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Die Welt · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 12 „Ol* * W^t Seite 11 wenig Ehre macht, ein Ende zu bereiten? Die letzten Vorgänge sind leider nicht darnach angetan, dieses so erwünschte Ende so bald als möglich herbeizuführen. — Uebrigens muss rühmlichst von der hiesigen Gemeinde hervorgehoben werden, dass sie auf einer gewissen Organisation beruht. Sie aliein zählt in ihrer Mitte steuerzahlende Mitglieder. Ein zweites Mal werden sich aber auch diese zu der Entrichtung von''1/, Medjidies nicht mehr hergeben. Das mögen sich gewisse Herren merken. Hazioni. Ausstellung von industriellen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus den jüdischen Kolonien Palästinas in Wien. Diese Ausstellung wurde von der Kommanditgesellschaft „Kännel" (Lagerartikel: sämtliche Erzeugnisse der Kolonien) veranstaltet. Das Aussteliungslokal befindet sich in Wien, I., Habsburgerstrasse 1, Tür 7. Um das ausgezeichnete Arrangement machten sich die Herren Direktor R. A. Hartmann und der Buchhalter E. Brod des Wiener „Karmel44 verdient. Unter den Ausstellungsobjekten erwähnen wir reizende Olivenhoizschnitzereien (bis zum Werte von 80 K)j. Seidenwaren (Hausindustrie und aus der Weberei in Rosch-Pinah), Bijouteriewaren (Hausindustrie), Perlmutter- und Beinschnitzerei (Hausindustrie) und Silberarbeiten; sämtliche Früchte in konserviertem Zustande und Sämereien; Bildhauerarbeiten (in Sandstein und Jordanstein); ätherische Oele; antike Funde (Oellämpchen, Krüge Hc); Honig. Liköre, Kognak und Weine. Die Eröffnung der Aussteilung war mit einer Feierlichkeit verbunden, die Montag den 14. März um 11 Uhr vormittags in Gegenwart zahlreicher Notabilitäten und Vertretern der Presse stattfand. Sie war von einem Herrn- und Damenkomitee arrangiert, das sich um die Propaganda für die Ausstellung und Arbeiten im Saale verdient machte. An seiner Spitze stand Herr Dr. A. Stern, erster Vizepräsident der Kultusgemeinde. Ausser ihm bemerkte man bei der Feier u. a. vom A.-C. die Herren Dr. Kokesch, Dr. Kahn und Gemahlin, Direktor Kremenezky und Gemahlin, Dr. Richard Rappaport, Dr. Sofer, Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, Rabb. Dr. Gelbhaus, Rabb. Dr. Feuchtwang, Rabb. Dr. Mayersohn Rabb. Dr. Rosenmann und Rabb. Dr. David, kais. Rat Hirsch, Prof. Ehrmann, kais. Rat Lieben, Rev. Will. Hechler, Frau Ida Diamant, Präsidentin des Waisenhauses, kais. Rat Lichtenstadt, W. Pappenheim, Vorstandsmitglied der Allianz, Direktor Dr. Kohn (Lämmelschule, Jerusalem), Vertreter der Presse u: a. Die Feier wurde mit einer Rede Dr. Sterns eröffnet, der darauf hinwies, dass die Ausstellung der beste Beweis für die Fähigkeit der Juden zu landwirtschaftlicher Arbeit sei (!) und bemerkte, dass die Wiener Kultusgemeinde Sonntags ihre Sympathie für Palästina bekundete (!), indem sie der Lämmelschule eine Subvention bewilligte. Herr Dr. Güdemann hielt eine breit angelegte Eröffnungsrede in nationalem Geiste und forderte zur Unterstützung der Kolonisation Palästinas auf. Hierauf folgte ein Rundgang durch die Ausstellung, die allgemeinen Beifall fand. Die Wiener Universität für die wissenschaftliche Erforschung Palästinas. Das Dekanat der theologischen Fakultät an der Wiener Universität hat aus den Erträgnissen der Lackenbacher'schen Universitätsstiftung ein Reisestipendium ausgeschrieben, das zur wissenschaftlichen Erschliessung Palästinas und dadurch zur Vertiefung des Bibelstudiums verwendet werden soll. Das 4000 Kronen betragende Reisestipendium soll vorzugsweise an Dozenten, Supplenten oder ausserordentliche Professoren des Bibelstudiums verliehen werden, kann aber auch an einen katholischen Priester zur Auszahlung gelangen, wenn er den sonstigen Bedingungen entspricht. Jüdisch-Literarisches aus England. Wie Times Litterary Supplement berichtet, werden in England in der nächsten Zeit eine Anzahl interessanter Publikationen zur jüdischen Geschichte und Kultur erscheinen: Zangwill schreibt ein Buch über den Zionismus; Luden Wolf, der zu Disraelis hundertstem Geburtstage (geb. 1804) dessen Werke neu herausgibt, schreibt eine Geschichte der Familie Disraeli als Einleitung; die Jewish Historial Society bringt in einem Band Essays, u. a. eine Biographie und Würdigung des Rabbiners der Frankfurter israelitischen Religionsgesellschaft Samson Raphael Hirsch. Ferner sind eine Reibe Gelehrter mit einer Geschichte der Juden in England, mit dem Katalog der hebräischen Manuskripte der Sammlung Montefiore, einer Monographie über Judas Mak'kabäus beschäftigt u. a. m. Pressdiner des Maccabaean-Clubs. Der Maccabaean-Club in London hat vor einigen Tagen ein glänzendes Pressdiner veranstaltet. Es ist zum erstenmale, dass in den Räumen des Clubs so viel jüdische literarische Notorietäten versammelt waren. E_s waren beinahe ausschliesslich Journalisten. Auch in England, wie am Kontinent, nehmen Juden den regsten Anteil an der Journalistik und üben einen beträchtlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung aus. Mr. Spielman, Redakteur des „Magazine of Art", wies auf diesen Umstand hin und hob hervor, dass die jüdischen Journalisten in England vielleicht die höchste Stufe als ehrenwerte, gewissenhafte, immer am" Nutz und Frommen der englischen Nation-bedachte Lenker der öffentlichen Meinung einnehmen. In einer sehr witzigen, von Geist übersprudelnden Rede besprach Mr. Spielman die Leistungen einzelner Juden, darunter auch die Mr. Zangwills, auf dem Gebiete der allgemeinen und speziell der englischen Journalistik. Auch die allgemeine Lage der Judfen in England wurde berührt, und selbstverständlich die brennendste Tagesfrage — die Einwanderungsfrage. Die Ausführungen des Redners gipfelten in den schwungvollen Worten, Israel müsse immer und allüberall rein und makellos die grossen Traditionen, das Erbe seiner glorreichen Vergangenheit, bewahren. Noch andere Redner hielten „afterdinnerspeeches". Die Rede Mr. Lucien Wolfs zeichnete sich durch ihr ernstes Gepräge aus. Mr. Walter Z. Emanuel, einer der Hauptmitarbeiter des englischen Witzblattes „Punch" hielt eine originelle, witzige Rede, wie es eben einem Punchredakteur geziemt. Auch die hebräische Presse war vertreten. Der Redakteur des „Hajehoodi44 in London, Mr. Suwalski, hielt eine hebräische Rede, die allerdings nur von Wenigen verstanden worden sein soll. Für Einwanderer nach Amerika. Die Grenze gegen Kanada wird jetzt scharf bewacht, weil dort herüber viele in amerikanischen Häfen Zurückgewiesene doch hereingekommen sind. — Der Finanzsekretär versendet soeben ein Zirkular, in welchem die Gegenstände bekanntgegeben werden, welche in Amerika zollfrei eingeführt werden dürfen. Dieses Zirkular wird jetzt auf von Amerika nach dem Auslande verkehrenden Schiffen verteilt werden. Im Sinne dieses Zirkulars hat jeder Schiffspassagier bei seiner Ankunft in Amerika dem Zollinspektor eine Deklaration zu überreichen, in welcher sämtliche Gegenstände mit Angabe des Kaufpreises verzeichnet sein müssen, welche im Auslande gekauft wurden. Nach Tunlichkeit sollen auch die Originalrechnungen über die eingeführten Gegenstände vorgelegt werden. Jeder Passagier darf fünfzig Stück Zigarren und dreihundert Stück Zigaretten zollfrei importieren. Rauchware über diese Stückzahl hinaus unterliegt der Verzollung. Sollten bei einem Passagier in der Deklaration nicht angeführte Gegenstände vorgefunden werden, so verfallen dieselben der Konfiskation. Amerikaner, welche ins Ausland reisen, können bei ihrer Rückkehr in. Amerika alle jene Gegenstände einführen, welche sie bei ihrer Reise ins Ausland be~ sassen. Wurden diese Gegenstände jedoch in Europa ausgebessert oder umgeändert, so sind sie zollpflichtig. Amerikaner dürfen, von Europa kommend, neue Gegenstände, sofern sie zum eigenen Gebrauche dienen und nicht für den Weiterverkauf bestimmt sind, bis 2um Höchstbetrage von einhundert Dollar einführen. Nichtamerikanern ist es gestattet, Kleidungsstücke und Haushaltungsgegenstände, welche nachweislich schon zumindest ein Jahr im Gebrauche standen, zollfrei einführen. Pelze aus Seehundsfell, oder auch nur aus solchem Materiale bestehende Pelzteile dürfen nach Amerika überhaupt nicht importiert werden, ausser wenn nachgewiesen werden kann, dass diese Waren vor dem Jahre 1897 gekauft wurden. Führt ein Amerikaner bei seiner Fahrt ins Ausland solche Waren mit sich, so hat er dies beim Verlassen des Landes dem Zollinspektor gegen Ausstellung eines dies bestätigenden Zertifikates anzuzeigen, da solche Waren ohne das erwähnte Zertifikat der Konfiskation anheimfallen würden. Antisemitische rumänische Hirten. Der „Pester Lloyd" berichtet unter dem Datum vom 18. Februar: Mitte Juli v. J. verirrte sich das vierjährige Söhuchen des Gemischtwarenhändlers Jakob Blau in Apanagyfalu aufs Feld. Die fünfzehnjährigen rumänischen Hirten Jakob Zigrean und Martin Darloczi erlaubten sich mit dem Kinde die grausamsten Scherze. So gaben sie ihm die Exkremente der Schafe zu essen, setzten den Kleinen auf einen Ameisenhaufen, steckten ihm Glasscherben in den Mund und steckten den schwer verletzten Knaben in ein Dachsloch. Die verzweifelten Eitern suchten vergeblich überall ihr Kind, bis endlich Darloczi den Aufenthalt des Kleinen verriet. Der kleine Blau wurde aus dem Dachsloche merkwürdigerweise noch lebend ausgegraben. Jakob Zigrean wurde vom Deeser Schwurgerichtshofe wegen Versuchs der vorsätzlichen Tötung mit Rüchsicht auf seine Jugend zu fünf Monaten Gefängnisverurteilt. Der andere Hirt wurde freigesprochen. Die königl. Kurie verwarf heute die von der Verteidigung eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde. Der Antisemitismus der Vereine deutscher Studenten. Die Vereine deutscher Studenten44 weisen es durch die „Akad. Blätter'4 mit Entrüstung zurück, dass sie ihren Antisemitismus verleugnet hätten und geben Material an die Hand, dass sie unentwegt antisemitisch seien. Exzesse gegen deutsche Studenten sind jetzt in Prag an der Tagesordnung. Der tschechische Pöbel findet im Tragen der Kappen und Bänder eine verhasste deutschnationale De-

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