Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 15 (8.4.1904)
- Date
- 1904-04-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 „bis $ weit" Seite 5 haben, eine Kommission wählen aus wirklich fähigen Menschen, denen die zu untersuchenden Fragen geläufig sind, und die vor den Intriguen, von denen sie sicherlich umgeben sein werden, geschützt sein werden. Was die Delegierten anbelangt, die ich wählen soll, behalte ich mir vor, dieselben zu nominieren, nachdem ich von der Wahl der Delegierten seitens der Alliance und der russischen Vereine informiert sein werde. Ich werde nachher handeln. Diese Delegierten werde ich mit Instruktionen und mit den nötigen Empfehlungen versehen. Karlsbad, August 1891. Oberst Goldsmid* Die Ueberführung und das Leichenbegängnis. In Paris fanden sich bei der schlichten Feier zur Ueberführung der Leiche des Obersten Goldsmidein: Der Grossrabbiner für Frankreich Herr Zadoc-Kahn samt dem Rabbiner Herrn Raphael L 3 v y, das Aktionskomitee- Mitglied für Frankreich, ferner Major Bloch, die Vorstände und Deputationen der zionistischen Vereine, Mevassereth Zion, Nes Zion, Poale Zion, Association des Etudiants Sionistes, Society des Dames Sionistes und die Bureaux der beiden jüdischen Volksuniversitäten. Rabbiner L e" vy sprach einige Gebete am Sarge, und die Trauerversammlung folgte ein Stück dem Leichenwagen nach. Auf dem Nordbahnhofe sprach Rabbiner L6vy wieder ein Gebet in dem Momente, als der Sarg in den Wagen geschoben wurde. Der Abfahrt des Zuges um Uhr nachts wohnten wiederum Zionisten bei, die den Zug, der die Leiche eines der wackersten und edelsten Juden zur letzten Ruhestätte führte, zum letztenmale grüssten. * * * Ueber das Leichenbegängnis des Obersten Goldsmid in London wird uns von dort geschrieben: Die Leiche des verstorbenen Obersten Goldsmid langte am Dienstag um 4 Uhr nachmittags auf der Station Charing Cross ein und wurde von Herrn L. Montague, dem Schwiegersohn des Verstorbenen, Rev. S. Singer und einer kleinen Deputation der English Zionist Federation u. a. erwartet. Sie wurde sofort auf den Friedhof in Willesden gebracht, wo sie die Nacht über blieb. Am nächsten Morgen, Mittwoch, versammelten sich zahlreiche Freunde und Trauergäste in der New-West End Synagoge und fuhren von da auf den Friedhof, wo eine grossejZahl von hervorragenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, wie auch viele Kameraden des Dahingeschiedenen aus der Armee sich eingefunden hatten. Unter ihnen konnten wir, indem wir aufs geratewohl einige hervorheben, erkennen: den Haham Dr. G a s t e r, die Mitglieder des Parlaments Sir Albert Rollitund B. L. Cohen, Lord Chelmsford, Sir Philip Magnus, Sir Samuel Montague, Sir Francis M o ntefiore und fast alle Mitglieder des Exekutivkomitees der „English Zionist Federation*, ferner auch zahlreiche Zionisten aus der Provinz, fast alle Rabbiner Londons und zahlreiche mehr. Man kann tatsächlich sagen, dass jede jüdische Familie von Stellung in England am Grabe vertreten war. Ein kurzes Gebet wurde von Rev. S. Singer gesprochen, und dann begab sich der Trauerzug mitten durch ein doppeltes Spalier von Knaben der Jewish Lads Brigade (Schulbataillone) ans Grab. Hier wurde an einem besonders ausgewählten Orte bei hellem Sonnenschein, während der kalte Wind traurig durch das Gebüsch strich, was sterblich an dem Kämpfer für Zion war, der gleichzeitig ein Kämpfer für England war, zur letzten Ruhe bestattet. Dumpf schlugen die Erdschollen auf den Sarg, dann kamen still und respektvoll die Burschen der Brigade heran und bliesen aul ihren Trompeten den Appell an dem Grabe des toten Führers. Uns schnürte es die Kehle zu, wir gingen davon, mit dem Gefühl, recht arm zu sein durch den Verlust eines so braven Mannes. Für die Zionisten Londons gibt es eine besondere Ursache zu trauern. Kaum einige Wochen sind es her, da hat er uns gesagt, dass er jetzt, wo er in den Ruhestand getreten ist, die Absicht habe, sofort nach seiner Rückkehr voll und ganz an unserem Werke und unserem Kampfe für Zion teilzunehmen. Wir können kaum seiner entbehren. Möge sein Leben und seine Lebensführung wenigstens die Ursache von Eingebung für andere sein und zeigen, wie wohl es vereinbar ist, gleichzeitig ein guter Zionist und ein guter Engländer zu sein. Die Sokolowfeier in Warschau. Würde- und weihevoll verlief hier die den 20. März stattgefundene Feier des 25jährigen Schriftstellerjubiläums N. Sokolows, an der sich alle Schichten der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Parteischattierung lebhaft beteiligten. Die Feier begann um 2 Uhr nachmittags im Hause des Jubilars mit den Ansprachen der Komiteemitglieder Dr. Poznanski, Podlischewski und Syrkin, denen Sokolow in gerührten Worten dankte. Das Komitee, das vor einem Jahre für diese Veranstaltung eingesetzt wurde, überreichte dem Jubilar ein Sammelbuch aus verschiedenen Beiträgen der namhaftesten hebräischen Schriftsteller, sowie einen Band gesammelter Schriften Sokolows, beides in kostbarer Ausstattung und künstlerischer Ausführung. Es folgten dann die Begrüssungen der zahlreichen Deputationen, die teils wertvolle Geschenke, teils Adressen überreichten. Die hebräischen Schriftsteller in Warschau überreichten durch die Herren Perez, Dinesohn und Frischmann eine kostbare, mitBrillanten besetzte goldene Feder, der „Verein jüdischer Lehrer" ein prächtiges Album mit dem Bilde Sokolows, eine Gruppe von Freunden, die die Montagabende im Hause Sokolows zu verbringen pflegten, überreichten Frau Sokolow eine Kasette mit Silberbestecken. Es entsandten Deputationen: Die jüdischen Universitätshöier von Warschau, die Techniker, die Handelsschüler, die IV. Klasse des IV. Gymnasiums, in deren Namen der Schüler B ermann eine goldene Feder überreichte und eine in klassischem Hebräisch gehaltene Ansprache hielt. Ferner waren vertreten : sämtliche zionistische Vereine Warschaus, die meisten philantropischen Anstalten und alle jüdischen Literatur- und Kunstgesellschaften. Aus Lodz kam eine Deputation geführt von Dr. J el s k i, aus Bialystok kamen Dr. Chazanowitz, Herschberg und Rosenthal und die Wilnaer jüdische Gemeinde war durch zwei Delegierte vertreten. Aus vielen Städten des In- und Auslandes langten Adressen ein, die reichlich mit Nationalfonds-Marken geziert waren. Bis 8 Uhr abends dauerte die Feierlichkeit und der ununterbrochene Empfang der Deputationen im Hause des Jubilars, während bereits die Säle der „Nowa-harmoniau, wo das Bankett stattfand überfüllt waren, so dass ungefähr 250 Gäste aus allen Kreisen der Intelligenz dort an demselben teilnahmen. In Begleitung der Schriftsteller Perez undFrischm a n n betrat Sokolow um 9 Uhr unter stürmischem Jubel der Anwesenden den Festsaal. Die Speisen des Menüs trugen die Namen der Werke des Jubilars. Es wurde in mehreren Sprachen toastiert, zumeist natürlich hebräisch. Hierauf wurden die Telegramme verlesen. Stürmischen Beifall rief das Begrüssungstelegramm, Dr. Herzls hervor. Telegramme und briefliche Glückwünsche waren aus den fernsten Städten aller Herren Länder eingetroffen. Die Feier