Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 flbi* # W^lt" Seile 7 Man hat nämlich den Ausspruch als richtig erkannt, dass der preussische Schulmeister die Schlacht bei Königgrätz gewonnen habe. Dass Vaterlandsliebe, Disziplin und praktische Lebensauffassung, wenn sie dem Kinde anerzogen wurden, noch nach Jahren unverwischt ihre Wirkungen zeigen. Und so trachten alle Politiker, jene Prinzipien ins Kinderherz zu versenken, nach denen der Mann später erobern und verteidigen feOll. Diesen selben Weg zu gehen, haben wir Zionisten mehr Ursache als alle anderen. Wir haben den westeuropäischen jüdischen Pfaffen zu stürzen, der sich geberdet, als wäre er von der Mission bezahlt, indem er unsere Kinder ein Jahrzehnt durch eine Wüste von übersinnlicher Deutelei und von Grammatik herumfuhrt, bloss um ihnen nicht das Gelobte Land zeigen zu müssen, in dem die Wurzein unserer lebendig packenden, fesselnden Kultur und Geschichte stehen. Jenen Pfaffen, der sozusagen unsere Kinder schonend davon in Kenntnis setzt, dasss sie Juden seien, statt sie an ihre Pflichten als Abkömmlinge eines stolzen und tapferen Volkes zu mahnen. Diese Mahnung an die Jugend haben wir in unserem Programm. An die Jugend, die wir keineswegs später in politi che Abenteuer treiben lassen wollen, die sovielJudentum kosten, wie dii Letzten. Im Kampf um das Gemeindehaus, den wir begonnen haben, ist das Schulzimmer ein stark begehrtes Objekt. Da wir aber nor,h immer das Vergnügen haben, von den derzeitigen Machthabem gehasst zu werden, müssen wir an die Kinder anders als auf dem offiziellen Wege herantreten. Für die Mittelschulen ist schon etwas durch unsere organisierten Junioren geschehen, und weitere Energie dabei sei ihnen Püicht. Ein grösseres Feld aber für alle unsere Arbeiter, ein Weg zum Herzen aller heranwachsenden Generationen ist durch die Vorschläge erschlossen worden, die Gesinnungsgenosse Frau Bertha Markus in Florenz der zionistischen Oeffentlichkeit erstattet hat. Wir haben diesen Vorschlägen schon wiederholt in unserem Blatte Raum gegeben, entsprechend der Wichtigkeit, die ihnen allseits und von uns beigemessen wird. Wir stellen sie nochmals als einen Dringlichkeitsantrag, da sie als Inhalt einen Bund von Schönheit und iNützlichkeit haben. Die hauptsächlichste Tätigkeit bei der Ausführung wird den Frauen zufallen, und bloss deren Organisation und Unterstützung wird Sache der zionistischen Vorsteher sein. Denn es handelt sich darum, mit der zarten Jugend in Verkehr zu treten. Da hat der Meisterschaft, der Geduld und den Instinkten der Frau gegenüber Männerarbeit nur Stümperwert. Es spi hier an das poetische Bild der Bibel erinnert, das Moses von Frauen behüten .iässt, bis er stark genug ist, das Befreiungswerk zu vollbringen. Auch im modernen Befreiungswerk kann sich die jüdische Frau den Dank des Volkes erringen, wenn sie den Intentionen von Frau Markus nachgeht, deren Wesen wir der allgemeinen Beachtung unterbreiten. Der Weg, den die Verfasserin einschlägt, führt zur Bildung des kindlichen Gemüts, einem von Schule und Haus überall erstrebten Zweck. Es hätte jede Dame alle erreichbaren Kinder um sich zu versammeln und ihr Augenmerk auf die Brüder und Schwestern hinzulenken, die in bitterer Not auf Hilfe warten. Sie bitten aber nicht um Almosen, sondern um Arbeit, um sich selbst ernähren zu können. Diese Arbeit will man ihnen verschaffen, indem man ihnen Felder gibt, auf denen sie ihre Nahrung anbauen können. Damit ist die Einleitung gegeben, um die Absichten und Forderungen unseres Nation alfonds auseinanderzusetzen, für dessen überallher notwendige Unterstützung speziell in diesem Kreise sehr viel getan werden kann. Denn es sind nicht nur die Kinder, deren werktätiges Mitgefühl wachgerufen wird, indmi man ihnen einfache Büchsen beschafft, in die jede Woche eine kleine, selbst ersparte Münze hineinklappert; sondern die Kinder werden auch angewiesen, einen Obolus bei den Erwachsenen für ihre Büchsen einzufordern. So kann manch einer aus einem frischen Mündchen Worte hören, die ihn zum Denken bringen. Dick unterstrichen muss die Forderung werden, dass das Kind nur selbstersparte und nur eine kleine Münze bringt, damit die Armut eines anderen nicht beschämt wird. Denn es soll reine Fieude an dem Festtage herrschen, an dem die allgemeine Oeflnung der Büchsen stattfindet. Auch hier ist Gelegenheit, Worte anzubringen, die den Schritt vom Mitleid bis zur Liebe beschleunigen. Der Praxis dieser Vorschläge ist schon vorgearbeitet worden. Die Kindernachmittage und-Abende, die von unseren Korporationen und Instituten bis jetzt veranstaltet wurden, haben stets Beifall und Unterstützung gefunden. Da wird sich eine Ausbreitung und Verknüpfung mit dem angegebenen Zweck leicht ins Werk setzen lassen. Es hat sich gezeigt, dass in vielen Fällen die wünschenswerte Beihilfe der Lehrer zu haben ist. Wir haben auch schon einen Prüfstein für die Zweckmässigkeit der empfohlenen Vorschläge. Unsere amerikanischen Gesinnungsgenossen, die stets die praktische Denkungsart ihrer Umgebung zeigten, haben die Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Art von Kindererziehung erkannt und haben erfolgreiche Arbeit geleistet. Im Rahmen des Ordens der „Zionsritter" in New-York und Chicago ist die Organisation durchgeführt worden, und hunderte von Kindern nehmen daran teil. Die Organisation greift dort ebenso rührig weiter, wie in Deutschland, woher ebenfalls bedeutende Anfänge gemeldet werden. Die Müheverwaltung für diesen Teil zionistischer Tätigkeit ist spielend zu bewältigen. Der Erfolg aber lohnt die aufgewendete Arbeit in einem Vielfachen. Wir bitten, sich an Frau Bertha Markus, Florenz, Viale del Poggio Imperiale, Herrn Direktor Kremenetzky, Wien, Ei^engasse 5 oder an unsere Redaktion mittels Karte um Drucksorten zu wenden. Auch ist die Einfachheit der Instruktion aus unseren Publikationen (Nr. 12) ersichtlich. Demgemäss wollen wir die sichere Hoffnung aussprechen, dass jede unserer Organisationen an eine entsprechende Neueinführung schreiten wird, die berufen ist, den Nährboden unserer Idee zu vergrössern und die notwendige nationale Erziehung zu betreiben. Wir können uns damit tausende kleiner Helfer schaffen, die unsere Mittel sammeln und unsere Gedanken ausstreuen. J. Uprimny, Von der jüdischen Dankbarkeit. Meine Gnädige! Im Schosse des Erfolges ruht das Samenkorn der Wehmut. Wenn unsere Geschöpfe gedeihen — dann meinen wir, dass Sie uns überleben werden und wir erfahren unser Verwelken an ihrem Aufblühen. Auch wenn wir uns von Ihnen entfernen, ist unser Empfinden zwiespältig. Wir freuen uns dass sie ihren Weg allein finden und fast schmerzt es zu sehen, dass sie unser nicht mehr bedürfen. Sie glauben mir