Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 8 (1904)
- Issue
- 8 (19.2.1904)
- Date
- 1904-02-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 lfbi$ £ W^lt Seite 1! Berichtigung. Durch den Aufdruck auf einem Begleitbrief irregeführt, brachten wir die Nachricht von einem Protest der englischen Federation. Es war aber kein solcher, sondern nur von den Londoner Vereinen „Ahavas Zionu und „Lovers Zion". * * * Berlin. In der jüngsten Sitzung des geschäftsführenjlen Ausschusses des „H'lfsvereines der Deutschen Juden* wutde ein Betrag von 10.000 Kronen jährlich bewilligt für die Erziehung jüdischer Knaben, welche in Galizien die Baron Hirsch-Schulen absolviert haben und in West-Oesterreich ein Handwerk erlernen werden. Ferner wurde dem Verein „Lemaan Zion" zum Kauf und Betrieb von Maschinen für künstliches Eis in Jerusalem eine Subvention von 500 Mark gewährt Dagegen wurde der Antrag der „Jüdischen Orient- Gesellschaft" auf Bewilligung einer Subvention für Versuche auf Cypern abgelehnt und ebenso einige Anträge wegen Subventionierung der Herausgabe wissenschaftlicher Werke. Den interessantesten Teil der Verhandlung bildete die Besprechung der neuen Ausschreitungen, die in Marokko gegen die dortigen Juden vorgekommen sind. Allseitig wurde bedauert, dass die Nachrichten von dort so langsam Üiessen, dass man erst jetzt von den Exzessen, welche am 17. Dezember stattfanden, erfuhr, obwohl mehrere Schulen der Allianz in der Nähe liegen. Der Hilfsverein bewilligte sofort 2000 Mark, welche ■ an die Anglo Jewish Association in London geschickt und durch den englischen Konsul in Casablanka verteilt werden. Zugleich erklärt sich der Hilfsverein bereit. Spenden für diesen Zweck entgegenzunehmen. Sollte der Umfang des Unglückes nach dem Eintreffen genauerer Nachrichten sich grösser herausstellen, als man gegenwärtig annimmt, so wird der Hilfsverein noch weitere Mittel zur Verfügung stellen. * * * Aus der Wiener judischen Toynbee-Halle* XX., Karajangasse 20. Die Generalversammlung des Vereines Jüdische Toynbee-Halle in Wien, findet Donnerstag den 25. Februar 1904 um 7 Uhr abends, im Lokale der Toynbee- Halle, XX. Karajangasse Nr. 20 statt. Die Mitglieder werden um pünktliches Erscheinen ersucht. * * * Vortragsordnung* Samstag, den 20. Februar. Konzert. Sonntag den 21. Februar, Rektor Dr. A.Schwarz: Die Erzählungskunst der Bibel. Montag, den 22. Februar, Herr W e rth ei m : Zwei österreichische Freiheitskämpfer. Dienstag, den 23. Februar. Frl. Dora Popper: Historischer Konzertzyklus IL Mittwoch, den 24. Februar, Diskussion. Donnerstag, den 25. Februar, Generalversammlung (Der Vortrag entfällt.) Freitag, den 26. Februar, Dr. Rosenmann: Bibelvortrag. Samstag, den 27. Februar, Konzert. * * * Musikalisches aus der Toynbee-Halle. Dienstag den 9. Februar eröffnete die Klaviervirtuosiii Frl. Dora Popper aus der Meisterschule Sauer einen auf fünf Abende berechneten historischen Zyklus klassischer Musik, in welchem sie uns eine kleine Auslese aus dem Repertoire sämtlicher grosser Tonheroen, von Bach angefangen, bringen wird. Der fünfte Abend ist den modernen Klassikern gewidmet. Der erste Abend brachte uns Bach, Haydn und Mozart. Die Vorträge finden in Intervallen von je zwei Wochen statt und "umfassen auch Violin- und Gesangskompositionen der betreffenden Meister. — Wir werden auf diese interessanten Abende, welche wir der spontanen Liebenswürdigkeit der geschätzten Künstlerin verdanken, noch zurückkommen. R. F. Samstag den 13. Februar hatten wir einen schönen Kammermusik-Abend. Fünf wackere Handelsakademiker hatten sich vereinigt und exekutierten in ganz ausgezeichneter Weise: ein Trio von Haydn, ein Quartett von Beethoven und das Forellen-Quintett von Schubert. Es waren dies die Herren : H. Scheffer (Klavier), Low und Kolieb (Geige), R. Weiss (Bratsche) und A. Fion (Cello). Stud. juris A. Sinnreich sang mit angenehmer Stimme einige Lieder aus dem „Trompeter von Säkkingen" : „Dein gedenk* ich, Margaretha", von Meyer-Hellmund. Ausserdem hatte auch Hr. Josef Schon* die Freundlichkeit, uns mit einem Violinvortrag zu erfreuen. Er spielte mit künstlerischem Verständnis : „Romance andalouse" und „Zigeunerweisen* von Sarasate. Da* Publikum dankte sämtlichen Mitwirkenden durch stürmischen Beifall. R. F. * * * Der diesjährige Lieder-Abend der Konzertsängerin Fräulein Grethe M o d l i n g e r, welcher am 2. d. M. im Saale Ehrbar stattfand, wurde von einem ebenso zahlreichen, wie distinguierten Publikum besucht. Gleich mit dem Vortrage der Arien von Händel und Pergolese kam der sonore Klang der prächtigen Altstimme wunderbar zur Geltung, und in den Liedern von Schubert, Schumann, Biahms, Goldmark und Grieg entwickelte die Künstlerin ein hervorragendes Vortragstalent. Reizend und temperamentvoll sang Fräulein Modiinger die Segnediglia aus Carmen. Besonders grossen Anklang fanden die Novitäten von GrafenPejacsevich „Noch schien der Lenz nicht gekommen" und „Hoffnung" von Ober-Kantor Josef S c h 1 e s in g e r. In den Novitäten, welche von der Künstlerin auf das Wirkungsvollste vorgetragen, und wovon letzteres vom Publikum stürmisch zur Wiederholung verlangt wurde, spricht sich ein starkes Kompositionstalent des beliebten Ober-Kantors aus. Wir hoffen, recht bald wieder einer neuen Schöpfung des begabten Komponisten im Konzert- Saale zu begegnen. Die hochgeschätzte Künstlerin, welche die einzige Tochter des leider zu früh verstorbenen grossen Philosophen und hochverdienten Hebräisten Samuel Modiinger ist, wurde mit stürmischem Beifalle überschüttet und zu wiederholtenmalen hervorgejubelt. Der ausgezeichnete Violoncellvirtuose Professor Carl Klein, welcher an diesem Abende ein Konzert von Davidoff mit herrlichem Tone und grossartiger Technik zum Vortrage brachte, entzückte das Publikum. In feinsinnigster Weise besorgte Herr Josef Rosenstech die Klavierbegleitung. Wie uns mitgeteilt wurde, beabsichtigt die Künstlerin eine Konzert-Tournee durch Galizien und Böhmen zu unternehmen; wir wünschen der sympathischen Sängerin ebenso glänzende Erfolge wie in Wien. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau „Moria", Monatsschrift für die jüdische Jugend. II. Jahrg., 1. Nummer. Unter dem Zeichen des Zweifels ist diese erste polnische Monatsschrift für die jüdische Jugend entstanden. Man sprach ihr jede Existenzberechtigung ab und man strebte sie im Keime zu unterdrücken. Und doch bewies die jüdische Jugend durch die Tat, dass eine solche Schrift zur Weckung des jüdischen Geistes bei der reiferen Gymnaaialjugend unentbehrlich geworden ist. Nach einem Jahre schwerer Kämpfe mit der materiellen Not und dem Mangel an Mitarbeitern hat sich die „Moria" eine gefestigte Position zu verschaffen und bei der jüdischen Jugend unentbehrlich zu machen gewusst. Sie ist ein ausgezeichnetes Mittel zur zionistisches Agitation und ein starker Kulturfaktor für die jüdische Jugend. Gleich gut an Inhalt und Form ist die vorliegende Nummer des Blattes. In dem Leitartikel „Unser Programm44 wird scharf und deutlich die Stellung der Jugend zu den einzelnen Strömungen und ihre Aufgabe präzisiert. Die am Anfang noch im Dunkeln tastende Jugend ist sich ihrer Mission klar bewusst. Eine kurze und klare Uebersicht über die Strömungen im Zionismus und ihre Entstehung gibt P. Almoni und die Studie über E.M.Lilien von Bytkovki bietet uns eine originelle Darstellung der Schaffungsart Lilien s im Zusammenhange mit dem Geiste der jüdisch-mittelalterlichen Miniatur- und Goldarbeit. Voll Kraft und Stimmung ist das Gedicht von F. T. Aszkenazy und Pinchas Daszewski, ein Gedenkblatt von Dr. D. Malz. Es folgen die Aufsätze über die hebräische Sprache (Ivri), über die Entwicklungsgeschichte der Religion der Hebräer (S. D r u x) und ein Gedicht „Die Vision" von W. E. Pordes. Eine Neuerung ist die Rubrik „Antworten der Jugend" auf eine Rundfrage, was sie sich unter Zionismus denkt und welche Aufgaben sie zu erfüllen hat, die manchen zum Denken veranlasst und ihm das unbewusst sich Regende klar zum Bewusstsein bringt Eine reiche Korrespondenz aus dem Leben der Jugend schliesst das Blatt ab. M. T. Eine neue zionistische Zeitschrift. Seit Mitte v. M. erscheint in Lemberg unter der Redaktion der Herren Gustav Bader und M. Wirth eine Monatsschrift im Jargon unter dem Titel „Der Strahl".