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Die Welt · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 12 „Die * Welt" Seite 7 Der Zionismus steht am Sarge der schon längst altersschwachen Reform. Er sieht ihre Verkehrtheit klar vor Augen; sie besteht in der glatten Ablehnung des Ghettojudentums, das man wie ein abgetragenes Kleid beiseite legen wollte. Das ist der historische Irrtum der Reform, der nach einem Jahrhundert zur Reife gelangt ist. Die schroffe Verneinung des Ghettojudentums war eine Absage an die geschichtliche Kontinuität, deren das Judentum nicht entraten kann. Der Zionismus aber, der wie der doppelgesichtige Friedensgott vorwärts und rückwärts schaut, muss eine Ueber Windung des Ghettojudentums erstreben. Und überwinden heisst verstehen! L u c i e n Dreyfuss. Die englische Immigrationsbill und die Arbeiterbewegung. In Beantwortung einer Anfrage des Parlamentsmitgliedes Sir Howard Vincent, eines der Vorkämpfer der Antialienbewegung, bezüglich des projektiven Einwanderungsgesetzes, sagte der englische Ministerpräsident Mr. Balfour, er hoffe, dass die „Fremdenbill" ohne Verzögerungen vorgelegt werde. Während somit das gegenwärtige englische Kabinett mit Balfour an der Spitze ganz offen für die Einführung der einschränkenden Bill Partei nimmt scheint auch die Partei, die vielleicht in nächster Zukunft in Britannien ans Ruder kommen wird, nämlich die liberale Partei, die Freihändler mit Sir Campbell Bannermann an der Spitze, dem Gesetze nicht abhold zu sein. Die Einzigen, die sich offen und freimütig gegen das Einschränkungsgesetz auflehnen, sind die Sozialisten in England. Wie die „Neue Zeit", ein neues sozialistisch jüdisches Blatt in London berichtet, hat der bekanntt englische Sozialist Mr. Hyndmann in einer Versammlung erklärt, dass das englische Volk, die arbeitende Klasse, für die Freiheit, und gegen jede Schmälerung der Rechte der Einwanderer seien. Das projektierte Gesetz, führte Redner aus, ist bloss ein Zeichen mehr, dass die englische Reaktion immer mehr um sich greift, dass die Bourgeoisie dem englischen arbeitenden Volke auch die Rechte rauben will, die es sich mit Blut erworben hat. Dass die Sozialisten und Tradeunionisten in England den Juden gegenüber sich sehr sympathisch verhalten, führte neulich auch Mr. Herbert Burrow in einer Rede über die „Jüdische Arbeiterbewegung" aus. Er stellte fest, dass die Tradeunions, die Arbeiterorganisation, keinen Unterschied zwischen Juden und Christen kennen. Es haben sich auch seit dem Jahre 1882rein jüdische Arbeiterorganisationen zu bilden begonnen. Aber eines der Hauptübel dieser Organisation war die Tendenz sich zu zersplittern, sich in kleine Verbände zu teilen. Dies hat die Macht der Organisation geschwächt. Es hat sich allerdings nicht die gewünschteAnnäherung zwischen den jüdischen Arbeitern und den christlichen Genossen eingestellt, und es haben sich sehr wenig Nichtjuden den jüdischen Organisationen beigesellt (etwa l*/0) und in diesem Verhältnis sind auch die Juden in den nichtjüdischen Verbänden vertreten. Mr. Burrow wies dann auf die Untätigkeit des jüdischen Klerus in der Arbeiterbewegung hin. Er meinte, die Arbeiterbewegung könnte die wahre Jakobsleiter sein, die zu den höheren Lebensbedingungen führe. Er drückte dann den Wunsch aus, dass sich eine Anzahl jüdischer Geistlicher und politisch hervorragender Persönlichkeiten versammle, um über die jüdische Arbeiterbewegung zu diskutieren. ffus der Jie\fregui)g. Gedenket des Schekels! Ein Einberufimg des grossen Aktionskomitees. Das grosse Aktionskomitee wurde für Montag, den 11. Aprii, nach Wien einberufen. * * * Italienische Föderation. Die italienische zionistische Federation verschickt Einladungen für den vierten italienischen Zionistentag (II.Versammlung der Federation), der am 20.—21. März in Mailand stattfinden wird. Einberufer ist der Präsident der Federation, Dr. Feiice R a v e n n a—Ferrara. — Tagesordnung: 1. Eröffnung der Tagung. 2. Verlesung des Protokolls der vorigen Tagung in Ferrara (-7. Dezember 1902). 3. Bericht der Federation, (c+ Grenzen und Formen der zionistischen Propaganda und Organisation in Italien. Referent Amedeo Donati. e. Wahl des Schriftführers und des Kassiers.) 4. Bank- und Nationalfonds (Referent Rabb. Magg. G. Sonn in o). 5. Verhalten der italienischen Zionisten gegenüber der Not der Östlichen Juden. (Referent Prof. B.Dessau.) 6. Antisemitismus in Italien. (Referent Advokat Rob. Ascoli.) 7. Der Zionismus und die Kultusgemeinden, (a. Unterricht, Ref. Adv. Gino Rae ah, b. Woltätigkeit, Referent Adv. Giulio F o k, c. Die Stärkung der niedergehenden Gemeinden, Referent Sig. Bettino L e v i.) 8 Körperliche Erziehung der italienischen Juden (Referent Dr. Edgardo Morpurgo). 9. Eventuelles. * * * Nederlandsche Zionistenbond. Amsterdam. Zufolge Demission unseres bisherigen Vorsitzenden Herrn A. Mendes de Costa hat sich der engere Vorstand des niederländischen Zionistenbundes wie folgt konstituiert: Dr. jur. Isidore H e n, I. Schriftführer. Gerhard C. P o 1 a k, Schatzmeister. Sig. Seeligmann, Führer der Vorstandsversammlungen. Zusendungen an die Adresse des Herrn Dr. Hen, Reguliersgracht 75 erbeten. * * Mitteilungen des innerösterr, D.-K, Die Vereine haben alle geplanten öffentlichen Veranstaltungen dem D.-K. sogleich anzuzeigen, sowie den rückständigen Schekel, Landes- und Distriktsbeitrag abzuführen. Anmeldungen für den I. Wiener Share-Klub sind an Moses Schmidt, Wien, IX., Eisengasse 5 zu richten. Diesen Samstag den 19. März gibt das D.-K. dem aus Wien scheidenden Distrikts-Exobmann Dr. Bernhardt im Hotel Savoy, VI., Mariahilferstrasse 81, oberer Saal, einen Abschieds -Kommers, zu dem alle Wiener Zionisten hiermit freundlichst geladen sind. Beginn halb 8 Uhr abends. Eintritt frei. Die Herren vom A.-K. haben ihr Erscheinen zugesagt. Schliesslich seien alle Gg. nachdrücklichst auf unsere neue Verschleis stelle „Verlag Zion", Wien, II/3, Untere Augartenstrasse 9, verwiesen. Das innerösterr. D.-K. IX., Türken str. 9. Voranzeigen. Wien. (Literarischer Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Moria.") Sonntag den 20. d. M. wird wie alljährlich die „Rosa Kollmann Gedächtnisfeier" stattfinden. Darauf folgt der Vortrag des Frl. Helene Schweinburg über das Thema „Die Pflege des Schönen". Beginn präzise 3V2 Uhr nachmittags im Kongress-Saale IX. Türkenstrasse 9. Gäste herzlichst willkommen.

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