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Die Welt · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Es ist bezeichnend, dass eine Reihe der hervorragendsten Zionisten in Ungarn geboren sind, so Dr. H e r z 1, Dr. N o r d a u und noch viele andere, und dass trotzdem der Zionismus in Ungarn nicht jene Verbreitung und jenen Einfluss erobert hat, den er in anderen Ländern, in denen Juden wohnen, bereits errungen hat. Es ist dies umso auffallender, als gerade in den grossen Massen der jüdischen Bevölkerung Ungarns nie die Liebe für Zion erloschen noch überhaupt eine grössere Assimilation stattgefunden hat, und anderseits eine grosse Anzahl von einflussreichen Männern der Bewegung von Anfang an auf das Sympathischeste gegenüberstanden, sich offen mit dem zionistischen Programme identifizierten und trotzdem sich von einer Organisation gänzlich fernhielten. In Budapest waren, nur beispielsweise aufgezählt, der bekannte Dichter Kiss Josef, der gewesene Abgeordnete M e z e i Ernö, Max Viola, der Autor des in der „Welt" erschienenen Romanes „Zweierlei Juden", der Professor am Landes-Seminar Doktor Samuel K r a u s s, der Rabbiner Dr. W e i s z b u r g, seinerzeit Herausgeber der unserer Bewegung freundlichst gesinnten Zeitschrift „Jövöft und noch viele andere seit Jahren Anhänger des Zionismus oder doch ihm freundlich Gesinnte, und doch gibt es, die akademische Tischgesellschaft „Maccabäa" ausgenommen, in der ganzen Hauptstadt keinen zionistischen Verein, wird keine Propaganda gemacht — trotzdem es an einer fürs jüdische und zionistische Interesse empfänglichen Menge durchaus nicht fehlen möchte. Dass es an Führern nicht mangeln dürfte, beweist bereits obige Liste, wozu noch in erster Linie die bereits in der Organisation Befindlichen kommen. Bevor wir weitergehen, müssen wir vor allem feststellen, dass die ungarischen Juden durchaus keine einheitliche Masse bilden, sondern im Gegenteile den verschiedensten Gruppen angehören, weshalb eben auch die Taktik und die Propaganda des Zionismus auf das verschiedenartigste eingerichtet sein muss, indem das natürlich stets unveränderte Programm den einzelnen Kreisen der jüdischen Bevölkerung in der ihr heimischen Sprache und Begriffsauffassung erläutert und nähergebracht wird. Seit dem Jahre 1869 geht durch die ganze ungarische Judenheit eine gewaltige Trennung in Orthodoxe und Neologe, und es gibt wohl kein Land, in dem die Wellen des Kampfes, des Hasses und der Verachtung gegenseitig so hoch stiegen, wie gerade in Ungarn. Es gab eine Zeit, in der sich die Anhänger der beiden Richtungen als zwei fremde Konfessionen behandelten, in der man von Uebertritten aus einer Konfession in die andere sprach, von Mischehen, ja selbst bei statistischen Arbeiten die einzelnen Bekenner genau absonderte. Der Schaden, den diese tiefgehende Trennung verursachte, welche auch jetzt noch fortwährend besteht, wird sich nie mehr gutmachen lassen — und es ist ein äusserst erfreulicher Erfolg des Zionismus, dass er eben in allen Orten Ungarns, wo er seine segensreiche Tätigkeit entfaltete, diesen Gegensatz milderte und die Anhänger der verschiedenen Richtungen in gemeinsamer Arbeit vereinigte. Dabei gibt es in beiden Gruppen noch eine grosse Anzahl Unterschiede und Uebergänge, ändert sich das Bild nach den einzelnen Landesteilen vollkommen, und während beispielsweise im Nordosten die Bevölkerung äusserst fromm ist und der chassidischen Richtung angehört, die dazwischen lebenden Intellektuellen aber ganz irreligiös und nur dem Namen nach Juden sind, gibt es wieder andere Gegenden, wo beide Richtungen äusserst reges jüdisches Leben zeigen, während in anderen Landesteilen von einem solchen Leben überhaupt keine Spur zu bemerken ist, ja der grösste Teil der Gemeindemitglieder — ausser an einigen Feiertagen und bei Zahlung der Gemeinde-

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