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Die Welt · 1904-03-18 · 12 (18.3.1904) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bi* * W^lt" Nr. 12 Wien. (Verein jüdischer Mädchen „Hadassa.") Sonntag, den 13. März, Generalversammlung. Neuwahlen: Präsidentin: Frl. Helene Reiter, Vize-Präsidentin: Frl. Helene Halberthal, I. Schriftführerin : Frl. Else Kraus, IL Schriftführerin: Frl. Gisela Feld, Kassierin : Frl. Gisela Kohn, Revisorinnen: Frl. Goldbaum und Frl. Brauner, Ersatz: Frl. Feuer und Frl. Sander. Sonntag den 27. März V24 Uhr nachmittags Vortrag des Herrn Dr. I. W. Marmorek. Thema vorbehalten. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Mädchen- und Frauenverein „B ikur Ch au Ii in". Sonntag, den 20. März, halb 4 Uhr findet im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde, L, Seitenstettengasse 4<, ein Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Grün über „die wissenschaftliche Medizin und die sogenannteNaturheilkunde" statt. Gäste, Damen und Herren, herzlichst willkommen. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt".) Sonntag, den 20. März 1904 Vortrag des Herrn Jakob H ö n i g. Thema: Lehrlingswesen und Lehrlinpsschutz. Beginn 6 Uhr abends. Ort: Kongressbureau IX., Türkenstrasse 9. Gäste willkommen. Wien. Der allgemeine jüdische Arbeiterverein, II. Untere Augartenstr. 19 (Cale Blumschein) veranstaltet Samstag 19. d. 8 Uhr abends einen Vereinsamend „mit Diskussion. Zahlreicher Besuch erwünscht. Wien. (Einzelverein Leopoldstadt-Praterstrasse des „Zion"). Am 24. März 1904, 8 Uhr abends, im „Hotel Europe", II. , Asperngasse 2 (Restaurant Winternitz), 1. Stock, Freie Lehrer Versammlung zur Diskussion über die Referate Dr. Krenberger und Oberlehrer Weber über den jüdischen Religionsunterricht. * *; * An die P. T. Vereine! Die P. T. Vereine werden verständigt, dass der Saal des Kongressbureaus vom 5. bis inklusive 16. April geschlossen ist, so dass dort keine Vereins Versammlung stattfinden kann. Das Kongressbureau. Berichte. Wien. (Verein zionistischer Hochschüler aus Russland „Leo Pinskera.) Die jüdische russische Kolonie Wiens hatte sich am 3. März im Ballsaale Ronacher ein Rendezvous gegeben. Dank der unermüdlichen Tätigkeit der Frau Ingenieur Kremenezky war ein Damenkomitee zusammengetreten, welches zwecks Gründung einer Unterstützungskassefür jüdische Studenten aus Russland eine Akademie veranstaltete. Der Erfolg entsprach auch allen Erwartungen. Ein äusserst distinguiertes Publikum füllte den Saal. Die Akademie ward bestritten von bekannten Wiener Künstlern. Besonders zu erwähnen sind der 8jährige Violinvirtuose Jan Braun, der ebensosehr durch seine ganz erstaunliche Technik, wie sein inniges Spiel die Zuhörer zu leidenschaftlichem Applaus hinriss, ferner die rühmlichst bekannte Konzertsängerin Olga Lenk, Komiker N a t z 1 e r und die Herren des Quartettes Strassberger. Den Schuss des Festes bildete ein äusserst animiertes Tanzkränzchen. Frau Kremenezky, deren rastlosen Bemühungen allein der Erfolg des Festes zugeschrieben werden muss, sei an dieser Stelle herzlichster Dank gesagt. Die Herren Schein und Steiner stellten dem Verein dieDekorationen undBlumen in liebenswürdigster Weise zur Verfügung. Hamburg. 'Am 27. Februar veranstaltete die zion. Ortsgruppe ihr Purimfest, das von zirka 600 Personen besucht war. Dr. Klee-Berlin hielt die Festrede. 40 neue Mitglieder. Sammlung für den N.-F. (Höhe noch nicht bestimmt). Gesangsvorträge des jüd. Damenchors (Leiterin Frau Dr. Michelsohn-Noll), die Herren Kantor Liechtenstein, stud. Lebowitz (Berlin), Silberberg; Klaviervortrag des Pianisten Salomon. Kaffeetafel mit Vorträgen; Ansprachen: die Herren Dr. Levy und Ref. David. Am 5. März hatte die Ortsgruppe die Freude, Herr Dr. Leopold K a h h- Wien begrüssen zu können. Da seine Ankunft erst Donnerstag gemeldet wurde, war es nicht möglich, ein grosses Lokal zu besorgen. Herr Dr. Kahn sprach daher im regelmässigen Versammlungslokal vor einem immerhin mehrhundertköpfigen Publikum über „Zionismus und Orthodoxie"; der Redner erntete stürmischen Beifall. Als besonderer Erfolg ist zu verzeichnen, dass eine grosse Zahl von orthodoxen Juden mit regem Interesse den geistreichen und überzeugenden Ausführungen des Redners folgte. Sammlung für den N.-F. Mk. 30.75. Poseit Die erst seit vier Monaten bestehende Ortsgruppe, die in führiger Arbeit stetig fortschreitet — 80 Mitglieder, regelmässige Monatssitzuiigen und Diskussionsabende, eigene Lesehalle — hatte auf den 10. März eine öffentliche Versammlung einberufen (N.-F. K 12). 600 Personen hatten schon vor neun Uhr den Saal bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, und zahlreiche Wissbegierige fanden dann keinen Einlas« mehr. In einleitenden Begrüssungsworten hob Dr. Jeremias mit Genugtuung hervor, dass der Versuch, die Zionisten hier mundtot zu machen, gründlich misslungen sei, und gab der Hoffnung Ausdruck, das_s der Abend neue Freunde und Interessenten der zionistischen Bewegung gewinnen wrerde. Alsdann ergriff der Referent, Architekt Marmorek, das Wort zu einem fast einstündigen Vortrag über „Gegenwart und Zukunft der Juden". Die Gegenwart der Juden sei überall eine traurige: der Versuch einer Verschmelzung mit anderen Nationen sei gescheitert und humanitäre Phrasen könnten darüber nicht hinwegtäuschen, dass dieser Versuch für alle Zeiten aussichtslos sei. Der Antagonismus der Rassen und Nationalitäten liege zu tief in der menschlichen Natur begründet, als dass sie sich wegdekretiereri lassen könnten. Daran hätten sich auch die Parteien, auf welche die Juden alle Hoffnungen gesetzt hätten, vergeblich versucht. Die Juden von gestern, die alles von fremder Hilfe und von der Aenderung der Menschennatur erwarteten, stehen deshalb dem immer drängender werdenden Problem der allgemeinen Judennot ratlos gegenüber. Dagegen vertritt der Zionismus eine aktive Politik: die Juden müssen die Aenderung ihrer Geschicke selbst in die Hand nehmen und statt palliativer Wohltätigkeitsaktionen eine Politik der Voraussicht, eine Aktion radikaler Beseitigung aller Volksübel einleiten. In diesem Sinne ist der Zionismus zunächst eine Kolonial- und Auswanderungsbewegung, will allen den Juden eine neue Heimat schaffen, die sich in ihren jetzigen Wohnsitzen materiell oder ideell bedrückt fühlen. Dann aber ist der Zionismus vor allem eine ethische Bewegung, der die Juden zur Achtung ihrer selbst, zur stolzen Betätigung ihrer Eigenart und eigener Lebensideale erziehen will. Was der Zionismus gerade darin schon jetzt erfolgreich bewirkt hat, schilderte der Referent in eingehender, lichtvoller Darstellung unter dem lebhaften Beifall der Versammlung. In der anschliessenden Diskussion bemühten sich zwei Gegner, die ideellen und materiellen Schwierigkeiten der zionistischen Bewegung darzulegen. Ihnen erwiderte Dr. K o 1 - 1 e n s c h e r, und Architekt Marmorek wusste besonders durch seine Schlussreplik den Erfolg des Abends vollends auf seine Seite zu bringen. Zahlreiche Mitglieder meldeten sich sofort für die Ortsgruppe. Dr. J. Königsberg i. Pr. Die Zionistische Vereinigung hatte zu Mittwoch Abend eine öffentliche Versammlung in die Bürgerressource einberufen. Der Umstand, dass der neben Dr. Herzl und Dr. Nprdau bekannteste Führer der zionistischen Bewegung, Herr Architekt Marmorek aus Wien, Mitglied des engeren Aktionskomitees, sein Erscheinen angekündigt hatte, hatte dahin gewirkt, dass der weite Saal vollständig gefüllt war. Der Zufall wollte es, dass noch ein zweiter bekannter Führer der zionistischen Bewegung, Herr Wolfsohn aus Köln, Direktor der Jüdischen Kolonialbank, gleichzeitig hier anwesend war und der Versammlung beiwohnte. <4llseitiger Beifall begrüsste Herrn Marmorek, als er das Rednerpodium bestieg, um über das Thema: „Gibt es verschiedene Wege zur Lösung der Judenfrage?" zu sprechen. Redner ging von der Voraussetzung aus, dass nicht der gemeinsame Glaube den Juden ihr Zusammengehörigkeitsgefühl gebe, sondern das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einer grossen Rasse, einer einst glorreichen Nation. Dieses Gefühl wolle der Zionismus stärken, und er müsse es stärken, wenn er nicht die gesamte Existenz des Judentums in Frage stellen wolle. Es sei für die Juden unmöglich, in den einzelnen Nationen aufzugehen. Ein Jude könne den besten Wüllen haben, ein echter Germane zu werden, er könne eine glühende Vaterlandsliebe besitzen, sich selbst taufen lassen, für den Christen bleibe er der getaufte Jude. Eine Zeitlang hätten die Juden geglaubt, dass mit dem Erstarken des Liberalismus eine neue Aera für sie angehe, und sie seien treue, aufopfernde Mitarbeiter des Liberalismus geworden. Aber der Liberalismus habe ihnen nicht halten können, was er ihnen versprochen habe, der Volksinsünkt habe dem widersprochen. Sei aber ein Aufgehen in den einzelnen Nationen nicht möglich, dann müsse eben der jüdische Nationalgeist erstarken und wieder eine jüdische Nation schaffen. -Dieses Ziel sei keine Utopie, denn die M.ächtigen der Erde, auf die es in diesem Falle ankomme, seien dem Plane sehr geneigt. England sei sogar so weit entgegengekommen, dass es Ostafrika als Kolonie angeboten habe. Das letztere Projekt könne selbstredend nur

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