Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 16 (15.4.1904)
- Date
- 1904-04-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bie * weit11 Nr. 16 der ist nun hoffentlich aufrichtigen Herzens und für lange Zeit geschlossen worden. Frieden in unserer Bewegung — möge er zur Hoffnung des Friedens werden für unser Volk, W, Die Konferenz des grossen A.-C. Montag den 11. April wurde die Konferenz des grossen A.-C. eröffnet. Es waren erschienen: Die Herren des engeren Wiener A.-C, ferner: Aus Oesterreich: Dr, Krenberger, Dr. Goldwasser, Adolf Stand, Karl Resek. Aus Ungarn: Rabb. Roth. Aus Deutschland: Dr. Kiee, Dr. Friedemann als Stellvertreter und Direktor Woiffsohn. Aus England: Qreenberg und Cowen. Aus Rumänien: Samuel Pineles. Aus Serbien: Dr. Alkalay. Aus Belgien und Hollarid: Henry Grünau und H. Kann. Aus der Schweiz: Dr. Farbstein. Aus Russland: Dr. Bruck, Dr. JelsKy, Prof. Mandelstamm, Jassinowski, Dr. Jakobsohn, Dr. Kohan-Bernstein, Dr, Tschlenow, Dr. Belkowsky, lug. Ussischkin, Rabb. Rabbinowitsch und die Herren Dr. Scheinkin und Dr. Rosenbaum als Stellvertreter. Aus Frankreich: Dr. Alex. Marmorek. Aus Amerika: Dr. Stephan S. Wise. Als Vertreter der zionistischen Kommission zur Erforschung Palästinas: Prof. O. Warburg. Nach Verlesung des Eiulaufes, der Zustimmungskundgebungen aus allen Ländern aufweist, werden die Protokolle der letzten A.-C.-Sitzungen verlesen und die Tagesordnung der Konferenz folgendermassen festgesetzt: 1. Tag: a) Erklärung des Präsidenten. . b) Debatte. 2. Tag: a) Fortsetzung der Debatte. b) Schiedsgerichtsfrage. c) Entwurf Bodenheimer-Farbstein. 3. Tag: a) Nationalfondsentwurf, Ref. Farbsteiu. b) Bank, Ref. Woiffsohn. c) Palästina-Kommission, Ref. Warburg: 1. Volksdomänen; 2. Landankauf; 3. Kischenewer Waisenschule; 4. Hamburger Gesellschaft; 5. Mädchenschule Jaffa. Die Eröffnungsrede Dr. Herzls. Der Vorsitzende hält vorerst der verstorbenen Oberst Goldsfnid einen Nachruf: Oberst Goldsmid hat sich vollkommen in die neuen und grösseren Aufgaben hineinzufinden gewusst. Er war ein pflichteifriger Ziemst und unsere Bewegung verliert in ihm einen grossen Kämpfer.'* Nun nimmt Dr. H e r z 1 das Wort zur Eröffnungsrede. Er sagte: „Ich habe trotz aller Schwierigkeiten und der Kränkungen, die ich zu erleiden hatte, beschlossen, zu Ihnen Worte des Friedens zu sprechen. Ich weiss, welche Beunruhigung in den Massen unserer braven, armen, guten, gesinnungstreuen Zionisten in der ganzen Welt, insbesondere in Russland existiert, mit welch grossen Sorgen sie diesen Verhandlungen entgegensehen, wie sie fürchten, dass diese mühevoll geschaffenen Anfänge einer nationalen Organisation zur Vollbringung des rationalen Werkes geschädigt werden könnten. Insbesondere will ich alles vergessen, was gegen mich persönlich geschehen ist. Wo ich aber gewissennassen aufwachen muss, das ist der Augenblick, wenn es sich um die Beruhigung unserer Organisation, um die Vollbringuni: der Arbeit, um die Kräftigung unserer Einheit, um die Ausführung der Aufträge handelt, die wir vom Kongress bekommen haben und zu deren Ausführung wir uns durch die Uebernahme unserer Mandate auf dem Kongresse verpflichtet haben." Dr. Herzl rekapituliert nun die Ereignisse seit dem Kongresse. Er verweilt etwas länger bei der Besprechung des Versprechens der russischen Regierung, in Konstantinnpel für den Zionismus zu intervenieren, welches ein grosser Erfolg war und die palästinensische Aussicht ungeheuer vei besserte. .Dieser Erfolg, so gross er auch war, berechtigt uns nicht, das hochherzige Anerbieten der englischen Regierung, unseren notleidenden Massen ein Territorium zu überlassen, zu unterschlagen. Mein oersönlicher Standpunkt in dieser Sache ist, dass wir kein Recht hatten, einen solchen Vorschlag einfach abzuweiser, ohne das Volk befragt zu haben. Diesen Vorschlag will ich mit einem Wort bezeichnen: „Das ist ein Stück Brot." Ich, der ich vielleicht Kuchen zu essen habe, habe nicht das Recht, ein Stück Brot, welches den Armen angeboten wird, abzuweisen, weil ich es nicht will, oder es nicht brauche. Ich bin vielleicht davon begeistert, wenn selbst in der Hungersnot die idealen Triebe vorherrschen; wenn man sagt, wir wollen diesen Vorschlag nicht — aber die Frage zu stellen waren wir verpflichtet. Die Vorgänge auf dem Kongresse haben mich tief erschüttert. Nicht vielleicht, weil es eine grosse Minorität gab, oder weil sie auszogen, sondern weil ich mich fragen musste: Die Leute, mit denen du so viele Jahre gearbeitet hast, glauben also wirklich, ich könnte Palästina aufgeben? Das hat mich tief erschüttert und ich ging zu den Neinsagern und sagte ihnen, wie mir ums Herz war. Von dem guten Willen unserer Freunde habe ich nun erwartet, dass sie die Geister allmählich aufklären und ihnen die Sache ganz einfach beibringen werden. Dieser Kongress hat ja noch nicht über Ostafrika endgiltig beschlossen, er hat lediglich bestimmt, dass wir den Antrag in jener Form zur Kenntnis nehmen, in der man alle solche Anträge zur Kenntnis nimmt, zugleich musste das Material gesammelt werden zu einer wirklichen Entscheidung über die Sache, damit das Volk nicht mit Phrasen, sondern aus der Kenntnis der Dinge zu einer Entscheidung komme. In diesem meinem Vertrauen zu meinen Kollegen habe ich mich aber schwer getäuscht. Gleich nach dem Kongresse wurde eine Agitation entfaltet, die unserer Bewegung schweren Schaden zugefügt hat. Insbesondere war meine Intervention in Russlantt einigen Herren nicht recht, trotzdem ich mich erst auf ihre Bitte zu dieser "Reise entschloss. Diese Reise hatte, wie Sie wissen, Erfolg. Dieser Erjolg verhinderte aber nicht, dass mir der Kvieg erklärt wurde. Ich habe dem Vertreter der russischen Mitglieder des A.-C, Prof. Belkowsky, in Aussee alle möglichen Aufklärungen über die ganze Situation gegeben. Zu diesem Zwecke habe ich ihm ein Dokument gezeigt, welches ich hier verlese. (Aus diesem Dokument ist ersichtlich, dass Dr. Herzl nie an das Aufgeben Palästinas gedacht hat, sondern nach dem Kongresse umso energischer in seiner Arbeit für Palästina fortgefahren ist.) Ich habe nun erwartet, dass Belkowsky seine Kollegen über ihren schweren Irrtum aufklären werde. Ich bemerke noch hinzu: Dieser Brief ist abgegangen, lange bevor die Agitation gegen mich begann. Die Kompetenz der Charkower Konferenz bestreite ich. Damit haben Sie einen Wurm in die Bewegung gesetzt, ich. wünsche, dass man ihn ausrotte. Man hat nicht mehr von mir verlangt, als dass ich den Kongress gegen mich selbst beeinflusse. Ich wiederhole, was ich Ihnen anfangs schon sagte: Wir halten uns für verpflichtet, die Beschlüsse des Kongresses und die Erforschung der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie uns von der Majorität des Kongresses zur Pflicht gemacht worden ist, durchzuführen. Trotzdem haben wir in dieser Zeit mit allem Eifer, den Sie aus dem verlesenen Dokumente und aus vielen Schritten erkennen können, für Palästina das Möglichste getan, wie es nach unserer Einsicht und nach unserem Gewissen möglich ist. Wir werden darauf noch zurückkommen. Feststellen will ich, dass wir uns in unserem Palästinaeifer von keinem Herrn eine Lektion geben zu lassen brauchen. Aber wir haben noch einen anderen Eifer, das ist der, wenn irgend möglich, wenn es ohne Opfer an Ueberzeugung und ohne Vernachlässigung unserer Pflicht möglich ist, die Einigkeit herzustellen und unsere Organisation intakt zu halten. Dazu ist es notwendig, dass die Herren, die sich in einer ablehnenden Haltung befunden haben, deutlich erkennen lassen, ob sie die Beschlüsse des VI. Kongresses für die Majorität und Minorität in gleicher Weise bindend anerkennen. Jetzt möchte ich nur an eines erinnern. Sie wissen, wie es die beiden Mütter vor Salomon gehalten haben: die das Kind entzweien wollte, das war nicht die rechte Mutter. Montags- (Nachmittag-) Sitzung. Die Diskussion über die Rede Dr. Herzls. Montag nachmittags wurde die Debatte über die Erklärung Dr. Herzls eröffnet. Als erster ergreift Ussischkin das. Wort. Er will nichts von Herzl, er will von der ganzen zionistischen Welt die Zusage, dass wir Arbeiten, die mit Palästina nicht zusammenfallen, nicht aufnehmen sollen. Die Frage ist nicht, ob Herzl weiter für Palästina arbeitet, oder nicht, sondern die Frage bleibt dieselbe, wie sie am Kongresse diskutiert wurde, nämlich ob wir bereit sind, uns mit der Frage der Kolonisation ausserhalb Palästinas zu beschäftigen. Wenn auch 295 für Ostafrika gestimmt haben, ich erkläre hiermit öffentlich, dass dieser Beschluss für mich nicht obligatorisch ist, da er das Baseler Programm verletzt. Sie können versichert sein, wenn Sie auf Ihrem Standpunkt stehen bleiben, können wir nicht zusammen arbeiten. Dr. Herzl meinte, die ganze Sache sei wie ein Stückchen Brot, das wir nicht zurückweisen dürfen. Das ist ein Humanitätsstandpunkt. Man mus nur sehen, wie die Schüler Herzls diesen Zionismus jetzt auffassen. Man hat meinen Brief einen Revolutionsbrief gegen unsere Organisation genannt. Aber das Ostafrika-Projekt war ein Coup d' etat von oben und die Antwort war darauf die Revolution von unten.