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Die Welt · 1904-04-08 · 15 (8.4.1904) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
15 (8.4.1904)
Date
1904-04-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15 „bie * W*lt Seite 13 Die Fünf-Rubelbanknote. Von E. G. Feigin. Freie Uebersetzung von Julie Goldbaum, (Fortsetzung.) III. Welwels freudige Erregung über den seltenen Verdienst von einem halben Rubel weniger einer Kopeke war plötzlich gewichen, als Dwejre von dem Loskaufen der Ziege zu sprechen begonnen hatte. Vor seiner Phantasie erstand sofort das Schreckbild des Polizeiaufsehers, jenes fürchterlichen Hamans, den er seit dem unglückseligen Tage mehr als den Tod fürchtete, und dem er wie einem Aussätzigen auswich. „Weisst du, Welwel," begann Schüre nach einigen Minuten bangen Schweigens, um ihren Mann wieder aufzuheitern, „wenn Gott uns nicht verlassen und dir „auf die Feiertage" gute Geschäfte schicken wird, dann werde ich auf Passah ein Pfund Gänseschmalz kaufen. Ich werde dir dann solche „Chremslach" und solche Knödel bereiten, wie du sie noch nie in deinem Leben gegessen hast — wie für einen Kaiser. Du denkst wohl, ich verstehe nicht, sie zu bereiten?14 fragte sie kokett, ihren Mann von der Seite anblickend und die begonnene Scheuerung des Holzschemeis unterbrechend. „Ich glaubte, du würdest sagen, dass du Elke für meine „Bebe1'3) zahlen wirst/4 sagte mit trauriger Stimme das Mädchen, welches bis dahin geschwiegen hatte. „Was für „Bebe" auf meinen Kopf!44 rief Schifre erbost, „zuerst musst du daran denken, deine zerrissenen Schuhe flicken zu lassen." „Die können nicht mehr geflickt werden, sie sind durch und durch gerissen,4' murmelte jämmerlich das Mädchen. „Ich werde mich am Feiertage nicht einmal auf der Strasse zeigen können.'4 „Hättest du nicht das Unglück gehabt, ein Nageigeschwiir zu bekommen, welches einen Monat bereits anhält, dann hättest du schon längst deine „Bebe44 bezahlen können,44 sagte Schifre jetzt weicher gestimmt. Die Frauen arbeiteten noch eine Weile an der Vernichtung jeglicher Spur von „Chometz44 und suchten dann ihr hartes Lager auf. Welwel hatte sich schon früher, erschöpft durch die schwere Tagesarbeit, auf das Gerippe des einstigen Divans geworfen und schnarchte laut. Bald schliefen alle Einwohner der Hütte den Schlaf des Gciechten. Chanka allein konnte nicht einschlafen; sie wälzte sich auf einem Lager, welches durch einen auf zwei Holzschemel gelegten Fensterladen improvisiert worden war, und dachte unaufhörlich an ihre „Bebe44. Sie malte sich in Gedanken aus, wie sie am Feiertage in der herrlichen „Bebe44 mit den regenbogenfarbigen Tupfen auf dem Boulevard spazieren gehen und die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenken würde. Wie nahe war sie doch dem Glücke gewesen! Und nun war alles durch dieses unglückselige Fingergeschwür vernichtet, vorbei! Den herrlichen Stoff zur „Bebe44 hatte sie von der Frau von Zelik, dem Zigarettenmacher, bei dem sie ein ganzes Jahr ohne Bezahlung zuerst als Lehrmädchen und später als flinke Arbeiterin zugebracht hatte, als besonderen Beweis ihrer Zufriedenheit zu den Feiertagen erhalten. Nun erklärte sich Zclik auch bereit, ihr für jedes Hundert Zigaretten, welches sie über die gewohnte Zahl machen würde, zwei Kopeken zu zahlen. Auf diese Weise würde sie die Summe, die sie der Modistin Elke als Macherlohn für die „Bebe" zu zahlen haben würde, bald zusammengebracht haben. Chanka jauchzte vor Freude, als sie den herrlichen Stoff mit den regenbogenfarbigen Tupfen in Händen hielt. 3) BJouse. Doch ihre Freude sollte nur von kurzer Dauer sein: nach einigen lagen angestrengter Arbeit begann sich auf dem Zeigefinger ihrer rechten Hand ein Geschwür zu bilden, und am nächsten Morgen schon war der ganze Arm angeschwollen. In der Nacht fieberte sie und konnte vor Schmerz nicht einschlafen, und alle von Dwejre vorgeschlagenen Hausmittel erwiesen sich als erfolglos. Das Geschwür wurde immer grösser, und schliesslich musste sie ins Spital, wo ihr ein tiefer Schnitt in den Finger gemacht und vollständige Ruhe für die Hand angeordnet wurde. Und so waren alle ihre rosigen Hoffnungen auf den Besitz der herrlichen „Bebe44 mit einem Schlage vernichtet worden. Die seelischen Qualen, die sie dadurch litt, waren viel unerträglicher als der physische Schmerz. Wenn sie endlich erschöpft einschlief, dann sah sie auch im Traume noch die herrliche Bebe. Elke, welche nicht länger auf ihr Geld, warten wollte, hatte die nach dem neuesten „Journal" gearbeitete Bebe an Granja, Itzigs des Buckligen Tochter und Chankas Rivalin, verkauft, und Granja stolzierte nun in der herrlichen Bebe mit den regenbogenfarbigen Tupfen auf dem Boulevard . . Chanka schrie entsetzt auf und erwachte . . . IV. „Chanka,44 sagte am nächsten Morgen beim Fortgehen Welwel, „geh' zum Schuster und. lass dir deine Schuhe flicken.4' Chanka stand von ihrem Lager auf und. wollte zum Schuster gehen, doch Schifre hielt sie zurück. „Wohin? Jetzt ist keine Zeit, zum Schuster zu laufen! Hilf mir lieber den Fussboden mit Lehm ausschmieren, die „Che metz^-Töpfe fortschaffen und den Herd ausglühen. Weh' mir, wieviel Arbeit wir noch haben!44 Und ein schwerer Tag mühseliger, freudloser Arbeit begann. Chanka half nervös mit, von der Seite blickte sie ab und zu verstohlen auf Dwejre. Ihre letzte Hofnung hatte sie in die Alte gesetzt: sie woHte sie bitten, Flke den Macherlohn für die „Bebe44 zu^bezahlen, sie würde ihr später, wenn wieder arbeiten könnte, das Geld zurückgeben. Sie benützte einen Augenblick, als Schifre sicli entfernt hatte, um Lehm zu holen, um der Alten ihre Bitte vorzubringen. Sie hatte schon, einigemale zu sprechen versucht, doch immer wieder blieb sie in der Mitte des ersten Satzes stecken. Dwejre wandte sich um und blickte Chanka fragend an. „Was hast du eigentlich? Ich verstehe dich nicht?14 „Ach, sehen Sie,44 begann rasch, ohne Atem zu holen, Ckmka, „nach den Feiertagen werde ich wieder arbeiten können . . . der Finger ist ja schon fast ganz geheilt . . . Dann werde ich Ihnen . . . das ganze Geld . . . und noch mehr . . . zurückzahlen . . . Aber jetzt . . . die „Bebe44 . . . Zahlen Sic Elke . . . dass sie mir meine „Bebe'4 herausgeben soll, damit ich zu den Feiertagen, eine „Bebe" haben soll . . . Ach, bitte, bitte!'4 seufzte sie, tief Atem holend und Dewjre mit ihren blauen Augen flehentlich anblickend. „Ach — ach — ach!44 antwortete brummig die Alte. „Woher sollte ich das viele Geld nehmen? . . . Bin ich doch selbst eine arme Bettlerin . . . Und du, Chanka, solltest dich schämen, an solche nichtige Sachen bloss zu denken! Es ist kein Malheur, wenn du deine „Bebe44 später bekommst; wirst sie „Schebuoth44 anziehen . . ." Chanka sagte nichts mehr. Ihr Herz presste sich zusammen und. ihre Augen füllten sich mit Tränen. Die letzte Hoffnung auf die „Bebe44 war nun auch verschwunden. „Was sagt man zu Itzigel, dem Buckligen?" begann jetzt Schifre, welche einen schweren Korb mit Lehm in die Hütte hereiitschleppte. „Ein Geserre hat er gemacht, als ob es sein Lehm wäre. So ein „Parech44! Das ist immer nur sie, Resele, welche ihn so hetzt! ... Was stehst du da, Chantze? Lauf zum Schi.ster; es ist schon spät. Musst aber gut handeln: Moische- Isseri liebt das Dreifache zu verlangen ... So ein Parech . . . sein Lehm!44

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