Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 20 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 „bi* # weit" Seite 13 statt Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1903. 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1903. 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Funktionsdauer (§ 6 der Statuten). Die Reihe zum Austritte trifft die Herren : Theodor Cohn, Adolf Klein, Rabb. Dr.Schmiedl, Fritz Singer, Hofrat Sigm. Taussig. 4. Genehmigung der nach § 6, Alin. 3, erfolgten Kooptation eines Vorstandsmitgliedes mit dreijähriger Funktionsdauer an Stelle des verstorbenen Herrn Heinrich Nirenstein. 5. Etwaige Anträge der P.T. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Der soeben erschienene und dieser Tage an die Mitglieder zur Versendung gelangte Jahresbericht der Allianz pro 1903 ist besonders reichhaltig. Er enthält neben einer eingehenden Darstellung der Hilfsaktion für Kischenew und Hornel, der Konferenz in Berlin, der Tätigkeit der Allianz für Rumänien, der Subventionen verschiedener Gemeinden, Vereine und Anstalten im Inlande etc., noch drei besondere Beilagen unter dem Gesamttitel: Kischenew. * * * Die Generalversammlung der Alliance Israelite Universelle. Die diesjährige Generalversammlung der Alliance Israelite Universelle in Paris findet Sonntag, den 15. Mai 1904, im Saale der Ecole Normale Israelite Orientale, 59 rue d Auteil, statt. * * * Mitteilungen des i.-ö. D.-K. An unsere Wiener Vereine und Gesinnungsgenossen! Samstag, den 14. d. M., wird Gg. Rudolf Nassau, aus Egypten und Palästina nach dem Besuche der jüdischen Kolonien und der Kischenewer Waisenkinder zurückgekehrt, im Hotel „de France" einen Vortrag über: „Z i onistische Arbeit in und für Palästina" halten- Beginn 8 Uhr. Regiebeitrag 20 Heller. * * * Wien, 18. April 1904. Herr Redakteur! In einer der letzten Nummer Ihres werten Blattes (vom 15. April) berichteten Sie, dass im deutschen Museum zu Jerusalem wissenschaftliche Vorträge abgehalten werden und gleichzeitig gaben Sie Ihrem Wunsche Ausdruck, man möge auch in der jüdischen Nationalbibliothek solche Vorträge abhalten. Zur Information und zu meiner grössten Freude erlaube ich mir Ihnen zu sagen, dass in der Nationalbibliothek jeden Samstag Vorträge (Literatur der Juden, Archäologie Palästinas, Naturwissenschaft etc.) abgehalten werden. Ich ersuche Sie daher ganz ergeben st, in der nächsten Nummer der „Welt" dies zu veröffentlichen. Mit dem Ausdrucke meiner Hochachtung Mordechai Silbermann aus Jerusalem, derz. Wien, II/3., Gr. Schiffg. 17 Bucherweit. ♦pin Sammlung jüdisch-wissenschaftlicher Aufsätze. Redigiert und herausgegeben von S. A. Horodetzky. IV. Band- Berdyczew, 5663. (hebr.) Die jüdische Wissenschaft hatte sich lange von ihrem Ursprünge, der hebräischen Sprache entfernt. Es schien, seit den Tagen des grossen Zunz, dass die deutsche Sprache prädestiniert und allein dazu berufen sei, das ganze grosse weitliegende Gebiet jüdischer Forschung zu beherrschen und die Männer der jüdischen Wissenschaft bedienten sich der hebräischen Sprache cur noch um die Quellen aus erster Hand, häufiger aber noch in Zitaten bei den grossen Meistern Zunz, Geiger u. a. nachzulesen. Das unvermeidliche Resultat war: Abnahme der Kenntnis und des Verständnisses dieser Quellen, die ja fast ausschliesslich hebräisch sind, und Entnationalisierung der jüdischen Forschung, deren Ergebnisse nicht Gemeingut der Juden aller Länder, sondern blos derjenigen deutscher Zunge wurden. So haben die Juden des Ostens, deren Landessprache nicht das Deutsche ist, die aber tiefe gründliche Kenntnis der Quellen besitzen von der von Krochmal und Rapoport in hebräischer Sprache angebahnten und von deren Zeitgenossen in deutscher Sprache vollendeten wissenschaftlichen Methode nichts erfahren können, während die im Westen Geschulten meinten, nicht allein ihre Dissertationen müssen deutsch geschrieben sein, wie die Hochschulen es von ihnen fordern, sondern auch ihre späteren Arbeiten, die sie für den Leipziger Büchermarkt, aber — nicht für die Juden schrieben. Die Zeiten haben sich geändert Die jüdische Forschung beginnt zu ihrem Ursprünge zurückzukehren und die jüdische Wissenschaft soll nun wieder Gemeingut aller Juden werden. Das in den östlichen Ländern zum Selbstbewusstsein erwachte Judentum gab den Anstoss dazu. Nebst einer allgemeinen hebräisch geschriebenen Enzyklopädie wird die Herausgabe einer gross angelegten Enzyklopädie für rein jüdische Wissenschaft in hebräischer Sprache geplant; eine Gruppe von jüdischen Gelehrten ist emsig mit der Ausarbeitung eines vollständigen wissenschaftlichen hebräischen Bibelkommentars beschäftigt und auch in den hebräischen Journalen treten die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Westens viel zahlreicher auf, als es seit Jahrzehnten der Fall war. Ein eigenes Organ für jüdische Wissenschaft in hebräischer Sprache besitzen wir im psn dessen IV. Band uns vorliegt. Wie die vorangegangenen drei Bände enthält auch dieser letzte eine Reihe ausgezeichneter Abhandlungen aus den verschiedensten Gebieten der jüdischen Wissenschaft. Herr Lektor M. Friedmann setzt seine in zwei Bänden begonnene gründliche Forschung über die Kanonisierung der heiligen Schriften fort; in einem zweiten Aufsaize gibt er eine geistreiche Erklärung des die Proverbicn schliessenden Lobliedes auf die tugendhafte Frau. Prof. Krauss behandelt einige altjüdische Sagen aus talmudischer Zeit, unter diesen auch die Sage von „der Katze und dem Brunnen", die dem Goldfaden'schen Melodrama „Sulamith" zugrunde gelegen. Zu dieser Sage sei zu bemerken, dass Goldfaden rieht der erste war, dpr sie dichterisch verwertete, sondern sein Sujet zu „Sulamith" aus einem gedruckten hebräischen Gedichte mbin schöpfte; es wundert uns, dass dieses schöne Epos einem Gelehrten wie Prof. Krauss entgangen ist. Prof* C h aj es handelt über die Chrisluslegende im Talmud un d Prof. Bacher über einen Exegeten aus dem 13. Jahrhundert. Wir finden in dieser Sammlung Arbeiten von bewährten Männern der jüdischen Wissenschaft, wie Dr. Harkawi, A. Epstein und auch der Herausgebendem wir manche gute Monographie verdanken, liefert in seiner Biographie des chassidischen Rabbi Nachman Breslau er einen interessanten Beitrag zur Geschichte des Chassidismus. Erwähnenswert ist ein kurzer Aufsatz E. Schulmanns zur „Geschichte der Predigt", der sich durch die diesem Gelehrten eigene Art von gründlicher Sachkenntnis und schöner Darstellung auszeichnet, der aber erst im nächsten Bande fortgesetzt werden soll. Was in diesem Bande, sowohl als auch in den vorangegangenen Bänden vermisst wird und uns doch für die Entwicklung der methodischen Forschung in hebräischer Sprache unentbehrlich scheint — ist die Kritik. Es ist in diesen Sammelbüchern keine einzige kritifche Beurteilung neu erscheinender Werke jüdisch-wissenschaftlichen Inhaltes enthalten und doch könnte eine methodisch gesunde Kritik manchen brauchbaren Nachzügler heranbilden aus den Kreisen derjenigen, die auf diese Sammelbücher als einzige Quelle der Schulung angewiesen sind. Der verdienstvolle Herausgeber möge bedenken, wie dieses Versäumnis nachzuholen wäre. M. B. peailktot). Jokai Moricz. Tiefe Trauer herrscht im Lande der Ungarn und weithin schallt laute Klage um einen grossen Toten. Jokai Moricz liegt auf der Totenbahre und das ungarische Volk verliert in ihm einen seiner grössten Söhne, ja, wie sie klagen, den letzten jener Grossen, die bei dem grossen Freiheitskampfe, bei dem Ausbau der ungarischen Verfassung als Streiter in den ersten Linien und Führer ihres Volkes waren. Gestorben ist der grösste der ungarisdhen Erzähler, einer der gelegensten Autoren der ganzen Welt, der zu vielen hunderttausenden Lesern sprach und so weithin Kenntnis von Art und Sitte seines Vaterlandes brachte, während er in demselben allüberall, im prachtvollen Palaste seines Königs und in der verfallenen Hütte des Tag-