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Die Welt · 1904-05-06 · 19 (6.5.1904) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
19 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 „Die * Welt Nr- 19 Abhelfen desselben. Ihr sollen die Jahre gelten, in denen clor junge Mensch mit Idealen kämpft und leicht für Gutes begeistert ist, in denen seine Spann- und Arbeitskraft die grössten sind. Ihr sollen aber auch die Mittel zu Gebote stehen, wie sie dem Lernen, dem Militär, unserer Ruhe und Sicherheit zur Verfügung sind. Auch die Xot, das Elend, die Armut sind Ausartungen der Gesellschaft und diese hat die Pflicht, ihnen zu begegnen. Man kann sie nicht entfernen, man muss ihnen aber mit Eifer entgegentreten. Wohltätigkeiten sind Tränkchen, wie sie der Arzt bietet, der sonst auf die Hilfe der menschlichen Natur baut. Der weise Arzt aber entfernt alle Schädlichkeiten und unterstützt die Natur. Er ist umsichtig und gründlich. Und in welchen Berufen Sie auch immer Umschau halten, werden Sie die tüchtigsten und Besten nur unter jenen finden, die für die Zukunft sorgen, alle Fälle umblicken, gründlich sind, Belehrung suchen und mit sich nie zufrieden sind. Diese Eigenschaften sollen unsere zionistischen Vereine zum Ziele haben; darum sind wir allen anderen jüdischen Frauenvereinigungen überlegen. Darum aber sind wir auch in den Augen der Menge diejenigen, welche man scheu und fremd ansieht. Darum aber werden wir auch stets nicht die Menge mit uns haben, darum werden wir stets nur die Einsichtsvollen um uns scharen. Wollen wir aber statt der gediegenen Minderzahl die weniger gediegene Mehrheit, so müssen wir solches tun, was dieser imponiert, so müssen wir durch Taten, belehren und durch unsere Arbeiten die Einsicht schaffen und che klare Beurteilung vorbereiten. Wir brauchen aber die Menge, wieder Kopf die Arme benötigt, wie das Kapital die Arbeit, wie der Feldherr die Soldaten. Die Menge ist das Objekt unserer Fürsorge, aber auch das Subjekt unserer Ideen. Für unser Volk bereiten wir die Zukunft vor. Unser Volk soll sie aber auch gewinnen und gemessen. Das Geheimnis aber es zu gewinnen ist nicht Ueberreclung, sondern Ueberzeugung, sind nicht Worte, sondern Taten. Die Leute haben nicht die Zeit und Fähigkeit, sich in soziale Buch probte nie zu vertiefen, sie würdigen nur Geschehenes, Taten. Taten vollbringen, soziale T a t e n f ü r d i e M e n g e! Das ist das Problem unserer Agitation, das ist die Formel für unser Werben! Die Menge glaubt nur, was sie sieht. Wird sie sehen, dass wir zionistischen Frauen für sie hier schon und jetzt schon Grosses und dauernd Nützliches vollbringen, dann wird sie auch glauben, dass uns noch Grösseres möglich ist. Die Menge ist wie das Kind, das zuerst im geberdig und trotzig, dann uns ganz anhängt, wenn es unsere Kraft und Stärke erfahren und erlebt hat. Also erfahren muss die Menge die Stärke und Kraft unseres Wollens. Taten also, soziale Taten fordere ich von Ihnen, um die Masse zu gewinnen. Warum nur soziale Taten? Weil solche vor allem von den anderen Frauen vor einen geleistet werden, weil wir uns zu sozialer Tätigkeit verbunden haben, weil soziale Arbeit nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch kultureller und in letzter Linie politischer Art ist. Alles, was die Menge hebt, fördert, ist soziale Arbeit. Und in den Idealen unseres Dr. Merz] haben wir die Form gegeben, in der wir sozial arbeiten können und sollen: Sie lautet: H e r a n z i e h u n g d e r J u gen d z u r p f licht g e m ä s s e n F ü r s o r g e f ü r d i e A r m e n, E 1 e n d e n. B e d r ü c k t e n u n d der M oral E n t - s c h 1 a ge n e n. Lehrer und Führer sollen wir Frauen sein für unsere Jugend in den Werken der sozialen Fürsorge. Viele werden wieder den Kopf schütteln und dieses, mein Ziel als utopistisch verlachen. Der Einsichtsvolle weiss heute, dass manches schon dem Verstände des Alltags als Utopie galt, was ein einzelner Wille vollbrachte. Und ich verlange ja nichts, was nicht schon die Erfahrung als möglich gezeigt. Sehen Sie doch, wie in der Toynbee-Halle schon unsere Jugend soziale Hilfstätigkeit leistet! Man rief sie, sie erschien und ist wacker dabei. Sehen Sie, wie sich unsere Jugend zur Sozialdemokratie drängt und ihr nützlichste Dienste leistet, unserem Volke aber entfremdet wird. Sehen Sie, wie in Settlements und Krankenpflegediensten sich wacker jüdische Mädchen bewähren und betätigen. Es ist der Stoff da, der Sinn dafür ist lebend; wir können die Sache aufgreifen. Wir sollen und können die Jugend zur sozialen Arbeit organisieren. Im Speziellen sollen wir sie für den Unterricht der Schwachen, die Erziehung der Verwahrlosten, die Pflege der Kranken, die Arbeitsbeschaffung der Notleidenden benützen und nicht säumen, durch Werbung und Vorbild Bildungs- und soziale Hilfstätigkeitsvereine zu begründen. In den Mädchenvereinen „Moria", „Haclassa", „Bikur Chaulim" haben wir die Ansätze, um mit dieser Jugend unsere grosse, weite, umfassende Fürsorge überall hin zu tragen und so unsere Ideen zu verbreiten, uns selbst Ziele der Tätigkeit zu setzen und alle zu uns zu laden, die bereit sind, für ihre Schwestern und Brüder Liebe zu zeigen und zu betätigen. AVenn Organisation das Ineinandergreifen aller Lebenseinrichtungen zu dauerndem Guten bedeutet, so bedeuten meine Vorschläge eine Zusammenarbeit aller lebenden Glieder in unserem zionistischen Lager zur Schaffung des Besten und zur Gewinnung der Besten und damit der Menge. Freilich, zweierlei erfordern meine Pläne: Arbeit und Liebe. Und davon besitzen die zionistischen Frauen das reichste Mass. Aus Liehe zu ihrem Volke, aus Lust zur Arbeit für dasselbe sind sie doch Zionistinnen geworden. L a u r a K r e n b e r g e r. Welt-Qbrooik- Dr. Herzl muss auf ärztliche Anordnung einen längeren Urlaub antreten und sich während dieser Zeit jeder Arbeit entnalten« Die Gesinnungsgenossen werden daher gebeten, in den nächsten Monaten keinerlei Zuschrift an Dr. Herzl zu richten und sich mit allen Wünschen an das Aciions-Komitee zu wenden. Die Mädchenschule in Jaffa. In dem Berichte über die Konferenz des grossen A.-C. hiess es irrtümlich, dass der Mädchenschule in Jaffa eine Subvention von 1000 Frcs. bewilligt wurde. Richtig ist, dass die Subvention 2000 Frcs. beträgt. Aus Palästina* Jerusalem, 17. April. Gegenwärtig tagt hier eim internationaler Mi'ssionskongress, auf dem aller Herren Länder vertreten sind. Die Zahl der Delegierten beträgt zirka 1500. Die Samaritaner zu Nablus sind vertreten durch ihren Hohenpriester und ein Mitglied ihrer Gemeinde. Am stärksten ist jedoch Amerika und England vertreten. Die Meetings finden in einem Riesenzelte, aufgeschlagen ausserhalb der Stadt, mächst den sogenannten Königsgräbern statt. Am zweiten Delegiertentage kam der erwähnte Hohepriester zum Wort. Da bekannte er sich öffentlich als Judenchrist. Indess ist mir bekannt, dass er bis vor kurzem noch behauptet hatte, Jude zu s.ein. Allerdings geschah dies bei Gelegenheiten, da er die rein jüdische Wohltätigkeit für sich im Anspruch nahm. Der Einlass zu den Meetings ist nur gegen Vorzeigung von Eintrittskarten gestattet. Die Reden gipfeln in dem Missionswerke. Ob etwaige Beschlüsse in Aussicht genommen sind, ist vorläufig nicht bekannt. Hier hat eine arabische Wochenschrift unter dem Titeil „Kds scherif" zu erscheinen angefangen. H a z i o n i. Die Palästina-Ausstellung in Prag. Ende dieser Woche wird im Prunksaale des Hotel Central, Hybernergasse, „die Ausstellung von Erzeugnissen aus den jüdischen Dörfern in Palästina", welche im März uwd April in Wien gewesen ist, eröffnet werden. Wie in Wien, 'haben sich auch in Prag die angesehensten Mitglieder des Kultusvorstandes, der beiden Logen, sowie des Volksvereines an die Spitze der Ausstellung gestellt. Ein Ehrendamen-Komitee ist ebenfalls in Gründung begriffen. Bei dem ausserordentlichen Interesse, das nicht nur in Prag, sondern auch in ganz Böhmen den jüdischen und speziell den palästinensischen Fragen entgegengebracht wird, dürfte auch dort ein Erfolg zu erwarten sein. Auch diese Ausstellung;

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