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Die Welt · 1904-04-15 · 16 (15.4.1904) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „b^ * Weit" Nr, 16 Es gibt nur eine Einigkeit. Das ist die Einigkeit in den Gedanken, Ideen und Prinzipien. Damit hat die ßrotfrage nichts zu tun. Das Unglück der jüdischen Nation besteht eben in dieser Brotfrage. Aber wir können es nicht fassen, wie Sie in dem grossen jüdischen Problem mit der Ugandafrage kommen können und glauben, dass Sie mit diesem Mittelchen das grosse ökonomische Unglück lösen können. Sie kommen zu dem Volke, das Hunger hat und in Not ist, mit dem Worte Ziel. Das Vojk wird immer darnach greifen und es wird nicht daran denken, ob dieses Brot auch wirkliche Hilfe bedeutet. Wir würdigen alle den grossen Vorschlag der englischen Regierung, aber dieser Vorschlag ist nur ein enormer Erfolg für die zionistische Bewegung, wenn er abgelehnt wird, ein Unglück, wenn er angenommen wird. In Russland gibt es 5 000 000 Juden, der jährliche Zuwachs beträgt etwa 3 Prozent, also bei 150 000. 50 000 wandern jährlich aus und da kommt man diesem Volke, das trotz der riesigen Auswanderung den Zuwachs nicht verringern kann, mit dem Uganda-Projekt. Alle Vorschläge, den Strom der Auswandernden abzulenken, sind eine Almosenpolitik, wie Dr. Herzl selbst auf dem V. Kongresse gesagt hat, das Endziel einer Bewegung muss mit der täglichen Bewegung immer streng verbunden sein, sonst wird das Endziel eine Mumie. Unser Endziel ist in dem Basler Programm niedergelegt. Das können wir nicht ändern, denn es ist durch die Jahrhunderte gemacht worden. Wir haben deswegen in Charkow gesagt, wir wollen Klarheit in der Uganda-Sache haben, wir wollen wissen, ob Dr. Herzl es. ernst meint oder nicht. Mit Uganda kommt man zu nichts und wegen dieses Nichts stört man unsere grosse Sache. Wollen Sie frieden haben, so kehren Sie zu Zioji zurück. Dienstag den 12. Aprii vierte (Nachmittag-) Sitzung. Auch die vierte Sitzung wurde mit der Debatte über die Erklärung Dr. Herzls ausgefüllt. Rabb. Rabbinowitsch meint, der Kongress darf sich mit der Kolonisation Ugandas nicht beschäftigen. Er darf nur die Initiative geben, sonst hätte ich gewiss nicht mit J a gestimmt. Die Expedition muss natürlich abgeschickt werden, denn es ist ein Kongressbeschluss. Unsere Arbeit gehört nach wie vor nur Palästina. Können wir den Charter jetzt nicht bekommen, so müssen wir die Juden, die bereits dort sind, dort kolonisieren. Adolf Stand: Ich bin von Qalizien ausschliesslich zu dem Zwecke gekommen, um hier als Vermittler aufzutreten. Die Vermittlung denke ich mir aber nicht als Lösung einer persönlichen Frage, sondern als Herbeiführung einer Einheit, auf Basis der Idee. Ich will also die Hauptfrage, die Ugandafrage, beleuchten. Ich sehe da drei Alternativen, die sich in folgende Formeln bringen lassen. Zion oder Uganda, Uganda als Mittelweg nach Zion und Zion und Uganda. Wer die Frage Zion oder Uganda stellt, steht bereits ausserhalb unserer Partei und hat aufgehört Zionist zu sein. Mit dem also werden wir hier nicht sprechen. Zion und Uganda. Unser Volk, das kaum imstande ist, die erste Frage zu lösen, soll zwei auf einmal lösen. Wir haben weder das Geld, noch das Menschenmaterial in so starkem Masse, um die zweite Frage zu erfüllen. Wenn wir es aber haben, dann wollen wir erst recht die erste lösen. Bis nicht ein Kongressbeschluss mich bindet, dass ich für Uganda sein soll, bis zu dem Momente werde ich kämpfen, da ich unser teures Geld nicht verschleudern, unser Menschenmaterial nicht opfq.ru will und die teure Person unseres Führers nicht weggeben darf für eine fremde Sache. Uganda als Mittelweg. Wozu der Mittelweg? Ist heute Palästina leicht zu erreichen, gut, ist es schwer zu erreichen, eine desto grössere Anspornung aller existierenden Kräfte ist notwendig, damit es geschieht. Der Mittelweg kann nur das Endziel aufhalten, ja vielleicht mit der Zeit aufheben. Wird ein Kongressbeschluss im Uganda-Sinne zustande kommen, dann werde ich als disziplinierter Parteisoldat für ihn nicht sprechen und nicht schreiben, wohl aber schweigen. Dr. T s c h 1 e n o w freut sich über die Aufklärungen, die Dr. Friedemann im Namen der deutschen Zionisten gegeben hat, dass sie durchaus nicht auf philanthropischem Standpunkte stehen. Redner gesteht, dass auch er zu denen gehörte, die bisher den westlichen Zionismus vom philanthropischen Standpunkte betrachtet haben und freut sich, jetzt eines besseren überzeugt zu sein und die westlichen Zionisten auf demselben Standpunkte zu finden, den wir von jeher eingenommen haben. Wenn die Sache so ist, dann müssen wir auch die Uganda-Frage nur von diesem Standpunkt betrachten. Es gibt ausser einigen Ausnahmen wohl niemanden, der es zu sagen wagte, dass man statt Palästina ein anderes Land für unser Endziel wählen könnte. Wenn aber behauptet wird, dass man neben Palästina noch ein anderes Land hinzuziehen könne, so stehe ich nicht auf dem Standpunkte, dass jede Rede von einem anderen Lande als Palästina als ein Verrat betrachtet werden muss, wie Ussischkiri und vor ihm Prof. Gottheil gesagt haben. Wenv. man aber jetzt von einem anderen Lande als Gegenwartsprogramm spricht, so müssen wir uns fragen, ob wir wirklich etwas in dieser Hinsicht leisten können. Wir haben noch keine Versuche gemacht in der Kolonisierung jungfräulicher Länder, aber aridere, wie Carl Rathgea, der die englische Auswanderungspolitik irn 19. Jahrhundert behandelt hat, können uns darüber belehren. Und da beweist er: alle Versuche mit Massenkolonisationen sind den Engländern misslungen. Lord Kimber, de: Präsident der Natal Land Company, arbeitete ein Projekt aus, das im englischen Parlament beraten wurde und als Minimum für die Besiedlung einer Familie bei Grosskolonisation 3Ü0U Rubel festgesetzt hat. Bei unserer Emigration aus Russland, von 75 000 Leuten jährlich, welches Geld müsste da aulgewendet werden, um auch nur einen kleinen Teil anzusiedeln! So ist die Uganda-Frage, wie ich schon am VI. Kongresse sagte eine Illusion, die uns nicht schaden kann. Die Leute, die jetzt von Uganda schwärmen, werden wieder zu uns kommen. Jetzt aber wird uns der Kongressbeschluss vorgewiesen, der unbedingt ausgeführt werden muss, und da bin ich nicht der Meinung des Kollegen Ussischkin, dass es auch nicht obligatorische Beschlüsse für uns gibt. Darum sage ich, dass, wenn man das zionistische Geld nicht angreift, man die Expedition wegschicken soll. Doch hat diese Illusion uns in der Agitation schon grossen Schaden gestiftet, da niemand rechte Lust zeigt, Schekel zu zahlen, Shares zu kaufen, ja selbst für den Nationaliouds wird nicht mehr recht gesammelt, da niemand die Gewissheit hat, Avas mit dem Oelde geschieht. Alle unsere Aufklärungen nützen da nichts und deshaSo wollen wir von der Leitung genau wissen, wie sie sich zur Uganda-Frage stellt. Und da frage ich Doktor Herzl, er möge uns erklären: Ist er Territorialist oder Zionist? Um diese Frage aufzuklären, haben wir unsere Kollegen nach Charkow geschickt. Wir haben in Charkow nur Frieden zu schaffen gesucht. Derselbe Zweck war auch in meinern Zirkular. Wenn man jemals etwas .mit seinem Herzblut geschrieben hat, so tat ich es im Zirkular. Ich bestehe auf jeder Behauptung vollständig. Zum Schluss noch zwei Worte. Doktor Jelsky hat uns eine schöne Rede über die Einigkeit gehalten. Ich bin auch der Ansicht, dass das Grösste, was der Zionismus geschaffen hat, die Einigkeit ist. Nur muss es auch, wenn Einigkeit sein soll, einen Zweck geben, der die Leute einigt. Darum sage ich Ihnen jetzt, Brüder, wir stehen vor einer grossen Gefahr. Wenn das Ideal gebrochen wird, dann gibt es keine Einigkeit. Darum bin ich gekommen, Ihnen zu sagen: Das Einzige, was uns einigt, ist Zion! Behüten wir das und dann werden wir einig sein! Greenberg: Ich habe in Leeds nichts anderes gesagt, als dass, wenn unsereBewegung imAnfange eine jüdischnationale genannt worden wäre, sin guter Teil von Missverständiiissen ausserhalb unserer Bewegung geblieben wäre, und ich erklärte dort, dass ein jüdischer Nationalismus ohne Palästina unmöglich sei. Meine ganze Rede in Leeds war notwendig, weil Dr. Gaster und auch andere in heftiger Weise gegen die Beschlüsse des Kongresses aufgetreten waren, und weil ich erfuhr, dass der Regierung Auszüge aus ihren Reden übergeben wurden, um zu zeigen, dass der Einfluss Dr. Herzls vermindert sei und die Kongressbeschliisse nicht anerkannt werden. Daruni war es notwendig, in grossen Versammlungen zu zeigen, dass Dr. Herzl nach wie vor unser Führer sei. Die Herren in Russland haben aber meine Rede missverstanden. Es wurde nie daran gedacht, Ostafrika als Endziel unserer Arbeit zu betrachten. Ostafrika ist €her ein Sprungbrett, um unsere Arbeit für Palästina vorwärts zu bringen. Sind Sic aber, meine Herren, nicht dieser Ansicht und fürchten Sie, dass das jüdische Volk vom Palästina abgewendet werden könnte, dann ist es Ihre Pflicht, als die alte Garde in der Bewegung zu verbleiben, um eine Diversion zu verhindern. Ich will Ihnen aber folgende Frage vorlegen: Würde es nicht besser sein, wenn so viel Juden als nur möglich nach Ostafrika gehen, damit sie sich dort in einer Ansiedlung von jüdischem Charakter mit jüdischer Autonomie befinden, statt, dass sie sich in den Ghettis von Amerika und den übrigen Teilen der Welt zerstreuen? Es ist für uns ebenso notwendig, die Juden für Palästina zu retten, als Palästina für die Juden. Sicher ist, dass dann ein Ende gemacht wurde mit dem grauenhaften Hin- und Herschwanken der grossen Masse von jüdischer Armut und jüdischem Elend. Könnten wir den unglücklichen Wanderern einen ruhigen Platz gehen, wurde sich auch die ganze Situation der Juden in der ganzen Welt heben, denn die Welt würde uns für fähig halten, mit der Schaffung eines Staates in Palästina betraut zu werden. Aus der derzeitigen verworrenen Situation gibt es nur einen Ausweg, das ist, ein Kompromiss zu schliessen. Lassen Sie Dr. Herzl das Angebot der englischen Regierung annehmen und vor die Repräsentanz der anderen grossen jüdischen Körperschaften bringen, welche ausserhalb der zionistischen Bewegung stellen. Lassen Sie diese Körperschaften, wenn der. Bericht der Expedition ein günstiger ist, unabhängig von der zionistischen Bewegung die Kolonisation in Ostafrika durchführen, aber vergessen Sie nicht, dass es Pflicht der zionistischen Bewegung ist, das Prinzip der Autonomie aufrecht zu halten, denn ohne

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