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Die Welt · 1904-03-04 · 10 (4.3.1904) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 „bis * W^lt Nr. 10 mit Begeisterung unterstützte. Ich lernte während dieser Zeit des Zusammenseins sein grosses allgemeines Wissen, seinen weiten Blick, seinen grossen Gedankenkreis und seine gesunde Weltanschauung kennen und bewundern. Von seiner Fachtätigkeit konnten wir uns schon eine Viertelstunde nach Antritt unserer eigentlichen Studienfahrt überzeugen. Kaum hatten wir El-Kantara, den eigentlichen Ausgangspunkt #er Expedition verlassen, als er vom Kameele stieg, mit seiner Hacke den Sandboden aufwühlte und ein Urteil über die Art und Beschaffenheit dfs Bodens sogleich fällte. Und die Trefflichkeit dieses Urteils und dessen Giltigkeit für den ganzen östlichen Teil der Sinai-Halbinsel bestätigte eine spätere mikroskopische Untersuchung. Sein Fachgutachten war der Kern des ganzen Gutachtens, welche die El-Arish-Expedition abgan, und ist durch seine Klarheit und Schärfe mustergiltig. Eine andere Eigenschaft bekundete er während der ganzen Expeditionsdauer in hohem Masse: einen unverwüstlichen Humor, nicht zu sprechen von seiner durch nichts zu trübenden Liebenswürdigkeit. Gar manche Fährlichkeit und Unannehmlichkeit hatte die Expedition durchzumachen, wodurch deren Mitglieder verdriesslich und niedergeschlagen wurden. Eine launige Bemerkung, ein gutes Witz wort Laurents, mit unnachahmlicher Orginalität vorgebracht — und die gute Laune war wieder in den Kre;s der Expeditionsmitglieder zurückgekehrt. Obzwar er ausser seiner geliebten französischen Muttersprache keine andere beher. sehte, wusste er sich doch selbst bei den Beduinen die grösste Beliebtheit zu erwerben. Im Sommer 1903 war er von der belgischen Regierung abermals zu einer wissenschaftlichen Mission nach dem Kongo auserwählt worden, um dort die Bedingungen für Kaffee- und Kakao-Pflanzungen zu eruieren. Knapp vor unseiem letzten Kongresse erhielt ich von ihm einen Brief, worin er vor seinem Verlassen Europas Abschied nimmt und mich bittet, ihm über den Verlauf des Kongresses zu schreiben. Vom K.ongo aus erhielt ich mehrere Briefe, worin er sich über das Schicksal, des Ostafrika-Projektes erkundigte. Zuletzt traf genau am 1. Jänner eine Glückwunschkarte vom Kongo bei mir ein, worin er seine Wünsche für das Gelingen der zionistischen Bewegung den persönlichen Wünschen anschliesst. . . Aus dem Pariser „Temps" erfahre ich nun ganz unerwartet, dass Laurent auf dem Schiffe, dass ihn wieder in die Heimat bringen sollte, von einem furchtbaren Malariaanfalle Heimgesucht wurde, und demselben auf der Höhe von Sierra-Leone zum Opfer fiel. Die Wissenschaft verliert in ihm einen noch vielversprechenden Jünger — Laurent war kaum 40 Jahre alt — Alle, die ihn kannten, werden den liebenswürdigen, guten Menschen betrauern. Die zionistische Bewegung hat allen Grund, dem ihr wohlgesinnten Freunde, der ihr seine Dienste zur Verfügung gestellt hat, ein ehrendes Angedenken zu bewahren. Oskar Marmorek. Das Zirkular Tschlenow. Herr Dr. Tschlenow in Moskau hat an die zionistischen Vereine seines Rajons ein Zirkular versendet, in welchem er die Situation seit dem letzten Kongresse einer Schilderung und Kritik unterzieht. Das umfängliche Schriftstück soll den Vereinen gegenüber auch eine Rechtfertigung des Verhaltens ihres Rayonsvorstehers darstellen. Inwiefern Herr Dr. Tschlenow diesen Zweck durch die unleugbar geschickte Gruppierung und Darstellung des einschlägigen Materials erreicht hat, werden die Vereine zu entscheiden haben. Da aber in diesem Zirkular, das den Eindruck einer ruhigen, logischen Auseinandersetzung machen soll, eine ganze Reihe unrichtiger Behauptungen aufgestellt werden, so müssen wir einige Bemerkungen daran knüpfen, die den Sachverhalt richtigstellen sollen. Zunächst ein paar Worte in' eigener Sache. Herr Dr. Tschlenow weist darauf hin, dass die Rufe „Nieder mit den Verrätern" (sc. den „Charkowern*) namentlich im offiziellen Organe, der „Welt", ihren Platz gefunden hätten. Einer oder der andere der hebräischen Vielschreiber hat uns bereits früher einmal mit einem ähnlichen Vorwurfe seine für uns so schmerzliche Unzufriedenheit kundgetan. Damals hat uns das kalt gelassen. Wir sagten uns, dass ein Zeilenjäger, der einen bestimmten Raum in einem Blatte vollschreiben will, krampfhaft nach allem greife, was der Völle seines Tintenfasses und der Dürre seiner Gedanken abzuhelfen vermag. Anders ist die Sache, wenn von Mitgliedern des A.-C. ein solcher Vorwurf erhoben wird. Darauf wollen wir antworten: „Die parteiische Stellung der „Welt" ist wohl am. besten zu erkennen, wenn man die Diskussion über die Ostafrikafrage in ihren Spalten nachliest. In der schwierigen Situation, in der sich damals die Redaktion der „Welt* befand, konnte kaum unparteiischer vorgegangen werden. Auch in der Charkower Angelegenheit hat die „Welt" erst dann eine Publikation gebracht, als wir von vertrauenswürdiger Seite informiert worden waren. Und auch diese Publikation war ausdrucklich als Bericht gebracht, ohne dass daran eine Bemerkung geknüpft wurde. Die Proteste gegen die Konferenz abzulehnen, lag umsovveniger Grund vor, als auch Zustimmungskundgebungen für die Konferenz publiziert wurden und zwar von letzteren alle, während von den ersteren eine grosse Zahl noch heute nicht publiziert ist. So hat die Polemik, die mit weit grösserer Heftigkeit auf dem Boden der Organisation kongresstreuer Zionistcn geführt worden ist, in diesem Blatte ein sehr gedämpftes Echo gefunden. Den ganzen Vorgang zu verschweigen, war für die „Welt" begreiflicherweise unmöglich. Dazu war die Sache zu ernst und in ihren Folgen zu gefährlich. Wenn sich jemand zu beklagen hat, so ist es die „Welt", die man in gewissen russischen Kreisen von jeher nicht nur nicht unterstützt, sondern offen und geheim als das Organ von „Wien" herabzusetzen sucht. lieber dieses Kapitel werden wir uns hoffentlich noch vor einem kompetenten Forum unzweideutiger äussern dürfen/ Wenn nun aber von den Verteidigern der Gharkower Konferenz ungerechterweise eine so arge Empfindlichkeit gegen jede Kritik an den Tag gelegt wird, so ist es umso interessanter zu sehen, in welcher V/eise in den Zirkularen von Mitgliedern des grossen A. G. der Kampf gegen Kongressbeschlüsse, die ihnen nicht behagen, und gegen die legale Vertretung des Kongresses geführt wird. Wir versagen es uns, in eine Polemik mit dem Zirkulare einzutreten, das Herr Dr. Tschlenow an die Vereine des Moskauer Rayons verschickt hat. Aber Einiges aus dem Wortlaut dieser Enunziation wollen Avir doch zitieren. Wir wollen vor allem den Tatbestand wieder klarstellen, der in diesem. Zirkulare und in anderen Kundgebungen d^r Kollegen des Dr. Tschlenow, wahrscheinlich unabsichtlich, verdunkelt wird.

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