Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „fei* # W*lt" Nr. 15 Die russischen Bimdisten geben jetzt der Reichsregierung eine Handhabe, die Lage ihrer Landsleute zu verschlechtern, wie sie früher der russischen Regierung durch ihre Agitationen einen steten Vorwand zur Verhetzung gegen die russischen Juden geliefert haben, Wenn sie schon nicht begreifen wollen, dass es wenig taktvoll ist, die staatlichen Einrichtungen eines fremden Landes, in dem man Gastfreundschaft geniesst, zu kritisieren, so sollten sie doch an die Folgen für die Gesamtheit denken. Der deutsche Reichskanzler ist stärker als sie. Und wenn die deutschen Hochschulen gesperrt werden, müssen wieder viele Hunderte von fleissigen und wissenschaftlich strebsamen jungen Leuten wandern, nach der Schweiz, nach Frankreich, nach Amerika. So lange wir kein eigenes Land haben, versündigt sich ein jeder an der Gesamtheit, der ihre ohnedies so schwierigen Lebensbedingungen noch durch Akte des Leichtsinns ver- | Eine Palästina-Ausstellung in Wien. (Schluss.) Linen breiten Raum nehmen die ausgestellten Webereien aus Baumwolle, grösstenteils mit Gold und Silber durchwirkt, sowie die aus Seide ein. In malerischer Drapierung finden sich dort Portieren, Divan-Ueberzüge, Tischdecken, Kleiderstoffe, Tücher, Harems- und Beduinenschleier u. a. m. In dieser Abteilung sind auch Seiden-Kokons, sowie eine Strähne Rohseide als Probe der Seidenkultur von Rischon-le-Zion untergebracht. Eine abgesonderte Vitrine birgt kunstvolle Seiden- und Goldstickereien, die, wenn auch in orientalischer Farbenbuntheit ausgeführt, doch dem feinsten europäischen Geschmack entsprechen. Abgesondert hiervon sind sauber gearbeitete Häkeleien und Stickereien einer Mädchenschule untergebracht, schiechtert. Wir können daher die russisch-jüdische Studentenschaft nicht genug warnen, weiter unüberlegte Schritte zu tun. Auch wenn man sich im Rechte wTähnt, muss man die Folgen überlegen und der Satz: „qui suo iure utitur, neminem laedif, gilt nicht für fremde Juden im deutschen Reiche. Auch dem Fortschritt des Zionismus schaden solche Unklugheiten, denn sie geben den Faulen und Böswilligen willkommenen Anlass, die Gemeinschaft mit den Stammesgenosseu jenseits der Grenze von sich zu weisen und jede Solidarität abzulehnen. Besonders in Mittel- und Süddeutschland kann man das alle Tage hören. Im übrigen macht die Agitation hier befriedigende Fortschritte und wir dürfen hoffen, vor dem nächsten Kongress mit Ehren bestehen zu können, Ben Aron. zu denen eine prachtvoll ausgeführte Salongarnitur Handschnitzereien aus der Knabenschule der Alliance ein würdiges Pendant geben. Ein separater Saal ist der Exposition der hauptsächlich fiir den Export bestimmten Produkte gewidmet. Es sind dies die heute schon weltberühmten Karmelweine, Eaux de vie, Liköre und Orangen. Die Weine, von denen in einem separaten Zimmer Kostproben verabreicht werden, finden sowohl seitens der die Ausstellung besuchenden Aerzte und Apotheker, als auch anderer Weinkenner ungeteilten Beifall, da sich die schwereren Weine wegen ihrer unbedingten Reinheit, vorzüglichen Qualität sowie Preiswürdigkeit ganz besonders als Medizinalweine eignen, während die Leichteren Sorten als Tisch- und Dessertweine aligemein beliebt sind. Besonderer Gunst erfreuen sich die aus verschiedenen KoJonien kommenden Jaffa-Orangen, die in Bezug auf Grösse Halle aus der Palästina-Ausstellung.