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Die Welt · 1904-04-08 · 15 (8.4.1904) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
15 (8.4.1904)
Date
1904-04-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „bis & W^lt" Nr. 15 Mau muss vor allem ermitteln, wie die Bodenfläche beschaffen sein wird und folglich die Wichtigkeit der zu erwerbenden Grundstücke. Man muss dann vor allem erfahren, ob man nicht durch ein Uebereinkommen mit der Regierung den Boden konzessionsweise, ohne den Kaufpreis auszuzahlen, erwerben könnte. Wäre diese letzte Möglichkeit realisierbar, so würde die Gründung einer Agrarbank viel an Bedeutung verlieren. Unter diesen Umständen und bevor diese Vorfragen in einer befriedigenden Weise entschieden werden, wäre es voreilig, das Prinzip der Agrarbank zu erörtern, und insbesondere, den russischen Delegierten bis in die Details der Organisation ihrer Leitung hinein zu folgen. Das oben Gesagte genügt, um die Notwendigkeit eines ernsten Studiums des Kolonisationsprojektes in der asiatischen Türkei zu beweisen. Es scheint nur nützlich, auch kurz die Hauptmotive anzugeben, die mich überzeugt haben, dass die Kolonisation, damit sie des Erfolges sicher sei, zu allererst in der neuen Welt und speziell in der argentinischen Republik versucht werden muss. Wenn wir uns zuerst auf den Standpunkt des Ackerbaus und der materiellen Lebensbedingungen stellen, ist es ganz leicht die Superiorität dieses letzteren Landes zu zeigen. Es ist allbekannt, dass der Ackerbau in der Türkei nicht gedeiht: auch die Ursachen dieser Erscheinung sind bekannt* Der Boden der argentinischen Republik dagegen ist von einer sprichwörtlichen Fruchtbarkeit; das Klima ist ausgezeichnet; infolge der finanziellen Krise, die jetzt in diesem Lande herrscht, kann man zur Zeit bedeutende Bodenstücke zu sehr lohnenden Preisen ^aufkaufen; die argentinische Republik ist das wahre Land der Zukunft. Man hat dort bis jetzt Hunderte von Millionen für den Bau von Eisenbahnen, für die Verbreiterung der Flüsse, für die Anlage von Häfen ausgegeben; dies alles wurde mit grossen Kosten geschaffen und besteht bereits. Die neuen Siedler werden von diesen ausnehmend günstigen Bedingungen Nutzen ziehen, . Wenn wir von dem Ackerbau und dem materiellen Leben absehen und uns dem sozialen Leben der Kolonien zuwenden, so behaupte ich gleichfalls, dass die argentinische Republik den Juden eioen Konzentrationspunkt bietet, wie sie ihn schwerlich anderswo finden werden. Die Oberfläche des Landes ist neunmal grösser als die von Frankreich, und die Einwohnerzahl beträgt nicht einmal vier Millionen. Folglich gibt es Raum genug und Entwicklungsmöglichkeit in der Zukunfc für eine unbeschränkte Zahl von Juden, Im Moment, wo die Juden auswandern, müssen sie nicht bloss darauf bedacht sein, für einige Jahre eine Rast und einen Aufschub zu finden, sondern fest entschlossen sein, ihren Nachkommen in der Zukunft Ruhe und Stabilität zu sichern. Sind diejenigen, welche die russischen Auswanderer nach der asiatischen Türkei lenken wollen, sicher, dass diese Auswanderer ein nützliches Ergebnis ihrer Arbeiten und den krönenden Erfolg ihrer Bemühungen sehen werden? Fürchten die Veranstalter nicht, diese Juden einer Zukunft auszusetzen, die ihrer gegenwärtigen unter den russischen Verfolgern nicht unähnlich ist? Haben sie bedacht, dass sie auf diese Weise die Emigrationsbewegung zu zerstreuen, anstatt zu konzentrieren streben? Nun aber muss die allgemeine Idee, das Grundprinzip, der Ausgangspunkt der Emigration meines Erachtens die Konzentration sein. Aber, wie ich -bereits anfangs gesagt habe, wenn die Delegierten der russischen Vereine auf ihrem Projekte bestehen, bin ich ganz bereit, sowohl meinen Einfluss als auch meine tätige Mitarbeit bei der kaiserlich-ottomanischen Regierung ihnen zur Verfügung zu stellen. Ich wollte ihnen bloss die Notwendigkeit, das Projekt genau und gründlich zu studieren, und den Vorzug der Kolonisation in Argentinien vor allen Kolonisationssystemen beweisen, die bisher vorgeschlagen wurden. Dieses vorausgehende Studium ist für mich eine Frage von solch hoher Bedeutung, dass sie allen anderen vorangeht; es ist übrigens eine unumgängliche Bedingung meines endgiltigen Eingreifens. * * * Als ich bereits dieses Memorandum redigiert hatte, besuchte mich Monsieur J. Navon, der, wie Sie wissen, mit Monsieur Erlanger von der Alliance in der Sache der Emigration nach der asiatischen Türkei in Verbindung war. Ich habe mit ihm sehr ausführlich gesprochen und ich habe mich überzeugt, dass er, wiewohl ein begeisterter Anhänger der Auswanderung nach der asiatischen Türkei, im Grunde nicht zögern würde, der argentinischen Republik den Vorzug zu geben, wenn er sich nicht auch früher in das andere Projekt eingelassen hätte. Meine Unterredung mit Monsieur Navon lässt sich folgendermassen resümieren: Ich habe ihm die Gefahr gezeigt, die man laufen könnte, wenn man die Emigration nach der asiatischen Türkei blindlings lenken würde, und gleichfalls mit der Regierung aufs geradewohl unterhandeln würde, ohne zuerst aufs genaueste und an Ort und Stelle die Oertlichkeiten, die eventuell für die Kolonisation am geeignetsten wären, zu erforschen. Monsieur Navon glaubt, und ich glaube, das er Recht hat, dass die türkische Regierung, vorausgesetzt, dass auf Palästina verzichtet wird, eine beschränkte Zahl von jüdischen Einwanderern aufnehmen und ihnen die notwendigen Grundstücke unentgeltlich oder beinahe ohne Entgelt abtreten wird. Ich meinerseits würde den Erwerb dieser Ländereien vorziehen, um ihrer Herr zu sein. Kurz, M. Navon begreift die unbedingte Notwendigkeit der vorherigen Entsendung einer Kommission von 3 oder 5 Personen nach Konstantinopel, um die Frage der auszuwählenden Ländereien gründlich zu studieren und mit der türkischen Regierung zu verhandeln. Diese Delegierten würden sowohl im Namen der Alliance als auch in meinem eigenen handeln. M. Navon möchte, dass es hauptsächlich in meinem Namen geschehe; ich gestehe, dass ich ein wenig schwanke, der Sache den Anschein zu geben, als ob sie zum grössten Teil von mir ausginge; die Gründe meines Zögerns habe ich oben auseinandergesetzt. Nichtsdestoweniger werde ich für mein Teil alles tun, wenn es notwendig sein wird und werde, wie gesagt, weder mit meinen Einfluss noch mit meiner aktiven Mitarbeit kargen. Diese Delegierten müssten sich mit kompetenten Personen betreffs der Auswahl des für die Kolonisation tauglichen Bodens in Verbindung setzen, sie werden diese Ortschaften besuchen müssen, sie sorgsam untersuchen; sie werden auch die beste Art der Organisation der Auswanderung ausfindig machen; mit einem Wort: sie werden den Plan einer wirklichen Kampagne entwerfen müssen, wie ich es für die Emigration nach Argentinien, mit Hilfe des Herrn Dr. Löwenthal gemacht habe. Sie werden schliesslich nach Feststellung des Plans mit der türkischen Regierung unterhandeln müssen, um die Bedingungen des Landkaufes oder von Landkonzessionen, die Dauer, die Höhe der Steuern usw. festzustellen. Dieses Studium, das von hoher Wichtigkeit ist, muss ausserordentlich gewissenhaft gemacht werden. Es wird jetzt nötig sein, dass die Herren Delegierten und die Mitglieder des Zentralkomitees der Alliance, die das Protokoll der Versammlung vom 22. Juli 1891 gefertigt

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