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Die Welt · 1904-02-19 · 8 (19.2.1904) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8 lfbie # W^lt Seite 9 in den Grenzstädten, wie Korea etc. können auch jüdische Handwerker Beschäftigung finden. In Korea sind nur wenige Juden, welche in den letzten Jahren eingewandert sind. Auch in Söul gibt es einzelne Juden, aber infolge der seit Jahren herrschenden Unruhen ist die Tätigkeit dort gehemmt. Die tunesischen Juden. Die Juden bilden nächst den Mohammedanern das zahlreichste Bevölkerungskontingent in Tunis. Ihre Gesamtzahl beläuft sich auf etwa 3000. Sie scheiden sich ki zwei Kategorien: zunächst in solche, die vor langer Zeit, d. ri. während der europäischen Judenverfolgungen im Mittelalter sich hierher gewendet haben, oder schon weit früher, in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, über Aegypten und Cyrenaika nach Nordafrika gekommen sind. Diese alttuiiesischen Juden werden schlechtweg als „Jhud tuänssa" bezeichnet. Das Asyl, das sie hier fanden, wurde ihnen durch muselmanische Unduldsamkeit genugsam verbittert. Noch heute ist bekanntlich überall da, wohin europäischer Einfluss nicht reicht, ihr Los kein beneidenswertes, und ungestraft konnten Juden ermordet werden. Gegenwärtig hat diese Rechtlosigkeit aufgehört. Die zur anderen von der vorigen streng zu scheidenden Kategorie gehörigen Juden sind erst in diesem Jahrhundert eingewandert. Da die Mehrzahl derselben aus Livorno, welches die Araber „Gurna" nennen, gekommen ist, so heissen sie „Jhud-el-Grana" (Sing. Gurni). Sie genossen schon früher besondere Schutzprivilegien und stellten numerisch das weit geringere Kontingent, da von der oben genannten Gesamtzahl nur 500 auf sie fallen. Der Typus der Alttunesen ist edler und schöner, als der der Grana, namentlich beim weiblichen Geschlecht. Ehen werden sehr jung geschlossen; Vielweiberei, obwohl rituell nicht verpönt, ist äusserst selten. Unter den Männern sieht man nicht so viele hohe, kräftig entwickelte Gestalten, als unter den Juden Algeriens und vor allem Marokkos. Die spanische Sprache ist unter den alttunesischen Juden nur wenig, nicht annähernd so wie in den westlichen Ländern gebräuchlich. Beide Kategorien sprechen das tunesische Arabisch. Hebräisch wird fast nur beim Gottesdienst und von älteren Leuten gesprochen. Die Grana sind sämtlich auch des Italienischen mächtig. Zwischen ihnen und den „Jhud tuänssa4' bestehen gewisse Unterschiede im Ritus und in der Kleidung. Erst seit der französischen Okkupation finden Heiraten zwischen Angehörigen beider Klassen statt. Die Synagogen sind getrennt. Die Livornesen haben deren 2, die Alttunesen etwa 20. Die letzteren, obschon nicht ganz so orthodox, wie die marokkanischen Juden, sind es doch in weit höherem Grade, als die Livornesen. Die Frauen der Grana haben orangefarbene Streifen in ihrem Kopftuch, das der alttunesischen Jüdinnen ist stets einfarbig weiss. Die übrige, höchst originelle Tracht der Jüdinnen, welche, namentlich der Feststaat mit den enganliegenden Beinkleidern und dem Oberhemd, einen stark negligeeartigen Eindruck macht, ist vielfach beschrieben und abgebildet, so dass von einer genauen Beschreibung Abstand genommen werden kann. Die männlichen Livornesen kleiden sich meist europäisch Wenn sie die altjüdische, der arabischen ähnliche Kleidung der „Jhud tuänssa" anlegen, so tragen sie doch niemals den schwarzen Turban, den viele Leute auch jetzt, wo der Kleiderzwang lange aufgehört hat, aus Gewohnheit noch beibehalten, sondern stets die rothe Schaschia. Dunkles oder helles Blau sind die bevorzugten Farben der einheimischen Judentracht. Beide Klassen zahlen, gleich den Europäern, eine Taxe für die Beerdigung ihrer Toten, während die Mohammedaner nichts zahlen. Neben den alttunesischein und Livorneser Juden hält sich stets eine kleinere Anzahl Israeliten aus Syrien und Palästina, meist grosse Rabbiner aus Jerusalem, in Tunis auf. Das Judenviertel nimmt den nordöstlichen Teil der inneren Stadt ein; im östlichen Nordafrika, in Tripolis. Tunis u. s. w., wird das Judenviertel mit den Worten „el Hara", mit dem der Begriff des Schmutzigen, Abstossenden verbunden ist, bezeichnet, während man dasselbe im Westen „el-Millah" nennt. Die Hara in Tunis fällt durch schmutzigere, verwahrlostere Gassen und Gässchen als in der übrigen Medina und in den beiden mohammedanischen Vorstädten auf. Sie ist nicht mehr, wie es in den Ländern unter mohammedanischer Herrschaft heute noch überall der Fall ist, durch Tore, welche Nachts geschlossen werden, von der Mohammedanerstadt getrennt, und auch die Bauart der Häuser weicht äusserlich kaum von der in muselmanischen Quartieren ab. Die reichen Juden haben ihre Häuser im europäischen Viertel. Obgleich jetzt der Zwang, in der Hara zu wohnen, fortfällt, halten die Gewohnheit und wohl noch mehr die pekuniären Verhältnisse die Armen dort zusammen. Personalnachrichten Uns»r eresehätzW Gqr. Erle Fuchs- Maramaroesziffet hat sich mit Fr]. Margit Me r m e 1 s t e i n- Munka^s verlobt. — Unser Gp. K. Kurzmarm wurde Sekretär der Kultusgemeinde Rzeszow. <f FlbüiK. (Für diese Rubrik ist die Redaktion nioht verantwortlich.) Aufruf! Das Braudes-Grabdenkmal auf dem Zentralfriedhofe in Wien, welches vom jüdischen Volksverein in Wien mit Hilfe einer öffentlichen Sammlang errichtet wurde, ist fertiggestellt und wird Sonntag, den 28. Februar d, J., elf Uhr vormittags, feierlich enthüllt. An alle nationalen Vereine und die Verehrer und Freunde des grossen nationalen Schriftstellers ergeht schon heute die dringende Bitte, sich an dieser Feier zu beteiligen. ', " *■ ■ , * Briefmarken für den Nationalfond! Die Nationalfonds-Kommission in Wien sammelt Briefmarken und Postwertzeichen in grossen Mengen, um dieselben durch ein eigens bestimmtes Komitee aus Markenkennern prüfen, sortieren und die eingelaufenen Marken auf Grund von Verträgen mit grossen Briefmarkenhändlern zu Gunsten des Nationalfonds verkaufen zu lassen. Es ergeht somit an alle Gesinnungsgenossen aller Länder folgende dringende Bitte: 1. Sammelt überall von eurer und eurer Freunde und Verwandten Korrespondenz die Briefmarken und Postwertzeichen! Besonders auf ausser Kurs gesetzte Marken, z. B. von Serbien und den ehemaligen Burenrepubliken, wird Gewicht gelegt. 2. Reget eure Bekannten und Freunde an, auch ihrerseits zu sammeln. 3. Suchet nach, ob ihr auf Briefen nicht alte Marken habet. 4. Da niedrigere Markensätze im Auslande einen höheren Preis erzielen, werdet ihr gebeten, in Briefen an Gesinnungsgenossen und zionistische Korporationen das Porto aus niedrigeren Marken zu kombinieren. Gesinnungsgenossen! Leset nicht nur diese Zeilen, sondern befolget sie, denn das, worum wir Euch hiermit bitten, ist eine Massregel, die aus einem für den Einzelnen wertlosen Materiale dem Nationalfonds eine schöne Einnahme verschaffen kann. Wenn ihr eine grössere Menge zusammen habet, so sendet sie an die N.-F.-Kommission in Wien, IX., Türkenstrasse 9, und bezeichnet das Kuvert mit „Markensache". Mit Zionsgruss D i e N.-F.-K ommission in Wien. Wien, Am 10. Februar hielt Herr Reverend W. H- Hechler im Vereine zur Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums einen Vortrag über die Palästinareise Kaiser Wilhelms II. im Jahre 1898. Der Vortragende schilderte in ausführlicher Weise die einzelnen Momente der Kaiserreise, während welcher bekanntlich auch die zionistische Deputation, mit Doktor Herzl an der Spitze, vom deutschen Kaiser vor Jerusalem empfangen wurde. Rev. Hechler schilderte den tiefen Eindruck, den Palästina auf ihn gemacht hat und richtete an die Versammelten die Mahnung, sich für die Forschungen und Ausgrabungen in Palästina zu interessieren und sie tatkräftig zu unterstützen. Die überaus zahlreichen Anwesenden, unter welchen sich auch der langjährige Gesandtschafts-Attache" in Tokio, Baron Siebold befand, dankten dem Vortragenden für seinen überaus interessanten Vortrag mit lebhaftem Beifalle. Wi8n. Freitagabends, den 19. d. M. Predigt im Leopoldstädter Tempel. * * * JUdlsche Kultusgemeinde Hofowitz. Der neuerbaute schöne Tempel wird am 3. März eingeweiht, wobei ein reiches Festprogramm für die in grosser Zahl erwarteten Gäste durchgeführt wird« Der Tempelbau ist hauptsächlich der Energie unseres Gg. Herrn Kultusvorsteher Julius Bondy zu verdanken, wofür ihm der Gemeindevorstand einstimmig eine marmorne Gedenktafel im Tempel votiert hat. An denselben sind auch alle Reklamationen wegen Einladungen zu richten.

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