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Die Welt · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 „bis * w^w Seite 3 Es hat sich bisher nicht darum gehandelt, und es handelt sich weiter nicht darum, das Ostafrikaprojekt anzunehmen oder abzulehnen. Diese Entscheidung war, ist und bleibt dem nächsten Kongresse vorbehalten! Eine Diskussion und die Gewinnung von Gesinnungsgenossen für' diese oder jene Ansicht ist selbstverständlich jedermanns Recht. Niemand aber, und sei er wer immer, hat das Recht, so lange mindestens, als er auf dem Boden der Organisation steht, einen kommenden Kongressbeschluss vorwegzunehmen. Und da lese man, was Dr. Tschlenow in seinem offiziellen Zirkulare schreibt, welches gewissermassen das Amtsblatt seines Rayons vorstellt. Wir zitieren aus einer wörtlichen, von mehreren zuverlässigen Uebersetzern geprüften und genau mit chm russischen Originale collationierten Uebersetzung: „ ♦ . . . Der VI. Kongress raubte uns auch diese Sicherheit. (Dass nämlich Dr. Herzls „Bestrebungen dem Kongresse beziehungsweise seinem Geiste und seinen Beschlüssen ganz treu sind.") Eine grösste Gefahr für den Zionismus wurde vorbereitet und in die Organisation getragen gerade durch ihre Führer..... Alles was nach dem VI. Kongresse geschah, brachte uns zu der traurigen Ueberzeugung, dass die haltlose afrikanische Illusion den Massen immer eifriger und skrupelloser eingeimpft wird .... Sogar die ganze afrikanische Epopöe wurde vorbereitet und durchgeführt ohne unsere Kenntnis; wie ich erfuhr, wurde sogar das kleine A.-C. nicht in alles eingeweiht . . .. , Wien ignorierte uns vollständig. Die Abneigung (Neschelanie), in Palästina irgend welche Arbeit zuzulassen, trat in der Antwort Dr. Herzls an Ussischkin noch schärfer zu Tage .... Die systematische Abweichung von jeder Arbeit in Palästina muss aufhören ... In Palästina dürfte jetzt von Wien aus im Interesse der Polemik und „der inneren Politik" auch ohne uns etwas Praktisches gemacht werden. . . etc." Wir haben nur einzelne markante Urteilssprüche über den VI. Kongress, das Ostafrikaprojekt und die Haltung der Wiener Leitung Palästina gegenüber zitiert. „Die grösste Gefahr", die angeblich vorbereitet wurde, und die durch den Hinweis auf die Abneigung gegen jede Arbeit in Palästina so recht deutlich gemacht werden soll, wird niemanden .gruseln machen. Die Unrichtigkeit dieser letzten Behauptung muss um so schärfer hervorgehoben werden, weil Dr. Tschlenow aus verschiedenen vertraulichen Erklärungen der Parteileitung hinreichend über die Grundlosigkeit dieser Behauptung aufgeklärt sein musste. Man hat diese Gefahr wohl an die Wand gemalt, aber existiert hat eine solche Gefahr nie. Auf eine Unterstellung wie die, dass die Wiener Leitung „im Interesse der Polemik" in Palästina arbeiten werde, wollen wir nichts antworten. Die Antwort müsste zu scharf ausfallen. Wir bedauern es lebhaft, dass Dr. Tschlenow bereits zu solchen Mitteln greift. Wir wollen darauf heute nur hinweisen, um diese gewissermassen amtliche Verbreitung von Unrichtigkeiten zu konstatieren. Wir polemisieren natürlich gegen solche Aeusserungen nicht, um so weniger, als ja das grosse A.-G. bereits einberufen ist und sich mit allen diesen Behauptungen zu beschäftigen haben wird. Auch über die versuchte Rechtfertigung der Charkower Konferenz wollen wir nicht weiter sprechen. Wir haben das offizielle Protokoll dieser Konferenz unseren Lesern vorgelegt. Sie haben sich selbst ein Urteil bilden können. Die Subtilitäten eines Ultimatums, das doch keines ist, der E n t Schlüsse, die noch nicht zu Beschlüssen geworden seien, werden Niemanden täuschen: Uns fehlt das Verständnis für eine solche Wortklauberei, die ja an dem Faktum nicht das Geringste ändert Wir wollen nur bemerken, dass es nicht die Ansichten aller russischen Aktions-Komiteemitglieder sind, die da vorgetragen werden. Wenn sich eines dieser Mitglieder in einem Briefe an das in Charkow gewählte Komitee, das als Landes-Komitee funktionieren soll, darüber beschwert, dass „alle anderen Mitteilungen entgegengesetzten Charakters verschwiegen werden*, so mag das Faktum zur Illustration des Vorgehens der Charkower Vertrauensmänner genügen. Eines mag noch erwähnt werden. Im ersten Teile seines Zirkuläres schreibt Herr Dr. Tschlenow: „Kaum war das Interesse für diese sensationelle Kuriosität (gemeint ist das Attentat auf Nordau — Die Red.) verschwunden, als eine in den Annalen unserer Bewegung ohne Beispiel dastehende perfide Handlung eines Genossen (die Veröffentlichung des Charkower Protokolles — Die Red.), dem wir bis dahin aufrichtige Achtung entgegenbrachten, unter den Zionisten einen Sturm hervorgerufen hat, dessen schädliche Folgen sich noch sehr Jange Zeit hindurch fühlbar machen werden." Das Attentat — eine sensationelle Kuriosität! Die Veröffentlichung des Protokolles — eine ohne Beispiel dastehende perfide Handlung, die einen Sturm hervorgerufen hat! Wir gestehen gerne, dass uns eine derartige Wertung dieser beiden Ereignisse ungemein — originell scheint. Eine Richtigstellung. Die Herren Ussischkin, Dr. Kohan-Bernstein und Dr. Jacob solin ersuchen um Aufnahme einer. Richtigstellung, die wir im Wortlaut nicht geben können, weit sie persönliche Ausfälle enthält. Diese Berichtigung bezieht sich auf die Kundmachung des Mitgliedes des grossen A.-C, Herrn Prof. Dr. M. Mandel - stamm in Nr. 6 der „Welt" und behauptet ad Punkt I: Herr Dr. Mandelstamm hat auf dem VI. Kongresse keiner Sitzung der russischen Landsmannschaft beigewohnt* Deswegen ist ihm der Besch luss dieser Konferenz unbekannt gehlieben, welcher lautet: Dass zufolge der administrativen Verordnungen Russlands die Ausgestaltung der künftigen Organisation der Zionisten in Russland den russischen ' Mitgliedern des A.-C. vollständig überlassen wurde, nachdem sie früher mit einer speziell dazu gewählten Kommission über allgemeine Fragen ko-nferiert haben. Wir haben also mit gutem Recht die Zahlstelle nach Wilna verlegt. Dieser Beschluss wurdeaus folgenden Gründen geiasst: 1. Weil Herr Dr. Mandelstamm selbst das Geld nicht in Kiew haben wollte und es deshalb schon vor dem Beschlüsse von da überführen liess. 2. Weil er selbst sich dahin äusserte, es werde nicht gut möglich sein, die Zahlstelle wie früher in Kiew zu behalten. 3. Weil Dr. Mandelstamm die Zahlstelle nie selbst geleitet hat, und wir stets darüber zu klagen hatten. . 4. Weil die Kiewer Delegierten uns ersuchten, die Leitung des Rayons von der Führung des Finanzzentrums zu trennen. Gemäss dieser Bitte haben wir in Basel beschlossen, Herrn Dr. Mandelstamm an der Spitze des Rayons zu belassen. ad Punkt II: Unmittelbar, nach unserer Baseler Konferenz, auf der wir obigen Beschluss fassten, welchen wir Dr. andelstamm nur schriftlich übergeben konnten, da er an unseren Sitzungen keinen Anteil nahm, haben wir dennoch einen Kollegen speziell nach Kiew entsendet, um unserem alten Kollegen den Beschluss mündlich zu übermitteln. ■ Letzteres geschah, wie Dr. Mandelstamm in einem Briefe zugibt, Ende August durch Dr. Kohan-Bernstein. Herrn Dr. Hcrzl Wurde der Beschluss von Kollegen Belkowsky noch aus der Schweiz unmittelbar mitgeteilt. (Im selben Briefe wurde Herrn Dr. Herzl die

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