Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 „bis & Weit11 Seite 9 jüdischen Studenten, die die Irrimatrikulationsprüfung bestanden haben, waren auch zwei Mädchen aus dem Stamme der Beni- IsraeL Friedhofschändung, Auf dem Bozener jüdischen Friedhof wurden 14 Grabmäler umgeworfen und beschädigt. Von den Tütern hat man bisher keine Spur. Unter den Bozener Juden herrscht naturgemäss grosse Aufregung über die bübische Tat. Versöhnungstag und Naturforscherversammlung. An den Vorstand des Naturforscherkongresses, der im September in Breslau tagen wird, ist von jüdischer Seite der Antrag gestellt worden, den Kongress wegen des Versöhnungstages zu verlegen.. Der Antrag ist abgelehnt worden. Personalnachricht. Unser geschätzter Gg. Herr Paul B r a f f - Bielitz wird Donnerstag den 17. März mit Frl. Rebekka Friedman n in Brody vermählt werden. Jede Einladung trägt N.-F.-Marke. Zur Nachahmung empfohlen! (Für diese Rubrik ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Für den Nationalfonds. Wir »ahmen schon wiederholt Gelegenheit, auf eine hei vorragende Idee unserer geschätzten Gesinnungsgenosse, Frau Bertha Markus in Florenz, hinzuweisen. Hervorragend, weil die Ausführung der Idee dem Zionismus im Allgemeinen grosse moraJische und dem Nationalfonds ebensolche materielle Vorteile zu bringen geeignet ist. Es ist ein Vorschlag, welcher der dringenden Notwendigkeit entgegenkommt, dem Zionismus Eingang in Denken und Fühlen der heranwachsenden Generation zu verschaffen. Der Gedanke in der geistreichen Art, wie ihn Frau Markus proponiert, hat die wiederholte, rückhaltlose Anerkennung hervorragender Gesinnungsgenossen gefunden, wie Briefe von Dr. Klee—Berlin, Dr. Bodenheimer— Köln, M. Levy—Basel, Dr. Auguste Steinberg—Zürich, Israel Zaugwill, Dr. Bernstein—London, I. de Haas—New- York, Leon ZolotkofT— Chicago, Frau Sophie Raubitschek— Prag u. a. beweisen. Wir wiederholen den Vorschlag mit dem dringenden Ersuchen an alle Gg,, ihn energisch und gewissenhaft in Tat umsetzen zu wollen und so unsere unermüdliche Gesinnungsgenossin praktisch zu unterstützen. Anregung zur Vergrösserung des Nationalfonds beantragt von Frau Bertha Markus, Florenz. Es sind bereits viele Vorschläge zu diesem Zwecke gemacht worden, welche mir fast alle ausführbar erscheinen, aber immer nur die pekuniäre Seite im Auge haben; ich möchte es mit einem Vorschlage versuchen, welcher gleichzeitig mit dieser auch die erzieherische und propagandistische Seite im Auge hat. Ich möchte nämlich proponieren, dass wir unsere Kinder, diese allmächtigen Bundesgenossen, als Hilfskräfte verwerten und bin überzeugt, dass die kleinen Lieblinge durch diese Mitarbeit keinen Schaden leiden, sondern ethisch in hohem Grade gewinnen werden. Vor allem sollen sie uns noch die säumigen Mütter zuführen. Die Organisation, welche eine sehr einfache sein soll, denke ich mir wie folgt: Ein Komitee von zionistischen Frauen und Mädchen, geleitet von einer erfahrenen, anerkannt tüchtigen Frau, macht es sich zur Aufgabe, die Kleinen anzuwerben und zwar;vorerst die Kinder der eigenen Bekannten; ferner Frauen und Mädchen, welche ihnen dazu behilflich sind und immer neue zuführen. Die Neuzugezogenen nehmen dieselbe Verpflichtung auf sich solange, bis alle zionistischen und auch picht zionistischen jüdischen Kinder eines Ortes in unserem Lager sind. Jodes anzuwerbende Kind im schulpflichtigen Alter erhält einen Brief, in welchem demselben zu Gemüte geführt wird, dass es die Pflicht auf sich nehme, zur Verbesserung des Looses seiner unglücklichen Mitgeschöpfe sein Scherflein beizutragen, indem es einmal wöchentlich, etwa am Sabbat-Abend zwei Heller bringt, beziehungsweise einen Sous, einen Soldo, einen Penny, eine Kopeke etc. etc., aber ja nicht mehr—, weil weder die Eitelkeit, noch der falsche Ehrgeiz in unseren Kindern gezüchtet werden soll, wohl aber das Gleichheitsgefühl. Es wirft also seine Münze in eine zu diesem Zwecke bestimmte schlichte, tönerne Sparbüchse, welche das Kind selber zu beschaffen hat. Hinzufügen darf es nur jene Pfennige, welche ihm von seinen erwachsenen Angehörigen oder Freunden beigesteuert werden. Diese Büchsen sollen einmal im Jahre und zwar an einem hiezu bestimmten Tage des Chanukah bei Gelegenheit eines Kinderfestes der Obmännin des Komitees in Gegenwart eines oder mehrerer Mitglieder des Aktionskomitees übergeben werden. Die Präsidentin hat in jedem Monat an den Obmann des Nationalfonds oder, wo ein solcher nicht ist, an den Obmann des Distriktskomitees, einen kleinen Bericht über die Erfolge oder Misserfolge zu erstatten. Selbstverständlich müsste diese höchst einfache Organisation in allen Ländern eine stramme und einheitliche sein, wenn das Ziel erreicht werden soll. * * * An unsere Kleinen: Mädchen und Knaben! Ihr werdet wohl von euren lieben Eltern schon gehört haben, dass es unter unseren Glaubensgenossen viele, sehr viele Kinder gibt, deren Eltern so arm und elend sind, dass sie denselben häufig nicht einmal trockenes Brot und die notdürftigsten Kleider verschaffen können. Diese armen Leute sind oft gezwungen, ihr Vaterland und ihren Geburtsort zu verlassen, um weit übers grosse Weltmeer zu gehen, dort in fremdem Lande Arbeit und Brot für die Ihrigen zu suchen. Immer gelingt es ihnen nicht, und wenn auch, so sind sie dort im fremden Lande. Nun gibt es unter unseren Glaubensgenossen viele gute Menschen, Zionisten —- was Zionisten sind, wird euch Vater oder der Herr Religionslehrer in der Schule erklären — diese Zionisten wollen für die vielen unglücklichen Glaubensgenossen ein schönes Land kaufen, „das Land ihrer Väter", und dort soll es ihnen an Arbeit und Brot nicht fehlen., Da sollen sie Orangengärter, Olivenhaine und Feigenbäume pflanzen; da werden sie ihre Kinder in die Schule schicken, zu nützlichen, braven Menschen erziehen können und ein glückliches Volk werden. Dazu sollt ihr glücklicheren Kinder mithelfen können! Ist das nicht schön? Wer von euch wollte da nicht mittun? — Es wird nicht zu viel von euch verlangt: Ihr bittet Mütterchen um eine einfache tönerne Sparbüchse, an welcher euer Name aufgeschrieben steht, da werfet ihr an jedem Sabbat-Abend von euren kleinen Ersparnissen zwei Heller _ ja nicht mehr — hinein. Wenn ihr recht gute Kinder seid — und das seid ihr ja doch wohl — dann könnt ihr noch manch'andere Heller, welche euch Eltern, Freunde und Verwandte für euren Zweck geben, ebenfalls hinzutun; dazu ein Zettelchen, worauf euer Name und das Datum verzeichnet ist. Wenn das schöne Chanukahfest kommt, dann nehmet ihr die Büchse und gehet mit Mutter in einen festlich geschmückten Saal, wo ihr viele kleine und grosse Genossen finden werdet; dort übergebet ihr euren Schatz und nehmet an der Feier teil. Dann könnt ihr fröhlich heimkehren und mit euch zufrieden sein, denn ihr habt für eure kleinen unglücklichen Brüder und Schwestern ein gutes Werk getan. Also ihr lieben Kinder, auf zu edlem Tun! * * * Das Jubiläum N. Sokolows. Die Jubiläumsfeier der 25jährigen schriftstellerischen Thätigkeit des Herrn N. Sokolow findet am Sonntag den 20. März d. J. statt. Die Adresse des Jubiläums-Komitees ist: Herrn Dr. S. Mintz, Warschau, Granicznastr. 8. * * * Universite Populaire Juive, 8 Rue de Yarente (IVe). Programm für März 1904: Sonntag G.Versammlung der „ P o a 1 e ZionÄ. 13. J. Luncz: Adolf Crömieux sein Leben und seine Eolle. 20. Dr. A. Marin orek: Die letzte Reise Sven Hedins nach Tibet. 27. Sylvain-Le vi, Prof. am College de France: Die Juden und der ferne Osten. An den übrigen Tagen werden regelmässige Kurse (Kopeiowitch: Jüdische Geschichte; Back: Hebräisch; Jacobsohn: Hygiene), hebräische und französische Konversationsstunden abgehalten. * * * Aus der Wiener jüdischen Toynbee-Halle. XX.. Karajangasse 20. Vortragsordnung. Samstag den 5. März, Konzert. Sonntag den 13. März, Herr Guido F u c h s g e 1 b: jüdische Statistik, II. Montag den 1.4. März ,Dr. Josef Jerusalem: Oesterr. Verfassungsgeschichte.