Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 19 (6.5.1904)
- Date
- 1904-05-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316073-3316093--45707-3340527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 14 „bie # w$it" Nr. 19 » cbx^eisse deines fti)gesicbte . . . Statue des Bildhauers Beer in Florenz. Das neueste Werk des Künstlers.*) « Nicht zu allen Zeiten hat man die Arbeit des freien Individuums als für dasselbe ehrend erachtet. Nur in der allerletzten Epoche kam man zu dem Bewusstsein, dass die fruchtbare Arbeit für den Menschen nicht nur eine Notwendigkeit ist, sondern ihn auch erhebt, und ihn hoch üb?r die Menge der Parasiten stellt. Die Griechen überliessen die harte Arbeit den Sklaven, und der Orient tat desgleichen. — Die bedeutendsten Schriftsteller des n( uuzehnten Jahrhunderts aber, welche den Pulsschlag ihrer Zeit verstanden, verherri icliten die Arbeit. Ich nenne bloss Zola. Auch Herzl hat mit seinem „Solon in Lydientt gezeigt, dass die Arbeit allein Würde, Glück und Segen bringt; und wenn die Bibelstelle: „Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen" sich wie ein Fluch anhört, so ist denn doch der Menschheit damit ein grosses Glück beschieden worden. Denn ausser durch die artikulierte Sprache unterscheidet der Mensch sich vom Tiere dadurch, dass er sieh vorsehend freiwillig der Arbeit unterzieht. — Die Arbeit ist aber auch ein zionistisches Ideal; und welcher Zionist schreckt vor der immensen Arbeit zurück, welche zur Erreichung seines heiss ersehnten Zieles notwendig ist? — Diese Gedanken leiteten den Künstler beim Schaffen seines Werkes, der Statue: „Im Schweisse deines Angesichts . . . ." Diese Gedanken aber sind mit der geistigen Aufgabe noch lange nicht erschöpft. Der Künstler wollte durch diese Arbeit die intensive Bildung eines schönen Exemplars des „Ebenw •■ ■'m •<% \* £¥' •. ml T^i *r>ar ' **%mfc^1& *^3r^^ * "i * * *) Wir wollen bei dieser Gelegenheit wieder einmal darauf hinweisen, dass wir Zionisten besonderen Grund haben, uns des künstlerischen Schaffens Friedrich B e e r s zu freuen. Er ist ein überzeugter Zionist und hat bisher auch an den Kongressen in Basel regelmässig teilgenommen. Zum ersten Male unseres Wissens am zweiten Kongresse. Er ist einer der ausdauerndsten Delegierten, wenn er auch nicht zu bewegen ist, die Tribüne des Kongresses als bildes Gottes" verherrlichen. Ein solches Ziel kann aber nur von einem in guter Schule gereiften Künstler erreicht werden. Dann kommt noch hinzu der erhabene Fluss der Linien des „Meisterwerkes der Schöpfung", welche dem verständigen Beschauer ein befriedigendes Gpfühl der Harmonie übermitteln wollen. Dergleichen Werke unterscheiden sich natürlich von denen, welche von der Hast des Augenblicks inspiriert sind und eine rasche Ausführung erfordern, daher als ephem ere an zusehen sind; oder von solchen, deren Zweck die Wiedergabe unverdauter Naturanschauungen ist, welche ungeschulte Leute „Naturalismus" nennen, die ich aber als barbarisch bezeichnen möchte. Diese Statue hat eine Höhe von 1 Meter 15 Zentimeter und ist für Bronzeguss bestimmt, welcher soeben hier in Florenz in der Art der Benvenuto Cellini, d. h. \f der Manier der sogenannten „Verlornen Form" (cire perdue) ausgeführt wird. Beer hat diese Statue jüngst mit noch anderen sechs Arbeiten hier in Florenz zum erstenmale in der F oreign Artists Exh i b i t i ö n , wo er Ko mitee-Mitglied und Juror war, ausgestellt. Diese Meisterwerke erregten nicht nur das Erstaunen der zahlreich erschienenen Kunstfreunde und Kenner, sondern auch die Bewunderung der fremden und einheimischen Künstler, welche sich in grosser Anzahl in dieser höchst interessanten Ausstellung, deren Glanzpunkt B e e r s Skulpturen bildeten, eingefunden hatten. (Aus dem Französischen des Prince Kektumoff) ,/ T V4 ' . * '\"" \ £■ ~ \ . ( * V' ' 4"' * ^% **?" 1 " "* * ] ^Mefet*,^ ä * y<**'~ f% >«<w - if\t$&^** f "*M\ '» 4; £ r m Redner zu betreten. In aller Erinnerung wird noch die Kongressmedaille des II. Kongresses sein, ebenso die Statue, „Schmäh Jisroel!" die anlässlich des letzten Kongresses in Basel allgemeine Bewunderung erregte. Wir dürfen von der frischen Schaffenskraft unseres Freundes noch manches schöne, echt jüdische Kunstwerk erwarten. Die Redaktion.