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Die Welt · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „bi* Welt Nr. 11 ferner 19, 18: „Und der ganze Berg Sinai rauchte; weil der Herr auf ihn herabgekommen war im Feuer und sein Rauch aufstieg wie der Rauch eines Ofens, und der ganze Berg bebte sehr4'; endlich 24, 17: „Und das Erscheinen der Herrlichkeit des Herrn war wie verzehrendes Feuer auf dem Gipfel des Berges vor den Äugen der Söhne Israels," Die Theologen brauchen sich über diese Deutung nicht weiter zu entrüsten, denn sie hat es lediglich mit den Naturerscheinungen gelegentlich der Gesetzgebung am Sinai zu tun und keine Exegese zwingt dazu, den natürlichen Charakter der in den obigen Stellen beschriebenen Erscheinungen zu leugnen Sonach hätte also am Sinai ein vulkanischer Ausbruch stattgefunden; aber weicher Berg der Sinaihalbinsel ist denn eigentlich der Berg der Gesetzgebung? Ueber diese Frage ist viel gestritten worden, weil die Gruppe, um die es" sich handelt, ein gewaltiges Gebirge bildet, das sich zwischen die Golfe von Suez und von Akabah einschiebt und in seinem höchsten Gipfel, dem Diebel Katherie, bis zu 2600 m Höhe ansteigt. Dieser und seine Umgebung ist von einer nordwestlich davon belegenen Gebirgsgruppe, die in dem Djebel Serbai über 2000 m erreicht, deutlich getrennt. Die letztgenannte Gruppe aber zeigt ihrerseits wieder zahlreiche, wenngleich niedrigere Gipfel, und an sie schliesst sich Djebel el Tih als ein Wall, der die Wasserscheide zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer bildet. Man nahm früher an, der Serba' sei der Berg der Gesetzgebung; jetzt hält man dafür, diese Ehre stehe dem Djebel Musa oder dem Horeb zu. Diese liegen nördlich vom Djebel Katherie, und dort befindet sich auch das uralte Kloster, in dem Tischendorf den berühmten Codex Sinaiticus entdeckte und 1893 Engländer die noch ältere Palimpsesthandschrift der vier Evangelien photographisch aufnahmen. Ob in Wirklichkeit überhaupt einer dieser Gipfel der Berg der Gesetzgebung ist, muss aber dahingestellt bleiben, wenngleich es wahrscheinlich ist, dass der Zug der Juden längs des südlichen Abfalls von Djebel el Tih gegen den Busen von Akabah hin erfolgte . Hier wäre also der Vulkan zu suchen, der nach der Hypothese des Professors Gunkel beim Vorüberzuge der Juden einen Ausbruch hatte. Die geologische Forschung hat aber bis jetzt auf der ganzen Sinaihalbinsel vulkanische Produkte nirgendwo nachzuweisen vermocht. Ihre Gebirge sind alte Granitmassive, die nackt und steil ansteigen, mit aufgelagerten Sand- und Kalksteinschichten und tief eingeschnittenen, vielfach engen und gewundenen Tälern; alles zeugt dort von uralten Wirkungen des Wassers, vielleicht sogar des Eises, nichts deutet auf Vulkanismus, weder aus älterer noch aus jüngster Zeit. Die Hypothese Professor Gunkels findet also in der Beschaffenheit des Landes keine Stütze. Woher stammt das Salz des Toten Meeres? Es ist eine allgemein verbreitete Erscheinung, dass ein binnenländisches Wasserbecken, das vom Abfluss zum Meer abgeschnitten wird, allmählich die süsse Beschaffenheit seines Wassers verliert und salzig wird. Die Erklärung ist nicht schwierig. In den Zuflüssen, die ein See erhält, wird stets eine ganz erhebliche Menge von Salzen mitgeführt, die unter normalen Verhältnissen nicht dazu genügen, das Wasser bis zu einer im Geschmack hervortretenden salzigen Beschaffenheit zu bringen. Wenn aber aus einem abflusslos gewordenen See grosse Wassermengen verdunsten, so muss der Salzgehalt dauernd zunehmen, da eben nur reines Wasser verdunstet, während die Salze zurückbleiben. Dieser Vorgang ist, wie gesagt, bei entsprechenden Verhältnissen überall zu beobachten. An sich kann es daher auch nicht wunderbar erscheinen, dass das Tote Meer ein salziger See ist . Dies Wasserbecken nimmt jedoch noch eine besondere Stelle unter den Salzseen der Erde ein, weil der Salzgehalt ein ganz ungewöhnlich hoher ist, obgleich es durch den. Jordan und andere Flüsse dauernd gar nicht unbedeutende Mengen von Süsswasser empfängt. Der Palästinaforscher Ackroyd hat sich mit dieser Tatsache näher beschäftigt und glaubt danach eine besondere Ursache für den ungeheuer hohen Salzgehalt des Toten Meeres aufsuchen zu müssen. Zunächst bietet sich die Vermutung dar, dass das Salz aus den Steinen der Umgebung herrührt, aus den Felsen durch Erosion und Auslaugung herausgezogen und nach dem Toten Meer geschafft worden ist. Diese Erklärung hält Ackroyd für ebenso unzureichend wie die Annahme, dass das Tote Meer ursprünglich einen Arm des Toten Meeres gebildet hat, der durch die Hebung des Gebietes von Palästina in verhältnismässig später Zeit abgeschnürt wurde. Mindestens als mitwirkend betrachtet der Forscher die Möglichkeit, dass grosse Salzmengen durch die Winde vom Mittelländischen Meer nach der Gegend des Toten Meeres getragen, durch die Niederschläge zur Erde gebracht und letzterem zugeführt wurden. (Hamb. Nachr.) Das alte Edom. Prof. Dr. Alois M u s i 1 in Olmütz, der Entdecker des Kalifenschlosses Amra, sendete an die Wiener Akademie der Wissenschaften eine von ihm ausgearbeitete ausführliche Karte des alten Edom, die erste Karte dieses Landes überhaupt, und zeigte die bevorstehende Ausgabe eines topographischen Werkes über dieses wenig bekannte und doch so interessante Gebiet an. Professor Musil hat dieses unwirtliche Land in den Jahren 1896, 1897, 1900, 1901 und 1902 bereist und es gibt kaum ein Tal oder eine Ruine daselbst, welche er nicht kennt. Natur und Menschen kommen dort dem Wanderer .gleich feindselig entgegen. Oben auf dem Plateau der Hochebene ,in einer Höhe von mehr als 1500 Meter, friert man in der Nacht, andererseits gibt es Niederungen, 395 Meter unter dem Spiegel des mittelländischen Meeres, wo die Temperatur bis auf 56 Grad Celsius in der Sonne steigt. Dieses Land ist es, das Professor Musil neu entdeckt hat, wodurch er der Geschichtsforschung einen wesentlichen Dienst geleistet hat. Denn einst war Edom — ldumäa, die südliche Fortsetzung von Palästina, ein mächtiges Reich, das in heftigen Kriegen mit den Juden seine Unabhängigkeit verlor. Von dem edomitischen Hafen Ezeongeber ging Salornos Flotte nach Ophir. Der erste Herpdes wTar ein Idumäer. Später wurde das Land zu Arabien gerechnet ,die Kreuzfahrer setzten sich dort fest. Ganz verfiel es erst, da es seine Wichtigkeit als Verbindungsstrasse zwischen Aegypten, Phönizien, Damaskus einerseits und Südarabien, Indien, Ostafrika andererseits verlor. Professor Musil ist den Spuren der Vergangenheit nachgegangen und wird in seinem Werke namentlich die Identität zahlreicher in der Geschichte verschieden bezeichneter Orte, Flüsse und Dinge nachweisen. (Hart. Ztg.) Ein neuer Verkehrsweg in Palästina. Die Erbauung einer Fahrstrasse bedeutet in dem wegarmen Palästina noch mehr als bei uns eine kulturelle Tat; es ist daher begreiflich, dass bei der Einweihung des neuen Verkehrsweges von Jerusalem nach Nablus in Samaria, der durch das sogenannte Räubertal führt, die obersten Behörden der Provinz und die Bevölkerung der weiteren Nachbarschaft, alle in malerischen, farbenreichen Gewändern, zugegen waren. Die Strasse soll später bis Nazareth durchgeführt werden. Jerusalem. Von der rumtJö man in Jaffa ergeht in der dieswöchentlichen nspfc'n ein Aufruf an sämtliche Zionisten, in dem zum Frieden gemahnt wird, hauptsächlich aber, sich von blinder Parteiwut nicht beirren zu lassen. — In derselben Stadt ereignete es sich, dass ein Konzert, geplant vom dortigen Frauen verein, von der Polizei verboten wurde, weil es in ungeschickter Weise als „Zusammenkunft14 angemeldet worden war. Erst auf Intervention gelang es, die fälschliche Angabe richtigzustellen. — Gegen Aegypten ist wieder eine 24stündige Quarantäne verhängt; von der Fremdensaieon verspricht man sich daher nur wenig in diesem Frühjahre. Bis zum 7. Februar hat sich noch kein Tourist hier blicken lassen. Hazioni. Die Neuwahlen des hiesigen Zweigvereines des Deutschen Palästina-Verein es haben den 12. d. M. stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit hielt Dr. Benzinger einen interessanten Vortrag über das aufgefundeneMegiddound dessen Umgegend. Die Ausgrabungen, die der Vortragende leitete, haben auch sonst Wertvolles zu Tage gefördert. Ein Bericht wird in der Zeitschrift dieses Vereines erscheinen. — Am 26. v. M. feierte Herr Alfred Geiger in Frankfurt a. M. seinen 70. Geburtstag. Als Schriftsteller, namentlich aber als Stenograph steht Geiger in sehr gutem Rufe. Seine freie Zeit ist der Wohltätigkeit gewidmet. Kein Verein in Frankfurt, an dem er nicht tätigen Anteil genommen hätte. Namentlich grosse Verdienste erwarb er sich um den „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina", und das Waisenhaus, welches dieser Verein in Jerusalem unterhält. In der Waisenhaus-Synagoge wird für den Tag der Feier ein Festgottesdienst vorbereitet. Dr.—t. Marokko und die Juden. Die Gerüchte aus Marokko werden immer düsterer und erschreckender. So schreibt man aus Marokko an das englische Blatt „Al-Moghreb Al-Aksa" in Tanger, dass die traurige Lage der Juden noch fortdauert, dass man immer neue Angriffe seitens der Mauren zu befürchten hat. Auch in Mogador herrscht jetzt eine schwere finanzielle Krise. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Mogador Herr Reuben E 1 m al ch, wendete sich am 1. Februar 1. J. an die Anglo-Jewish Association, worin er den traurigen Zustand der armen Juden von Mogador schildert. Er meint, seit der Hungersnot vom Jahre 1879 habe es noch keine so schlechte Zeit gegeben. Die Ursache des Elends wäre die allgemeine finanzielle Krise des Landes, was mit dem rapiden Falle und der Entwertung der Landesmünzen verbunden ist. Schleunige Hilfe wird erfleht. Aus Indien. Die englische Herrschaft in Indien hat das Leben der Juden daselbst, sowohl der eingewanderten, als der einheimischen, der Beni-Israel, sehr wohltuend beeinflusst. Wir sehen, wie sich das geistige Niveau der indischen Juden täglich hebt. Wir lesen aus einer Korrespondenz aus Bombay: Die Prüfungen an der Universität gehen zu Ende. Die jungen Juden aus den Beni-Israel zeichneten sich sehr aus. Unter den vielen

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