Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hebron 1× ep/1047559
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Nr. 9 „bi* $ Weit" Seite 5 lebendigste Beweis, In seinem Hause ist di« hebräische Sprache schon längst eine i-bendige Umgangssprache. Möge er es erleben, seit) Zukunftsbild vom ganzen jüdischen Volke veikö pert zu sehen! Berlin. Josef Lin. Aus Palästina. Die jüdischen Acker- und Weinbaukolonien, 26 an der Zahl mit einer Seelenzahl von 4969 Israeliten, vorwiegend Aschkeuasim, sind durch das ganze Land Palästina hin verstreut, von welchem 309 872 Dunam — 28 508 Hektar (1 Hektar 10,87 Dunam) Grundeigentum dieser Kolonien sind. Die grösste Kolonie, der Bodenfläcbe, nicht der Bewohnerzahl nach, ist die Kolonie im Dscholan im Hauran (im Kaza M'zerib — Station der Eisenbahn Damaskus—Mekka —) mit 65 000 Dunam; die grösste Seelenzahl. hat die Kolonie Pethach-Thikwah (arabisch Omlebbes) im Bezirk Jaffa, mit 818 Einwohnern. Ausser dieser Kolonie liegen innerhalb des diesseitigen Amtsbezirkes noch 6 andere, darunter die in Europa neben der oben genannten und Samarin (Zichron Jakob) bekannteste Weinbaukolonie Rischonle-Zion mit ihren grossartigen Betriebseinrichtungen. Rückblick auf die vergangene Campagne. Allgemein gesprochen, war die letzte Ernte in Palästina schlecht, was den Feldbau betrifft, und mittelmässig in Bezug auf die Pflanzungen. Nach einer Reihe von trockenen Jahren hatten wir einen Winter, der deai Eindruck machte, regenreich zu sein. Es war nur ein Eindruck, da die Niederschlagsmenge nur um ein Geringes das Mittel übertraf, die Verteilung derselben war aber derart schlecht, es gab so viel Regentage, dass die Bestellungen immer in zu feuchtem Boden erfolgen mussten, das Wachstum der Unkrautpflanzen gefördert wurde, und die nachfolgenden Feldarbeiten, wie Eggen, Hacken etc. häufig unmöglich wurden. Zu diesem ungünstigen Winter gesellten sich noch die Stockung des Verkehrs und die moralische Depression der gesamten palästinischen Bevölkerung, verursacht durch die Choleraepidemie, die gerade um die Bestellzeit die Bevölkerung um Ghazza, Lydda, Jaffa, Tiberias und im Hauran dezimierte. Wenn auch zweifellos die starke Bodenfeuchtigkeit des letzten Winters an sich für die von der Trockenheit arg mitgenommenen Baumkulturen günstig war, so schuf doch das Uebermass derselben und besonders auch der Luftfeuchtigkeit, welche sich bis in den April und Mai hinzog und noch im Juni und Juli durch einen reichen Tau unterhalten wurde, die besten Bedingungen für die Entwicklung von pilzltch-parasitären Krankheiten, speziell bei dem Wein. Die Oidiumkrankheit des Weines (Mehltau) zeigte sich trotz der häufigen Anwendung von Schwefel, und die Peronospora hielt in diesem Jahre zum erstenmal ihren Einzug in die Weinberge der Kolonien. Die Folge war ein bedeutendes Sinken des Ertrages, welcher sonst vorzüglich gewesen wäre, aber nur mittelmässig ausfiel. Hierbei muss bemerkt werden, dass die Bekämpfung der Krankheiten von den Kolonisten schlecht gehandhabt wurde. Zwar gelangt das Schwefeln (zur Bekämpfung der Oidiumkrankheit) seit vielen Jahren allgemein zur Anwendung: Die Weinberge werden zweimal geschwefelt, was in den normalen Jahren ausreicht, um die Krankheit hintanzuhalten. Im vergangenen Jahre waren aber die Bedingungen, wie wir es auseinandergesetzt haben, ganz andere: nicht nur ein drittes, sondern ein viertes, ja manchmal ein fünftes Schwefeln wäre angebracht gewesen. Die Kolonisten aber, denen Fachkenntnisse, besonders in Bezug auf Pflanzenkrankheiten, abgehen, und die keine Versuchsstation im Lande haben, die sie rechtzeitig auf die Gefahr aufmerksam machen könnte, schlössen, da die ersten zwei Anwendungen von Schwefel erfolglos waren, dass der Schwefel schlecht gewesen sei und wiederholten deswegen diese Operation nicht mehr. Nun war aber der Schwefel des nämlichen Ursprunges und derselben Qualität, wie jedes Jahr* und demnach die. Schlussfolgerung der Kolonisten unrichtig. Was die Bekämpfung der Peronospora-Krankheit betrifft, so war die Sache den Kolonisten überhaupt noch neu. Sie wussten nicht, wie man sich ihr gegenüber verhalten soll, und fast überall, mit ein bis zwei Ausnahmen, setzte die Bekämpfung zu spät ein. Merkwürdig genug ist es, dass in einer Kolonie, wo die Verwaltung die Weinbergs-Spritzen und das Material (Kupfervitriol, Kalk) rechtzeitig besorgte, auf Anordnung des Inspektors (!) das Auftreten der Krankheit abgewartet wurde, um mit ihrer Bekämpfung zu beginnen. Nun ist es doch eine elementare Wahrheit, dass, während der Schwefel beim Oidiurn heilend wirkt und daher auch dann noch angewendet wird, wenn das Uebel schon um sich griff, die Besprengungen mit Kupfervitriol-Kalk-Brühe bei der Peronospora vorbeugend angewendet werden müssen und nach dem Auftreten der Krankheit nur noch von problematischer Wirksamkeit sind. Wir verblieben etwas länger bei dieser Frage, da wir ihr eine ausserordentliche Bedeutung beimessen, und eine erfolgreiche Lösung nur in der Errichtung der geplanten Versuchsstation sehen. Nur eine fachmännisch geleitete, mit den notwendigen Hilfsmitteln ausgestattete Station wird in der Lage sein, neben vielen anderen wichtigen Aufgaben, auch hierin den Kolonisten beratend zur Seite zu stehen. Ausblick in die neue Campagne. Diejenigen, denen die landwirtschaftlichen Bedingungen des Landes bekannt sind, wissen es, dass es absolut unmöglich ist, um diese Zeit (Mitte Dezember) etwas über den Ausfall der zukünftigen Ernte zu sagen. Wir können nur mitteilen, dass bis jetzt nur 2—3 kleine Regen in Judäa und im Küstenstrich gefallen sind, und dass in Galiläa, speziell in Unter-Galiläa noch kein Tropfen Regen fiel. Es. ist zwar nicht normal, es wäre aber verfrüht, daraus zu schliessen, dass das kommende Jahr schlecht ausfallen wird. Professor Schönfelds Reise durch die Sinaihalbinsel. Ende Oktober vorigen Jahres hatte Professor Dr. Dagobert Schönfeld aus Jena eine Forschungsreise von Kairo nach der Sinaihalbinsel angetreten. Er wollte zunächst das Sinaigebirge durchforschen und dann nordwärts über Petra und Kades- Barnea nach Hebron ziehen, wobei er versuchen wollte, die Wanderung der Israeliten und ihre Lagerplätze festzustellen. Professor Schönfeld hat diese Reise mit Ablauf des vorigen Jahres beendet. Er hat mit seiner Karawane auf einem Ritt von 1100 Kilometern das peträische Arabien von Suez über das Katharinenkloster nach Jerusalem durchzogen. Seine Forschungen über die Frage des Serbal-Sud-Horeb und über die historische Bedeutung des alten Kades-Barnea, des heutigen Ain-Gades, versprechen manches Neue. Die Stimmung im Innern der Halbinsel den Europäern gegenüber war nicht freundlich, doch kam Professor Schönfeld ungefährdet durch. Die Reise in den Gebirgen war allerdings sehr beschwerlich, das Wetter war aber günstig. („Altneuland", II. Heft.) Brief aus England. Die Leser der „Welt" haben bereits von den traurigen Ereignissen in Dowlais und Limerick erfahren, sie können sich jedoch kaum einen Begriff von der gegenwärtigen Sachlage in England machen. Die Beziehungen zwischen der eingeborenen Bevölkerung und der jüdischen sind schon lange gespannt, aber noch nie waren sie dermassen gefahrdrohend. England ist nunmehr nicht nur keine Zufluchtsstätte fiir verfolgte Juden mehr, sondern es ist sogar eine Stätte der Judenverfolgungen geworden. Die Geschichte wiederholt sich. Wie im Mittelalter sind wir von der Karzel herunter als Vampyre gebrandmarkt worden, die zu rituellen Zwecken Menschenblut benützten; wieder wird die christliche Bevölkeiung aufgestachelt, einen heiligen Krieg gegen uns zu führen, gegen uns „die Feinde Gottes". Man steht ganz verblüffe da, und will seinen eigenen Sinnen kaum trauen. Leben wir im zwanzigsten oder im sechzehnten Jahrhundert? Diese Frage drängt sich unwillkürlich auf. Die Leser aber dürfen mit der