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Die Welt · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 „M* * W^It" Seite 7 Freilich ist das Eegime einer behördlichen Anstalt strenger und wird energischer gehandhabt als in einer Privatschule. Den Kernpunkt aber bilden die Handarbeiten. Systematisch ist auch dieser Unterricht in unseren öffentlichen Schulen geordnet; alles müssen die Mädchen allein fertigen, von der Picke auf müssen sie beginnen; streng und gerecht wird zensuriert. Sehen wir jedoch die Leistungen einer Klosterschülerin auf diesem Gebiete an, so können wir im ersten Moment ein gewisses Staunen nicht unterdrücken. Diese Mädchen vollbringen ja reine Wunder; man könnte meinen, emsige Wichtelmännchen seien ihnen dabei behilflich; Läufer, Decken, aller mögliche Zierrat, herrliches Blendwerk, spricht für das in kurzer Zeit erworbene Können der Mädchen. Das fällt ins Auge; wir sind imstande, zu zeigen, was unsere Töchter können! Handarbeiten, — darin lag von jeher der Schwerpunkt der Vorzüge weiblicher Klosterschulen; dies wäre noch ein Entschuldigungsgrund, würde nicht in den öffentlichen Schulen zum mindesten das Gleiche gelehrt. Freilich, diese Eltern halten es nicht der Mühe wert, die Handarbeiten der Mädchen der Frauenarbeitsschule, der Fortbildungs- und VIII. Klassen zu besichtigen; vielleicht schwände dann ihre Selbsttäuschung und sie kämen nun zur Einsicht, würden erkennen, wohin ihre Töchter gehören, wenn ihnen nicht von Anfang an, wies dies eigentlich sein sollte und selbstverständlich wäre, der Charakter sagte: „Freuen wir uns der errungenen Fortschritte! Unsere Töchter sollen jene Schulen besuchen, in denen sie gleichberechtigt sind; solche, in denen sie nur als gegeduldete Fremdlinge ein-und ausgehen, existieren für uns nicht!« Vielleicht ist es gelungen, das Gewissen mancher Eltern in Bezug auf rechte Wahl der Schulen für ihre Töchter zu wecken; dann verhallen diese Echoklänge nicht zwecklos! G. Hassmüller» Am Grabe Rubin Ascher Brauties' fand Sonntag, den 28. Februar die Weihe des Denksteines statt, der aus Sammlungen über Initiative der Jüdischen Volkspartei errichtet wurde. Eine ansehnliche Gemeinde hatte die Unbilden der Witterung nicht gescheut, um vor dem schlichten Obelisken den Manen ßraudes ihre Huldigung darzubringen* Vom A.-C. war Herr Architekt Marmorek erschienen, vom Vorstand der Jüdischen Volkspartei Herr Dn Eich. Rappaport, Herr Dr. Sofer, Herr Jakob Krauszund Herr Plaschkes. Vertreten waren ferner sämtliche Wiener zionistische Zentralorganisationen und Vereine, sowie die akad. Verbindung „Veritas" (Brünn) nebst vielen Gästen. Auch die Familie des Dichters war erschienen. Um 11 Uhr erfolgte der geschlossene Abmarsch aus der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes zum Grabe, wo alsbald als erster Redner Herr Dr. Soter namens der Jüdischen Volkspartei das Wort ergriff. Er feierte Braudes als Bekenner und Erzieher im Sinne Nitzsches, als Befreier, den keine materielle Not vom vorgesteckten Pfade jemals abbringen konnte. Hierauf feierte Dr. E. Rothblum in schwungvollem Hebräisch die Verdienste Braudes um die hebräische Literatur. Als Menschen der besten Art kennzeichnet der nächste Redner, Herr Jakob Krausz, den Verewigten. Herr Torczyner hielt eine hebräische Rede, worin er als Fortschritt hervorhob, dass nicht wie früher hebräische Schriftsteller sang- und klanglos der Vergessenheit anheimfallen. Zum Schlüsse ergriff Herr Architekt Marmorek das Wort, um in warmempfundenen Worten die Bitte zu stellen, dass man ob des Todten der Lebenden nicht vergessen und der Aufforderung des A.-C. P'olge leisten möge, das die Obsorge um die Familie übernommen habe, ungeachtet der offiziellen Kahalgrössen, die sich weder um lebendes Judentum noch um seine todten Vorkämpfer kümmerten, und auch heute durch ihre Abwesenheit glänzten. Nach dem Vortrag des „Elmore rachamim* war die erhebende Feier zu Ende. * * * Die Inschrift des Denksteines. 3"D J?"i DTnn ito pi*n fmnb "D^nm mn« ,imb "miatpn *rw„ /isn öat&n työn ,o$nb 'idiis mnnb ,rrrim dshp ,wk zzbz ^vb „Tmyn döj? naw ,anöt0 djt^j? sanb ,*£M)tt nv mpu d&k p*nb ^mb ♦nnam tr^nn *pn . nnbin rfea Hier ruhet Rubin Ascher Braudes, hebräischer Schriftsteller gestorben am 18. Oktober 1902 im 52. Lebensjahre, tief betrauert von Allen, die ihn lieben und schätzen lernten. W«1t-@bi'ODik. Das Opfer Lubans. Der Aufruf zu Gunsten des von Luban schwer verwundeten und um seine Karriere gebrachten Ossowetzky hat den Verein „Mebassereth- Zioh" in Paris zu einer Sammlung veranlasst, die bereits 100 Frcs. ergeben hat. Die Gesinnungsgenossen, auch an anderen Orten, werden gebeten, des armen jungen Mannes zu gedenken. Spenden nimmt auch die Administration der „Welt" entgegen und weist sie allwöchentlich aus. Der Antisemitismus hat das Wort! Aus London wird gemeldet: Mr. Markham hatte Jüngst an den Staatssekretär des Innern die Anfrage gerichtet, ob ihm bekannt sei, dass in den Kohlenbergwerken Englands 4000 polnische Juden, die der eng-, lischen Sprache unkundig seien, arbeiten und eben wegen dieser Unkenntnis eine ständige Gefahr für die Sicherheit in den betreffenden Kohlenwerken bedeuten. Falls dem Minister diese Tatsachen bekannt seien, möge er sich äussern, ob er Schritte unternehmen wolle, um die fernere Verwendung solcher fremder Elemente in den Kohlengruben zu verhindern. Der Staatssekretär Mr. Akers Douglas beantwortete diese Frage in folgender Weise: Meine Information über diese Angelegenheit, die das Staatssekretariat des Innern seit einigen Jahren beschäftigt, weicht von jener des verehrten Interpellanten einigermassen ab. Sorgfältige Nachforschungen in den schottischen Kohlenwerken, wo 1200 polnische Juden beschäftigt sind, haben ergeben, dass diese Leute in keiner Weise eine Gefahr für die anderen Arbeiter darstellen. Ich habe mich selbst überzeugt, dass die fremden Arbeiterin den Gruben über ihre Pflichten belehrt werden, und ich sehe mich daher nicht veranlasst, gegen die jDolnisch-jüdischen Arbeiter irgend welche Schritte zu unternehmen. Nach dem neuen, am 30. Jänner v. J. in Kraft gelretenen Einwanderungsgesetzes für die Kapkolonie (Immigration Akt No. 4>2 of 1903) ist die Einwanderung unter anderen solchen Personen verboten, die nicht im nachweisbaren Besitze von Unterhaltungsmitteln sind oder die voraussichtlich der Oeffentlichkeit zur Last fallen werden. Nach der bisherigen Uebung der dortigen Verwaltungsbehörden galt als solcher ausreichender Nachweis der Besitz einer Summe von 5 Pfd. Sterling, sofern überdies die geistigen und körperlichen Eigenschaften des Einwandernden die Gewähr dafür boten, dass er der Unterstützung nicht anheimfallen würde. Nach neueren Entschliessungen der dortigen Kolonialregierung ist die fragliche Summe nunmehr auf 20 Pfund Sterling erhöht worden. Eine Organisation amerikanischer jüdischer Frauen. Aus Chicago wird gemeldet: Unter den vielen jüdischen Frauenvereinen in den Vereinigten Staaten nimmt der „National Council Jewish of Women" („Nationale Vereinigung jüdischer Frauen44) die hervorragendste Stelle ein. Er wurde vor zehn Jahren, zur Zeit der Weltausstellung in Chicago, ins Leben gerufen und besitzt gegenwärtig fast in jeder grösseren, jüdischen Gemeinde einen Zweigverein. In Chicago selbst zählt diese Vereinigung mehr als 1000 Mitglieder. Zweck des Vereins ist, die Stärkung des religiösen Gefühls im jüdischen Hause und Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur. Tout comme chez nousj

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