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Die Welt · 1904-04-22 · 17 (22.4.1904) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 „bie & w*it" Nr. 17 An alle Damen und Herren, welche uns während der ganzen Saison so viele Beweise von Sympathie für unsere Institution gegeben, ergeht die herzliche Bitte, uns auch fernerhin ihr Wohlwollen zu bewahren und uns neue Freunde zuzuführen. Für die Leitung des Musikausschusses Rosa Feigenbaum. * * * Sonntag, den 27. v. M. fand der letzte Kindernachmittag in der Toynbee-Halle statt. Ueber 200 Kinder gaben sich den Freu ian eiaer Jause hin, die ihnen vom Vereine „Kaiser Franz Josefs-Ferienheimu in reichlichster Weise gespendet wurde, und das jugendliche Trio, die musikalisch so begabten Kinder des Klavierfabrikanttn Josef Saphir, spielten ernste und heitere Musikstücke, denen die Kiemen mit grossem Vergnügen lauschten. Frau Sofie G r ü n f e 1 d, Präsidentin des /Ferienheim", die mit mehreren Vorstandsdamen erschienen war, hielt eine herzliche Ansprache an die Kinder, unter welchen sich auch viele Ferienkolonisten aus Tischnowitz befanden. Zum Schlüsse erhielt noch jedes Kind ein reichlich mit Süssigkeiten gefülltes Säckchen. Das „Ferienheim" hatte so munjfizent gespendet, dass auch die Outsiders, die armen Kleinen, die wegen Ueberfullung keinen Platz mehr im Saale fanden und sehnsüchtig auf derStiasse warteten, beschenkt werden konnten. .Nachdem ein Ausschußmitglied der Toynbee-Halle dem Vorstande des „Ferienheim" den Dank ausgesprochen hatte, wurde die Volkshymne intonirt, die von den Kindern mit grossem Elan gesungen wurde. Und damit schloss das schöne Fest. R. F. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau Unsere Hoffnung, Monatschrift für die reifere jüdische Jugend, I. Jahrgang, 1. Hef.. Red? ktion ui d Administration, Wien, III 2, Unteie Viaduktgasse 25. — Seit Jahren geht nicht nur der Wunsch zionibtischer, sondern aller jüdischen Kreis-, die unsere Jugend unserem Volke erhalten wollen, nach einer in jüdischem Geiste geschriebenen Jugendliteratur. Leider sind die Anstrengunger, die bisher in dieser Richtung gemacht wurden, zu keinem Resultate gelangt. Die zionistische Organisation wird auch auf diesem Felue die ersten Arbeiten verrichten müssen. Bis dahin wird unsere Jugend sich nut den wenigen jüdischen Zeitschiifien beheif>n müssen, din seit einiger Zeil in Oesterreich („Jung Juda" und „Moriah"), in Deutschland und Russland herausgegeben werden. „Uf seiv Hoffnung* ist die Ergänzung dieser Zeitschriften, die für die reifere Jueend nicht berechnet sind. Wer die grosse Mühe und die rastlose Tätigkeit derjenigen kennt, die sich seit Jahr und Tag um das Zustandekommen dieser Zeitschrift bemühen, der wird sich nicht wundern, dass sie endlich so weit gelangt sind, ihren Plan zu verwirklichen. „Unsere Hoffnung" hat die hervorragendsten jüdischen Schriftsteller für das Unternehmen gewonnen. In den einzelnen Heften werden Beiträge fast aller bedeutender Männer enthalten sein, die ihrem Volke noch nicht untreu geworden sind. Schon das erste Heft weist Namen wie Theodor H e r z 1, Max Nordan, Israel Z a n g w i 11, Ch. N. B i a 1 i k auf. Dr. O. Thons Programmartikel ist von eindrirglicher Klarheit und grosser Gediegenheit. Auch die Arbeiten Rothblums, Ben Samuels, Scherlags, Gutmann und von ß orucho witsch fügen sich glücklich in den Rahmen dieses Heftes. Nach meiner Meinung hat die Redaktion diesen Rahmen zu gross, seinen Inhalt zu schwer gemacht. Auch wäre es besser gewesen, nicht gleich im ersten Hefte mit Bialik zu beginnen und der Uebersetzung respektive dem Nachdruck so viel Platz einzuräumen. Vielleicht, wird es aber der Zeitschrift gelingen, dieses Niveau beizubehalten und mit den Uebersetzungen wirklich zu reüssieren, Vor einem Zuviel an letzteren sei aber jetzt schon gewarnt. Einer Zeitschrift wie ,(Unsere Hoffnung'' wird es an Originalbeiträgen sicher nicht fehlen. Im Uebrigen — wir haben alle Ursache, uns des neuen Unternehmens zu freuen. Möge es die Unterstützung unserer Gesinnungsgenossen in vollem Masse finden. Dann wird es Grosses wirken können. W. JWTP« ♦tSDr.p J1K TBK'W'b TB TObpÖKT 1904 iitfnifn ♦•MltD^Dp^KB ., Hilfe", Sammelbuch für Kunst und Literatur, Warschau. Die „Jüdische Volkszeitungu hat vor ihrem Tode eine letzte gute Tat vollbracht. Als das Elend von Kischenew losbrach, da veranlasste sie ein literarisches Sammelbuch, dessen Reinertiag den Beti offenen von Kischenew zugute fallen soll. Und gerne haben sich die meisten jüdischen Schriftsteller bereit erklärt, an dieser wohltätigen Sache mitzutun. Zwar prangen im Buche nicht alle besten Namen der jüdischen Literatur, aber dafür sind dort zwei Schriftsteller vertreten, deren Name einen Zauberklang hat. — Lew Tolstoi und Wladimir Korolenko. Tolstoi hat für das Sammelbuch seine bekannten „Drei Legenden" geschrieben, die zu gleicher Zeit in vielen europäischen Sprachen erschienen sind, K o r olenko ist mit einer wunderschönen Erzählung „Nachts*' vertreten, einer Erzählung, welche an die beste aller Schöpfungen dieses giossen Erzählers: „Der blinde Musiker", erinnert. Unter den originellen Beiträgen, die ziemlich zahlreich sind, sind Erzählungen Seholem- Alejchems, dieses rastlosen Schriftstellers, der für alle neuen Erscheinungen im jüdischen Leben ein offenes Auge hat. Die Erzählung „101" schildert eine Szene aus rier jüngsten Vergangenheit, nämlich aus den letzten Monaten, wo den Juden die Erlaubnis erteilt wurde, in 101 Städten des „Rayons', die ihnen früher verschlossen waren, zu wohnen. Mendele Mocher-Sforim erzählt in seiner bekannt«-n episch-volkstümlichen Weise die Geschichte der Entdeckung Wolhyniens", d. h. die Geschichte der Wanierung der Juden von Lithauen nach Wolhynien", oder vielmehr nach dem südwestlichen Rus^land. Ben- Avigdor, Ben-Ami, Spektor haben sehr schöne Skizzen geliefeit; direkt anklingend an die Tage von Kischenew sind die kleinen Skizzen von Steinberg und Lewin. Die publizistischen Aufsätze sind nicht besonders gelungen. Am wenigsten der des greisen L i 1 i e n b 1 u m, der sich gegen die modern« jüdische Jugend mit den schärfsten Worten wendet. Die Gedichte des Sammelbuches sind mittelmäsftig. Hervorzuheben ist das Gedicht von Boruchowitseh : Mein Schatten. — Im allgemeinen macht das Buch einen sehr gewinnenden Eindruck. Es ist auch elegant ausgestattet und illustriert. Ein Denkmal, wenn auch ein bescheidenes, den schrecklichen Tagen von Kischenew. —k. Byron. (Zur achtzigsten Wiederkehr seines Todestages.) Ein jüdisches Pantheon. In dem langen, weissen Marmortempel stehen Gedenk- und Marksteine jüdischer Weisheit, jüdischer Grösse und jüdischen Geistes. Und in bunter Reihe aneinandergedrängt stehen Dichter und Denker, Märtyrer und Fanatiker des Judentums, Männer des Wortes und Männer der Tat. Und der weisse tote Marmor redet, und die steinerne Stirn manches Mannes scheint noch von einem lebenden, bebenden, schöpferischen Gedanken zu erstrahlen ... Und im jüdischen Pantheon, im Pantheon Israels, von dem ich träume, ist auch ein Standbild errichtet einem Geisteshelden, einem, der der Menschensterne Einer war, einem Heros der Trauer und des Spottes und einem Htrold des neuen Lebens und nfu^r Werte. Ein Sonnenjüngling ist es, ein Euphorion, der im himmlischen Wahne zu den Wolken fliegt, um das Ideal zu finden, das er auf Erden vermisst. Das ist der geniale, verwegene Dichter Britanniens — Lord George Noel Gordon Byron. Es sind achtzig Jahre her, dass er, im Jahre 1824, am 19. April in der Blüte seiner Jahre, in Griechenland umkam. Nach einem stürmischen Leben, einem Schmause ähnlich, voll Jauchzen und Taumel, voll Liebe und Lust, nach einem Leben, das er inmitten der Freuden verhöhnte und verneinte, das von einem einzigen Ton der Verzweiflang und des Ekels an allem, am Dasein und an der Welt durchzittert war, war es ihm vergönnt, in dem sehönen, sagenumwobenen Hellas zu sterben. Und er starb in Schönheit, im Kampfe für die Freiheit, für die geknechtete Menschheit ♦ . . Alle grossen Dichter sind grosse Verneiner. Weil sie ein ,,Ja" haben, müssen sie auch aus ihrem innersten Wesen heraus der ganzen Welt und ihren Ueber lieferungen ein mächtiges, dröhnendes ,,Nein" entgegenschleudern.

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