Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „bi* weit11 Nr. 11 Ussischkin hält einen längeren Vortrag über die derzeitigen Bodenverhältnisse in Palästina. Er konkludiert dahin, dass das A*-C. den Landkäufen in Palästina grössere Aufmerksamkeit schenke, dass sowol Bank, als auch N.-F. als auch die Palästina-Kommission die notwendigen Vorbereitungen zur Untersuchung des Landes ehestens treffen. Dr. Herzl weist nun auf Grund der Korrespondenz und des vorliegenden Aktenmaterials nach, dass das engere A.-C. schon seit einem Jahre in diesem Sinne handelt und er findet es für unbegreiflich, dass trotzdem irrige Anschauungen Platz greifen konnten. Dr. Klee beantragt, dass die Anträge der Palästina- Kommission dem A.-C. mit dem Wunsche übergeben werden, beim Kaufe von Land auf die Bedürfnisse der drei in Aussicht gestellten Anstalten Rücksicht zu nehmen. Prof. Warburg will der Kommission nur das Recht der Auswahl des Landes sichern. Der endgiltige Kauf ist selbstverständlich Sache des A.-C. Prof. W a r b u r g erstattet hierauf sein Referat über die Oelbaumspende. Er sieht in dieser Anregung grosse Vorteile für den Zionismus. Der Oelbaum ist das Mittel, durch das wir imstande sein werden, grössere Terrains, die wir ankaufen, ohne Schwierigkeiten in steigendem Masse zu bebauen und ohne dass wir Gefahr laufen mit den Pächtern in schwierige Prozesse verwickelt zu werden. Der Oelbaum giebt ferner die Möglichkeit, brach liegende Felder, welche für den Ackerbau nicht passen, daher wenig, oder fast gar keinen Wert haben, anzukaufen. Die Anpflanzung von Oelbäumen hat ferner den allgemeinen Vorteil, unsere nützliche Tätigkeit deutlich erscheinen zu lassen. Das Bedenken, dass die Oelbaumspende mit dem N.-F. konkurrieren wird, ist hinfällig, denn die Oelbaumspende wird nur die Ergänzung des N.-F. sein. Sie wird den N.-F. im Gegenteil vergrössern. Dr. Friedemann bespricht die Lehrfarm der Ica in Zedjirah und folgert aus ihren Ergebnissen, dass das für eine Lehrfarm aufgewandte Kapital nicht nur die ganzen Kosten deckt, sondern auch eine gute Verzinsung liefern wird. Ueberdies werden wir dort Bauern erziehen, welche dort mit modernen Ackergeräten Bescheid wissen und sich hervorragend für unsere Kolonisation eignen würden. Auf die Oelbaumspende übergehend, bittet Dr. Friedemann nicht nur die Pflanzung neuer Bäume, sondern auch den Ankauf bestehender, sehr billiger Oelbaumpflanzungen in Betracht zu ziehen. Er bittet weiter, die für diese Zwecke gesammelten Gelder dem N.-F. zur Verwaltung in gesonderter Kassa zu übergeben. Hierauf wird die Debatte über diesen Punkt unterbrochen und die Diskussion über das Referat Dr. Farbsteins aufgenommen. Diese endet mit einem Antrage des Dr. K o k e s c h, welcher lautet: Das grosse A.-C. beschliesst, das engere A.-C. und die N.-F.-Kommission haben bei der Abfassung des N.-F.-Statutes eine Form zu finden, die den N.-F. unter die Kontrolle und Beschlussfassung des Kongresses stellt. Schluss der Sitzung 8 Uhr abends. V. Verhandlungstag. Freitag, den 15. A p r i 1. (Vormittagssitzung.) Die Konferenz, die programmässig für drei Tage einberufen worden war, gelangte erst Freitag, das ist am 5. Tage, zum letzten Punkte der Tagesordnung. Freitag vormittags wurde die Diskussion über die Anträge der Palästina-N.-F.-Kommission und des Komitees zur Ausarbeitung der Geschäftsordnung zwischen grossem und engeren „A.-C/ zu Ende geführt, indem folgende Anträge angenommen wurden: 1. Antrag Wolffsohn: Das grosse „A.-C." beschliesst, die Oelbaumspende zu übernehmen und deren Verwaltung der Leitung des N.-F. zu überweisen. 2. Antrag Dr. Kokesch: Das „A.-C." leitet die vorliegenden Entwürfe der Herren Dr. ßodenheimer, Dr. Farbstein, Dr. T s c h 1 e n o w an die Kommission mit dem Ersuchen zurück, bis zur Jahreskonferenz ein gemeinsames Expose vorzulegen. Dr. Herzl legt hierauf ein Gesuch der Misrachi der Konferenz vor, worin die Misrachi die Bestätigung als besondere Federation erbitten. Nach kurzer Debatte wird beschlossen die Misrachi aufzufordern, den bestehenden Bestimmungen des Organisationsstatuts zu entsprechen. Der Mädchenschule in Jaffa wird eine Subvention von Frcs. 1000.— bewilligt. Dr. Tschlenow hält das Schlusswort: Ich bin glücklich, durch die Erklärungen Dr. Herzls die Ueberzeugung gewonnen zu haben, dass das „A.-C." und sein Vorsitzender sich bemühen, planmässig, energisch und klug in Palästina zu arbeiten. Wir können nun ruhigen Gewissens nachhause fahren, um unsere Arbeit mit frischem Mute wieder aufzunehmen. Es ist allerdings noch nicht alles geklärt worden, aber wir hoffen, dass es bis zur nächsten Zusammenkunft geschehen wird, und dass auf unserem Horizont die letzten Nebel verschwinden werden und nur ein Stern leuchten wird, „Zion". Ich stelle daher, gemeinschaftlich mit Dr. Klee, folgenden Antrag: Das grosse „A.-C." spricht nach Schluss der Verhandlungen dem engeren „A.-C." sein volles Vertrauen aus. Dieser Antrag wird mit Akklamation angenommen. Der Vorsitzende schliesst die Sitzung mit den Worten: „Ich danke Ihnen weder im eigenen, noch im Namen des engeren „A.-C", sondern im Namen der Bewegung. Ich hoffe, dass wir uns bei der nächsten Zusammenkunft gegenseitig über erfreuliche Fortschritte unserer Bewegung werden informieren können." :* * * Der Kommers des Arbeitsausschusses der zionistisch-akademischen Korporationen Wiens zu Ehren des grossen Aktions-Komitees. Am 1. Ijar 5664, 16. April 1904, fand im Hotel Gu th ein Kommers zu Ehren des grossen zionistischen Aktions- Komitees statt, der vom Arbeitsausschuss der zionistischakademischen Korporationen Wiens (Bar Giora, Bar Kochba, Emunah, Erez Israel, Jordania, Leo Pinsker, Theologia, Vereinigung zionistischer Hochschüler) veranstaltet wurde. Der Abend, der von einem sehr zahlreichen Publikum besucht war, wurde vom Obmanne des Arbeitsausschusses D. Horowitz mi' einer Ansprache eröffnet, in der die Befriedigung der im Arbeitsausschusse vertretenen Studentenschaft über den im zionistischen Lager zustande gekommenen Frieden zum Ausdrucke kam. Nach Absingung der Hymne „Od lo owdo" kam das Mitglied des Lokalkomitees, Doktor D. Rothblum zu Worte, der in schwungvollem Hebräisch die Vorgänge in der Partei besprach und aus den letzten Ereignissen hoffnungsvolle Schlüsse zog. Dr. Zweig, der Obmann des innerösterreichischen Distriktskomites versicherte, dass sich dierussischen Aktions- Komiteemitglieder der vollsten Sympathie in den Wiener zionistischen Kreisen erfreuen. Er schloss mit dem Wunsche, dass es zu einer vollen Verschmelzung zwischen Ost und West komme. Ihm erwiderte Herr Ing. Ussischkin aus Jekatarinoslaw, es wäre allerdings noch kein Friede gemacht; dieser könne erst am VII. Kongress zustande kommen; jetzt sei man bloss zu einer gegenseitigen Verständigung gelangt. Die Wiener Leitung habe verstanden, was die „Charkower" wünschten und dass ihre Forderungen prinzipieller, nicht aber persönlicher Natur seien. Die Charkower hingegen haben eingesehen, dass die Wiener Leitung ihnen nicht alles geben könne, sondern nur der Kongress. Friede werde kommen, sobaLd das Trennende aus der Bewegung ausgeschaltet sein werde. Jetzt sei der Streit behoben, der durch Missverständnisse auf beiden Seiten hervorgerufen worden sei. Diese Missverständnisse seien aufgeklärt und beigelegt, Hätte man es jetzt zu einer Verständigung gebracht, so sei damit auch begründete Aussicht auf einen vollen, endgiltigen Frieden gegeben. Schriftsteller York-Steiner wies hierauf in hinreissender Rede auf Grund der Geschichte nach, dass die Uneinigkeit unter den Juden den Titusbogen erbaute. Der Jude müsse eine Autorität anerkennen und sich unterordnen lernen. Zur Verteidigung der Westler führte der Redner an, sie seien nicht leichthin Philanthropen, sondern bewusste Zionisten, was sie genügend bewiesen, indem sie sich trotz vielfacher Widerwärtigkeiten offen und hingebungsvoll der Bewegung anschlössen. Es dürfte, schloss er, kein „Ost" und „West" mehr geben, denn wenn jüdisches Blut fliesst, fragt man nicht, ob es von Ost oder West stammt. Redner wurde mit tosendem Beifall belohnt. Die folgenden Produktionen des Herrn Lipsky, der in geradezu virtuoser Weise das Klavier meisterte, erntete grossen Beifall. Es sprachen noch Herr Urisohn von der Misraehi-Partei, techn. Kaplan, und A. Müller aus der Kolonie Jabne-El; letzterer in fliessendem Hebräisch. Zum Schluss sang jur. Biann Jargonlieder, worauf die Gäste in gehobener Stimmung die Versammlung Verliesen. Die Pausen wurden durch Absingen nationaler Lieder ausgefüllt. Für den N.-F. wurde in einer offiziellen Büchse -gesammelt.