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Die Welt · 1904-04-15 · 16 (15.4.1904) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Werden die Männer, die das Vertrauen des Kongresses an die Spitze gestellt hat, einen Modus finden, um die Misverständnisse, die schon allzulange Verwirrung in unsere Reihen brachten, für immer zu beseitigen und die alte feste Einigkeit wieder herzustellen, die uns die Kraft und die Fähigkeit gibt, unsere so schöne und so sshwere Aufgabe zu erfüllen? Oder werden diejenigen Recht behalten, die seit Monaten überall triumphierend verkünden, dass das Ende des politischen Zionismus gekommen sei? Das war die grosse, für uns, die wir für unser Volk leben wollen, so entscheidende Frage. Das fühlten wir alle: Der Kampf der Meinungen, der so heftig entbrannt war, konnte, durfte nicht weiter andauern, wenn wtr nicht eine schwere Schädigung unserer Bewegung, eine vielleicht verhängnisvolle Spaltung zur Tatsache werden lassen wollten. Gerade aus diesem Gefühl heraus aber, aus der uns allen wohlbekannten Zionsliebe und unerschütterlichen Anhänglichkeit der vom Kongresse gewählten leitenden Personen schöpften wir immer wieder die Hoffnung, dass es zu einer Einigung kommen werde, kommen müsse. Der politische Takt und die bei allem Entgegenkommen unerschütterliche Festigkeit der Wiener Leitung einerseits, die Einsicht von der Gefahr einer unversöhnlichen Haltung und die kluge Würdigung der erreichten Zugeständnisse seitens der russischen Oppositionellen andererseits, nicht zuletzt die allgemeine Ueberzeugung, dass die grossen Arbeiten unserer Bewegung unter dem unheilvollen Streite vielleicht gerade jetzt schwer leiden müssten, alles dies hat zu der erwünschten Verständigung das Seinige beigetragen. Und wir wollen hoffen, dass diese Verständigung eine dauernde sein wird. Gerade dass es bei diesem Friedensschlüsse keine Sieger und keine Besiegten gibt, lässt uns das Beste erwarten. Man hat die Kongressbeschlüsse respektiert und gleichzeitig nochmals alle die Sicherheiten befestigt, die unser zionistisches Programm selbst in den Augen der Besorgtesten zu einem unverrückbaren machen müssen. Die fast einstimmig angenommene Resolution, die das grosse Aktions-Komitee gefasst hat, nebst dem ebenfalls akzeptierten Zusatzantrage des Wiener A.-C. bilden das äusserliche Ergebnis der Verhandlungen über den Streitpunkt, der seit Monaten die Gemüter unserer Gesinnungsgenossen auf das Heftigste erregte. Viel höher aber als dieses äusserliche Ergebnis ist es anzuschlagen, dass diese Beratungen wieder gezeigt haben, wie fest bereits unsere Organisation begründet ist. Es war die allgemeine Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer unantastbaren Organisation, die den Verhandlungen diesen erwünschten und in den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen sicherlich mit Freuden begrüssten Abschluss gab. Es mag seit dem letzten Kongresse manches geschehen sein, was diesem unseren Bollwerk hätte gefährlich werden können. Im entscheidenden Momente haben unsere Vertreter gezeigt, dass sie alle wohl wissen, wie Grosses damit geschaffen wurde, und dass sie des Willens sind, es unversehrt zu erhalten. Damit entfallen viele Befürchtungen der Zionisten and alle Hoffnungen unserer Gegner. Solange unsere Organisation in ihrer Festigkeit erhalten bleibt, verschlägt es gar nichts, wenn auch die Meinungen unserer Gesinnungsgenossen manchmal aufeinander stossen. Gewiss, wir sind nicht alle in allen unseren Anschauungen einig. Darin aber sind wir einig, dass unser zionistischer Weg der richtige und für die Erlösung unseres Volkes jetzt einzig gangbare ist. Mögen auch über die einzelnen Etappen dieses Weges Meinungsverschiedenheiten herrschen, das Ziel war und ist und bleibt Zion und nichts als Zion! Deshalb dürfen wir uns aus ganzem Herzen über die Ergebnisse der Wiener Konferenz freuen. Unser Lebenselement ist der Kampf für unser Volk, der Glaube an seine glücklichere Zukunft. Um aber diesen Kampf führen, diesen Glauben aufrecht erhalten zu können, bedürfen wir des inneren Friedens. Und

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