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Die Welt · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 „bie & weit11 Seite 3 Alle Spenden und Stiftungen werden an den Jewish Colonial Trust abgeführt, der den Volksdomänenfonds ebenso wie den Nationaifonds verwaltet. Auf diese Weise wird es keine Schwierigkeiten machen, für die aus dem, Nationalfonds angekauften Ländereien die Mittel zu ihrer sofortigen Bepflanzung bereitzustellen. Die Verwaltung von Volksdomänen wi»*d einer vom Kongress eingesetzten und vorn A.-C. überwachten Kommission übertragen. Die „Kommission zur Erforschung Palästinas1" erbietet sich, die Grundlage der Organisation zu schaffen und durch ihre fachmännischen Beamten und Mitarbeiter in Palästina die ersten Abgrenzungs- und Pilanzarbeiten ausführen zu lassen, bis. der Umfang der Geschäfte eine eigene Verwaltung erfordert. Ueber die Verwendung der freilich erst nach 8—10 Jahren zu erwartenden Einkünfte dieser Volksdomänen wird auf einem Kongress Beschluss gefasst werden. Wir möchten aber schon jetzt befürworten, dass die Einnahmen der Volksdomänen zur Gründung und Unterhaltung von Hochschulen in Palästina verwendet werden. Ideelle Arbeit für ideelle Güter. Da der künftige Ertrag pro Hektar Olivenwald auf mindestens 300 Eres, zu veranschlagen ist, so würde schon die Bepflanzung der dem jetzigen Stande des Nationaifonds entsprechenden Ländereien (etwa 3000 ha) genügen, um eine Hochschule zu unterhalten. Aber auch materielle Güter würden geschaffen: Tausende von jüdischen Arbeitern oder Erbpächtern werden bei den Volksdomänen dauernd ihren Unterhalt finden, neue Industrien werden in Palästina entstehen, die Ausfuhr sich vermehren und Handel und Wandel erblühen. Möge dem jüdischen Volke die unserem Vorschlage nachfolgende Tat zu einer dauernden Quelle der Befriedigung seiner ideellen und materiellen Bedürfnisse werden! Von den jüdischen Kolonien. Rischon-Ie-Ziop, Wir hätten nichts Wichtiges über diese Kolonie zu berichten, ausser dem Ankauf von einigen kleinen Bodenparzellen zum Preise von 55 Eres, per Duuam. In Wadi-el-Chanin und seiner Umgebung entwickeln sich die Orangengärten gut, und ihre Produkte erfreuen sich auf dem Markte eines schlanken Absatzes. Die Besitzer vor. Orangengärten in dieser Kolonie (J. C. A. mit inbegriffen) verbanden sich mit den viel zahlreicheren Oraugengartenbesitzern von Pethach-Tikwah und den wenigen der unmittelbaren Umgebung von Jaffa, wie auch mit der Ackerbauschule „Mikweh Israel", um eine P r o d u z e n t e n g e n o s s e n schart unter dem Namen „P a r d e s s"* zu gründen. Die Genossenschaft entsendete zwei ihrer Mitglieder nach Liverpool, damit sie den Verkauf ihrer Erzeugnisse überwachen können. Sie gewannen die Ueberzq^igung, dass die Beschuldigungen, die gegen die Zuverlässigkeit der englischen „Brokers" erhoben wurden, unbegründet sind. Die Genossenschaft hat auch schon einige Verkäufe in Hamburg gemacht, wo sie solche Preise erzielt haben soll, dass nach Abzug der Unkosten (Kiste, Verpackung, Transport zum Hafen) noch 6,50 Eres, per Kiste Orangen verblieben, während man sonst dieses Jahr 3 und nur mit grossen Schwierigkeiten 4 Eres, per Kiste erzielt. Es sei noch hierzu bemerkt, dass die diesjährige Orangenernte sehr gut ist, und die sonstigen Produzenten, ausser der Genossenschaft ,,Pardess", sowie die Wiederverkäufer infolge der niedrigen Preise wenig zufrieden sind. Pethach-Tikwah* Auch in der Umgebung dieser Kolonie wurden neue Flächen (ca. 4500 Duna.ni) erworben, von denen ein Teil den als besten anerkannten Arbeitern zu ihrer Einrichtung mit den Mitteln des „Arbciterfouds" abgegeben wurde. Hier gewinnt der Ackerbau immer mehr Bedeutung und wird hier besser ausgeübt, als in den früher genannten Kolonien. Die Nähe der grossen, der Zivilliste gehörenden Sümpfe ermöglicht dank dem guten darauf gewonnenen Heu, eine ausgedehnte Viehhaltung, und die Molkereiprodukte finden lohnenden und sicheren Absatz in Jaffa. Es ist zu hoffen, dass die Nachbarschaft von. Sarona und Wühelma, der neuen deutscheu Kolonie, wo mau hesser arbeitet als hei uns, von günstigem Einfluss auf Pethach-Tikwah sein, wird, wo die Bevölkerung, im Grunde genommen, arbeitsam ist. Mit Hilfe der Anglo-Palcstine-Company und unter der Kontrolle des Distriktskomitees von. Jaffa der neuen Organisation der palästinischen Juden (Waad Hamcrkaz) wurde in dieser Kolonie ein Kreditverein gegründet, der zweifellos eine segensreiche Tätigkeit entfalten kann, indem er die Kolonisten vor den in ganz Palästina üblichen Wucherzinsen schützen wird. Die Kolonisten von Pethach-Tikwah, die auch sonst mehr als die anderen Kolonisten zu einer gesunden, inneren Konimunalorganisation hinneigen, gehen hierin den übrigen Kolonien mit einem guten Beispiel voran. ÄrtuL Die etwa zwölf hier befindlichen Kolonisten sind sämtlich Bulgaren, das sympathischste Element für Kolonisation, das wir bis jetzt kennen. Um hier Hilfe zu schaffen, müsstc man den jetzt noch in den Händen der Araber befindlichen Boden für die Kolonisten erwerben und ihnen Mittel zum Ankauf von Geräten und etwas Nutzvieh, speziell Ziegen, die für diese Berggegend bestens geeignet sind, liefern. Die Kolonisten sind arbeitsam, arbeiten aber in der landesüblichen primitiven Weise. Da der Bodenbesitz unter den Kolonisten noch nicht aufgeteilt ist und einige Besitzer noch in Bulgarien verbleiben, so entsteht daraus ein Hindernis für die gute Kultivierung der Felder. Der Kolonist ist nicht sicher, ob das etwa tief gepflügte und. gedüngte Feld im nächsten Jahre noch in seinen Händen verbleibt. Es wäre an der Zeit, dass man dieser Kolonie aufhilft, und derjenige, der ihnen 5—600 Eres, (allen zwölf) zum Ankauf von 5 bis 6 Ziegen per Haus, gegen Rückzahlung in 3—4 Jahren, als Darlehen gewährt, wird gewiss ein gutes Werk tun. Mcza. Die Kolonie Moza, an den Toren Jerusalems gelegen, hat sich aus bescheidenen Anfängen (drei Kolonisten) zu einer hübschen Ansicdhmg entwickelt. Es sind dort schon zwölf Kolonisten, die in guten Verhältnissen sind, da ihre sämtlichen Produkte: Trauben, Wein, Eier, Milch in Jerusalem gut bezahlt werden. Ein Kreditinstitut würde auch hier Erspriessliches leisten. Der Gründung von vorstädtischen Ansiedluugeu müsstc mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als es bis jetzt geschah. Hjer könnten kleine Handwerker, Gemiiscpflanzer etc. auf kleinen Parzellen jetzt noch billig angesiedelt werden und würden in Bälde sich erhalten können, dank dem gesicherten Absatz der Produkte in den sich immer ausdehnenden Städten, und der Möglichkeit, dort Nebenbeschäftigung in ihrer freien Zeit zu erhalten. Auch einige kleine Industrien könnten hier zur Einführung gelangen. Chederah. Die diesjährige Ernte ist in Chederah schlecht ausgefallen. Die Erträge des Feldbaues waren sehr schlecht, da die beider von Chederah niedrig gelegen sind und überschwemmt werden. Der Wein, der eine ausgezeichnete Ernte versprach, hatte viel von der Oidium- und Pcronospora-Kraiir;- heit zu leiden. Die Kolonisten unternahmen den Versuch, ihre Trauben in Chederah selbst zu keltern, statt sie, wie bisher, nach Zichron-Jacob zu transportieren. Die Administration vnn Zichron-Jacob lieferte hierzu die bässer. Da aber das Unternehmen, ohne Methode geleitet und schlecht verwaltet wurde, so führte es nicht zu den. erwarteten Ergebnissen. Immerhin müsstc der Versuch nach weiter verfolgt werden. Der Feldbau wird in Chederah besser ausgeübt, als in allen anderen Kolonien. Die vervollkommneten Ackergeräte und landwirtschaftlichen Maschinen werden allgemein verwendet. Die tiefere Bodenbearbeitung und die Aussaat in das trockene Erdreich sind, jetzt ohne Widerspruch aufgenommen worden. Die verbesserten Kul.turmctliod.cn sind dem Beispiele einer Privatgesellschaft (Porschc-Zion) zuzuschreiben, die in Chederah Boden besitzt. Selbstredend bleibt noch viel in Bezug auf die Verbesserung der Kulturen zu tun. Ein Hindernis dafür bestellt hier auch in der noch nicht erfolgten Aufteilung der beider. Die Parzellierung des Bodenbesitzes würde für Chederah ein grosser Segen sein, und das Distriktskomitee von Haifa des Waad Hamcrkaz gibt sich jetzt Mühe, diese Parzellierung herbeizuführen. Dasselbe nistriktskomitee beabsichtigt die Gründung einer Kreditanstalt für Chederah, die auch hier ein stark empfundenes Bedürfnis ist Per sanitäre Zustand von Chederah scheint sieh bedeutend \ erbessert zu liehen. Die Ursache dieser Verbesserung m der Entwicklung der Ei\ka!yptu.spf!apzimgc11 allein zu suchen, e rscheint uns als etwas zu gewagt. Wir sind noch immer der Ansicht, dass das einzige, zugleich radikalste Mittel zur Assanierung einer derart sumpfigen. Gegend die Drainage ist. Die Ei?.kv.Iyptusp[Ianziu\gen sind ein mächtiges Hilfsmittel hierbei, aber auch, nach unserer Ansieht, nicht mehr als das. An sieb allein scheinen sie nicht ausreichend?u sein, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Die jetzige Bevölkerung von Chederah beziffert sich auf etwa. 150 Seelen. Per grosste 'Teil ist schon seil längerer Zeit akklimatisiert und. widersteht den endemischen Krankheiten. Es ist wohl leicht einzusehen, dass bei einer so geringen Bceülkcrung Statistiken nicht viel besagen können Es genügt, dass infolge irgendwelcher nicht vorauszusehender Zufälligkeiten 2 bis 3 Erkrankungen an SehwarzwasseHiebe oder Sterbefällc mehr oder minder vorkommen, um den allgemeinen Eindruck vollständig zu ändern. Was aber momentan] keinem Zweifel unterliegt, ist die Tatsache, dass jetzt der Ge-

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