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Die Welt · 1904-04-22 · 17 (22.4.1904) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 # W*lt" Nr. 17 diese Meinungskämpfe uns nicht nur nicht schaden, sondern unsere Arbeit immer von neuem befruchten, immer neue Gesichtspunkte zur Geltung bringen, uns davor bewahren, mit unserem Programme hinter der Zeit und ihren geänderten Verhältnissen zurückzubleiben. Darum sind wir auch von so fester Zuversicht erfüllt, dass wir unser Ziel erreichen müssen. Nicht nur, dass wir es in einer unserer Zeit entsprechenden Weise anstreben, wir haben unserer Bewegimg auch alle Entwicklungsmöglichkeiten gesichert, die sie gross machen können. Wie das Leben, so stellt unsere Bewegung ein in ewigem Flusse Befindliches dar. Unveränderlich, unbeweglich ist nur Eines, ist unser Ziel, ist Zion. So können wir auch jetzt nach den Wiener Verhandlungen darauf rechnen, dass unsere Sache wieder mächtig gefördert werden wird. Eine gewisse Zeit mussten wir der Schlichtung der auftretenden Meinungsverschiedenheiten widmen. Diese Zeit ist vorüber, die Episode Charkow abgeschlossen. Jetzt gibt es für uns alle wieder nur unsere Arbeit, Vorwärts! Dass wir einholen, was wir versäumen mussten. W. Die Konferenz des grossen Ä.-C. IV. Verhandlungstag. Donnerstag den 14. April. Vormittagssitzung. Direktor K r e m e n e z ky erstattet namens des engeren „A.-C." Bericht über die Arbeiten in Palästina. Seine Ausführungen kulminieren in dem Satze, dass das engere nA.-C.£% ohne durch einen Kongressbeschluss oder durch ein Votum des grossen „A.-C." gebunden zu sein, alles unternommen habe, um sowohl selbst praktische Unternehmungen in Palästina zu fördern, als auch Privatunternehmungen wie z. ß. die Geullah nach Möglichkeit zu unterstützen. (Der Geullah wurde von der jüdischen Kolonialbank eine halbe Million Francs zur Verfügung gestellt)* lieber Ersuchen Dr. Herzls hält Dr. Kahn einen kurzen Vortrag aber die Bodengesetzgebung in der Türkei und Palästina. Die Bodengesetzgebung in der Türkei unterscheidet sich ganz wesentlich von den diesbezüglichen europäischen Gesetzgebungen« Was wir mit dem N.-F. machen wollen, dass das Land als Gemeingut erhalten bleibe, dass nur das Nutzniessungsrecht überlassen werde, das besteht schon in der Türkei. Prinzipiell gehört aller Boden dem türkischen Staate, Wenn also Grund und Boden gekauft wird, so wird nicht das Eigentumsrecht, sondern das Besitz- und Nutzniessungsrecht gekauft. Man unterscheidet in der Türkei fünf Klassen von Boden. Die erste Klasse ist der Miri-Boden, wo das Oberhoheitsrecht dem Fiskus gehört, welcher das Land an einzelne überlässt, um es zu bearbeiten und den Zehent zu bezahlen. Die zweite Form ist die der Mülkgüter. Da besitzt man volles Eigentumsrecht, man muss aber bei letzteren die Bewilligung vom Fiskus zur Errichtung von Bauten und Kulturen erwerben, denn nach türkischem Rechte gehört der Boden dem Besitzer des auf dem Boden gepflanzten Baumes oder erbauten Hauses und der Fiskus begibt sich somit eines Rechtes auf den Boden, wenn er die Bewilligung zur Errichtung von Bauten erteilt. Die dritte Form ist Metrukeh; wo eine ganze Gemeinde die Besitzerin ist. Es gibt in der Türkei Gemeinden, die ein Gesamtrecht haben, und es wird dann nach zwei oder drei Semestern durch Los entschieden, wem die einzelnen Stücke zur Nutzaiessung überlassen werden. Die vierte Form ist Vakuf, das sind die gestiftetenGüter, die bestimmtenZwecken dienen. Die Moschee z. B. ist ein Vakuf. Diese Güter können nicht von Privaten verwaltet werden, sie können nur von Privaten gestiftet werden. Die Verwaltung führt ein besonderes Ministerium. Die fünfte Form E r a s i ist Mevat (todte Erde), das ist noch nicht urbarer Boden. Wer nicht urbaren Boden bebaut, erhält das Nutzniessungsrecht hierüber. Der Boden aber ist Miri. Dr. Herzl resümiert diesen Bericht mit dem Satze: „In Palästina geht der Weg auch zur privatrechtlichen Erwerbung nur durchs öffentliche Recht." Aus dem Bericht des Herrn Prof. Dr. Otto Warburg. Der Bericht, den ich al zustatten hal e, k?nn 1 ei der Kürz3 der Zeit seit dem letzten Kongresse nur wenige Tatsachen umfassen und nur den Beginn der Organisation, die wir in Angriff nehmen wollen, in Betracht ziehen. Im Interesse dieser Organisation halten wir es für wünschenswert, eine einheitliche und schnelle Uebereinkunft über die einzelnen Fragen zu erzielen. Wir haben deshalb als Sitz der einzelnen Sektionen Berlin bestimmt. Mit der Errichtung der juridischen, technischen und chemisch-agrikuüurellen Sektion wurde bereits begonnen, die medizinische wird demnächst konstituiert werden. Der Zweck unserer Kornmission ist kein wissenschaftlicher. Es soll die praktische, wirtschaftliche Erforschung des Landes in Angriff genommen werden. Wir stellen also keineswegs eine Konkurrenz für die wissenschaftlichen Vereinigungen vor, die sich mit der theoretischen Erforschung desselben und des Orients beschäftigen. Wir haben uns sogar unter anderem mit dem deutschen Palästinaverein in Verbindung gesetzt und dürfen auf die Unterstützung dieser Vereinigung rechnen, indem wir von ihr das wirtschaftliche Material, das sie bei ihren Arbeiten vorfindet, erhalten werden, ebenso wie wir das rein wissenschaftliche Material, das wir bei unseren Forschungen erhalten werden, ihr gerne zur Verfügung stellen wollen. Natürlich sind das bloss Anfänge. Was die Sektionen betrifft, so haben wir ausser den Herren in Berlin und im Orient, die sich mit derartigen Forschungen beschäftigen, auch andere zu gewinnen gesucht, die ausserhalb Berlins sich befinden und sich mit derartigen speziellen Fragen befassen. Die Arbeiten in den Sektionen können begreiflicherweise keineswegs als abgeschlossen gelten. Die Schwierigkeiten, die sich uns entgegenstellen, sind so grosse, dass wir auch nicht erwarten können, schon in diesem Sommer grössere wirtschaftliche Arbeiten vollendet zu sehen. Die juristische Arbeit ist eine so komplizierte, d&ss unsere Sektion wohl Jahre brauchen wird, um sie vollständig zu durchdringen. Die Wichtigkeit speziell dieser Arbeit ist einleuchtend, ebenso wie unser Bestreben, auf diesem Gebiete mit "all der gebotenen Vorsicht vorzugehen. Was die technische Sektion betrifft, so liegen die Schwierigkeiten an anderer Stelle. Der technischen Sektion sind Aufgaben zugeteilt worden, die in Bezug auf das Theoretische wohl eine Anzahl von Vorarbeiten aufzuweisen haben; aber es handelt sich darum, diese Erfahrungen auf ein bestimmtes Terrain zu übertragen. Wir haben ja einige Leute, die in einzelnen Fragen Bescheid wissen. So lange aber nicht Techniker an Ort und Stelle selbst alle die Fragen studieren, können wir von einer Sicherheit nicht sprechen. Diese Studien an Ort und Stelle aber bedürfen wiederum langer Zeit. Mit der agrikulturellen Sektion ist in Europa nur wenig durchzuführen. Wir können wohl aus Berichten studieren, was im Forschungsgebiete wächst und wie es wächst, in welcher Menge und in weicher Qualität. Das genügt aber nicht, um uns zu Entschlüssen zu bringen, was dort geschehen soll. Wir haben einige ausgezeichnete Mitarbeiter, so dass wir hoffen können, mit der Zeit besser informiert zu sein. Die Kenntnis aber, die wir benötigen, werden wir selbstverständlich erst nach Jahren haben können, wenn wir uns auch die nötigen Mittel verschafft haben werden, die eine solche Aufgabe unbedingt erfordert. Vorläufig wollen wir dort anfangen, wo es am nötigsten ist. Wir werden also vor allem darnach trachten, eine gewisse Uebersicht über die einzelnen Klassen d;es Bodens, der zum Verkauf steht, zu erwerben, damit wir über den tatsächlichen Wert und über die voraussichtlichen Transportkosten zuverlässige Auskunft geben können. Das ist allerdings von hier aus nicht so leicht zu bewerkstelligen, und im Forschungsgebiete selbst ein grösseres Personal zu halten, dazu reichen vorläufig unsere Mittel nicht. Darum scheint es mir als das Wichtigste, hier eine solide Basis für diese Untersuchungen zu finden. Das scheint mir für die nächste Zukunft durchführbar.

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