Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 „bis fr W^lt" Nr. 11 Nächten bin ich gewesen bei Rüben Chapper un hob mit ihm geschmusst aso lang, bis er hot mir gewollt geben a por Pätsch. — Vun wannen weisst du, dass er dos hat gewollt? — Vun wannen ich weiss? Weil er hat tacke gegeben. — Far wos sagst du da, er hat gewollt? — Wos denn? Er hot efscher nicht gewollt? Chammer! Wenn er hat nit gewollt, hätt' er mir doch nit gegeben! . . . Uebrigens tut dem Schlemiel seine Streitlust zum Teil schon leid und er geht nach Canossa, resp. Mainz, um sich mit dem „Israelit" auszusöhnen. Wegen lumpiger r>0 Mark, die der Israelit als Preis für eine Erzählung aus Bibelzitaten mit Zusammenhang in guter deutscher Sprache ausgeschrieben hat. Der Schlemiel bewirbt sich daruni mit folgender Erzählung: „Gott sprach: es werde Licht; und es ward Licht. Aber in dem Kppfe eines gewissen Menschen herrscht noch immer ägyptische Finsternis, ein Tohuwabohu; denn vom Baume der Erkenntnis hat er nie gegessen. Er hat auch niemals im Schweisse seines Angesichtes sein Brot verdient, niemals mit Schmerzen Kinder geboren, dagegen kriecht er beständig wie die Schlange auf dem Bauch. Er spricht wie Bileams Eselin, die aber ihm gegenüber ein weiser Salomo war. Er hat ein dickes Fell wie Esau; denn als der Ruf erscholl: Zieht hinaus aus dem Lande der Knechtschaft, aus dem Hause der Sklaverei, in ein Land, wo Milch und Honig fliesst, da war Freude in Israel. Er jedoch wollte die Fleischtöpfe Aegyptens nicht verlassen und verharrte in der Anbetung des goldenen Kalbes. Trotzdem ist dieser Mensch kein Ochs; denn es kennt der Ochs wenigstens die Krippe seines Herrn, er dagegen ist völlig mit Blindheit geschlagen; und er wird niemals sehend werden, selbst wenn er zweimal so alt würde wie Methusalem." Schlemiel. Offenbar, um in der Mainzer Redaktion für sich Stimmung zu machen, bringt der Schlemiel ein tendenziös gefärbtes Telegramm aus Paris, 25. Jan. 1904. (Privattelegramm des „Schlemiel".) Maurice Donnay soll ein neues Drama „Die Rückkehr von Uganda" in Arbeit haben. Nordau wartet bereits mit gesträubter Feder. Einen schüchternen. Versuch zur ehrlichen Berichterstattung finden wir erst wieder unter Weltehronik, wo zugestanden wird, dass man nicht wisse, was mit Ostafrika los ist:. Das kommt davon, wenn man keine hebräischen Blätter liest. Diese haben zwar in der letzten Zeit ihren Wiener Korrespondenten eine Extrazidage für Tinte bewilligen müssen, wissen aber dafür mehr zu melden, als dem engeren A.-C. bekannt ist. Lehrreiche Aufklärungen erhalten wir dagegen über die Kussenfrage durch folgendes wahre Geschichtchen: Lieber Schlemiel,! In einer Berliner Mädchenschule fragt die Lehrerin ein jüdisches Kind, zu welcher Rasse die Juden gehören, worauf die richtige Antwort erfolgte: „Zur semitischen." Darauf wandte sich die Dame an eine andere Schülerin mit der Frage: „Und zu welcher Rasse gehören die Deutschen, mein Kind?" „Zur antisemitischen," erwiderte das Mädchen. Die nächste Seite ist wahrhaft traurig. Oben sieht man eine weinende Mutter: Eine ehrsame Gluckhenne (die Chowewe Zion), die Enteneier ausgebrütet hat, worauf die Jungen (die Zionisten) ins Wasser gehen, d. Ii. in den Strömungen der Politik zum Schmerze der Mutter hcrum- [>läi Schern. Darunter ist der Briefkasten der Eedaktion. der Begräbnisjdatz für Einsender. Der Schlemiel hat diesmal ärger gewütet als Kruscliewan, der auf der letzten Seite zeichnerisch aufgenommen ist, wie er gerade die Huldigungen seiner deutschen Gesinnungsgenossen entgegennimmt. Trotz dieser Massen Schlachtung im Februar ist. dem Schlemiel genug übrig gebliehen, um eine vorzügliche März- Xu in nie]1 zusammenzustellen. Der lammstimmung entsprechend ist Mbwapwa, Jumbo wieder frühlicher Laune, da der Krieg seine Gesandtenmission vereitelt hat.. Er benützt seine Zeit zur Erweiterung seiner Bildung, wozu ihm ein früherer Berliner Student, Leiser Simpelowitsch Chamcrowski, behilflich ist. Dieser belehrt Jumbo dahin, dass die dümmsten Menschen unter den deutschen Zionisten sind. „Sie fahren herum," sagt er, „halten Eeden an das Volk, schreiben Zeitungen, Bücher und Gedichte, sprechen von Palästina und der Kolonisation und sind in der Kultur rückständig, weil sie praktisch sind, statt sich in philosophische Probleme zu versenken. Dem soll durch Gründung einer neuen Universität abgeholfen werden, wo man sich mit keinem Gegenstand länger abgeben darf, als 14 Tage, und nach einem halben Jahre eine sozialphilosophisch-psychologische Prüfung ablegen muss über die Unwissenheit der anderen Menschen. Die zweite Hauptsorge von Uganda ist die erweiterte Orgelfrage, das heisst die Frage des Tanzes in der Synagoge. Die Reformer haben nämlich ganz richtig herausgefunden, dass die Assimilation, in Form des Orgelspielens für Ostafrika keinen Sinn hat, weil die „anderen Mitbürger", die Schwarzen, beim Gottesdienst nicht Orgel spielen, sondern tanzen. Die Reformer wollen sich nun in der Synagoge auf dieselbe Weise erheben, nämlich auf den Fussspitzen, damit die Schwarzen nicht antisemitisch werden. Gutachten aus Berlin sind unterwegs. Unter Jumbos Brief ist eine Zeichnung, die unserer Meinung nach.auf jene Seite kommt, auf der die Judenfrage dramatisch behandelt wird. Es sind Störche. Mit der Geschäftigkeit dieser braven Tierchen hängt die Judenfrage innig zusammen, die umso dramatischer wird, je mehr Schauspieler auftreten. Aus-den Dramen, die bereits darüber geschrieben wurden, uibt der Schlemiel einige gedrängte Auszüge unter dem Titel" Die Judenfrage. Ein Zyklus von Steno-Dramen nach berühmten Mustern. Hauptmann. Fa bisch (Hausierer): Keefa Se Tuchla, — Bandla, — Spitzla, — Nadia, — Zwirnla! H a ii n e 1 e (Magd): Nehmawi ihm was ab — dein putziga Mannla dohie! Henschel: Raus mit dem Kerlaü (l) (Der Vorhang fällt.) Herzl, Nordau. Der getaufte Kommerz Leu rat (sich im Spiegel betrachtend): Was nützt mir nun die ganze Taufe, wenn meine Nase dieselbe geblieben ist?! Dr. Levy deklamiert drei Leitartikel der Welt. Der Leutnant erschiesst ihn, bevor er den vierten beginnen kann. O (Der Vorhang fällt.) - E. von Wildenbruch. Josef Lauff. (Ein Haufen betrunkener Soldaten plündert zwei Juden aus und misshandelt sie.) Der grosse Kurfürst erscheint, umgeben von seinen Generalen: Henkt die Kerls! — (Es geschieht.) In meinem Staate kann jeder nach seiner Fagon selig werden.! Dieses Wort meines grossen Urenkels will ich durchführen. Erster Jude: Euer Gnaden, sollen leben und gesund sein! Zweite r J ude: Amen! Amen! Amen! E rster Jude: Ich sterbe! Aber bevor, dass ich sterbe, prophezeie ich! (Er sagt die brandenburgisch-preussisclie Geschichte bis zur Gründung des Vereins zur 'Abwehr des Antisemitismus auf und stirbt.) (,!) D e r g r o s s e K u r f ii r st legt ihm die Hand aufs Haupt. (Der Vorhang fällt.) Maeterlinck. Der Wanderer — lilafarben gekleidet — umkreist schoiarblasend ein frisch aufgeworfenes Grab. Acht j u n g ] ü d i s c h e Dichte r, in carmoisinrote Gewänder gekleidet, versenken eine ungeheure Krawatte in das Grab. 3) Nach der Fiattower Version, wird Eabisch erschlagen. ) Der Verein zur Abwehr folgt ihm im Tode.