Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bi$ & W^It Nr. 13 Interesse entgegenbringen, haben auch die Pflicht, auf diesem Gebiete mit bestem Beispiele voranzugehen. Die Existenz des Zionismus hat an und für sieh schon einen grossen Zug selbst in den rückständigsten Institutionen solcher Art zu Tage gezwungen. Wir sagen gezwungen; denn, wo sich das Grosse zeigt, kann sich das Kleine nur behaupten, wenn es mit ihm oder wenigstens anscheinend in seinem Sinne sich betätigt. Mit diesem Einflüsse dürfen wir uns aber nicht zufrieden geben. Wir können unsere Kräfte allerdings nicht damit zersplittern, um eventuell Institutionen, die bereits ein hippoknüisches Gesicht zeigen, neue Lebenskraft einzuflössen. Darnach müssen wir aber streben, dass alle diese jüdischen Vereinigungen für Hilfstätigkeit anstatt unbekümmert um einander oder gar gegen einander zu arbeiten, einen mächtigen Bund bilden, der das grosse Ziel einer dauernden Abhilfe vor Augen, nach einem von den Erfahrensten und Tätigsten vorzulegenden Plane seine Arbeit regelt. Dann, wird es nicht, wie beispielsweise bei der letzten Generalversammlung des Hilfsvereines der deutschen Juden, vorkommen können, dass der Vorsitzende erklärt, die Sorge für das jüdische Proletariat in Berlin sei nicht Sache des Hilfsvereines oder dass er Vorschläge zur radikalen Bekämpfung des Mädchenhandels, zur Errichtung von Asylen für obdachlose Juden etc. als über den Rahmen der Verein sauf gaben hinausgehend, einfach nicht weiter zur Verhandlung zulässt. Wie beim Hilfsverein der deutschen Juden, der in seiner Art viel Nützliches zu leisten sucht, so geht es mntatis mutandis auch bei anderen ähnlichen Vereinigungen. Wir müssen sie mit frischem Geiste erfüllen. Wir müssen darnach streben, dass auch die Hilfstätigkeit der jüdischen Gemeinde sich mit der solcher Vereinigungen verbinde, und vor allem darnach, dass nicht Nebenzielo /weiter und dritter Ordnung vorgeschoben werden. Die Hilfstätigkeit soll keinerlei anderen Ambitionen zum Deckmantel dienen. Dann wird sie, ohne dass wir es erst ausdrücklich verlangen müssen, eine nationale werden, dann wird sie, ohne dass wir sie zu einer rein zionistischen Gegeiiwartsarbeit machen, unserem Volke zum Segen gereichen. Xieht um diese Hilfstätigkeit in den Rahmen unserer Weltorganisation zu drängen, obwohl ihr das nur nützen könnte, sondern um sie zu einer wirklichen Hilfe zu machen, müssei) wir ihr unser Interesse und, wo es angeht, unsere Mitarbeit widmen. Bis der Tag kommt, an dem alle diese und auch die übrigen jüdischen Institutionen sich von selbst unserer Organisation ansehliessen werden, weil sie sich in demselben Geiste betätigen wie -wir. Jener Tag, an dem es nicht Zionisten, Antizionisten, Nationale und Assimilanten geben wird, sondern nur gute, von der Liebe zu ihrem Volke erfüllte Juden, denen dann auch das Letzte und Höchste zufallen wird, das Land und die Freiheit, die ihnen dann werden müssen, weil sie einmütig sie begehren werden. W. Der Zionismus in Ungarn. (Die II. ungarische Landeskonferenz.) Pozsony, 13. März 1904. In Pozsony, der grössten Stadt Westunganis, einer der wichtigsten und angesehensten jüdischen Gemeinden des Landes, hielten am 13. März 1904 die ungarischen Zionisten ihre Heerschau ab. Von welchem Standpunkte auch immer diese Landeskonferenz der ungarischen Zionisten besprochen und betrachtet wird, wie immer auch die Meinung über die stattgefundenen Verhandlungen sein möge, eines kann entschieden von keiner Seite mehr in Abrede gestellt werden: Der Zionismus besitzt auch in Ungarn Anhänger in grosser Zahl und darunter eine ganze Schar hervorragend tüchtiger und aufopferungsfähiger Männer, welche unermüdlich und erfolgreich tätig sind, immer neue Anhänger zu gewinnen und seine Ideen in immer neue Orte zu tragen. Der Zionismus ist heute auch in Ungarn eine Bewegung, die mitten in einer zukunftsfrohen Entwicklung steht, und heute nicht mehr, wie es früher mit Vorliebe seitens der Gegner geschah, von irgend einer Seite ignoriert werden kann. Um 9 Uhr vormittags begannen die Sitzungen in einem in den weissblauen Farben drapierten, mit den lebensgrossen Porträts Herzls und Nordaus und anderen zionistischen Bilden, geschmackvoll ausgeschmückten Saale. 52 Delegierte, manche aus weiter Ferne herbeigeeilt, sind hier versammelt. Würdige, alte Herren mit schneeweissem Barte, andere mitten im arbeitsamen Leben, in der Vollkraft ihrer Tätigkeit, eine Anzahl Univeisitätshörer; alle sind sie von einem Gedanken begeistert zusammengekommen, von dem Gedanken für das jüdische Volk, für die zionistische Sache. Es ist schwer untei dieser Anzahl, von der fast jeder einzelne in seinem Kreise eine hervorragende Werbekraft bildet, eine Anzahl Namen besonders hervorzuheben. Da ist Dr. Oesterreicher (Nezsider) und Dr. Koritschoner (Papa), beide Delegierte bei den Weltkongressen, von der Versammlung zu Vorsitzenden der Verhandlungen gewählt und durch eifrigste Ausübung dieser anstrengenden Tätigkeit ihre bisherigen Verdienste um den Zionismus in Ungarn noch um ein Weiteres vermehrend. Samuel Bettelheim (Pozsony), der Präses des ungarischen Landesomitees, der einen grossen Teil seiner Zeit der Förderung der zionistischen Arbeit opfert, Adolf Reichental, Schuldirektor aus Nagyszomhat, der in unermüdlicher Agitation nicht nur in seinem Wohnorte, sondern in einer ganzen Reihe von Orten Ortsgruppen gegründet, Hermann Kopp (Hethärs), Delegierter am Baseler Kongresse, I. L. Marton (Papa), Samu Diamant, Fabrikant (Nagy-Szombat), Dr. Engl (Nagy-Surany), Dr. Schaar (Galanta), die Professoren Jelinek und Bokor, die Schi'ldirektoren Pfeiffer Mör (Papa) und Vajda (Galanta) und noch andere. Von der akademischen Tischgesellschaft „Maccabäa" in Budapest waren ausserdem 9 Mitglieder erschienen, von dem innerösterreichischen Distriktskomitee Herr Dr. Egon Zweig, Von der österreichischen Gesamtorganisation Herr Arthur Freud, Vertreter der Lokalblätter und verschiedener Gesinnungsorgane, sowie der Schriftsteller Hugo Hazai als Vertreter des Budapester „Egyenlöseg", und ein zahlreiches Publikum, den intelligenten Schichten der Pozsony er Judenheit angehörend und in gespannter Aufmerksamkeit den Vorgängen folgend. Der Vorsitzende Dr. Oesterreicher eröffnet die Verhandlungen in ungarischer Sprache mit einer treffenden Uebersicht über das Ziel und Streben der ungarländischen Zionisten. In ausreichender Weise wird hierauf der Rechenschaftsbericht seitens des bisherigen Leiters des Landesbureaus, Samu. Bettelheim erstattet. Die Zahl der Schekelzahler in Ungarn ist von 385 im Voi jähre auf 1500 gestiegen, und da an 500 Schekel noch nicht abgeliefert sind, so kann man die gesamte Zahl der ungarländischen organisierten Zionisten mit 2000 annehmen. Diese Vermehrung auf das Fünffache wäre wohl geeignet, um zu den besten Hoffnungen zu berechtigen. Betrachten wir aber die Zahl der Schekelzahler in den einzelnen Orten, so finden wir, dass die bisherige Verbreitung der Organisationen sich auf den nordwestlichen Teil des Landes beschränkt und, Papa ausgenommen, wie ich es in der vorletzten Nr. bereits ausführte, sonst erst wenige Organisationen existieren. Die wichtigsten Orte sind Pozsony mit 300 Schekelzahlern, Nagy-Szombat 175, Papa 131, Nyitra 125, Galgoc 62, Eperjes, Budapest, N.-Tapolcsany, Hethärs, Galanta 50 etc. Wie viel sich da noch leisten lässt, ist wohl am leichtesten daraus zu erkennen, dass in Budapest fast alle Schekel von der „Maccabäa" stammen, während in anderen nichtstudentischen Kreisen kaum gesammelt wurde, trotzdem Co in früheren Jahren über 100 Schekelzahler gab, und sich auch jetzt, trotz des Mangels der Organisation, noch eine viel