Suizer aus und erhielt eine Berufung nach Bukarest, wo er 36 Jahre wirkte. Mit seiner verdienten Berühmtheit als Kantor hielt sein Ruf als Wohltäter gleichen Schritt und ganze Stadtviertel verehrten in ihm ihren Schützer und Beistand. Der Tag seiner Beerdigung, der 26. April, gestaltete sich denn auch zu einem Tra/uertage für die ganze Stadt. Hoch und Nieder folgte nach einer imposanten Trauerfeier im Tempel seinem Sarge, so dass zeitweise der Verkehr stockte. Alle jüdischen und auch viele christliche Geschäfte waren gesperrt. Man will dem Verstorbenen ein Denkmal setzen und eine Stiftung auf seinen Namen errichten. Von den türkischen Juden. Der Konstantinopeler Kultusvorstand hat mit einem alten Herkommen gebrochen und hält seine Sitzungen nicht mehr geheim ab. Nun berichtet die Zeitung „Ei Tiempo" über die bisher unbekannten Steuerverhältuisse, dass diese durch die einzelnen Bezirkskommissionen reguliert wurden. Von den 5—6000 Juden Konstantinopels haben früher 400 Steuerpflichtige 7300 Frcs. gezahlt. Jetzt zahlen nach einem neuen Statut 1280 Steuerzahler 19 351 Frcs. Der Kanal revidiert Jetzt auch die alten Legate, die unbeweglichen Vermögen, die im Laufe der Zeiten von den Nachkommen der ursprünglichen Stifter widerrechtlich wieder zurückgenommen wurden. Das Seminar der Gemeinde soll ein neues Gebäude erhalten. Schenkungen an Ausrüstungsgegenständen für die Armen sind derzeit in der Türkei im Schwange und die Juden nehmen daran lebhaften Anteil. Die Wiener jüdisch-türkische Gemeinde hat zum selben Zwecke 75 000 Piaster gesammelt. Baronin und Baron Rothschild waren in einigen Levantehäfen zum Besuch und. haben u. a. den jüdischen Gemeinden Saloniki 15 000 Fcs., Smyrna und Rhodus je 35 500 Frcs. als Andenken zurückgelassen. Die jüdische Gemeinde Smyrna hat die Ermächtigung erhalten, für ihre projektierten Wohlfahrtseinrichtungen eine Geldlotterie zu veranstalten. Jährlich finden; sieben Ziehungen statt mit Haupttreffern von 25 000, 20 000 und 16 000 Frcs. Die Lose werden amortisiert. Vom allgemeinen Zug nach Fortschritt sind auch die Juden Monastirs ergriffen. Sie wollen eine genossenschaftliche landwirtschaftliche Schule errichten. Auf jedes gemeldete Mitglied werden an Kosten 1150 Frcs. entfallen. Die Gemeinde Saloniki hat sämtlichen Mitgliedern eine Kopfsjteuer auferlegt. Ein jüdisches Hospital in Hebron wurde dank den Beiträgen (18 500 Frcs.) der sephardisehen Juden Nordafrikas. auf einem günstigen Platze ausserhalb der Stadt errichtet. Ein sibirischer Jude, Herr Feinberg, spendete noch bei einem Besuche die innere Ausstattung, berechnet auf 16 Betten und Zugehör. Deutsche orthodoxe Kreise brachten auch noch eine Subvention von jährlich 2000 Frcs. für Arzt und Apotheke auf. Noch war es aber nötig, die Betriebskosten aufzubringen, was Herrn Dt. Jermans, dem Arzt der dortigen jüdischen Gemeinde, auch bis heute nicht gelang. Nur einige unverschämte Schwindler benützten die Gelegenheit, um angeblich für das Hospital, tatsächlich für sich selbst zu sammeln und haben schon schweren Betrug verübt und die 3000 Juden Hebrons derart schwer geschädigt. Man warnt vor ihnen und bittet, dem guten Zwecke zwar Gaben zu spenden, diese aber nur an durchaus zuverlässige Stellen zu leiten. Neue jüdische Zeitschrift in Buenos Aires. Seit dem vorigen Monat erscheint hier eine neue jüdische Zeitschrift in russischer Sprache unter dem Titel „Slowo" (Das Wort). „Parsifal" im Jargon. Seitdem Direktor Conried in New- York seine bekannte Aufführung des „Parsifal" veranstaltete, hat ein wahrer Parsifaltaumel fast das ganze New-York ergriffen. Alles will die berühmte Oper sehen und hören. Und da New-York in seinem Innern die Angehörigen aller Nationen und Sprachen der Welt beherbergt, so hat es demgemäss auch eine Men^e Theater, deren jedes in einer anderen Sprache spielt, unter ihnen ist nicht das geringste das Jargontheater an der Bowery. Wie jetzt bekannt wird, ist der WagneFsche Parsifal nunmehr auch in den Jargon übertragen worden und soll demnächst an einem jüdischen Theater aufgeführt werden. Auf der Weltausstellung in St. Louis werden Bilder des jüdischen Malers Jehuda Epstein ausgestellt werden. Epstein ist ein starkes Talent, dessen Bildermotive oft der jüdischen Geschichte entnommen sind. Der Staatsbürgersinn eines Juden. Der vor einigen Jahren in Philadelphia verstorbene Millionär Mr. Lewin Eikin hat sein ganzes Vermögen seiner Frau mit der Bestimmung vermacht, dass dasselbe mit dem Tode der Erbin zugunsten einer Stiftung für mittellose emeritierte Lehrer verwendet werden soll. Frau Elkin ist nun vor kurzem gestorben, und das Hinterbliebene Vermögen fiel dem „Board of Education" zu. Die Erbschaft beträgt 1 800 000 Dollar (nahezu 8 Millionen MarkV. und die Zinsen des Kapitals reichen hin, um 200 Lehrern ein Jahreseinkommen von 400 Dollar zu sichern. Die Musik der Juden. So betitelt sich ein Werk, das leider bis nun nur in tschechischer Sprache vorliegt. Der Verfasser Johann Branberger entwirft eine interessante', kulturhistorische Skizze und fügt viele demonstrative Notenbeilagen hin. zu. Ludwig Fulda und der Zionismus. Antizionistische Organe haben eine gute Spürnase. So entdeckten sie und reproduzierten nicht ohne gewisse heimliche Freude eine Aeusserung des gemannten Schriftstellers, die dieser dem FeuiWetonisiten des „Fremdenblattes" über das heilige Land machte. Da heisst es: „Hier ist nicht auf einen 'künftigen Wohlstand zu rechnen. Auf steinigem Boden lässt sich nicht Landwirtschaft treiben — womit aber so'lüen sich die Leute hier ernähren? Ich kann daher an die Erfüllung der Ideale der Zionisten von der Wiederbelebung einer neuen Heimat in Palästina nicht glauben." Das letzte Wort geben wir gerne zu. Glauben heisst aber Nichts wissen. Und nationalökonomisches oder kolonialpolitisches Wissen kann man vom Dichter Ludiwig Fulda beim besten Wilden nicht verlangen. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch, Das Aktionskomitee wiederholt sein dringendes Ersuchen, die hebräischen Namen der Spender iür das Goldene Buch umgehend an das Sekretariat des Kongressbureaus, IX., Türkenstrasse 9, einzusenden, da sonst die Eintragung in das Goldene Buch und die Ausfertigung der Diplome unmöglich gemacht wird. Als letzter Termin für die Einsendung wird der 15. Juli festgesetzt. Nach diesem Tage werden die Diplome in den Fällen, wo die hebräischen Namen nicht angegeben wurden, nur in deutscher Sprache ausgestellt. Zionistischer Zentrail'verein, Suwalki......K 252.— zur Eintragung der: „Dan-ghters of Zion, Gate Von der Grand Gate, Order Knights of Zion, Chicago, Nr. 33, Onder K. of Z. of St. Louis, Mo." Pfund St. 10. 4.— „Poale Zion", St. Petersburg.........K 504— „Serubawel", St. Petersburg.........K 252.—