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Die Welt · 1904-02-19 · 8 (19.2.1904) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „b^ weit Nr. 8 Wien, den 9. Februar 1904. Geehrte Redaktion! In Nr. 5 Ihrer geschätzten Zeitung haben Sie einen Artikel von Rischony: Die palästinensische Krise, in dem besonders die Chancen des Weingeschäftes behandelt werden. Die in diesem Artikel enthaltenen Ziffern sind aber fast alle falsch, so dass das aus diesen falschen Zahlen sich ergebende Gesamtbild unrichtig ist. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, jede Einzelheit zu widerlegen, wir beschränken uns daher auf die Berichtigung einiger Hauptziffern. 1. Die Herstellung des Weines kostet per Hektoliter nicht 16 Frcs., sondern 1.25 Fr es. 2. Die Fässer aus Frankreich kosten zwar 29 Frcs. inklusive Reparatur im Keller in Rischon, gleichartige Fässer zu 600 Liter können aber die Böttcher in Jaffa nicht unter 48 Frcs. liefern. 15 Frcs., wie Rischony behauptet, kosten nicht diese grossen Fässer, sondern die kleinen zu 225 Liter. 3. Die Kolonisten in einer Kolonie in Judäa, die selbst versucht haben, Wein zu fabrizieren, wie Rischony sagt, verkaufen ihn nicht zu 23 Frcs., sondern offerieren ihn bereits zu 16 bis 17 Frcs. per Hektoliter. 4. Die Gesamtkosten der Fässer in Rischon für die diesjährige Ernte belaufen sich nicht auf 84.000 Frcs., wie Rischony sagt, sondern auf zirka V4 Million Frcs., dagegen sind 142.000 Frcs. für Reparaturen eine vielfache Uebertreibung. 5. Was die Traubenpreise betrifft, so muss zwischen den ordinären Trauben und Alicante-Trauben einerseits und den Cabarnet- und Malbek-Trauben andererseits unterschieden werden. Für die ersteren zahlt die „Ica" 20 und 23 Frcs. per Kantar und wird diese Preise voraussichtlich auch weiter zahlen, da sie dem wirklichen Erlös für die betreffenden Weinsorten abzüglich aller Spesen zur Zeit entsprechen. Dagegen hat die „Ica* die Preise für Cabarnet und Malbek stark reduziert und setzt trotzdem bei den daraus gewonnenen Weinen noch Geld zu, weil diese Qualitäten nicht den Traubenpreisen entsprechen. Dementsprechend ist die Krise für die Produzenten der billigen Trauben gelöst, so dass in diesem Jahre mehr als 1000 Dunam neu mit Ahcante und ordinären Trauben bepflanzt wurden. Die Produzenten von Cabarnet und Malbek dagegen werden genötigt sein, ihre Reben umzupropfen. Für sie besteht die Krise noch; allein vom Standpunkte der gesamten Kolonisation ist dies geringfügig, da es sich nur um eine verhältnismässig kleine Gruppe von Kolonisten handelt. 6. Die Deutschen zahlen nicht 30 Frcs., sondern nur 23 Frcs. per Kantar. Aber ihre ganze Produktion schwankt zwischen 6—8000 Hektoliter und diese sind natürlich leichter abzusetzen, als die 60.000 Hektoliter, die die jüdischen Kolonien produzieren. Wir glauben, dass diese Ziffern genügen, um die übertriebenen, zum Teile ganz falschen Ausführungen des Herrn Rischony zu widerlegen und zeichnen hochachtungsvoll Komman dit-Gesells chaft „Karmel" Wien, II/3, Taborstr. 11 B. * * * Der „Jüdische Verlag" versendet folgendes Zirkular: Der Jüdische Verlag eröffnet hiermit seine neue Subskription. Was wir uns vorgesetzt haben: eine Zentralstelle zu schaffen, von der aus jüdische Literatur, jüdische Wissenschaft und jüdische Kunst in schöner Form in weite jüdische Kreise getragen werden soll, das versuchten wir im ersten Jahre innerhalb und ausserhalb der Subskriptionsbasis anzubahnen. Wir wissen, dass das, was wir — als die ersten Versuchenden auf diesem Gebiete — geleistet haben, nur einen Anfang darstellt. Aber wir glauben sagen zu können, dass es, gerade weil es sich um erste Proben auf einem durchaus nicht leicht zu bestellenden Felde handelte, doch nicht etwas Geringfügiges war, was wir geboten haben. Unsere Bücherhaben ihrer Form und ihrem Inhalte nach unvergleichlich weit mehr als die anderen jüdischen Produktionen der letzten Zeit die Aufmerksamkeit und — wir können es mit Genugtuung sagen — die Anerkennung westeuropäisch-literarischer Kreise auf sich gelenkt. Manches ist dadurch gelungen: Wir haben — soweit Bücher wirken können — den Bestrebungen des jungen Judentums in ihren geistigen Aeusserungen viel Beachtung und ein tieferes Verständnis in bisher ganz abseits stehenden jüdischen und nichtjüdischen Kreisen verschafft; wir haben die jüdischen Bibliotheken in einer neuen und würdigen Weise bereichert und konnten durch die Art und den Stil unserer Ausgaben auch anderen jüdischen Unternehmungen literarischen Charakters eine gewisse ästhetische und künstlerische Richtung geb^n. Noch wertvoller erscheint es uns, dass es uns geglückt ist, eine Reihe hervorragender Kräfte des Judentums zu jüdischem Schaffen heranzuziehen, und das Schaffen anderer, die längst im Osten zur Geltung gekommen waren, den westlichen Juden wenigstens im Kleinen vermitteln zu können. Zwei Bücher vor allem waren es, deren aussergewöhnlicher Erfolg uns bewiesen hat, dass wir uns auf keinem unrichtigen Wege befinden: der „Jüdische Almanach* und das Buch „Jüdische Künstler11, die in den grössten europäischen Blättern und bei bedeutenden Kritikern eine uneingeschränkt beifällige, manchmal sogar begeisterte Aufnahme gefunden haben. Mit anderen Ausgaben, wie z. B. „Eine jüdische Hochschule", „Palästina" usw., suchten wir — und nicht ohne Erfolg — nationalen, kulturellen und sozialen Interessen Publizität zu verschaffen, während wir in der Broschüre „Die Judenmassakres in Kischenew" dafür sorgten, in einem tragischen Moment des jüdischen Volkslebens nach unserer Kraft und in unserer Form helfend einzugreifen. Den ersten Versuch der Grundlage für eine grösser angelegte jüdisch-statistische Arbeit lieferten wir in dem bei uns erschienenen Sammelwerke „Jüdische Statistik". Eine Studie auf jüdisch-anthropologischem Gebiete, Dr. J u d t's Buch „Die Juden als Rasse", hat für eine der interessantesten Fragen Anregung und nicht unwesentliches Material geboten. Ausser einigen kleineren Schriften heben wir noch das originelle Novellen- und Skizzenbuch H. York-Steiners und Professor Schechters interessante Studie über den Chassidismus hervor, mit denen wir das erste Subskriptionsjahr beschliessen. Dies die kurze Uebersicht über unsere bisherigen Ausgaben. Wir möchten nicht unterlassen zu bemerken, dass wir auch in materieller Hinsicht bemüht waren, abgesehen von der Form der Subskription, durch die wir ein Eindringen unserer Bücher in weitere Schichten ermöglichten, durch äusserst niedrige Preisansetzung unseren Subskribenten eine ungewöhnliche Gegenleistung zu bieten, und wir stellen mit Genugtuung fest, dass wir auch in dieser Hinsicht viel Aneikennung und Zustimmung aus den Kreisen unserer Interessenten gefunden haben. Den glücklich begonnenen Versuch werden wir im neuen Jahre mit frischen Kräften und gutem Willen fortsetzen. Wir planen folgende Werke für die neue Subskription : Jüdisches Novellenbuch (aus dem Hebräischen, Jüdischen und den euiopäischen Sprachen). Jüdischer Almanach 5665. Jüdische Künstler II, herausgegeben von Martin Buber, enthaltend Reproduktionen und kritische Würdigung der (osteuropäischen) Künstler Antokolski, Gottlieb, Lewitan, Glicenstein, Hirszenberg, Pasternak und Pilichowski. (Aenderungen vorbehalten. Ein dritter Band ist für 1905 geplant.) Ferner ist für die Subskription des Jahres 1904 eine Auswahl aus folgenden Publikati onen vorgesehen : Berthold Feiwel — Glücke! von Hameln. Leo Motzkin — Zur wirthschaftlichen Lage der Juden in Russland. Achad Haam — Am Scheidewege, übersetzt von Prof. Friedländer. J. L. Perez — Erzählungen, übersetzt von Mathias Acher. Ch. D. Nomberg — Skizzen und Erzählungen. David Pinski — Eisig Scheftel. Professor S. Schechter — Das Kind in der jüdischen Literatur. Adolf Gelber — Moses. Ausserdem gedenken wir herauszugeben: Ein Sammelwerk: Dokumente der jüdischen Bewegung, 70—1896; fortlaufende Sammlung aller bedeutsamen Schriftstücke, Akten, Urkunden, Chronikstellen etc. Ein Palästina- Sammelbuch. Ein jüdisches Jugendbuch. Ferner eine Anzahl kleinerer Schriften namhafter jüdischer Autoren. Wir glauben, mit den bezeichneten Werken insbesondere für Subskribenten eine gute und empfehlenswerte Auswahl getroffen zu haben und laden unsere bisherigen und neue Freunde herzlichst zur Subskription ein. Angesichts der idealen Zwecke unseres Unternehmens hoffen wir, Ihre Unterstützung auch in dem Sinne erbitten zu können, dass Sie in Ihrem Bekanntenkreis für unsere Sache Propaganda machen. Besonders dankbar wären wir Ihnen für die Angabe von Adressen von Vertrauensmännern und Personen, an die wir unsere Prospekte senden können. Berlin, Ende Dezember 1903. Jüdischer Verlag. *- * *

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