Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 „bi* & W^lt Seite 13 Aus der Wiener jüdischen Toynbee-Halle. XX., Karajangasse 20. Am 17. März fand die Generalversammlung der Wiener Jüdischen Toynbee-Halle statt. Der Präsident Rektor Dr. Adolf Schwarz eröffnete die Versammlung mit einer übersichtlichen Besprechung des Vereinsjahres, gedachte der überaus freundlichen Mitwirkung des Vereines Bnei B r i t h und kam dann auf die Berufung des Gründers der Toynbee-Halle, des Pro,*. Dr. Leon Kellner, zum Universitätsprofessor nach Czernowitz zu sprechen, wodurch die Wiener Toynbee-Halle einen schweren Verlust erleide. Rektor Dr. Schwarz brachte noch einmal in Erinnerung, wie Prof. Dr. Kellner mit Hilfe des zionistischen A.-C. vor drei Jahren die Toynbee- Halle ins Leben rief und wie er sich seitdem mit seltener Hingabe dieser segensvollen Institution widmete. Unter lebhaftem Beifall der Vereinsmitglieder gab er der Hoffnung Ausdruck, dass Prof. Kellner auch an der neuen Stätte seiner Wirksamkeit der Toynbee-Halle nicht vergessen werde. Der von Dr. Werner verlesene Rechenschaftsbericht konstatierte das Aufblühen der Toynbee-Halle. Im dritten Vereinsjahre sind im ganzen 200 Vorträge gehalten worden. Ausser den Vortragsabenden gab es noch an jedem Samstag ein Konzert, das den ganzen Abend füllte, an jedem Mittwoch und Sonntag ein sogenanntes Halbkonzert nach dem Vortrage. Frau Rosa Feigenbaum, die diese Konzerte arrangierte, hat sich damit den besonderen Dank des Vorstandes und des Publikums erworben. Von besonderer Wichtigkeit war der historische Musikzyklus, den Frl. Dora Popper mit Hilfe einiger Künstler und Künstlerinnen heuer zum erstenmale in der Toynbee-Halle durchführte. Unter den Vortragenden wurde besonders der Herren Doz. Dr. Josef P o 11 a k und Dr. Josef Jerusalem gedacht, die einen Zyklus von Vorträgen abhielten, der sich in regelmässiger vierzehntägiger Folge über das ganze Jahr erstreckte, ebenso der wöchentlichen Bibelvorträge des Herrn Dr. Rosenmann. Die Namen der Vortragenden und Künstler werden in dem demnächst erscheinenden Jahresberichte veröffentlicht werden. Der Präsidentin des Wirtschaftsausschusses, Frau Sidonie Kahn und den Damen und Mädchen, die in der Toynbee-Halle ihres hausmütterlichen Amtes walteten, wurde besonders gedacht. Ebenso des Ausschusses zur Veranstaltung der alle 14 Tage stattfindenden Kinder jausen, Präs.: Frau Primarius Kornfeld. Um die für die Wiener Toynbee-Halle so charakteristischen wöchentlichen Diskussionsabende haben sich Frl. Malvine Fried mann und Herr Dr. Heinz K ohn besondere Verdienste erworben. Frau Ida B e r- 1 i n e r, der Leiterin der Sommerkurse für Mädchen, Herrn Wertheim und den anderen Herren und Damen, die sich um die Führung der Kurse verdient gemacht haben, sprach der Bericht besonderen Dank aus. Aus dem Kassebericht des Schatzmeisters der Toynbee- Halle, Herrn Joh. Kremenezky, entnehmen wir folgende Ziffern: Kassastand 31. Dezember 1903: Mitgliederbeiträge K 2000, Spenden, Stiftungsbeiträge K 3893.60, Guthaben Joh. Kremenezky 3781.39, nebst anderen kleineren Posten K 982S.16. Aus den weiteren Ausführungen des Vorstandes ging hervor, dass die Toynbee-Halle nur dank der tatkräftigen Nachhilfe von Seite des Herrn Kremenezky ihr Budget decken konnte. In eingehender Weise legte Herr Kremenezky dar, dass alles aufgewendet werden müsse, um weitere Kreise für die Toynbee- Halle zu interessieren. In der Debatte über den Rechenschaftsiind Kassabericht gab Herr Dr. Arnold Ascher einige Anregungen zur Heranziehung neuer Mitglieder und stellte den Antrag, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen und den Dank für die musterhafte Führung der Toynbee-Halle auszudrücken. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Bei der Neuwahl wurde der ausscheidende Vorstand wiedergewählt. An Stelle Prof. Kellners wurde Dr. Kahn gewählt. Das Präsiditim besteht aus den Herren: Rektor Dr. A. Schwarz, Präsident, Dr. Leop. Kahn und Doz. Dr. Josef P o 11 a k, Vizepräsidenten. Im Namen des Vorstandes beantragte Rektor Dr. Schwarz Pro,*. Dr. Leon Kellner zum Ehrenpräsidenten des Vereines zu wählen. Der Antrag wurde unter jubelndem Beifall angenommen. Prof. Kellner dankte in warmen Worten für die Ehrung. Mit einem Dankesvotum für Frau Feigenbaum, die Leiterin der Musikabende, und Dr. Werner, den Leiter der Vortragsabende, schloss die Versammlung. * * * Musikalisches aus der Toynbee-Halle. Im Laufe des Februar fanden 12 Vortragsabende statt. Es wirkten .•freundlichst mit: die Pianistinnen und Pianisten Dr. Rosa Taussig, Regine Stern, Dora Popper, Frizzi Schmitz, Rachelle .Neufeld, Rosa Rechen, Manja Svedrofska, Felix Goldbaum. H. Scheffer und Polacselc, die Geigerinnen und Geiger: Mizi Schlesinger, , Helene Goldbaum, Adele Cola, Camilla Bauer, Heinrich Svedrofsky, Bruno Popper, Low, Siegmund Kolieb, Josef Schorr, Max Geiger und Josef Wolf, die Sängerinnen und Sänger: Louise Curry, Frau Hofrat Taussig, Rosa Abel.es, Emma Frankl, Elsa Freund, Regine Lackenbacher, Hermine Strakosch, Fritzi Willheini und A. Sinnreich, die Cellistinnen und Cellisten: Josef ine Donat, Helene Kohn, Julius Goldberg, A. Fion und der Bratschist Herr R. Weiss, Die Herren Dr. Ludwig Buchsbaum und Josef Brendel hielten Rezitationen ab, die Klavierbegleitung besorgten, freundlichst die Damen: Paula Stein, Tilde Eichler, Valerie Sedlaczek, Anna Fischer und Sidonie Willheim. R. F. * , * * Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turn-Verein L, Mölkerbastei 5.) Das diesjährige Schauturnen rindet Samstag, den 26. März 1904 im Ballsaale Ronacher statt. Programm: I. Freiübungen. II. Stabübungen. III. Keulenreigen. IV. Allgemeines Geräteturnpn. V. Sektionsturnen an 3 Barren. An die Vorführungen schliesst ein Tarzkranzchen an. Beginn präzise 9 Uhr. Karten ä 2 Kronen sind erhältlich im Turnlokale, L. Mölkerbastei 5, bei allen Komitee-Mitgliedern, im Cafe de France, I. SchottenriDg und an der Abendkassa. * * * Wien. Der Verein „Tefilas-Hanorim" (Jugendandacht) veranstaltet am bevorstehenden Pessach-Feste im Bethause des „Bet-Hamidrasch", II, Tempelgasse Nr. 3, einen Gottesdienst für die Jugend, welcher aii folgenden Tagen stattfinden wird : Mittwoch, den 30. März abends ljJ Uhr; Donnerstag, den 31. März, morgens S Uhr; Donnerstag, den 31. abends 3/47 Uhr; Freitag, den 1. April, morgens 8 Uhr, ferner Dienstag, den 5. April abends 3/47 Uhr, Mittwoch, den 6. April, morgens 8 Uhr und abends 3/.t7 Uhr; Donnerstag, den 7. April, morgens 8 Uhr. * , * Frauen- und Jungfrauen-Wohltätigkeits-Verein Mathilde Caro" in Berlin. Wir entnehmen dem Jahresbericht dieses Vereines folgende Leistungen in den letzten drei Jahren : 1901 : 1. Unterstützungen an Wöchnerinnen etc. Mark 1228-50. 2. Reiisrionssohüle des Lipmann-Tauss-Synagogen- Vereines Mk. 840. 3. Chanukkah-Einkleidung armer Kinder und Frauen Mk. 3000. 1902: 1. Unterstützungen an Wöchnerinnen etc. Mark 1838-25, 2. Relisionsschule des Lipmann-Tauss-Synagogen- Vereines Mk. 840 3. Chanukkah-Einkleidung armer Kinder und Frauen Mk. 4521'75. 1903: 1. Unterstützungen an Wöchnerinnen etc. Mark 1789:50. 2. Religionssc.hule des Lipmann-Tauss-Synagogen- Vereines Mk 840. 3. Chanukkah-Einkleidung armer Kinder und Frauen Mk. 6178-75 peuilktoi). Das Bethaus im VI. Hof. Im VI. Hof des Wiener Allgemeinen Krankenhauses steht ein unscheinbarer, pavillonartiger Bau, der ausschaut wie die abgekappte und hier auf den Erdgrund niedergesetzte Kuppel eines grossen Gebäudes. Und man könnte denken, dass diese Verpflanzung mit einer geflissentlichen Heimlichkeit vollbracht worden sei. Denn der VL Hof liegt abseits von den grossen Höfen des Krankenhauses, über die der Verkehr der Aerzte und Studenten, der Patienten und ihrer Angehörigen hingeht, und der kleine Bau selber hält sich schüchtern im Hintergründe nahe der Hofmauer und trägt aussen weder ein Merkzeichen einer Funktion noch irgend ein Schmuckbeiwerk; wie jemand, der froh ist, wenn er von grellen Sonnenstrahlen und den Blicken Beobachtender unbehelligt bleiben kann. Diese stille Steinklause in der Abgeschiedenheit des VI. Hofes ist ein Bethaus für die jüdischen Patienten des Krankenhauses. An einem Freitag Abend treten wir durch die schmale Türe ein. Wir sind in einem geräumigen Zimmer, in dem ungefähr sechzig Sessel aufgestellt sind. Vom Fussboden, der den Umriss eines Achteckes hat, bis zur Decke, mag ungefähr dreifache Manneshöhe sein. Der Gottesdienst hat bereits begonnen, wir nehmen auf einem der rückwärtigen Sessel Platz.