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Die Welt · 1904-04-22 · 17 (22.4.1904) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 „bie $ w$it" Seite 3 Wir haben auch bei der Gründung der Hamburger Handelsgesellschaft eingegriffen und sowohl unsere Freunde als auch unsere Jüdische Kolonialbank in London dafür interessiert. Ich glaube, dass es unnötig ist, erst ausführlich zu erörtern, von welcher Wichtigkeit diese Handelsgesellschaft werden kann. Wir haben auch eine Zeitschrift „Altneuland" begründet, damit unsere Ideen der Oeffentlichkeit und zwar nicht nur der zionistischen und überhaupt jüdischen, sondern auch der christlichen und mohammedanischen klar vorliegen. Jeder möge wissen, was wir wollen und wie wir es betreihen, damit alle Welt sehe, dass 'es eine grosse, moderne Kulturbewegung ist, die mit den Forderungen unserer.Zeit in vollstem Einklang steht. Wir dürfen nun mit Genugtuung konstatieren, dass unsere Zeitschrift viel Anklang findet, so dass wir hoffen, dass sie in kurzem sich werde selber erhalten können. An Stoff fehlt es. uns nicht, zumal wir Wert darauf legen, ähnliche Gebiete in den Bereich unserer Betrachtungen zu ziehen, Gebiete, von denen wir wissen, dass, sie in Bezug auf Klima oder Bevölkerung wenig verschieden von unseren Forschungsgebieten sind. Wir beabsichtigen ferner wie bisher auch die jüdischen Kolonien in anderen Ländern in den Kreis unserer Besprechungen zu ziehen und an allen Koloiiisations versuchen, die mit Juden gemacht worden sind, eine ernste, sachliche Kritik zu üben. In Bezug auf das Forschungsgebiet wollen wir die grösste Aufmerksamkeit auf die Agrikultur richten. Hier handelt es sich vor allem um die Begründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation. Dass ohne diese systematische, methodische Vorbereitung eine landwirtschaftliche Erschliessung des Landes kaum denkbar ist, scheint mir unanfechtbar zu sein. Ich will nur daran erinnern, welch nachahmenswertes Beispiel uns in dieser Beziehung die Deutschen gegeben haben. Sie haben in allen ihren Kolonien eine Reihe von solchen Versuchsstationen errichtet und aus den dort erworbenen Kenntnissen die besten Erfolge gewonnen. Die Anwendung für unsere Arbeit liegt auf der Hand. Orangen, Trauben, Zitronen, Mandeln etc. könnten auf diese Weise unter viel günstigeren Bedingungen angepflanzt werden. Es lassen sich da viele Möglichkeiten denken und gerade diese Sache wäre leicht zu leisten, da wir überall die besten Beziehungen haben. Aber auch in Bezug auf den Boden werden wir bei einer solchen Vorbereitung viel Nützliches lernen können. Ich denke da an die Austrocknung der Sümpfe, an die intensivere Bewirtschaftung des Bodens und an andere voraussichtliche Arbeiten in dieser Richtung. Das wären nur einige der Punkte, die sich uns aufdrängen. Auch in Bezug auf das KolonistenmateriaL liegt die Möglichkeit einer ausserordentlichen Verbesserung vor. Wir brauchen neben der reinen Versuchsstation, wo die Versuche gemacht werden, noch eine Art Lehrgut, d. h. ein Gut, auf dem die neuen Ansiedler, aber auch die Söhne der Kolonisten die rationellsten Wirtschaftsmethoden erlernen könnten. Auf einem solchen Gute hätten sie die Möglichkeit, sich in zwei oder drei Jahren auszubilden. Das Lehrgut könnte von der Versuchsstation aus beaufsichtigt und geleitet werden. So könnte Theorie und Praxis auf das Nützlichste miteinander in Verbindung gebracht werden. Aber auch die ganze Art der Bewirtschaftung könnte eventuell umgestaltet werden, wenn die von Franz Oppenlieimer vorgeschlagene Siedlungsgenossenschaft eingeführt würde. Ein solcher Versuch müsste allerdings mit einer Gutswirtschaft im grossen Stile gemacht werden. Das sind die wichtigsten Fragen, mit denen wir uns jetzt beschäftigen. — Hierauf macht Prof. Warburg seine Vorschläge betreffs des nötigen Landankaufes. Ueber Antrag des Herrn Architekten Marm orek wird Herrn Prof. War bürg für seinen Vortrag der Dank zum Ausdruck gebracht. In der darauf folgenden Diskussion üTber das Referat Prof. Warburgs, Hie «uf Einzelheiten näher einging, bemerkt Dr. Herzl: Ein Feind der Kleinkolonisatioti ist, wer von ihr spricht, denn ind^m man diese Absicht ausspricht, schafft man an den Orten, wo man arbeiten will, unmögliche KaufVerhältnisse. Direktor Kremenezky erstattet weiter «ien Bericht über die Errichtung einer Waisenschule in Palästina fdr die Kischenewer Waisen, Ursprünglich bestund die Absicht, die Waisenschule mit dem Proj kre der Schulfarm zu verbinden. Das A.-C. ist diesem Projekte nicht abgeneigt. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass das A.-C. noch zu k inem Eats-.:hlusse g* kommen ist, da dasselbe nur ein systematisches Projekt, eine ordentliche Durchfüh) ung und die Bürgschaft für eine geregelte Verwaltung akzeptieren kann. Bei der Verwaltung von Waispug^ldein ist die grösste Sorgfalt die erste Pflicht. In den 1 tz en Wochen wurde dem A.-C. auch eine Anregung unterbreitet, zur Errichtung der VVaisensehule in Verbindung mit m er Lämmel-Schule in Jerusalem, die zu den besten Schulen Palästinas grhü't. Redner bittet zur Duiclführung dieser Anträge eine Kommission einzusetzen, die in der Nachmittagssitzung Bericht zu erstatten habe. Dieser Antrag wird angenommen und die Sitzung wird auf Nachmittag vertagt. Vierter Verhandlungstag. Donnerstag den 14. April. (Nachmittagssitz ung.) Herr Prof. Warburg eröffnet die Debatte über die Antiare der Palästina-Kommission, indem er weitere Auskünfte über einige Punkte gibt. Dr. Alex. Marm orek unterstützt diese Antrage auf das Wärrribte. Ersieht m ihnen nicht nur einen grossen Wirtschaft!.chen Erfolg, sondern ev^rtuell auch eiiun politischen Eifolg. Frankreich zum Beispiel bat es sofort begriffen, Welmen Wert solche wissenschaftliche Institute in Ländern besitzen, die solcher Anstalten entlehnen. £o ist die Tatsache nicht nur interessant, sondern auch st-hr belehrend, dass die meisten Gouverneurs iu Afrika Mediziner sind. Rin w-dteres Beispiel liefert England, welches sofort nach Eroberung Chartunis eine agnkulturelle und bakteriologische Station eingerichtet hat, durch weiche es zunächst die alten U^bel ausrottete. JRedner plaidiert aber, zunächst an Errichtung der Versuchsstation und der medizinischen Station zu schreiten, weil es ebenso für die Kolonisten nützlich ist,?,u< ihrem Boden die besten Kräfte zu ziehen, als auch für die Kolonisation nützlich ist, ein gesundes Menschenmaterial zu erziehen. Dr. Herzl empfiehlt den Vorschlag, ein Siedlungsgut nach üen Anregungen Dr. Oppen heimers zu schaffen, aufs wärmste, weil es für uns ein sehr wichtiges Experiment sein wird für die spätere Gros:-kolonisation. Das Siedlungsgut hat für uns denselben Weil, wie eine landwirtschafilicheVersuchsstaii on. Dr. Herzl weist namentlich nach, dass selbst in d^m unwahrscheinlichen Falle des Misslingens der Siedlungsgenossenschaft ein pekuniäres Risiko für die Bewegung ausgeschlossen ist Dr. Klee schliesst sich diesen Ausführungen an. P i n e 1 e s meint, man müsste beim Kaufe von Gütern in Palästina sehr vorsichtig spin, denn er wisse aus Erfahrm g, dass, als im Jahre 18S2 die alnn rChcwfwe- Zion" in Rumänien die Güter „Samarin" um! „Tantura", jetzt „Sichron Jakob" kauften, und zwar auf den Namen ihres Präsidenten Jsak Loebel, und als dieser bald darauf starb, seinen Sohn Dr. Loebel zum Präsidenten wählten, welcher auch bald darauf gestorben ist, die türkische Regierung die erwähnten Güter für sich konfiszierte. Nach grossen und langwierigen Schwierigkeiten und Kosten und dank der Intervention der österreichischen Gesandtschaft in Konstanünopel, da Loebels österreichische (Jntertanen waren, wie auch der französischen Ambassade, da wir inzwischen die Güter an Michael Erlanger in Paris, den Vertrauensmann des Baron Edmund v. Rothschild verkauften, und nachdem zwei türkische Kaufleute (Mohammedaner) aus Galatz nach Konstantinopel gingen und dort eidlich aussagten, dass Isak Loebel noch einen Sohn und Erben hinterliess, konnte man reüssieren, und die Güter auf den Namen des Herrn Michael Erlang er intabulieren. Dieser hatte mehrere Söhne und die Erbfolge ist somit gesichert. Es ist aus alldem Gesagten zu ersehen, wie vorsichtig man in der Türk ei beim Kaufe von Gütern sein muss, was Redner zur gefälligen Kenntnisnahme empfehle. "'Dr. Jacobsohn ist der Ansicht, dass zuerst eine Versuchsstation geschaffen werde, dann das Lehrgut Diese beiden Institute werden auch die Leute heranbilden, mit denen man das Experiment des Siedlungsgutes machen könne.

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