Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 18 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 flbi$ # Welt" Nr. 18 Harmonisch zu diesen Ideeii verhalten sich die Mittel zu ihrer Verteidigung. Eine sehr betrübende Nachrieht aus einer Stadt, die aus dem Ghetto des Mittelalters strahlend herausleuchtete. Eine betrübende Nachricht,, weil ihre Art unseres Wissens in einer ganzen Reihe böhmischer Städte Schule gemacht hat, wo man auch Gewaltmassregeln gegen den überall vordringenden Zionismus ergreifen zu müssen glaubte. Das ist bedauerlieh nicht für uns — denn unsere moralische und ideelle Kraft wird hier wie überall siegen — aber im Hinblick auf die Urheber. Denn die Juden Böhmens haben für moralische Lücken nicht die Entschuldigung, wie nötigenfalls die in anderen Ländern: die drückende Not. Sie haben auch die nötige politische Bildung, um zu erkennen, dass Unterdrückung eigentlich immer eine Förderung des Unterdrückten ist. Wir bauen also zuversichtlich auf die Kritik der reinen Vernunft, weaan wir die Hoffnung aussprechen, dass wir es fiortab in diesem Agitationsgebiete nur mit moralisch gleichwertigen .Gregnern zu tun haben werden. Vom israelitischen Landeslehrerverein aber erwarten wir, dass er die Pflichten der Prager Kultusgemeinde unentwegt weiter erfüllen werde, trotz aller Donner aus dem Teutoburger Zedernwalde. —y. Eine interessante Remitiiscenz. Auf diesem Bilde ist^Herr Dr. Herzl links dicht neben den Damen (ganz in Schwarz) ersichtlich. Der zweite Herr links von ihm (in weisser Bluse) ist Admiral Skrydlow. Knapp hinter diesem ist Dr. B o d e n h e i m e r, nach links an diesen anschliessend (auch mit weisser Mütze) Dir. Wolffsohn. Rechts von den Damen in türkischer Uniform steht Kommandant So lim an Bey, zwischendurch ist Herr Dr. Schnirer (dunkler Rock) ersichtlich. Das obige Bild stellt die photographische Aufnahme des Admirals Skrydlow und der zionistischen Deputation, die im Jahre 1898 vom Kaiser "Wilhelm II. empfangen wurde, dar. Wir glauben, mit diesem Bilde dem Interesse unserer Leser dienen zu können, welche wohl wissen werden,, dass Admiral Skrydlow an Stelle des mit dem ,J\jtropawlowsk" verunglückten Admiral Makarow zum Kommandanten der Port-Arthur-Flotte ernannt worden ist. Gleichzeitig reproduzieren wir die von uns im Jahre 18!)8 in der „Welt" veröffentlichte Beschreibung der Zusammenkunft der zionistischen Deputation mit dein Admiral Skrydlow auf Kreta. Die Beschreibung wurde seinerzeit von Dr. J. B o d e n h e i m e r, einem Mitgliede der Deputation^ der „Welt" zur Verfügung gestellt. Der damalige Bericht lautete: Ein T a g in K e t h v m o. D *j Wir fuhren direkt auf Kreta zu, als ich erwachte. Spitz aufragende Gipfel, von der Morgensonne rosig beleuchtet; das war der erste Eindruck. Ein russischer Schiffsarzt, der zu dem Geschwader stossen sollte, welches vor Rethymo das europäische Konzert repräsentierte, war die Veranlassung, dass wir diesen Hafen Kretas anliefen. Malerisch lagen die Häuser des Hafenstädtchens vor uns und kletterten am Berg zur Zitadelle empor, welche mit mächtigen Mauern aufragte. Vier stattliche russische Kriegsschiffe lagen auf der Rhede. Schaluppen fuhren hin und her. Man erzählte sich, eine Gesellschaft russischer und französischer Korrespondenten sei an Bord eines Kriegsschiffes gefahren, um dasselbe zu besichtigen. Auch unser Kapitän war verschwunden. Die Wolken zerstreuten sich und die Sonne brach siegreich durch. Das rötlich schimmernde Gebirge spiegelte sich in der kristallenen Meeresflut. Russische Offiziere in schmucken weissen Ilniformröcken und breiten weissen Mützen kamen auf Deck. So war es halb 10 Uhr vormittags geworden, als ein kleiner liebenswürdiger Flagg-Offizier an Bord kam, um uns mitzuteilen, Seine Exzellenz Admiral S k r y d 1 o w habe gehört, dass sich eine deutsche Gesellschaft an Bord befinde; da das Schiff noch einige Zeit im Hafen bleibe, so lade er uns freundliehst ein,