Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 22 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 -afr W*It Nr. 22 Die Herren Gino Racah und Bettino L e v i sprachen über den Zionismus und die israelitischen Gemeinden in Italien, denen eine völlige Auflösung droht. Sie betonten die Notwendigkeit, das innere jüdische Gemeindeieben auf ein höheres Niveau zu bringen, es zu stärken. In diesem Sinne wurde auch von der Konferenz eine Resolution angenommen. Dr. Edgardo M o r purg o hielt jüber die physische Eriehung der Juden in Italien ein wissenschaftliches, durch zahlreiche Tatsachen belegtes Referat. Seine Ausführungen 7ind sehr interessant und haben auch einen allgemeinen Wert als Material zum Studium der jüdischen Anthropologie und Ethnologie. Mit diesem Referate und einer kurzen Diskussion über die Charkower Konferenz schloss die Mailänder Konferenz. Erste zionistische Landeskonferenz in Argentinien, Buenos Aires, 25. April 1904. Seit September 1903 hat der Zionismus in Buenos Aires durch die Reorganisation der „Liga Dr. Th. Herzi" neues Leben bekommen. Seit der Rückkehr des Herrn Adolf Crenovich vom VI. Zionister-Kongress bis zum Monate März sind 14 Propagandaversammlungen veranstaltet worden mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von 250 Personen. In derselben Zeit haben sich neun zionistische Gesellschaften gegründet. Bei jeder Gelegenheit wurde des N.-F. gedacht und für ihn gesammelt. Schriftliche Agitation wurde nicht nur im Jargon getrieben, sondern auch im Spanischen, und die grössten Zeitungen haben sich mit dem Zionismus im freundlichsten Sinne beschäftigt. Für eine umfassende zionistische Organisation ist viel getan worden. Ueber Aufforderung des engeren A'-C. hat die Liga alle Vereine in Argentinien ohne Unterschied ihrer speziellen Färbung eingeladen, Vertreter in eine Landes-Konferenz zu entsenden, welche eine „Zionistische Federation" schaffen solle. Diese fand im Ijar (16 — 18) April statt. Alle Zeitungen im Laude haben sich eingehend mit dieser ersten argentinisch-zionistischen Konferenz beschäftigt, und letztere hat viele Sympathien unter der christlichen Bürgerschaft gefunden, zugleich aber auch hefeige Gegner auf jüdischer Seite, wo man Furcht hatte, als Jude bekannt zu werden, Im März sind in Buenos Aires 4 Massenversammlungen abgehalten worden auf Grund dieser Landes-Konferenz, bei welchen über 300 neue Schekel einkassiert und 15 £ für de-n N. Fond gesammelt wurden. Samstag um 9 Uhr abend fand die erste Sitzung im grossen Saale des Klub „La Argentina" statt, welcher einer der schönsten und grössten in der Stadt ist. Anwesend waren 4.0 Delegierte, welche vertraten „Liga Dr. Th. Herzl" — Gesellschaft zionistischerDamen „Deborah" „Circulo Harmonia" — Beth. Hamidrasch „Hebrah Thorah" — Zionistischer gegenseitiger Unterstützungs-Verein — „Congregacion Isra^lita Latina" — Hebrah sei gemiiuth Hasadim — Statistik-Verein für Südamerika — Zionistischer Damen-Verein von Colonia Clara (E. R) — Kolonisten der Kolonia Villa Alba . (Provincia Buenos Aires)' und 6 Schekelgruppen. welche nicht speziell organisiert sind. Der Saal war mit Flaggen und Lichtern reich geschmückt. Ausser den Delegierten waren auch gegen o00 Gäste ständig anwesend. Herr. Bomchil eröffnete den Kongress als Präsident der Organisations-Kommission, erklärte die Ursachen der Judennot und unserer Verfolgung und die Notwendigkeit einer Organisation. Die Rede fand stellenweise stürmischen Beifall. Zur Leitung des Kongresses wurden die Herren E. Rubinsky als Präsident, J. Benzakin als Vize-Präsident, Abraham Benehetrit und Rabbi Reuben S i n a y als Beisitzende und Josef Edelman und Frl. Elisa Zeitlin als Sekretäre für jüdisch und spanisch bestimmt. In die Permanenz-Kommission wurden gewählt die Herren Adolf Crenovich, Zoilo S, Kohan. Joset Reich, Elias Kaplan und Frau Eva Tanenbaum. Dann erhält Herr Jakob L i a c h o v i t z k y das Wort zu seinem Referate über den Zionismus. — Er erklärte genau dessen Entwicklung und Fortschritte und fand grossen Beifall. Die Tagesordnung wurde festgestellt wie folgt : 1. Lage der Juden in Argentinien: Referent Liachov i t z k y. . 2. Diskussion und Berichte der Vereine. 3. Organisation : Referent Herr Soly Bomchil. 4. Propaganda: Referent Herr Josef Reich. 5. Verbreitung d*,r hebräischen Sprache: Referent Herr Josef Masel. fi. Nationalfonds: Referent Herr A. Crenovich. 7. Kolonial Bank : Referent Herr Jakob Kramarenko. 8. Verschiedene Vorschläge. 9. Wahl eines Federations-Komitees. Der Präsident, Herr Rubinsky, schloss hierauf die erste Sit ung mit der Einladung, die Delegierten möchten sich in den Nebensaal begeben, wo die Liga ihnen zu Ehren einen Festabend gab. Hierbei wirkte ein Riesenchor mit, es herrschte grosse nationale Begeisterung und des Nationalfonds wurde reichlich gedacht. Bei den Sitzungen der Konferenz waren gegen 25 Korrespondenten aller wichtigsten Zeitungen und Zeitschriften im Lande anwesend. In der zweiten -Sitzung (Sonntag den 17. April, .3 Uhr) folgte der Bericht über das argentinische Judpntum, dann ein zweiter über die zionistische Frauenbewegung im Lande (Fräulein Zeitlin), einer über die Arbeit dpr statistischen Vereine (Herr Jose Edelmann) und eine intensive Diskussion. Anschliessend referiert« über Hebräisch Herr Josef Masels welcher unter stürmischem Beifall angehört wurde. Es wurde beschlossen eine Schule zu gründen, wo ausser Spanisch auch Hebräisch als lebende Sprache unterrichtet werden sollte (m^ys m2l?)> un(* dass jeder zionistische Verein 15°/0 seiner Einkünfte dazu beitragen soll. Weiters wurde bestimmt, dass jeder Verein ein Mitglied namhaft machen soll für die Dienste der statistischen Vereine 7on Süd-Amerika. Um 8 Uhr abends wurde die zweite Sitzung mit Hedat-Rufen und nationalen Gesängen geschlossen. Montag (8 Uhr abends) begann die Sitzung vor einer noch grösseren Zuschauermenge^als die beiden ersten^hatten. Die Statuten für die nächste Landeskonferenz und die der Federation wurden nach langen Debatten approbiert. Der Beitrag jedes Zionisten wurde auf 2 Pres, festgesetzt, wovon sein Schekel nach Wien gesendet wird. Eine spezielle Nationalfonds - Kommission wurde gewählt, welche eifrige Tätigkeit entfalten soll. Weiter wurde beschlossen, mehr Aktien des Jewish Colonial-Trust zu verkaufen, ferner eine spezielle Zeitung in Jüdisch und Spanisch herauszugeben, allen Juden endlich zu empfehlen, sich naturalisieren zu lassen und noch andere Resolutionen. Ins Federations - Komitee wurden gewählt: Präsident Herr E. Rubinsky, I. Vjzepr. Mair Kohan, iL Vizepr. Moise Raschkofsky in Col. Basavilbaso, III. Vizepr. Saly Bomchil. Generalsekretär Adolfo Cren o vich, Sekretäre Josef E d e 1 m a n, Jakob Kramarenko und Jos6 Migueres. Kassierer Moises Safian und E. Bermanu, Beisitzer A. B e n c h e t r i t, A. Halkan in Moisesville, Aaron Gewirzman in Villa Alba, Mendel Serebrinsky in Mauricio und M. Abramo v i t z in Col. Clara. In die Kultur-Kommission zur Errichtung der Schule etc. die Herren Josef M a s e 1, Esteban Crenovich, J. N i s e n s o h n, Isaae Presser und M. Rubinstein. In die Nationalfonds-Kommission Präsident Herr A. Crenovich, Vizepr. J. Benzaquin. Sekretär Jakob S. L i a c h o v i t z ky und Frl. Josefa P r e s s e r, Kassier Elias Kaplan und Frau Eva Tanenbaum, Beisitzende Frl. Abramovich in Clara, A. Brazlavsky in Basavilbaso, C h i n s ky in Moisesville, Frl.Elisa Zeitlin und Frau Benehetrit in Buenos Aires, Revisoren die Herren Jacob Livschitz und Lasry. Im Laufe der Konferenz sind viele schriftliche Begrüssungen aus verschiedenen Orten im Lande eingetroffen, darunter aus Rosario de Santa Fe. Am Schlüsse der Konferenz wurde dem Wiener A.-C. einstimmig ein Vertrauensvotum ausgesprochen und telegraphisch mitgeteilt; ferner Herrn Jac. S. Li ach ow i t z k y. Um 2 Uhr früh wurde die erste zionistische argentinische Landeskonferenz geschlossen. Das Wichtigste ist, dass die gewünschte Einigkeit geschaffen wurde, dass zum erstenmale in Argentinien Sephardim und Aschkenasim Hand in Hand gingen, überhaupt dass sich die sephardische Gemeinde im Zeichen des Zionismus der russisch-polnischen Gemeinde brüderlich genähert hat. Alle Landeszeitungen haben täglich über die Sitzungen berichtet, mit Ausnahme von zwei klerikalen alle im freundlichstem Sinne.