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Die Welt · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11 „bis & weit" Seite 11 ^edilletoi). Der Sehlemiel. hat sich nun schon eingebürgert und erscheint jeden. Arsten pünktlich, wie ein. Mahnbrief vom Schnei der. Unbezahlbar. Er ist so gut, dass man sogar im Caie Jägerhof nicht über ihn schimpft, und das ist bis jetzt erst wenigen gelungen. Ins Cafe Jägerhof kommt die Mehrzahl der Wiener zionistischen Akademiker, bis sie entweder in Stellung gehen, oder heiraten, oder sonstwie das studentische Katzen Jammertal verlassen. Und wenn man ein zionistischer Funktionär ist, oder eine. jüdische Zeitung, oder in anderer Art sich im lfceich des Mögen David bemerkbar ]nacht, so wird der Lesetisch des Kaffeehauses zum Seziertisch, und man muss von guten Eltern sein, um diese Operation zu überstehen. Item, der Sehlemiel wird im „Jägerhof" nicht moralisch zerrissen, sondern nur physisch, da er auf schlechtem Papier gedruckt ist. Im .unigekehrten Verhältnis zum Papier steht der Inhalt. Ueber die zerchfellbewegenden Ereignisse in 0. A. berichtet als stehende, resp. sitzende Figur Mbwapwa Jumbo, der Massaihäuptling a. I). In der IVhruar-Xummor sieht er besonders bekümmert drein. Denn er soll als jüdischer Gesandter nach Eussland gehen. Da er als Jude nicht hineindarf, muss er nach Vorübungen bei den Berliner Reformern sich taufen, lassen. Chaskel, der Schreiber soll ihn als Militärattache begleiten. Beide sind über die Mission entsetzt, ziehen mit ihrem Schmerze an die Ufer des Xyanza und veranstalten dort eine Art juiigafrikanischeii Abend: Jumbo singt melancholische Lieder und Chaskel begleitet ihn auf der Guitarre. Eine Nachtigall, die im Gebüsch zuhört, kriegt davon den Zungenschlag. Den Brief zeichnet Jumbo mit Herzblut, Tränen und GalLe-- --Herzblut--Tränen--und Galle--?? Mir scheint---das muss ich einmal gelesen haben — ich weiss nur nicht wo. Jedenfalls konstatiere ich mit Herzblut, Tränen und Galle, dass die Beschäftigung mit der Politik auch den Charakter des Sehlemiel verdorben hat. Er wagt es, Doktor Horzl ein Berliner Ultimatum zu überreichen, des Inhaltes: Das Protokoll des VI. Kongresses müsse längstens bis zum VII. erscheinen. Tatsächlich hat dieser abscheuliche Terrorismus die fieberhafte Tätigkeit des Koiigressbureaus ins Masslose gesteigert und die Setzer des Protokolls kommen nicht dazu, sieh selber zu setzen. Allgemein ist man aber der Ansicht, dass der Sehlemiel bei sich selber Ordnung machen solle. Denn die Briefe in der nächsten liubrik erreichten ihn gewiss nur deswegen nicht, weil sie von der Administration des Sehlemiel expediert wurden. Briefe, die ihn nicht erreichten. An S. Exzellenz den Herrn Minister des Auswärtigen St. Petersburg. Im Besitze der letzten Note Ew. Exzellenz, betreffend Abschluss eines neuen Handelsvertrages zwischen dem deutschen und russischen Reiche, erwidere Ew. Exzellenz ich ergebenst, dass ich nach wie vor die gieichmässige Behandlung aller deutschen Staatsbürger ohne Unterschied des Glaubens als conditio sine qua non ansehe. Eine differentielle Behandlung , christlicher und jüdischer Kaufleute und Handlungsreisender würde ich als dem deutschen Grundgesetz widersprechend unbedingt nicht zuzugeben in der Lage sein, eingedenk auch der Worte, die mein kaiserlicher Herr auf der Saalburg gesprochen, dass jeder Deutsche im Auslande stolz solle sagen können: Civis Germanus sum. In der zuversichtlichen Erwartung, dass Ew. Exzellenz in gerechter Würdigung meiner Gesichtspunkte diesen Differenzpunkt durch Zugeständnis beseitigen werden, verharre ich als Ew. Exzellenz Ergebenster Der Reichskanzler, gez. Graf v . B ü 1 o \v. Au den verehrlichen Vorstand, der zionistischen Vereinigung für Deutschland z. H. des Herrn Dr. Bodenheimer Cöln a. Rh. Nachdem die Bestrebungen zur Begründung einer die deutsche Judenlieit zusammenfassenden Organisation nunmehr ihrer Verwirklichung näher geführt worden sind, legt das unterzeichnete Komitee Wert darauf, seine Mitgliederzahl durch einige führende Zionisten ergänzt zu sehen. In dem Bestreben, den deutschen. Judentag zu einer wirklichen Vertretung aller deutschen Juden zu machen, sind wir uns wohl bewusst, dass es vor allem die Zionisten gewesen sind, die in den letzten Jahren das Selbstgefühl und das jüdische Volksbewusstsein und dadurch_auch das Interesse an den gemeinsamen Angelegenheiten der deutschen Judenschaft mächtig angeregt, in vielen Kreisen sogar recht geweckt haben. Insbesondere kann der mitunterzeichnete Urheber des Judentaggcuankens nicht umhin, ausdrücklich anzuerkennen, dass die nachhaltige Propaganda, welche die Zionisten in Wort und Schrift für seine Idee mit allen Kräften, lange Zeit allein und ohne Unterstützung anderer, misstrauisch abseits stehender Kreise, entfaltet haben, überhaupt erst den Boden für die Verwirklichung der Anregung geschaffen hat. Unter diesen Umständen kann das unterfertigte Komitee keinen Augenblick darüber im unklaren sein, dass es ohne^ Ergänzung durch Delegierte der zionistischen Partei ein Torso bleiben würde, und beehrt sich daher, die Parteileitung um Abordnung einiger Mitglieder höflichst zu ersuchen. Mit vorzüglicher Hochachtung Das Komitee zur Vorbereitung des deutschen Judentages gez. Philippson. Horwitz. "Dieselbe Schlamperei, wie in der Administration, "herrscht übrigens auch in der Redaktion. So lesen wir im Ivorrespon den zteil na eheinander: Spezialkorrespondenz. Frankfurt a. O., 19. Dezember 1903. Von einer erhebenden Chanukafeier können wir heute berichten. Der Kaufmann Christian. Schulze, Inhaber eines hiesigen renommierten Garderobengeschäftes, hatte gestern Abend 60 jüdische Kinder unbemittelter Eitern mit ihren Angehörigen in seinen Geschäftsräumen versammelt, wo die Chanukagaben. auf weissgedeckten Tischen aufgebaut waren. Am Fenster stand ein prächtiger Chanukaleuchter. Nachdem die Anwesenden unter Leitung eines Lehrers ,,Moaus zur jesebuossi" gesungen, hatten, hielt Kaufmann Schulze eine Ansprache an die Kinder, in der er auf die Bedeutung des Chanukafestes hinwies. Alsdann zündete Herr Schulze unter Hersagung der rituellen Segensspriiche die Lichter an. Nun erhielten die Kinder ihre Gaben; jedes einen neuen nach Mass gefertigten Anzug und einen grossen Honigpfefferkuchen. Mit herzlichem Dank verliessen die Kinder freudestrahlend den Bescherungsraum. Berichtigung, In unsere Korrespondenz aus Frankfurt a. 0., vom 19. Dezember 1903, ist durch die Unfähigkeit des Setzerlehrlings leider eine arge Verwirrung hineingekommen. Es handelte sich nämlich nicht um eine Chanuka-, sondern um eine Weihnachtsbescherung, nicht an jüdische, sondern an christliche Kinder. Der gütige Spender war auch nicht Herr Christian Schulze, sondern Herr Abraham Rosenthal, und er sprach nicht über die Bedeutung des Chanuka-, sondern des Weihnachtsfestes, wie denn auch nicht „Moaus zur jeschuossi", sondern „Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen wurde. Wahr ist, dass die Lichter angezündet wurden, allerdings nicht auf einem Chanukaleuchter, sondern an einem herrlich geschmückten Christbaum. Wir bitten unsere geehrten Leser und unseren Frankfurter Korrespondenten wegen dieser unliebsamen Verwirrung um Entschuldigung. Niemand wird sich, wundern, dass eine solche Reduktion einen -unzweifelhaften. Abkömmling der Eotte KoraJi als Zeichner beschäftigt. Er hat Xord.au, dem eleganten Pariser, ein Stramel aufgesetzt, einen Kaftan umgegürtet und ihm wallende Locken rechts und links von der Denkerstirn angedichtet. Ich glaube, der Zeichner sollte, bevor er wieder ein solches Bild macht, zur Warnung den Witz auf der nächsten Seite lesen:

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