Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 16 (15.4.1904)
- Date
- 1904-04-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 „bis & weit" Nr. 16 halb 8 Uhr abends, im Cafe* Blumschein, IL, Untere Augartenstrasse Nr. 19, eine Versammlung, in der nur organisierte Gesinnungsgenossen Einlass finden. Fortsetzung der Tagesordnung 1. Die am 22. Mai 1. J. in Krakau stattfindende Konferenz der zionistischen Proletarier. 2. Das zionistische Programm der proletarischen Organisation. 3. Organisationstaktik. 4. Eventuelles. Es ist Pflicht eines jeden zionistisch-organisierten Proletariers und es liegt in seinem eigenen Interesse, zu dieser Versammlung zu kommen« Wien. (Mädchen- und Frauenverein „Bikur Chaulim\) Samstag d, 16. d.M. abends halb 8 Uhr findet im Kongressbureau, IX., Türkenstrasse 9, 2. Stiege 2 ein Vortrag des Herrn Dr. Sigm. Werner über „der Nährwert unserer gebräuchlichsten Nahrungsmittel" statt. Gäste herzlichst willkommen. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria".) Sonntag den 17. d.M. wird Frl. Laura Fleischer einen Vortrag über das Thema „Aus der Heldengeschichte unserer Ahnen" halten. Beginn halb 4 Uhr nachmittags im Kongress-Saale, IX., Türkenstrasse 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt" II. Untere Augartenstrasse 19 (Cafe' Blumschein) Sonntag den 17. April präzise 6 Uhr abends Vortrag des Gg. Leopold Seelenfried, Thema: Die Chemie im täglichen Leben. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Gäste willkommen. Wien. Vereinigte jüd. Arbeiterorganisation des II. Bez. Samstag, den 30. April findet im Saale zum goldenen Widder, II. Taborstrasse 36, eine Akademie unter Mitwirkung hervorragender Kunetkräfte statt Karten sind im Vorverkaufe erhältlich: „Cafe" zur Börse" I. Wipplingerstr. 35, „Cafe Moller" IL Untere Augartenstrasse la, „Cafe Blumschein" II. Untere Augartenstrasse 19, in der Administration des „Jüdischen Arbeiter" II. Untere Augartenstrasse 9, und bei allen Ausschussmitgliedern. Berichte. Wien. Der Verein zionistischer Frauen und Mädchen in Fünfhaus hielt am 10. April seine diesjährige, sehr gut besuchte Generalversammlung ab. Die Nationalfondssammlung ergab einen namhaften Betrag. Nach Eröffnung der Versammlung durch die verdienstvolle Präsidentin Frau Fanny Weiss wurde der launige von Frau Baad verfassteRechenschaftsbericht verlesen; welcher mit lang anhaltendem Beifall aufgenommen wurde. Hierauf hielt Frau Dr. Krenberger einen Vortrag über Agitation und Organisation der zionistischen Frauen und Mädchen, in welchem sie die Notwendigkeit einer intensiven wirtschaftlichen Gegenwartsarbeit eingehend darlegte. Die wohldurchdachten Auslührungen wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Bei der hierauf folgenden Neuwahl des Ausschusses wurden folgende Damen gewählt: Präsidencin : Frau Weiss, 2. Präsidentin: Frau Dr. Krenberger, 3. Präsidentin: Frau Dr. Kadisch, 1. Schriftführerin : Frau Baad, 2. Schriftführerin: Frau Kahane, 1.Kassiererin: Frau Pick, 2. Kassiererin: Frau Dr. Riger, Revisorinnen: Frau Mühlhofer, Frau Grün, Beirätinnen: Frau Steinherz, Frau Löwy, Fräulein Weider, Frau Hartmann. Wien. (Lit. Geselligkeits-Verein jüd. Mädchen „Moria".) Sonntag den 20. d. M. fand unter zahlreicher Beteiligung die »Rosa Kollmann Gedächtnisfeier statt. Es waren Vertreter der Landes- und Distrikts-Komitees, der meisten zionistischen Vereine Wiens, der israelitischen Kultusgemeinde, sowie des Vereines „Zion" aus Olmütz erschienen. Die Präsidentin Frl. Berta Herrmann gedachte mit tiefempfundenen, warmen Worten der Verdienste, die sich die Verewigte um die „Moria" und den Zionismus erworben hat und richtete dann an die beiden Mädchen das Wort, die aus dem Erträgnis der „Rosa Kollmann- Widmung" reichlich beschenkt wurden, indem sie denselben ans Herz legte, dem Beispiele der Verewigten jederzeit zu folgen. Daun ergriff der Vertreter der Kultusgemeinde Herr Braun das Wort und gab seiner Befriedigung über die pietätvolle Feier Ausdruck. Herr Dr. E M. Zweig feierte die Verdienste Rosa Kollmanns im Namen des Landes-Komitees. Mit der Beteilung der beiden Mädchen schloss die würdige Feier. Nachher folgte der Vortrag des Frl. Helene Schweinburg über „Die Pflege des Schönen". Rednerin erntete wohlyerdienten Beifall, Teplitz. Der Vortrag Dr. Klees-Berlin, den er jüngs* hier hielt, hatte dem Rahmen und dem Erfolge nach die Bedeutung eines Festtages für die hiesigen Zionisten. Vorweg soll konstatiert werden, dass die Mitgliederzahl der hiesigen Organisation am selben Abend von 95 auf das Doppelte stieg, der Nationalfonds das Seinige erhielt und die Propaganda durch verkaufte Broschüren stark gefördert wurde. Der grosse Kursalon war samt Galerien und Nebenräumen überfüllt, zum Teil von einer deklarierten Opposition von Sozialdemokraten und deutschnationalen Assimilanten. Doch wusste der Präsident, Herr Sig. Epler, die Versammlung in wünschenswerter Weise zu leiten und Klees Rede machte jede Gegnerschaft zu nichte. Sie war ein rethorisches Meisterwerk voll Schwung und Feuer, eine summarische Abrechnung mit allen feindlichen Argumenten. Stürmischer Beifall unterbrach die Rede oft und folgte ihr. Die Diskussion hielt sich auf der Höhe des Vortrages und wurde mit einem Appell Dr. Klees an die Frauen geschlossen, dessen Inhalt das Wesen des N.-F. war. Auch hier weckte der Redner die Begeisterung des Publikums, unter dem sich Gäste aus Prag, Raudnitz und Berlin befanden. Der Erfolg war durchgreifend und wurde der Fortschritt unserer Idee in Böhmen stark gefördert. Leipzig. N.-F. Mk. 15.35. Am 14. v. M. veranstaltete die hiesige „Zionistische Vereinigung« eine öffentliche Versammlung, in welcher unser geschätzter Gast, Herr Architekt Marmorek, Wien, über „Selbsthilfe der Juden" sprach. Ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden und folgte mit grosser Aufmerksamkeit den Ausführungen des Redners, der leider infolge der vielen Reden, die er in letzten Tagen in verschiedenen Städten Deutschlands hielt, sprachlich angegriffen war. Eine grosse und lebhafte Debatte, die sehr interessant verlief und bis 1 Uhr nachts dauerte, entspann sieh hierauf und nahmen an dieser teil: die Herren Rabbiner Dr. Nobel, Jul. Wiener, Dr. Tycocinsky, Blümlein, Schreiber- Leipzig, D. Trietsch-Berlin und Biitz-Dessau. Der Herr Referent konnte in einem gut gesprochenem Schlusswort die vorgebrachten Einwände und Bedenken zerstreuen und aufklären. Wir gewannen mehrere Mitglieder. Schekel wurden gesammelt. Wir wünschen, recht oft solche Versammlungen abhalten zu können. Berlin, Die Agitation ist, wie uns aus verschiedenen Städten mitgeteilt wird, in vollem Gange. In der letzten Woche sprach unter anderen Dr. K1 e e in Dessau und Bonn, Dr. Friedemann in R e g e n s b u r g. Die Zahl der deutschen Zionisten hat sich seit dem Kongress um ungefähr 2000 vermehrt. B. Breslau. Am Sonntag den 27. März spracli im grossen Saale der neuen Börse vor etwa 500 Personen Herr Elias Auerbach über JDie Auferstehung des jüdischen Volkes". Der Vortrag unterschied sich wesentlich von den sonst üblichen Agitationsvorträgen, vor allem durch die scharfe, klare Betonung des nationalen Momentes der?ionistischen Bewegung. Redner geht von der Kulturarbeit des jüdischen Volkes in der Vergangenheit aus, dieses Volkes, das nun zum Untergang verurteilt sei, wenn nicht ein neues Bindemittel geschaffen werde. Gerade die besten Kräfte gehen uns verloren, obwohl bei der Entäusserung der jüdischen Eigenart nichts zu gewinnen, wohl aber sehr viel zu verlieren ist. Aber auch die, die sich vom Judentum abwenden, können nicht ganz loskommen; immer kann man Zeichen innerer Zerrissenheit bei ihnen wahrnehmen. Der Judenschmerz bleibt nuen, eine folge der Empfindung der Gebundenheit ihrer Kräfte. Die anderen aber, die auch die Sehnsucht haben, ganz wie andere Menschen zu sein, als Juden zu leisten, was sie können, suchen einen Ausweg. Sie finden sich in der Erkenntnis, dass das Judentum verloren geht, wenn es weiter zersplittert bleibt. Das Volk muss neugeboren werden. Das kann man nicht durch Geld erreichen — _.,die Idee ist es, die das Volk erlöst*' — sagt ein Wort unseres machtvollen Führers Theodor Herz1. Was wir Zukunftsjuden zu erwarten haben, das empfinden wir Zionisten bereits, denen die Arbeit am Versuche schon unend'ich viel gegeben hat. Wir haben unser Eigenstes und Bestes wiedergefunden. Anders als die Griechen, haben wir unser Höchstes geschaffen, als wir schon aus unserem Lande ne.-ausgerissen waren. Wir haben noch nicht alles getan, was wir tun können — so ist der Gedanke unserer Mission aufzufassen. Aber nur durch Gründung einer gemeinsamen Heimat können wir dem vorbeugen, dass wir überhaupt aufhören, als Kulturfaktor zu existieren. Jetzt gerade^ nicht früher und nicht später, musste unsere Bewegung einsetzen. — Zweieinhalb Stunder war die Versammlung den klaren Ausführungen mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt und lohnte sie zum Schlüsse durch reichlichen, langanhaltenden Beifall. Aus der Diskussion ist nur hervorzuheben, dass Herr Karger behauptete, die anderen Vereine (gemeint sind Kolonisations-, Hilfsetc. Vereine) wollten