Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 flbi* # W^lt" Seite 13 Der Suchende erscheint oben auf dem Felsen und ruft: Tekiohü 0) Der Wanderer bläst: Scheworim! (Der Vorhang fällt.) Dass der Schlemiel auch artig sein kann, wo im ei* will, zeigt sich in seiner Freigebigkeit in dichterischen Purimgaben an Dr. Herzl. Wie Bismarck stark und unbeirrt, Das Ziel stets fest im Auge, So gehst du vorwärts deinen Weg Trotz fiass und Spottes Lauge. Drum wünsch' ich dir gegen Phlisterhass Auch Bismarcks Farcitnentositas. Dr. Franz Oppenheimer. Columbus zog gen Westen aus, Wollt' finden Indiens alten Strand; Doch Wunder! an des Weges Ziel Zeigt seinem Aug' sich neues Land. — Du hast ein Neuland lang gesucht, Bis sich dein Blick gen Osten wandt', Wo altes Land dein Aug' entdeckt, — Dort schaff nun mit am neuen Land. Dr. Alexander Marmorek. Du bist ein grosser Gelehrter Und fandest manch' Serum schon, Nun möge dir bald auch gelingen Eins gegen die Assimilation. Die Welt. Der Welt, der geehrten Kollegin, Die unser oft freundlich gedacht, Sei hiermit als Zeichen des Dankes Ein kleines Präsent dargebracht, 's ist nur ein unscheinbarer Stempel, Auf Deutsch auch Stampiglie genannt, Doch wird er viel Stunden ersparen Herrn Werners ermüdeter Hand: Nicht ohne Talent, jedoch nicht druckreif. Die Schlachmones des Schlemiel an die Nmhtzionisten sind etwas weniger schmeichelhaft. Die Bedeutung des Hauptlialins der Berliner Assimilanten, Klausners, wird durch zwei Bilder dargestellt. Auf dem ersten leisten die Massai einen Bütlischwur auf dem Kenia gegen die eindringenden Juden : „Mögen sie nur kommen, die weissen Männer! Wir Massai fürchten den grossen Geist, sonst nichts!" Auf dem zweiten Bilde ist Klausner allein. Die Massai sind bei seinem Anblick schleunigst ausgerissen. Klausners Leser — pardon, Abonnenten! —, die Berliner Kultuslenker, sind vom Sehlemid bei einer Sitzung aufgenommen worden. Im Mittelpunkte der Debatte steht der vorletzte Punkt der Reform: Errichtimg einer Schweineschlächterei seitens der Kultusgerneinde. Inhaltlich anschliessend, ist eine Enquete des Publikums zur Orgelfrage. Der liberale Verein für die religiösen Interessen des Judentums hat uns einige bisher ungedruckte Gutachten über die Orgel zur Vertilgung gestellt, von denen wir folgende veröffentlichen: P. P. Als modern empfindender Mensch bin ich selbstverständlich für die Einführung der Orgel. Im übrigen möchte ich noch bemerken, dass ich seit Jahren am Versöhnungstage stets in eine Orgelsynagoge gegangen bin. Christoph Cohene. Ich bin far a Orgel am Simchastora. Loeb Schmuiowitz. Lieber Vorstand! Da iVlama keine Zeit hat, gestatte ich mir Ihre Anfrage zu beantworten, besonders da ich sehr gern Briefe schreibe. Papa ist es ganz egal, wie er sagt, ob wir eine Orgel bekommen oder nicht, da er doch keine Zeit hat hinzukommen. Aber mir würden Sie einen grossen Gefallen damit tun. Wie nett ist es doch, *) Seit den neuesten Ereignissen ruft er Tokio! wenn die Orgel so andächtig spielt und alles so feierlich vor sich hinträumt. Man fühlt sich ganz in eine himmlische Frühlingsstimmung versetzt, wie meine Freundin Else immer sagt. Ich verspreche Ihnen, jeden Freitag Abend zu kommen in meinem neuen weissen Pelz, den mir Mama zum Geburtstag geschenkt hat. Verbleibe unterdessen Ihre ganz ergebene Hulda. Sehr geehrter Herr Vorstand! In meinem Namen und im Namen meiner Nachbarin Serie protestiere ich ganz entscheiden gegen die Einführung der Orgel, da man sonst sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Mit Gruss Schnapperelle. Von diesem Kleinbürgertum weg führt uns der Schlemiel direkt nach England. Die Ica sitzt als moderner Hainau auf ein<mi Thron von Geldsäcken und alle Diener des Königs werfen sich vor ihm nieder (jeder weiss das Seine), nur Mordeehai-Zangwill beugt kein Knie und wirft sich nicht nieder. Eine separate Stellung, dem Range nach natürlich die erste, nimmt ein Beitrag von Max Nordan ein. Es ist ein feiner Humor an sich, dass er, der im Schlemiel so oft passivbeteiligt war, nun plötzlich aktiv mittut. Er liefert eine geistreiche Mischung von Scherz und Ernst, die bekanntest unter dem Titel Aphorismen. Welcher Symbolismus: Spinoza ein Brillenmacher! Palmerston — nicht der arme Karl Emil Franzos — sagte: „Jedes Land hat die Juden, die es verdient." Ich frage dagegen: „Verdient jedes Land die Juden, die es hat?" Nennt man Geistliche Seelenhirten, um durch die Blume ihre Gemeinde als Schafe zu bezeichnen? Das wäre nicht schön. Jede Beweisführung ist Bescheidenheit. Empfindlichkeit beweist noch lange kein Feingefühl. Dieses beginnt erst bei der Rücksicht auf andere. Es ist leicht, einen Toten mit eiuemmaie berühmt zu machen. Der Neid fürchtet ihn nicht mehr. Man würde sich um den furchtbar gewaltigen Blitz nicht viel kümmern, wenn ihn der harmlose Donner nicht eine so lärmende Reklame machen würde. Wahre Liebe scheut vor keinem Opfer des geliebten Wesens zurück. Wenn man kahl zu werden beginnt, lässt man sich den Kopf rasieren, um an eine gewollte Glatze glauben zu machen. Man glaubt nicht, wie mutig Feigheit machen kann. Max Nordau. Ein symbolisches Bild noch : Zwei Katzen (oder ist die eine Katze ein Hund? Man sieht, wie schwer es ist, ein Buch über Kunst zu schreiben.) haben sich mit dem Schweif ineinander verknotet und ziehen mit sei) merz verzerrten Mienen nach entgegengesetzten Richtungen, statt schmerzlos miteinander zu laufen. Wir halten diese Schlussvignette des ergötzlichen Pritschenträgers für eine Darstellung der jüdischen Einigkeit. J. Upfimny. Du sollst nicht morden! Nach Midian in das Zelt des Priesters und Fürsten kamen «eines Morgens neun ägyptische Häscher, die otme Atem waren nach der Hast und dem Eifer ihrer Reise, und meldeten, sie seien hinter einem Manne her, auf dem schwere Blutschuld laste. Der Mörder sei, wie aus allen Spuren zu ersehen, in das Gebiet Midians entronnen, daher der Priesterfürst dem Pharao zu Gefallen sein und den blutbefleckten Flüchtling ausliefern möge. Und der Pharao werde den Kindern Midians immerdar Dank wissen und seiner Huld reichste Lichtfülle jederzeit auf sie niedergehen lassen. Der Fürst erwiderte, es sei zwar seit jeher sein sehnlichster W unsch gewesen, einmal jederzeit von des Pharao Huld reichlich bestrahlt zu werden, aber bis zur Stunde habe er keinerlei Kunde über die Ankunft