Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1904-02-19 · 8 (19.2.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
8 (1904)
Issue
8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316073-3316082--45467-3340276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 8 $9bk $ weit" Sdte 5 fordere Redner auf: Die Anwesenden mochten* Zionistinnen werden und ihren Verein zum Sammelpunkte zionistischen Lebens machen. Herrn Dr. Nord au wurde vielfach applaudiert. Viel bemerkt wurde der Passus über die Ansiedlung in Palästina und seiner Umgebung! N. B. D. Zum Attentat auf Dr. Max Nordau. Der Attentäter Luban soll, wie Pariser Zeitungen melden in eine Irrenanstalt gebracht werden. Das ist für ihn die beste Lösung. Leider hat das Attentat recht traurige Folgen gehabt. Die Kugel Lubans, die Doktor Nordau zugedacht war, traf bekanntlich einen gewissen O ssowetski. Der Mann ist etwa 23 Jahre alt, von Beiuf ein französischer Schauspieler, und war im Begriffe, mit einer von Monnet-Sully (Societair der Com<§die francaise) verpflichteten Truppe eine Tournee zu unternehmen. Seine Verwundung hat ihn natürlich um die Vorteile seines Vertrages gebracht. Er konnte an der Tournee nicht teilnehmen. Das bedeutet für ihn einen erhebliehen Verdienstentgang und das Versäumen einer Gelegenheit, die für seine Laufbahn von grosser Wichtigkeit sein konnte. Nach fünfwöchentlicher Pflege verliess er vor einigen Tagen das Krankenhaus mit der Kugel im Bein, das sehr atrophiert und steif ist. Er hinkt stark und behauptet heftige Schmerzen zu haben. Er gedeckt wieder ins Krankenhaus zu gehen, da Professor B e r g e r ihm versprochen hat, die Kugel operativ zu entfernen. Welchen Erfolg die Operation haben wird, kann man nicht voraussehen. Jedenfalls wird die Behandlung lange dauern, und Ossowetski fürchtet, mit seiner Schauspielerlaufbahn sei es überhaupt zu Ende. Durch das Attentat Lubans ist also eine Existenz vernichtet worden. O s s o w e t s ki ist unverschuldet in Not geraten und es ist zu erwarten, dass wir Zionisten das Unserige dazutun werden, um dieser Not abzuhelfen. Viele Personen haben aus Anlass der Rettung Nordaus Beträge für den Nationalfonds gestifte.t Wir wissen, wie sehr Nordau von dieser Bewegung gerührt und dafür dankbar ist. Es wäre aber richtig, auch Ossowetskis zu gedenken, der tatsächlich das Opfer Lubans geworden ist, Dadurch würde auch Dr. Nordau, wie wir wissen, sehr erfreut werden. Wir glauben, dass unsere Anregung genügen wird, um unsere Gesinnungsgenossen zu veranlassen, für den Unglücklichen zu spenden. Die „Welt" wird solche Spenden gerne ausweisen, wenn sie an die Administration geschickt werden. Aus Russland. Petersburg. Der russische Unterrichtsminister Geheimrat Sänger ist auf sein Ansuchen vom Amte enthoben und zum Senator ernannt worden. Diese Meldung ist jedoch nur für die Niehtemgeweihten überraschend. Minister Sängeir, bekanntlich der Nachkomme einer deutschen Familie aus Livland, Schüler Mommsens und Hübners, vermochte die reaktionäre Stockrussenpartei nicht zu befriedigen. Er trat für humane Behandlung der studierenden Jugend ein, aber die anhaltende Gärung unter der russischen Studentenschaft und besonders die jüngsten Studentenunruhen in Kiew, Warschau und Moskau wurden von den Anhängern dieser Partei als Folge der Sängerschen Unterrichtspolitik bezeichnet. Andererseits scheint auch das Verhalten Sängers der jüdischen studierenden Jugend gegenüber die Unzufriedenheit der einflussreichen reaktionären Elemente hervorgerufen zu haben. Sänger war nämlich der erste Unterrichtsminister nach dem bekannten Grafen D. Tolstoi, welcher den Mut hatte, die unter Alexander III. eingeführte fünfprozentige Norm bei der Aufnahme von Juden in die Lehranstalten des Reiches zu durchbrechen. Er wies alle Universitäten an, die Aufnahmsgesuche von Juden, welche infolge der eingeführten Norm über Bord geworfen wurden, nach Möglichkeit zu bewilligen. Er erklärte sogar in einem Erlasse, dass der eingeführte Prozentsatz auf Gewerbeschulen keine Anwendung finden dürfe. Den unmitelbaren Anlass zum Rücktritt Sängers dürfte der von ihm ausgearbeitete Plan sein, einige Professuren an der Odessaer Universität mit jüdischen Fachgelehrten zu besetzen. Die antisemitische „Snamja" griff ihn deshalb indirekt an und hielt ihm eine von ihrn als Professor in Warschau gehaltene Vorlesung über die römische Politik in Judäa vor, in welcher er sich angeblich über die Juden abfällig geäussert haben soll. * * * Kiew. Bekanntlich findet in Kiew in Bälde die Errichtung einer höheren Lehranstalt für Frauen statt. Am 24. Jänner fand in der Universität eine Sitzung von 22 Professoren statt, welche der Ausarbeitung von Statuten für die neue Hochschule für Frauen gewidmet war. Professor Downar-Sapoiskij machte den Vorschlag! das Unterrichtsministerium um Erlaubnis anzusuchen, Jüdinnen in der Abteilung der Hochschule für Handel ohne Beschränkung aufnehmen zu dürfen. Dieser Vorschlag wurde mit Stimmenmehrheit abgelehnt. * * * Witebsk. Die Erben des unlängst in Witebsk verstorbenen jüdischen Philanthropen Gurewitsch haben sich an das Ministerium des Innern mit der Bitte gewendet, ihnen die Gründung einer Vorschusskassa für arme Juden zum Andenken an den verstorbenen Gurewitsch zu gestatten. Das Ministerium hat, wie die „Kiewskaja Gazeta4' meldet, diese Bitte abschlägig beschieden. * * * Petersburg. Bis jetzt hatten die Juden, welche zum orthodoxen Glauben übertreten, dadurch das Recht zum Aufenthalte in ganz Russland erworben. Nunmehr traf der heilige Synod die Verfügung, dass Juden, welche im Innern des Reiches die Taufe empfangen wollen, ein Zeugnis von der Polizei beizustellen haben, dass sie auch ohne Taufe das Recht hatten, im Innern des Reiches sich aufzuhalten ... Gt. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Zur Eintragung des Brautpaares K a r 1 i n- Eschkenasi in Antwerpen-Warschau Kronen 23750 Verein Zoichre Zion in Tatar bonar zur Eintragung Dr. H e r z 1 s mit dem Ausdrucke des Vertrauens zu ihm und zum Baseler Programm...... „ 240.— Herman Rajgrodski in Lodz aus Dankbarkeit für Dr. Herz 1 zur Eintragung seiner Frau Julie und seiner Kinder P a ul in e, Hans und Grete „ 240.— Ahawath Zion in Albany, New-York . . Dollar 50__ „A Tribute to the Memory of the late Dr. Marcus Jastrow", Philadelphia Pa. by Friends of Zion...... „ 50.— Young Mens Hebrew Association in Pittsburg Pa............ . „ 50.— Bnai Zion Association, Savannah, Ga. . „ 50.— (Obige 4 Sammlungen durch S. Jarmu- 1 o w s k y, New-York) Agudath Schlomi Etnunei Zion, Petrikow (durch A. Glaubersohn)......Kronen 252,— Zur Eintragung der Zionisten, die am Jahrmarkt in Hornel teilnahmen (durch E.v J. Heiligmann)......... „ 352.80 Zionistenverein in Borissow (durch E. N. Maso) ............. „ 240.— Bnei Zion in Augustowo (durch D. Markus)............ Mark 216.— Agudath Bnoth Zion in Wilkowischki (durch Ch. Seh. Rosenholz) . . . Kronen 378.— * * * Hr. Schachtel ersucht uns, richtigzustellen, dass die in Nr. 7 ausgewiesene Eintragung des Hr. Wolffsoh n nicht wie angegeben von der Jüdischen Rundschau, sondern von den Mitgliedern der Breslauer Zionistischen Vereinigung erfolgt ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.