Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bi* * Weit Nr. 11 steuer — in gar keiner Weise sein Judentum manifestiert. Betrachten wir die Sprachenverhältnisse der Juden in Ungarn, so erhalten wir drei Gruppen: Im Nordosten des Landes, hauptsächlich in den Komitaten Märamaros, Bereg, Ung, Ugocsa, Szatmar und in den angrenzenden Landesteilen, wird der jüdisch - deutsche Jargon gesprochen, welcher allerdings unter einem Teile der Jugend durch die ungarische Sprache verdrängt wird. Dieser Teil, auf welchen nur durch den Jargon gewirkt werden kann, gehört ausschliesslich der orthodoxen Richtung an und beträgt etwa 20—25% der ungarischen Juden. Die zweite Gruppe bilden diejenigen, die sich der deutschen Sprache als Umgangssprache bedienen und zwar hauptsächlich in den slovakischen Komitaten Ober-Ungarns, in einigen Gegenden Süd-Ungarns und Siebenbürgens, wobei aber die Jugend durchwegs die ungarische Sprache beherrscht. Dieser Teil ist grösstenteils orthodox und bildet etwa 15°/0 der Gesamtjudenheit Der Rest, also eine Majorität von 6U°/0 gebraucht die ungarische Sprache als Muttersprache, und während in einzelnen Gegenden sich noch ein Teil der älteren Generation auch der deutschen Sprache bedient, ist die Jugend des Deutschen fast ganz unkundig. Obwohl sich unter diesen spezifisch-ungarischen Juden alle religiösen Richtungen vorfinden, ist die Mehrzahl auf fortschrittlicher Basis organisiert. Erwägen wir, dass auch unter den beiden andern Gruppen die ungarische Sprache immer mehr Ausdehnung gewinnt, dass ferner dieselbe gerade von der Jugend des ganzen Landes gesprochen wird und übrigens auch schon jetzt die Mehrheit der Juden sie spricht, so ist es wohl einleuchtend, dass eben nur die ungarische Sprache für eine allumfassende Propaganda des Zionismus in Ungarn geeignet sein kann. Betrachten wir die bisherige Verbreitung des Zionismus in Ungarn, so finden wir, dass derselbe seine Hauptbasis unter den deutschsprechenden Juden Ober-Ungarns gefunden hat. Die Landeszentrale ist im überwiegend deutschen Pozsony unweit Wiens gelegen. Im . dortigen Ahawalh Zion hat der Zionismus in Ungarn seine erste fruchtbare Verbreitung gefunden. Wie ein Kranz liegen die Ortsgruppen Giilänta, Nyitra, Nagy-Szombat, Nagy-Täpolcsany, Gälgoc, Nagy-Saros, Eperjes, Kassa u. s. w. um Pozsony herum und wenn es auch noch in Ober-Ungarn eine grosse Anzahl Orte gibt, in die noch der Zionismus getragen werden muss, wenn auch in den bereits bestehenden Ortsgruppen noch teilweise die Mitgliederzahl klein ist, so sind doch hier die Erfolge sicher, wenn, wie es bereits teilweise geschieht, jede bereits bestehende Ortsgruppe drei weitere Orte übernimmt, in denen sie in geeigneter Weise zionistische Propaganda betreibt. In gleicher Weise muss die einzige zionistische Verbindung Siebenbürgens, die „Ivria" in Bistritz in der dortigen Judenschaft die zionistische Idee erwecken. Unter den Jargonjuden des Nordostens wurde noch gar nichts für die zionistische Idee getan, obwohl es? gerade dort sehr leicht wäre; denn m jenem Teile unseres Volkes ist die Liebe zu Zion, ist die jüdische Art nie erstorben, und darum bedarf es nur eines Funkens, eines kurzen verständlichen Wortes, weniger Flugblätter in ihrer Sprache, um Verständnis für den Zionismus zu schaffen, um jene als Zionisten zu organisieren, die es im Herzen schon lange sind, die es immer waren. Das wichtigste Gebiet für den Zionismus sind aber die Juden ungarischer Muttersprache. Hier ist allerdings das schwierigste Feld der Arbeit, denn es gilt Leute zu gewinnen, die durch die Folgen der jahrzehntelangen Assimilation dem Judentum ganz entfremdet sind, und es gilt ein Feld zu bearbeiten, welches ganz brach darniederliegt Mit Ausnahme von Papa gibt es noch in keiner reinungarischen Stadt eine zionistische Vereinigung, obwohl die Zahl jener, die dem Zionismus im ganzen Lande von Herzen anhängen, gar nicht gering ist. Man werfe nur einen Blick in den Spendenausweis des Nationalfonds und jedesmal bleibt das Auge an einigen ungarischen Ortsnamen haften. Wie viel liesse sich erst durch Organisation erreichen? In Budapest ist übrigens der Anfang bereits gemacht. Die akademische Tischgesellschaft „ Maccabäa" zählt bereits an 40 Mitglieder aus allen Teilen des Landes und ist eben dadurch in der Lage, den Zionismus in den weitesten Kreisen des Landes zu verbreiten. Darüber kann es keinen Zweifel geben, dass der Zionismus eben in ungarischer Sprache sein Hauptwerk in Ungarn verrichten muss, dass er deshalb eines ungarischen Organs bedarf und dass er seinen Hauptpunkt in Budapest haben mass. Hier wird er im Mittelpunkte des Landes, im Brennpunkte des ungarischen Lebens auch in der ungarischen Juden! toit die Anerkennung finden, die er bereits anderswo geniesst. Noch ist die Zukunft ferne, aber sie ist für den Zionismus in Ungarn sicher und das möge den wackeren Männern in Poszony der Leitstern bei ihrer unermüdlichen Arbeit, der Rückhalt gegen alle Anfeindungen sein. „Maccabäus." Die Palästinaarbeit. Volksdomänen in Palästina. Die „Kommission zur Erforschung Palästinas" unterbreitet der jüdischen Oeffentlichkeit folgenden Vorschlag: Die gemäss Beschluss des VI. Kongresses mit den Mitteln des Nationalfonds angekauften und noch anzukaufenden Ländereien Palästinas werden zu „Volksdomänen" erklärt. Es wird unter dem Namen „Oelbaumspende" eine allgemeine Geldsammlung für den Volksdomänenfonds eingeleitet, zu dem Zwecke, die Volksdomänen mit Olivenbäumen zu bepflanzen und derart für die ideellen Zwecke des jüdischen Volkes nutzbar zu machen. Als Mindestspende wird die zur Pflanzung und Pflege eines Oelbaumes bis zu seiner Seilbsterhaltung nötige Summe von 6 M. 7,50 Frcs. 3 Rbl. 6 sh fA Dollar, festgesetzt. Der Name des Spenders wind mit der Nummer des von ihm gestifteten Baumes in ein Spenderbuch eingetragen. Der Spender erhält eine Kopie dieser Eintragung. Die Spenden von mindestens zehn Bäumen, mit denen ein Dnnam (Gartenparzelle) bepflanzt wird, werden in ein eigenes Donatorenbuch, die Spenden von mindestens 100 Bäumen, die für 1 ha (Garten) ausreichen, in das goldene Buch des Nationalfonds eingetragen. Ausserdem tragen die innerhalb der einzelnen Volksdomänen angelegten Gärten resp. Gartenparzellen den Namen der Stifter oder eine von ihnen in Vorschlag gebrachte Benennung. Der Stifter von mindestens 1000 Bäumen (für 10 ha) gibt einem ganzen Olivenhain seinen oder einen von ihm bestimmten Namen. Es können natürlich auch Vereine und Verbindungen aller Art, Familien, Landsmannschaften und andere Korporationen als Spender, Donatoren und Stifter eingetragen werden. Die jüdischen Zeitungen werden aufgefordert, diese Spenden unter dem Titel „Oelbaumspende" entgegenzunehmen und auszuweisen.