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Die Welt · 1904-05-20 · 21 (20.5.1904) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
21 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr, 21 flbi$ * W^lt11 |Seite 5 durch die erwiesene Wahrheit manches Vorurteil aus dem Wege zu räumen. Dr. Egon Zweig beleuchtete die grosse Bedeutung der Statistik vom Standpunkte der zionistischen Bewegung, betonte mit Nachdruck die dringende Notwendigkeit statistischer Untersuchungen und sprach die zuversichtliche Erwartung aus, dass die zionistischen Kreise, welche bis jetzt die statistischen Arbeiten in Oesterreich geführt hatten, sich nun auch an dem neuen, grösser angelegten Werke aufs lebhafteste beteiligen würden. Dr. I. 'S. Bloch bezeichnete sich ebenfalls als entschiedenen und bedingungslosen Freund jüdischstatistischer Feststellungen und machte die interessante Mitteilung, dass die österreichische. Regierung seit einigen Jahren spezielle, die jüdischen Gemeinden und ihre Institute betreffende Erhebungen veranstalten lasse, welche sie dem Bureau für jüdische Statistik zweifellos nicht nur zur Einsicht, sondern auch zur Veröffentlichung zu überlassen geneigt sein würde. Auch der Herausgeber der „Wahrheit44, Dr. L ö w y, setzte sich ohne Einschränkungen für die Statistik;, ein. Als letzter ergriii Dr. E. F. Weiisl das Wort, um auf den Zusammenhang zwischen der jüdischen Statistik und der jüdischen Kolonisation hinzuweisen. Die Statistik wäre die unerlässliche Vorbereitung jeglicher kolonisatorischer Tätigkeit, speziell aber der grosskolonisatorischen, welche sich der Zionismus zum Zwecke setze. Als Kolonialpolitiker und als Zionist müsse er demnach die Statistik aufs wärmste empfehlen. In den Vorstand des Bureaus, weichem die Exekutive und die wissenschaftliche Leitung der Arbeiten obliegt, wurden auf Grund einer von Dr. Siegm. Werner vorgelesenen Liste nachstehende Herren gewählt, resp. eingeladen: Dr. Edmund Kohn, Dr. Wilhelm L ö w y, Dr. A. Ascher, kaiserl. Rat Dr. Liebe n, Prof. Dr. Ehrma n n, Baurat S t i a s s n y, Dr. Ad 1 e r, Dr. P. Weisengrün, Dr, A. K a m i n k a, S. Fleischer, Dr. N. Birnbaum, Dr. Weissenstein, Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d, Professor Dr. F e i 1 b o g e n, Dr. J. Sadger, Dr. Frankfurter, Dr. Holzmann, Dr. Wilhelm Pappen heim, Dr. E. F. W e i sl, Dr. Salom. Kr^enberger, Gabriel Engeismann, Dr. S. B 1 o c h, Dr. E. M. Z w e i g, Dr. Siegm. Werner, Dr. J. L ö w y. Der Vorstand, welcher die Vertreter sämtlicher jüdischer Organisationen Wiens und aller jüdischen Parteien sowie eine Reihe wissenschaftlich qualifizierter Kräfte umfasst, wird sich in Sektionen teilen. Bekanntlich wurde die statistische Arbeit bereits vor Jahren von den Wiener Zionisten in Angriff genommen. Es ist jedenfalls zu begrüssen, dass sich nunmehr die bedeutendsten jüdischen Korporationen zu einer bedeutenden Vergrösseruii£ dieser Arbeit entschlossen haben. Wir werden natürlich unsere Arbeit jetzt gerne dem neuen Bureau zuwenden und hoffen, dass die Begeisterung aller der jetzigen Veranstalter ein gedeihliches Werk schaffen wird. * * ■* Eine zweite interessante Versammlung fand zwei Tage später über spezielle Einladung deis Präsidenten der Wiener Kultusgerneinde statt, lieber zwanzig Jahre mussten vergehen, ehe die Wiener Judenschaft zur Erkenntnis! kam,, dass die Besiedlung Palästinas kein utopisches Beginnen, sondern eine Notwendigkeit sei. Wir politischen Zionisten wollen diesen Fortschritt, wenn er von Dauer sein und ohne Nebengedanken geschehen sollte, mit Genugtuung begrüssen. Allerdings ist das noch lange nicht alles, was wir von den jüdischen Kreisen Wiens im Interesse unserer Brüder verlangen müssen, abeir als erster Schritt auf einem Wege, den die Wiener Juden sonst ängstlich vermieden, ist auch die Begründung dieses Kolonisationsvereines gewiss der Beachtung wert. Dass die Initiative von Seite des Präsidenten der Kultusgerneinde ausging, möge besonders konstatiert werden.*) Die konstituierende Versammlung fand am 13. Mai im grossen Sitzungssaale der Wiener Kultusgemeinde statt. Die Vertreter der hervorragendsten Gruppen der Wiener jüdischen Bevölkerung und eine Anzahl von Wiener Rabbinern mit dem Oberrabbiner Dr. Güdemann an der Spitze waren der Einladung des Einberufers gefolgt. Dr. Stern setzte auseinander, dass während der letzten Palästina-Ausstellung in Wien( in deren Komitee er ebenfalls war), der Gedanke aufge- , .__ , : ^I^^l-i --.-_-—; li.fKti! *) In der betreffenden Einladung, die von Dr. A. Stern versendet wurde, heisst es unter anderem: Erwägt man nun, dass die sich stets verschlimmernden politischen und ökonomischen Verhältnisse in den von den grossen jüdischen Massen bewohnten Ländern eine stetige Zunahme der Auswanderung unserer Glaubensgenossen veranlassen, bringt man sich gleichzeitig in Erinnerung, dass die bisherigen Hauptzentren der jüdischen Inimigration sich für dieselbe immer mehr zu verschliessen beginnen, SO' drängt sich die Ueberzeugung auf, dass der Ansiedlung der Juden im Orient heute erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden mu$s. taucht sei, einen Verein zur Unterstützung der Kolonisation Palästinas zu gründen. Er denke sich den Verein nach Art des Berliner „Esra" und spreche die Bitte aus, dass alle Parteien der Wiener jüdischen Bevölkerung sowie der ganz Oesterreichs sich an diesem Werke rege beteiligen mögen. Hierauf erteilte er Dr. Alfred N o s s i g das Wort, der als Vertreter des Pariser Zentralkomitees und der Berliner Propaganda-Kommission der Kolonisationsvereine im wesentlichen folgendes ausführte: Seit kurzer Zeit macht sich ein mächtiges Autblühen der Arbeit an dem palästinischen Siedlungswerke bemerkbar. Es entstehen neue Gesellschaften zu genossenschaftlichem Bqdenkauf in Palästina. Zwei grosse Organisationen, die sich früher, allerdings aus verschiedenen Gründen, an der Koionisationsarbeit in Palästina nicht beteiligten, die Ica und der politische Zionismus, greifen nun mit erheblichen Mitteln ein. Die zionistische Palästina-Kommission hat die Erforschungstätigkeit aufgenommen, es werden Schulfarmen, Handelsgesellschaften und neue Kolonien (?) gegründet. Die Kolonisationsvereiue endlich erwachen zu neuem, kräftigem Leben. In den letzten sechs Monaten ist für das Palästinawerk mehr geschehen, als in den letzten sechs Jahren. Diese erneuerte Tätigkeit ist darauf zurückzuführen, dass die jüdischen Kolonien nach einer langjährigen Krise, welche durch mannigfache Fehler in der Anlage und der Führung derselben veranlasst war, endlich zu wirtschaftlicher Blüte gelangt sind und das Siedlungswerk demnach gute Aussichten bietet. Wenn nun heute an die Bildung neuer Kolonisationsvereine geschritten wird, so muss schon das Statut derselben so verfasst sein, dass jene Verhängnisvollen Fehler der ersten Versuchsperiode vermieden werden. Dem österreichischen Verein fällt die Aufgabe zu, ein derartiges, auf den bisherigen Erfahrungen und auf gesunden wirtschaftlichen Prinzipien basiertes Musterstatut zu entwerfen. Das alte Unterstützungssystem, weiches Schnorrerbauern züchtete, muss durch das der wirtschaftlichen Selbständigkeit ersetzt werden. Die Kolonisation soll nicht nur eine landwirtschaftliche, sondern auch eine industrielle sein, nicht nur Palästina, sondern auch die Nachbarländer umfassen* Alle mit einer rationellen Kolonisationstätigkeit zusammenhängenden Massnahmen, wie Erforschung des Landes, Versuchsstationen, Auskunft für bemittelte Emigranten, Bildung von Siedlungsgenossenschaften, Erwirkung günstiger Ansiedlungsbedingungen bei den Landesverwaltungen etc. müssen in das Programm der Kolonisationsvereine aufgenommen werden. Hierbei müssen die Vereine mit dem früheren System, kleine, vereinzelte, lebensunfähige Schöpfungen auf eigene Hand zu gründen, prinzipiell brechen und in ständiger Zusammenarbeit mit allen verwandten Institutionen an dem grossen, planvollen Siedlungswerke nach Massgabe ihrer Kräfte sich beteiligen, Die Diskussion eröffnete Dr. E. F. Weis 1, Vizepräsident der allgemeinen österreichischen Kolonisationsgesellschaft, mit fachmännischen Bemerkungen über die erwünschteste Methode der Kolonisation in Palästina. Er warnte vor überstürzter Grosskolonisation und verlangte vorsichtige Kleinkolonisation auf wachsender Stufenleiter. Auch sollte die Kolonisation nicht reine Ackerbaukolonisatiou, sondern eine gemischte .also auch gewerbliche sein. Schliesslich betonte der Redner die Unerlässlichkeit der Kooperation, da nur mit grossen Mitteln wirklich Bedeutendes geschaffen werden könne. Der folgende Redner, Architekt Oskar Marmore k, begrüsste unter Wahrung des Standpunktes der anwesenden politischen Zionisten den neu zu gründenden Kolonisationsverein. Wenn auch die Ziele des politischen Zionismus viel grössere seien und die Kolonisationsvereine für ihn nur eine erste Etappe und nicht mehr bedeuten, so sehe er doch in der Förderung der Palästinakolonisation durch andere grosse Gruppen der Judenheit eine willkommene Erscheinung, und stelle deshalb die kräftigste Unterstützung seiner Gesinnungsgenossen in sichere Aussicht» Ueber Antrag des Rabbiners Dr. David wurde eine Kommission gewählt, die den Entwurf der Statuten und die Organisation des Vereines durchzuführen hat. Die Kommission besteht aus den Herren: Dr. A. S t e r n, Oberrabbiner Dr. G ü d ern a n n, Architekt Marmorek, Baurat S t i a s s n y, Rudolf Auspitz, Dr.-E. F. W e i s 1, Dr. David, Dr. Bloch, Richard Rappaport und Dr. Pappenheim. Die erste Sitzung der Kommission fand Montag den 16. Mai statt. In derselben wurden die Statuten des „Jüdischen Koionisationsvereines" für Palästina und die Nachbarländer durchberaten und die juristische Schlussredation den juristischen Mitgliedern der Kommission überlassen. , * k * Samstag den 14. Mai fand eine vom zionistischen D-K. in Wien einberufene Versammlung statt. Herr Rudolf Nassau sollte über seine Reiseeindrücke in Aegypten und Palästina referieren. Da ier aber verhindert war, sprang für ihn Herr York- Steiner mit einem Vortrage „Kritik des Z i o n i s - m u s" eiji. Der Redner führte aus, dass er nicht mit der

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