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Die Welt · 1904-04-29 · 18 (29.4.1904) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redaktion und Administration : WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. T&lephon 14.199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaktion oder Administration : Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaktion täglich von 10—7*12 Uhr. Preise der Anzeigen: laut aufliegendem Tarif. Der Irseratenteil wird Dienstag abends geschlossen Einzelne Nummern 30 Heller. Ro7lincnrOflCOB Oesterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das Ausland: DD£liyo|JI ClOC- Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig Rr 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17.—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig Frcs. 4,25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Nr. 18. Wien, 29. April 1904 — 14. Ijar 5664, 8. Jahrgang. Zur gell. Beachtung! Wir machen unsere geehrten Abonnenten in Russland darauf aufmerksam, däss ab 15. April d. J. (neuen Stils) der Postanweisungsgeldverkehr zwischen Oesterreich und Russland in Kraft getreten ist. Es können somit Beträge bis zu Rbl. 100.— (einhundert Rubel) mittels Postanweisung von Russland nach Oesterreich oder umgekehrt eingeschickt werden. Nachdem dies die einfachste, bequemste und rascheste Beförderung von Geldbeträgen ist, ersuchen wir unsere geehrten Leser, vorkommenden Falles davon Gebrauch zu machen. Die Administration. Ein verächtlicher Erlass. Der Bürgermeister und Antisemitenhäuptling von Wien zieht sich jährlich einmal die Entrüstung seiner Gegner zu. Wenn er nämlich Lehrer anstellt, nimmt er sie in Eid und Pflicht nicht nur auf ihr Amt, sondern auch auf ihre d. h. seine Gesinnung. Darob dann immer ein Wirbel im fortissimo in der freisinnigen Presse. Empörte Vorwürfe von Gewissenszwang, Verleitung zur Heuchelei etc. Mit Recht. Was einer als richtig erkannt hat, darf er ohrlich im gesetzlichen Rahinen überall anstreben. So verlangt es kategorisch der Freisinn und als seine Vertreter gewiss auch die Prager Kultusvorsteher. Aber nur von Dr. Lneger. Bei sich selber aber finden sie das Mittel, wenn vielleicht auch nicht schön, so doch gesund, wenn man unliebsame Meinungen unterdrücken möchte. Und so terrorisiert denn die genannte Gemeinde ganz nach berüchtigtem Muster. Wir haben den Beweis dafür in Händen. Das Schriftstück, das ihn enthält, ist uns wegen seiner Vertraulichkeit erst einige Wochen nach Erlass zugekommen. Ein verschwindender Zeitraum gegen die Unsterblichkeit, die sich die genannte Körperschaft damit gesichert hat. Denn sie erklärt es darin als ein strafwürdiges Vergehen, wenn ihre Lehrer das leisten, wofür sie bezahlt werden: die Kinder jüdisch zu erziehen. Es hat nämlich eine Generalversammlung*des israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen den Antrag angenommen, den Zionismus in der Schule zu betätigen. Das nennt der Prager Vorstand eine Tätigkeit zur Förderung einer vielfach bestrittenen, das politische Gebiet berührenden Idee. Sie nennt diese Tätigkeit gesetzwidrig und droht mittels Zirkulars allen Lehrern die Disziplinar-Untersuchung an, die sieh dabei beteiligen. Die zwingende Komik des zitierten Erlasses liegt nun in einem Vergleich zwischen dem gefassten Beschluss des Vereines und den statuteniuässig festgelegten Zwecken und Zielen des übergeordneten Vorstandes. Diese Zwrecke und Ziele sind gewiss Erhaltung und Förderung des Judentums. Nichts anderes hat die Annahme des zionistischen Schulprogramrn.es durch den Landeslehrerverein zu bedeuten. Unser Schulprogramm will das Judentum der Kinder durch pädagogisch einwandsfreie Mittel fördern und erhalten. Man muss stark borniert sein, um einen ungünstigen Einfluss unsererseits auf die heranwachsende Jugend zu behaupten. Der Rat der Prager Kultusgemeinde hat also seine verächtlichen Drohungen nicht gegen die schlechte jüdische Erziehung der ihm anvertrauten Kinder gerichtet, sondern gegen eine gute. Er will die stolzen, aufrechten Juden mit Gemeingefühl und Opferbereitschaft nicht haben, wie sie der Zionismus verlangt, sondern er fordert als Erziehungsideal die Prager deutschen Kasinojuden. So begeht denn er ein Disziplinarvergehen, nicht die Lehrer. E r täuscht das in ihn gesetzte Vertrauen, er durchbricht die bindende Schrift seiner Statuten, die ihn das Judentum stützen und stärken heissen. Er tut es, indem er seine Traditionen aufrecht erhält und die Kinder an sie heranzieht, an Traditionen, deren Befolgung den schwersten sittlichen und materiellen Schaden für die Juden des zugehörigen Kreises bedeutet. Ihrem Geberden nach haben die Prager Kasinojuden das Deutschtum gepachtet. Das ist richtig im ursprünglichen Sinne dieses Ausdruckes. Sie haben es nämlich wirklich nur in Pacht — gegen schwere Summen und fortwährende Gefahr der Kündigung durch die wirklichen Inhaber, die oft genug trotz alles Sträubens erfolgt. Wie falsch hat sich dieser Götze Wotan seinen jüdischen Anbetern gegenüber erwiesen! Er hat ihnen den fanatischen Hass des tschechischen Volkes und seiner Presse zugezogen, unbarmherziger Boykott immer, zur Abwechslung unbarmherzige Knüttel erzählen den Juden Böhmens eindringlich vom politischen Verstand seiner geistigen Führer. Letztere nennen den Zionismus eine vielfach bestrittene Idee. Ueber ihre politischen Ideen gibt es längst keinen Streit mehr. Die werden von allen Aussenstehenden einstimmig verworfen.

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