Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „bi$ # w^it Nr. 14 Eine Palästina-Ausstellung in Wien. Was wir in Wort und Schrift anstreben und verfechten, wird gerechtfertigt und unterstützt durch eine Veranstaltung, die in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung lebhaften Anklang findet: Eine Palästina-Ausstellung in Wien. In dem vornehmsten Stadtviertel, im Hause des Graben- Hofes, haben wir seit einigen Tagen Gelegenheit, Proben der wirtschaftlichen und industriellen Produktion jüdischer Bauern in Erez-Israel kennen zu lernen, welche von unseren Brüdern, den Pionieren unserer Bewegung, in reichhaltigstem Masse hergesandt und von der Direktion der „Karmer'-Gesellschaft auf das grossartigste zusammengestellt wurden. Und dass die Idee der Gesellschaft, der grossen Oeffentlichkeit die Erzeugnisse der palästinensischen Kolonisation vor Augen zu führen, ein glückliche war, ersieht man aus dem lebhaften Interesse, das dem Unternehmen vom Tage der Eröffnung an entgegengeerwähnen. Diese Produkte rühren vornehmlich aus den Kolonien Rischon-le-Zion, Sichron-Jakob, Katra, Pethach-Tikwah, Ekron, Chedera, Tantura und Kastinie her, während Jessud- Hamaalah speziell mit den Erzeugnissen ihrer Fabrikation, das sind Sirup, Parfüms, ätherische Oele, vertreten ist. Diese letzteren sind aber nicht das einzige Produkt des Oelbaumes, dessen hiezu trefflich geeignetes Holz zu sauber ausgeführten Halbreliefs, Einlege- und Schnitzarbeiten dasMaterial liefert. In dieser Art sind zahlreiche Gebrauchs- und Luxusgegenstände vorhanden, von denen wir als besonders gelungen hervorheben: Men.orahs„ Sederschüsseln, Esrogbüchsen, Schreib- und Nähkästen. Diesen Handarbeiten in Holz reihen sich W'eissstein- und Jordanstein-Modellierungen würdig an, darstellend Nachbildungen biblisch historischer Baudenkmäler, sowie Hausgeräte, charakteristischer Formen. Vielen Beifall finden ferner die antiken Oellampen, sowie die Funde antiker Qlasgefässe. (Schluss folgt.) Die Stirnansicht der Kosthalle. bracht wird. Allerdings rechtfertigen die ausgestellten Objekte dieses Interesse in vollstem Masse und eröffnen gleichzeitig einen weiten Ausblick darauf, wie vielseitig die Produktion künftiger Jahre ausgestaltet werden kann. Denn heute schon sehen wir im landwirtschaftlichen Teil der Exposition, sämtliche unserer Getreide-, Gemüse- und Obstarten In einer Qualität und Grösse vertreten, weiche selbst Kenner der Landwirtschaft in Erstaunen setzen. Ausser unseren heimischen Bodenprodukten gedeihen dort in prächtiger Vollkommenheit auch die Pflanzen der heissen Zone, so dass uns beispielsweise aus ein- und demselben Produktionsorte vorliegen Hafer und Durah, Weizen und Sesam, Karotten und Gombu, Linsen und Biselia, rote Rüben und Zuckerrohr, Aep/el und Esrogim, Birnen und Datteln etc. Als weitere Errungenschaften der Agrikultur wären hier der Eukalyptus, Honig, sowie die Tabakpflanze zu Für und durch die Jugend. Ratsherrn und Parlamentariern ist neuerdings das Wort geläufig: Die Politik gehört nicht in die Schule. Das ist nur scherzhaft zu nehmen. Man meint nämlich die Politik der anderen. Wer selber an der Herrschaft ist, der greift fest zu, um seinen Ideen Türen und Tore der Schule aufzureissen. Um nur die grössten Beispiele anzuführen: Im französischen Parlament dauert der Kampf um das Regiment in der Schule jetzt schon ein Jahr, und in Deutschland gab's einen Sturm, weil man von den einziehenden Marianern besorgte, sie würden nicht nur dem Kultus dienen, sondern auch dem. Unterricht.