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Die Welt · 1904-05-06 · 19 (6.5.1904) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
19 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 „bi$ # W$lt Nr. 19 Dietel in Zwickau für seine Privatfrauenklinik einen Assistenzarzt (Christ); Dr. Wolf in Dresden II während seiner Rekonvaleszenz einen christlichen, in der allgemeinen Praxis ietwas erfahrenen Assistenten. In der Nr. 6 derseben Zeitschrift vom 9. Februar d. J. sucht das Sanatorium Berlin W sofort tüchtigen christlichen Assistenten; in der Nummer 10 vom 8. März sucht Dr. Wuster in Dresden-Löbtau einen Assistenten, Christ, für die Praxis, Dr. B. Lange, Strassburg i. E., einen chirurgisch vorgebildeten Assistenzarzt unter Angabe über Studiengang, Familie und Religion; in der Nummer 11 vom 15. März die Heilanstalt für Gemüts- und Nervenkrankie „Lindenhof" in Coswig bei Dresden einen christlichen Assistenzarzt mit etwas psychiatrischer Vorbildung, ferner Dr. Freiherr von SoMen für sein Sanatorium für Magen-, Darm- und Stoffwechselkranke in Bad Kissingen für die Saison einen christlichen Assistenten. — Wir veröffentlichen diese Namen in der Erwartung, «dass die Juden sich dieselben einprägen und darauf hinwirken, dass diese Sanatorien die von ihnen bei den Aerzten gewünschte arische Reinheit auch bei den Patienten gemessen. Eine neue Lehrkanzel für Wissenschaft des Judentums. Baron Edmond von Rothschild hat dem jüdischen Lehrerseminar in Paris die Mittel zur Besetzung eines -neuen Lehrstuhls zur Verfügung gestellt; das neue Lehramt ist dem ausgezeichneten Orientalisten Joseph Halevy übertragen worden. Jüdischer Gemeinsinn in Amerika. Das jüdische Krankenhaus in Cincinnati hat grössere Terrains erworben, um darauf ein Kinderkrankenhaus und ein Schwesternheim zu erbauen. Der Bau ist auf 100 000 Dollars veranschlagt. Ueber die neue jüdische Kolonie in der Nähe der Festung Qu' Apelle spricht sich der eben erschienene Bericht des Kanadischen „Emigration Departement" überaus günstig aus. Im Jahre 1904 wird das Land Eigentum der Kolonisten werden, da die Ansiedler nach Ablauf von drei Jahren bei gutem Betragen das Besitzrecht auf ihren Boden beanspruchen dürfen. Die Bevölkerung van Qu' Appelle zählt jetzt 200 Seelen und jede Familie besitzt 160 Acres Land, das so gut bestellt ist, dass es einen Verkaufswert von mindestens 6000 Mark hat. Ebenso gut geht es der „Hirsch-Kolonie''. Der Auswanderungs- Agent der Kanadischen Regierung, Mr. Preston, ist der Ansicnt, dass in der Provinz Qu' Appelle reichlich Raum für zahlreiche jüdische Kolonien vorhanden ist. Für Einwanderer nach England. Um die Auswanderung ausländischer Juden nicht dem Zufall zu überlassen, hat man in London ein Informationsbureau errichtet, welches die Emigranten genau unterrichtet, wo Einwanderer begehrt sind, welche Beschäftigungen gesucht sind und wie sie bezahlt werden. Die Adresse des Bureaus ist „Jewifh Emigrants Information Board 63 Finsbury P. London E. C* Zur Zeit werden in Kanada noch tüchtige Handwerker aller Art gesucht und werden gut bezahlt. Die Juden in Holland. Laut der letzten Zählung in Holland beträgt die Zahl der Juden daselbst 10)^988, wovon 08.343 nach dem aschkenasischen Ritus und 5645 nach dem portugiesischen sich richten. Zeittafel. 23. Ijar 141 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung feierlicher Einzug des Hasmonäers Simon in die Akra, Abschüftelung der syrischen Herrschaft und Wiedererlangung der nationalen Selbständigkeit. 1096 Judenverfolgung in Worms. — 19. Ijar 1293 starb im Gefängnis R. Meir b. Baruch aus Rothenburg, die erste Autorität unter den deutschen Rabbinern der damaligen Zeit, Richter der bekannten Trauerode „Schaali serufu" vom 9. Ab. — 2. Mai 1632 starb in Jungbunzlau Jakob Bassevi, der für seine dem Kaiserhause geleisteten treuen Dienste vom Kaiser Ferdinand geadelt wurde. Er erhielt den Namen „von Treuenburg". Die Weiber von Weinsberg im alten Babylonien. Die Sage von der liebevollen Tat, weiche die Weiber von Weinsberg ihren Ehemännern gegenüber auf der „Weibertreu" im 13. Jahrhundert vollbracht haben, findet sich schon in ähnlichen Zügen im alten Babylonien. In einem alten Schriftwerk, dessen Verfasser unbekannt ist, findet sich nämlich die folgende Notiz Schir Haschirim Rabah, 1.: Das Gesetz lehrt: Wenn ein Mann mit einer Frau zehn Jahre lang in kinderloser Ehe gelebt hat, soll er sie entlassen. Es geschah einmal bei einer Frau, die zehn Jahre mit ihrem Manne verheiratet gewesen, dass der Kindersegen ihr versagt blieb. Da gingen beide Ehegatten zum Richter und baten ihn, dem Gesetze gemäss die Ehe zu lösen. Der Richter jedoch war iein sehr kluger, gelehrter Mann voll weiser Lebenserfahrung, aber auch voll Herzensgute. Als die beiden zu ihm gekommen waren und ihren Wunsch ausgesprochen hatten, da sprach er: „Bei eurem Leben! Die Scheidung kann nur vorgenommen werden, wenn ihr ein Festgelage veranstaltet. Unter Festesfeier habt ihr die Ehe geschlossen, unter Festesfeier soll sie auch wieder gelöst werden." Da gingen sie beide hin, zogen ihre Festgewänder an und veranstalteten ein üppiges Mahl und Festgelage. Die Ehi&gattin trank zum letztenmal auf das Wohl ihres Gemahls. Dieser aber, durch deai starken Weingenuss redselig geworden, umarmte seine Frau und sprach: „Meine Tochter, nimm dir das Liebste, was du in meinem Hause hast, und gehe wieder in das Haus deines Vaters!" Was tat sie aber? Nachdem er berauscht und eingeschlafen war, winkte sie ihren Sklaven und Sklavinnen und sprach zu ihnen: „Tragt meinen Mann mit seinem Lager in das Haus meines Vaters," Das geschah. Um Mitternacht erwachte der Gemahl aus seinem Schlaf. Erschrocken rief er seiner Gattin: „iMeine Tochter, wo bin ich denn?" Da antwortete sie ihm: „Im Hause meines Vaters," darauf er: „wie bin ich denn in deines Vaters Haus gekommen?" Und die Geliebte sprach: „Hast du nicht gestern Abend, zu mir gesprochen, das Liebste, was du in meinem Hause hast, das nimm und gehe in das Haus deines Vaters! Es gibt nichts auf der ganzen Weit, das ich lieber hätte als dich." Und sie blieben beide zusammen bis an ihr Lebensende. Personalnachrichten. Gg. Moritz Freiwald hat sich mit PjI. Frania Wolf gang, beide in Krakau, verlobt. — Ing. Artur Goldüer wurde zum A. H. der jüdisch-akademischen Verbindung „Maccabäa"-Wien rezipiert. — Unser Gr, Herr Michael Steuermann aus Drohobycz hat sich mit Frl. Gisela Bar an aus Kolomea verlobt. Wien. (Israelitische Kultusgemeinde Wien.) Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasäe Nr. 4, % Stock. Sonntag den 8. Mai a. c. 11 Uhr vorm. Tagesordnung: Rechnungsabschluss pro 1903. Neuerliche Judenexzesse in Bessarabien. Das im Jargon geschriebene „Tagblafct" in Lemberg veröffentlicht eine Korrespondenz, der zufolge Samstag, am 30, April, in Bender, einer Stadt Bessarabiens, blutige Exzesse Regen die Juden stattgefunden haben sollen. Es sollen drei Personen getötet und mehrere verwundet worden sein. Auch Demolierungen von Wohnungen und Geschäffcsläden sollen stattgefunden haben. Wir haben auf eine telegraphische Anfrage bis zum Schlüsse unseres Blattes keine bestätigende Antwort erhalten. ftus de* ße\ve£ui)g. Gedenket des Schekels! Mitteilungen des österreichischen Landes-Kotnitees. Das L.-Kfordert hiermit auf, bis zum 15. Juni a. c. den Schekel vollständig zur Ablieferung zu bringen, da am 30. Juni das A.-C. seine Bücher abschl'iesst und das eventl. Wahnlecht 1904 nur jenen Schekelzahlem gewährt erscheint, wielche bis 30. Juni verrechnet haben. — Der Termin 15. Juni beruht auf einem Beschlüsse des L.-K- Die S c h e k e 1 k o m m i s s i o n des L.-K. * * * Bulgarisches Zentralkomitee, Am 28., 29., 30. April und am 1. Mai fand die vierte Konferenz der Zionisten Bulgariens statt. Das alte Statut des Komitees wurde durch ein neues ersetzt. Als Obmann des Komitees wurde der Advokat in Philippopel Herr Marco Romano gewählt. Die vierte Versammlung der bulgarischen Zionisten besprach auch die Gemeindewahien in Sofia und wies das Dementi, das Herr Dr. M. Ehrenpreis gegen den Bericht über diese Wahlen veröffentlichen Hess, als vollkommen unbegründet zurück. * * * Mitteilungen des böhmischen D.-K. Herr jur. kand, Ernst Gütig ist aus dem böhmischen Distrikts-Komitee ausgeschieden. Voranzeigen. Wien. Der Verein jüd. jugendlicher Arbeiter „Brigitten au" veranstaltet am 8. Mai 1. J. um 3 Uhr nachmittag in Jos. Trabs Restauration, Weidling am Bach, Brandmeyerstrasse, eine Vortrags-Akademie und bitten wir alle Kollegen und Gesinnungsgenossen sich an derselben zu beteiligen. Zusammenkunft: Stadtbahn Station „Brigittabrücke" um halb 2 Uhr nachm. Führer an blauweisser Masche zu erkennen. Entree 30 Heller. Bei ungünstiger Witterung findet das Fest eine Woche später statt.

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